Hermaphrodit

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Michael Maschka: Hermaphrodit

Als Hermaphrodit (griech. Ἑρμαφρόδιτος) wird, in Anlehnung an den griechischen Hermaphroditos-Mythos, ein doppelgeschlechtliches (hermaphroditisches bzw. androgynes) Wesen bezeichnet, das die Merkmale, Eigenschaften und Kräfte beider Geschlechter in sich vereinigt.

Vor dem Sündenfall und der damit verbundenen Geschlechtertrennung war der Mensch ein männlich-weibliches Wesen. In der Zukunft wird der Mensch die Geschlechtertrennung überwinden und wieder ein hermaphroditisches Wesen werden, das allerdings nicht mehr in einem dichten stofflichen, sondern in einem vergeistigten physischen Leib leben wird. Die Vergeistigung des physischen Leibes war auch das eigentliche Ziel, dem die Alchemisten mit der Bereitung des Steins der Weisen zustrebten. Der Hermaphrodit gilt daher auch als Symbol für den Stein der Weisen.

„Wenn wir zurückgehen in der Menschheitsentwickelung durch die ganze atlantische und Teile der lemurischen Zeit und noch weiter zurück, so würden wir da einen Menschenleib finden, der noch deutlich Pflanzenorgane an sich trug. Teile des menschlichen Leibes waren schon umgewandelt in Fleisch, als andere noch pflanzlicher Natur waren. Alle diejenigen Organe des Menschenleibes, die die Begierden weniger stark in sich tragen, sind am frühesten in Fleisch umgewandelt worden; und die, welche die Begierden am stärksten in sich tragen, die Sexualorgane, sind am spätesten umgewandelt worden. Sie waren lange, lange pflanzlicher Natur, und sie werden auch am frühesten wieder zur pflanzlichen Natur zurückkehren. Erst als in der Entwickelung des Menschen das Ich schon tief in den Astralleib hinuntergestiegen war und die eigensüchtigen Begierden tief eingedrungen waren, da gestalteten sich die ehemals pflanzlichen Organe um und wurden fleischliche Organe.

Auf jene uralte heilige Zeit blickt die Geisteswissenschaft zurück, als der Mensch noch nichts von den sexuellen Kräften wußte. In den alten Mysterien wurde ein Bild verehrt, das den Menschen darstellt, der noch ungeschlechtlich war, bei dem noch nicht umgestaltet war das Geschlechtliche. An der Stelle des Leibes, wo heute die Sexualorgane sind, können wir rankenartige, pflanzliche Organe erblikken, die bloß vom Ätherleib durchzogen sind und noch nichts vom Astralleib in sich tragen. Der Hermaphrodit der antiken Kunst tritt uns so entgegen. Er wurde so abgebildet, wie man den früheren Menschen auch aus der Geistesforschung heraus schildern kann. Er hat Pflanzenorgane an der Stelle der jetzigen Fortpflanzungsorgane, und aus seinem Rücken treiben rankenförmige Pflanzengebilde heraus. Jetzt begreifen wir - in anderer Weise, als es die kindliche Art ist, in der man dies gewöhnlich versteht -, warum die alten Mythen und die biblische Geschichte vom Feigenblatt sprechen: Nicht um etwas zu verdecken, zu verhüllen, sondern um auf eine wirkliche Tatsache in der Menschheitsentwickelung hinzudeuten, auf jenen uralten heiligen Zustand, von dem die Alten noch wußten, daß der Mensch da auf einer höheren Stufe gestanden hatte und die Organe an dieser Stelle noch pflanzlicher Natur gewesen waren.“ (Lit.:GA 101, S. 58f)

„Auf der Sonne war der physische Menschenleib in gewisser Beziehung bis zur Stufe des Pflanzendasein aufgerückt. Er war damals bloß durchdrungen von einem Ätherleib. Auf dem Monde nahm er den Charakter des Tierleibes an, weil er von dem Astralleib durchdrungen wurde. Aber nicht alle Organe nahmen an dieser Umwandlung in den Tiercharakter teil. Manche Teile blieben auf der Pflanzenstufe stehen. Und auch als auf der Erde nach Eingliederung des Ich der Menschenleib sich zu seiner gegenwärtigen Form erhob, trugen noch manche Organe einen ausgesprochenen Pflanzencharakter. Nur darf man sich allerdings nicht vorstellen, daß diese Organe genau so aussahen, wie unsere gegenwärtigen Pflanzen aussehen. Zu diesen Organen gehören die Fortpflanzungsorgane. Sie waren auch im Anfange der Erdentwickelung noch mit Pflanzencharakter behaftet. In der Weisheit der alten Mysterien hat man das gewußt. Und die ältere Kunst, die sich so vieles aus den Überlieferungen der Mysterien bewahrt hat: sie stellt zum Beispiel Hermaphroditen dar mit pflanzenblätterartigen Fortpflanzungsorganen. Es sind das Vorläufer der Menschen, welche noch die alte Art von Fortpflanzungsorganen hatten (doppelgeschlechtig waren). Man kann dies zum Beispiel schön sehen an einem Hermaphroditen in der kapitolinischen Sammlung in Rom. Und wenn man einmal diese Dinge durchschauen wird, dann wird man auch den wahren Grund zum Beispiel für das Vorhandensein des Feigenblattes bei der Eva kennen. Man wird für manche alte Darstellungen wahre Erklärungen annehmen, während die gegenwärtigen doch nur einem nicht zu Ende geführten Denken entspringen. Nebenbei soll nur bemerkt werden, daß der obenerwähnte Hermaphrodit noch andere Pflanzenanhänge zeigt. Als er gebildet wurde, hatte man eben noch die Überlieferung davon, daß in urferner Vergangenheit gewisse Menschenorgane sich aus dem Pflanzen- in den Tiercharakter umgebildet haben.“ (Lit.:GA 11, S. 231f)

„Die ganze befruchtende und fruchtbringende Kraft, die einen neuen Menschen hervorbringt, war früher in einem Geschlecht vereinigt. Dann wird der Mensch geteilt in männlich und weiblich. Welchem Geschlecht kommt der eigentliche Anspruch auf die Zeugungskraft zu? Es ist das Weibliche. Daher wird in der ältesten griechischen Mythologie Zeus, der als Vater der Menschheit verehrt wurde, mit einer Frauenbüste, mit einer weiblichen Büste dargestellt. Zeus als übermenschliches Wesen war dem weiblichen Geschlecht näher. Das weibliche Geschlecht war also das erste, das frühere, und hatte damals in sich die Kraft, das ganze menschliche Individuum hervorzubringen. Diese hervorbringende Kraft war vorhanden in dem eingeschlechtlichen Menschen, der in seiner physischen äußeren Form sich eben mehr der Form des Weibes näherte. In diesem eingeschlechtlichen Menschen war das Befruchtende die Weisheit, das Geistige selbst, und eine spätere Wiederholung davon ist die Befruchtung des weiblichen Geistes mit inspirierter Weisheit. Dieser Mensch der eingeschlechtlichen Zeit war das Ergebnis des im Weibe gegebenen Stoffes und der Befruchtung mit dem göttlichen Geiste.“ (Lit.:GA 93, S. 231)

„Nehmen Sie den ersten Satz im fünften Kapitel des ersten Buch Moses: «Dies ist das Buch von des Menschen Geschlecht. Da Gott den Menschen schuf, machte er ihn in Ähnlichkeit Gottes: Männlichweiblich schuf er sie, segnete sie und nannte ihren Namen <Mensch>, in diesen Tagen, da er sie geschaffen hatte. Als Adam hundertdreißig Jahre gelebt hatte, zeugte er in seiner Ähnlichkeit, nach seinem Ebenbilde und nannte die Frucht auf den Namen <Seth>.»

Man muß wörtlich lesen. Adam selbst wird genannt ein Mensch schlechthin. Männlich-weiblich schuf Gott sie; noch nicht geschlechtlich, ungeschlechtlich. Und wie schuf er sie? In Gottes Ähnlichkeit. Und außerdem im zweiten Satz: «Nach so und so viel Jahren» - es sind da lange Zeiträume vorzustellen - «zeugte Adam einen Sohn, Seth, nach seinem Ebenbild.» Im Anfang der adamitischen Zeit haben wir den Menschen nach Gottes Ebenbild, am Ende der adamitischen Zeit nach Adams Ebenbild, nach menschlichem Ebenbild. Früher war der Mensch dem Ebenbilde Gottes gemäß geschaffen. Später war er Adams Ebenbild.

Wir haben also im Anfange Menschen, die alle untereinander gleich sind, und alle sind sie nach dem Ebenbilde der Gottheit geschaffen. Sie pflanzten sich auf ungeschlechtlichem Wege fort. Wir müssen uns klar sein darüber, daß sie alle noch immer dieselbe Form haben, wie sie sie vom Ursprung her haben, so daß der Sohn dem Vater und der Enkel wieder dem Sohn ähnlich sehen. Was erst macht es, daß die Menschen sich ändern, sich differenzieren? Wodurch werden sie verschieden? Dadurch, daß an der Fortpflanzung zwei beteiligt sind. Der Sohn oder die Tochter, sie sehen auf der einen Seite dem Vater, auf der anderen Seite der Mutter ähnlich.“ (Lit.:GA 93, S. 33f)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Chronik, GA 11 (1986), ISBN 3-7274-0110-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Tempellegende und die Goldene Legende , GA 93 (1991), ISBN 3-7274-0930-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole, GA 101 (1992), ISBN 3-7274-1010-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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