Geschichte der Philosophie: Unterschied zwischen den Versionen

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Weiterleitung nach GA 18 erstellt)
 
Zeile 1: Zeile 1:
#WEITERLEITUNG [[GA 18]]
+
[[Datei:Sanzio 01 Plato Aristotle.jpg|mini|''[[Die Schule von Athen]]'': [[Platon]] und [[Aristoteles]]. [[Raffael]], 1509]]
 +
 
 +
Die '''Geschichte der Philosophie''' hat die Entwicklung des theoretischen Nachdenkens über die Welt und die in ihr herrschenden Prinzipien vom Beginn der europäischen [[Philosophie]] im [[Antikes Griechenland|antiken Griechenland]] des [[6. Jahrhundert v. Chr.|6. Jahrhunderts v. Chr.]] bis zur Gegenwart zum Gegenstand. Als philosophische Disziplin nimmt die Philosophiegeschichtsschreibung interpretierend zu den historischen Entwürfen Stellung, versucht diese in ihrem jeweiligen Zusammenhang zu verstehen und untersucht, ob und inwiefern sich hieraus Lehren für die Gegenwart ziehen lassen. Die [[Theorie]] der Philosophiegeschichte untersucht [[Methodologie|Methoden]], [[Kategorie (Philosophie)|Kategorien]] und Bedeutsamkeit des historischen Zugangs zur Philosophie.
 +
 
 +
Es gehört zu den Eigentümlichkeiten der Philosophie, dass sie im Lauf ihrer Geschichte immer wieder grundsätzlich neue Erklärungsmodelle zu den ihr eigenen immerwährenden Fragen nach dem [[Erkenntnistheorie|Erkennbaren]], nach dem [[Ethik|richtigen Handeln]] oder nach dem [[Sinn des Lebens]] hervorgebracht hat. Dabei müssen Philosophen sich jeweils mit ihren Antworten an die Erkenntnisse der Sachwissenschaften anpassen und deren aktuellen Wissensstand zur Erklärung der Welt heranziehen. Die Geschichte der Antworten fließt somit stets in die aktuellen Erklärungen mit ein. Aus diesem systematischen Unterschied zu den Wissenschaften erklärt sich das besondere Interesse der Philosophie an der eigenen [[Ideengeschichte]].
 +
 
 +
== Typen des Geschichtsbezugs ==
 +
Es können unterschiedliche Aspekte als „Typen des Geschichtsbezugs“<ref>Ähnlich: [[Emil Angehrn]]: ''Wege des Verstehens: Hermeneutik und Geschichtsdenken.'' Königshausen & Neumann, Würzburg 2008, S. 112.</ref> zur Klärung des historischen Selbstverständnisses betrachtet werden, die unterschiedliche Funktionen<ref>[[Hans Krämer (Philosoph)|Hans Krämer]]: ''Funktions- und Reflexionsmöglichkeiten der Philosophiegeschichte. Vorschläge zu einer wissenschaftstheoretischen Ortsbestimmung.'' In: ''Zeitschrift für allgemeine Wissenschaftstheorie.'' 15 (1985), S. 67–95.</ref> erfüllen:
 +
 
 +
# Das Zusammentragen der Lebensdaten, Werke und [[Doxografie|Auffassungen]] der Philosophen der Vergangenheit ermöglicht eine Übersicht über das schon vorhandene Denken und die Entstehung der heutigen Positionen (Ideengeschichte als historische Realität&nbsp;– res gestae, Informationsfunktion).
 +
# Durch Ordnen und Erkennen von systematischen Zusammenhängen werden [[Begriff (Philosophie)|Begriffe]] und Grundgedanken geklärt (Begriffsgeschichte, Fundus bestehender Argumente).
 +
# Man findet die im Laufe der Philosophiegeschichte immer wieder gestellten Fragen und die darauf gegebenen unterschiedlichen Antworten (Problemgeschichte, Relativierung einzelner Positionen).
 +
# Man kann versuchen festzustellen, ob es in der Philosophiegeschichte einen [[Fortschritt]] gibt, so etwas wie eine zielgerichtete Entwicklung (Philosophiegeschichtsphilosophie,<ref>[[Hermann Lübbe]]: ''Philosophiegeschichte als Philosophie. Zu Kants Philosophiegeschichtsphilosophie.'' In: [[Klaus Oehler]], [[Richard Schaeffler]] (Hrsg.): ''Einsichten. [[Gerhard Krüger (Philosoph)|Gerhard Krüger]] zum 60. Geburtstag.'' Klostermann, Frankfurt 1962, S. 204–229.</ref> Wahrheits- und Geltungsfrage).
 +
# In einer [[Selbstbetrachtung]] werden Methoden und Formen der Philosophiegeschichtsschreibung in ihrer historischen Entwicklung untersucht (Geschichte der Philosophiegeschichte als „Erinnerungsreflexion&nbsp;– historia rerum gestarum“).<ref>Lutz Geldsetzer: ''Stichwort „Philosophiegeschichte“.'' In: [[Joachim Ritter]] (Hrsg.): ''[[Historisches Wörterbuch der Philosophie]].'' Band 7, Schwabe, Basel 1989, S. 912–924.</ref>
 +
 
 +
Philosophiegeschichte kann man ''personenorientiert'', ''werkorientiert'' oder ''problemorientiert'' angehen. Ein weiterer Ansatz besteht in der Einteilung nach großen [[:Datei:Philosophie-Epochen.png|Epochen]], wobei die wesentlichen Personen mit ihren wesentlichen Werken und ihre Antworten zu den wesentlichen Fragen herausgearbeitet werden. Soweit die jeweiligen Philosophiehistoriker die eigene Interpretation mitliefern, ist es erforderlich, alternative Darstellungen und insbesondere auch die Originalschriften heranzuziehen, um eine eigene Beurteilung vornehmen zu können. Die Auseinandersetzung mit der Philosophiegeschichte kann, je nach der [[Intention (Literatur)|intendierten]] Funktion, in verschiedenen Formen erfolgen, etwa dokumentarisch, [[Polemik|polemisch]], [[Topologie (Philosophie)|topisch]], [[Narration|narrativ]], argumentativ oder etwa [[Hermeneutik|hermeneutisch]].<ref>Pierre Aubenque: ''Philosophie und Philosophiegeschichte bei Aristoteles.'' In: Klaus-Dieter Eichler, Volker Caysa (Hrsg.): ''Philosophiegeschichte und Hermeneutik.'' Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 1996, S. 17–25, 23.</ref>
 +
 
 +
== Zu weiteren Themen siehe auch ==
 +
* {{WikipediaDE|Geschichte der Philosophie}}
 +
 
 +
== Siehe auch ==
 +
* {{WikipediaDE|Geschichte der Philosophie}}
 +
 
 +
== Zur Thema Literatur siehe auch ==
 +
* {{WikipediaDE|Geschichte der Philosophie}}
 +
 
 +
== Einzelnachweise ==
 +
<references />
 +
 
 +
[[Kategorie:Philosophiegeschichte]]

Version vom 3. August 2018, 21:57 Uhr

Die Geschichte der Philosophie hat die Entwicklung des theoretischen Nachdenkens über die Welt und die in ihr herrschenden Prinzipien vom Beginn der europäischen Philosophie im antiken Griechenland des 6. Jahrhunderts v. Chr. bis zur Gegenwart zum Gegenstand. Als philosophische Disziplin nimmt die Philosophiegeschichtsschreibung interpretierend zu den historischen Entwürfen Stellung, versucht diese in ihrem jeweiligen Zusammenhang zu verstehen und untersucht, ob und inwiefern sich hieraus Lehren für die Gegenwart ziehen lassen. Die Theorie der Philosophiegeschichte untersucht Methoden, Kategorien und Bedeutsamkeit des historischen Zugangs zur Philosophie.

Es gehört zu den Eigentümlichkeiten der Philosophie, dass sie im Lauf ihrer Geschichte immer wieder grundsätzlich neue Erklärungsmodelle zu den ihr eigenen immerwährenden Fragen nach dem Erkennbaren, nach dem richtigen Handeln oder nach dem Sinn des Lebens hervorgebracht hat. Dabei müssen Philosophen sich jeweils mit ihren Antworten an die Erkenntnisse der Sachwissenschaften anpassen und deren aktuellen Wissensstand zur Erklärung der Welt heranziehen. Die Geschichte der Antworten fließt somit stets in die aktuellen Erklärungen mit ein. Aus diesem systematischen Unterschied zu den Wissenschaften erklärt sich das besondere Interesse der Philosophie an der eigenen Ideengeschichte.

Typen des Geschichtsbezugs

Es können unterschiedliche Aspekte als „Typen des Geschichtsbezugs“[1] zur Klärung des historischen Selbstverständnisses betrachtet werden, die unterschiedliche Funktionen[2] erfüllen:

  1. Das Zusammentragen der Lebensdaten, Werke und Auffassungen der Philosophen der Vergangenheit ermöglicht eine Übersicht über das schon vorhandene Denken und die Entstehung der heutigen Positionen (Ideengeschichte als historische Realität – res gestae, Informationsfunktion).
  2. Durch Ordnen und Erkennen von systematischen Zusammenhängen werden Begriffe und Grundgedanken geklärt (Begriffsgeschichte, Fundus bestehender Argumente).
  3. Man findet die im Laufe der Philosophiegeschichte immer wieder gestellten Fragen und die darauf gegebenen unterschiedlichen Antworten (Problemgeschichte, Relativierung einzelner Positionen).
  4. Man kann versuchen festzustellen, ob es in der Philosophiegeschichte einen Fortschritt gibt, so etwas wie eine zielgerichtete Entwicklung (Philosophiegeschichtsphilosophie,[3] Wahrheits- und Geltungsfrage).
  5. In einer Selbstbetrachtung werden Methoden und Formen der Philosophiegeschichtsschreibung in ihrer historischen Entwicklung untersucht (Geschichte der Philosophiegeschichte als „Erinnerungsreflexion – historia rerum gestarum“).[4]

Philosophiegeschichte kann man personenorientiert, werkorientiert oder problemorientiert angehen. Ein weiterer Ansatz besteht in der Einteilung nach großen Epochen, wobei die wesentlichen Personen mit ihren wesentlichen Werken und ihre Antworten zu den wesentlichen Fragen herausgearbeitet werden. Soweit die jeweiligen Philosophiehistoriker die eigene Interpretation mitliefern, ist es erforderlich, alternative Darstellungen und insbesondere auch die Originalschriften heranzuziehen, um eine eigene Beurteilung vornehmen zu können. Die Auseinandersetzung mit der Philosophiegeschichte kann, je nach der intendierten Funktion, in verschiedenen Formen erfolgen, etwa dokumentarisch, polemisch, topisch, narrativ, argumentativ oder etwa hermeneutisch.[5]

Zu weiteren Themen siehe auch

Siehe auch

Zur Thema Literatur siehe auch

Einzelnachweise

  1. Ähnlich: Emil Angehrn: Wege des Verstehens: Hermeneutik und Geschichtsdenken. Königshausen & Neumann, Würzburg 2008, S. 112.
  2. Hans Krämer: Funktions- und Reflexionsmöglichkeiten der Philosophiegeschichte. Vorschläge zu einer wissenschaftstheoretischen Ortsbestimmung. In: Zeitschrift für allgemeine Wissenschaftstheorie. 15 (1985), S. 67–95.
  3. Hermann Lübbe: Philosophiegeschichte als Philosophie. Zu Kants Philosophiegeschichtsphilosophie. In: Klaus Oehler, Richard Schaeffler (Hrsg.): Einsichten. Gerhard Krüger zum 60. Geburtstag. Klostermann, Frankfurt 1962, S. 204–229.
  4. Lutz Geldsetzer: Stichwort „Philosophiegeschichte“. In: Joachim Ritter (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 7, Schwabe, Basel 1989, S. 912–924.
  5. Pierre Aubenque: Philosophie und Philosophiegeschichte bei Aristoteles. In: Klaus-Dieter Eichler, Volker Caysa (Hrsg.): Philosophiegeschichte und Hermeneutik. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 1996, S. 17–25, 23.