Gunas

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Guna (Sanskrit, m., गुण, guṇa, urspr.: Schnur, Faden; später: Eigenschaft, Qualität) nennt man nach dem philosophischen Konzept der indischen Samkhya-Philosophie jene Kräfte, aus denen die Urmaterie, Prakriti, zusammengesetzt ist. Diese Lehre wurde später von anderen Richtungen übernommen und spielt im hinduistischen Denken eine wesentliche Rolle.

Nach Vorstellungen des Samkhya ist die Prakriti, die Urmaterie aus den folgenden drei Gunas zusammengesetzt: Tamas (Trägheit, Dunkelheit, Chaos), Rajas (Rastlosigkeit, Bewegung, Energie) und Sattva (Klarheit, Güte, Harmonie).

Rudolf Steiner hat gezeigt, wie durch die drei Gunas das wechselseitige Verhältnis des Seelisch-Geistigen des Menschen (Purusha) zum Leiblichen (Prakriti) bestimmt wird:

"Wie die Seele sich mehr ihre eigene Selbständigkeit wahrt oder mehr untertaucht in die Materie, das wird unterschieden in der Sankhyaphilosophie. Man hat es zu tun mit Seelischem, das zwar untertaucht, aber in den materiellen Formen als Seelisches sich wahrt. Ein Seelisches, das so in die äußere Form untergetaucht ist, aber sich als Seelisches ankündigt, sich offenbart, lebt in dem Sattvaelement. Ein Seelisches, das in die Form untertaucht, aber sozusagen überwuchert wird von der Form, nicht aufkommt gegenüber der Form, lebt im Tamaselement. Und das, bei dem das Seelische dem Äußeren der Form gewissermaßen das Gleichgewicht hält, lebt im Rajaselement. Sattva, Rajas, Tamas, die drei Gunas, gehören zur wesentlichen Charakteristik dessen, was wir Sankhyaphilosophie nennen." (Lit.: GA 142, S 20)

Neben anderen Schriften des Hinduismus geht die Bhagavadgita im siebzehnten und achtzehnten Kapitel ausführlich auf die Gunas ein und beschreibt ihre elementare Bedeutung für das Denken und Handeln des Menschen. Es geht um drei Arten des Glaubens, der Nahrung, des Opfers, der Askese sowie um drei Arten von Gaben.

Historie

In der ältesten Zeit ging man davon aus, dass bestimmte Eigenschaften der Elemente als Objekte der Sinnesorgane nicht nur Wahrnehmungen hervorrufen, sondern auch den Anstoß zur Entstehung der Empfindungen geben. In der Belehrung Shvetaketu in der Chandogya Upanishade waren den drei Urelementen bestimmte Farben zugeschrieben worden: weiß, rot und schwarz. Die gleichen Farben schrieb das Samkhya der Urmaterie zu. Bei Shvetaketu handelte es sich jedoch dabei um drei verschiedene Elemente; der Samkhya-Philosoph Pancashika nimmt hingegen die Gunas als drei Eigenschaften einer Urmaterie an.

Der Begriff der Eigenschaft als eigener Kategorie des Seins war jedoch zu dieser Zeit noch nicht entwickelt, dies war eine Leistung des Vaisheshika-Systems. Eigenschaften erschienen noch dinghaft, als eigenständige Wesenheiten. Bei Pancashika verbinden und trennen sich die Gunas, stützen und verdrängen sich wie selbständige Elemente. Aus der noch nicht-manifestierten Urmaterie manifestiert sich die Welt der Phänomene, wie das Ichbewusstsein (Ahamkara, wörtlich: „Ich-Macher“) und die zehn Sinnesorgane (Indriyani).

Obwohl diese Konzept der Gunas von der dualistischen Samkhya-Philosophie entwickelt wurde, ließ es sich später ohne weiteres in den monistischen Advaita Vedanta integrieren. Hier werden die Gunas jedoch nicht der Prakriti zugeordnet, sondern der Maya (Illusion), die sich ebenfalls in den zehn Sinnesorganen manifestiert.

Bedeutung für den Yoga

Nach der Lehre von den Gunas ist die niedere Prakriti (Natur) aus drei Qualitäten gebildet, die immer im Menschen wirksam sind: Sattva, Rajas, und Tamas. Die Mischung der Kräfte ist verschieden. Dabei kann eine der drei Kräfte in der Person besonders herausgestellt sein, jedoch sind die beiden anderen immer vorhanden. So findet sich in einem Menschen, der gänzlich von Tamas beherrscht wird, von Trägheit und geistiger Dunkelheit, immer auch Spuren von Rajas und gelegentlichem Aufblitzen von Sattva.
Nach Aurobindo ist eine wirksame Beeinflussung dieser drei Eigenschaften durch das Ich nicht möglich, da es selbst Teil der Prakriti und damit Teil der Gunas sei. Weiterhin heißt es, eine Beherrschung von Rajas, des Begehrens und der Leidenschaft, durch strenge Disziplin berge die Gefahr, dass neben einem stillen Frieden sich die Kräfte der Trägheit ausbilden und die positiven Kräfte der Dynamik verloren gehen. Eine wirkliche Beeinflussung der Gunas könne demzufolge im Yoga nur durch den verborgenen Purusha (die Seele) erfolgen. Dazu müsse in einem Prozess des Yogas, der Purusha aus den Verwicklungen der Gunas gelöst werden und sich als stiller Beobachter über sie positionieren. Er könne dann beobachten, wie die „Wellen“ der Gunas auf- und absteigen und lernen, seine eigene Natur zu verstehen. In einem zweiten Schritt würde es ihm dann möglich sein, diese Natur zu beeinflussen.

Literatur

  1. Helmuth von Glasenapp: Die Philosophie der Inder (Kröner Verlag) ISBN 3-520-19504-6
  2. Rudolf Steiner: Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe, GA 142 (1982)
  3. Sri Aurobindo: Die Synthese des Yoga (Verlag Hinder + Deelmann) ISBN 3-87348-148-0


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