Weltenbaum

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Datei:Yggdrasil1.jpg Der Weltenbaum gehört zur Mythologie vieler Völker und ist ein altes Symbol der kosmischen Ordnung. Er steht als Weltachse (axis mundis) im Zentrum der Welt. Seine Wurzeln reichen tief in die Erde und seine Wipfel berühren oder tragen den Himmel. Somit verbindet er die drei Ebenen Himmel, Erde und Unterwelt. Das ist die vertikale Form des Weltenbaums, der etwa auch der biblische Baum der Erkenntnis zuzurechnen ist. In der anderen, der horizontalen Form ist der Baum in die Mitte der Welt gepflanzt und bildet hier, bewacht von erhabenen geistigen Wesen, die Quelle allen Lebens, wie etwa der Baum des Lebens in der Bibel. Die beiden Paradiesesbäume erscheinen dadurch als zwei unterschiedliche Aspekte des einen Weltenbaumes.

Alle Welten wurden durch den vertikalen Weltenbaum miteinander verbunden. Unterschiedlich war jedoch die Vorstellung, wieviele es davon gibt. Von drei (Himmel, Erde, Unterwelt) bis hin zu beispielsweise neun Welten (Germanen). Manche Völker stellten sich auch vor, dass seine Spitze bis zum Polarstern reicht. In verschiedenen Kulturen wurden unterschiedliche Baumarten mit dem Weltenbaum verbunden, z.B. Birke, Eiche oder Esche.

In der Regel bevölkern mythische Tiere den Weltenbaum. Bei indogermanischen Völkern sitzt häufig ein Adler in der Krone und eine Schlange befindet sich unten am Baum. In der indischen, germanischen und slawischen Mythologie herrscht Streit zwischen diesen beiden Tieren.

In den meisten alten Kulturen und Religionen wurden Bäume oder Haine als Sitz der Götter oder anderer übernatürlicher Wesen verehrt. So spielt der Baum in der Mythologie auch als Lebensbaum (z.B. die Maulbeer-Feige (Sykomore) bei den Ägyptern oder der Baum des Lebens in der jüdischen Mythologie), als Baum der Unsterblichkeit (der Pfirischbaum in China) oder als Symbol des Erwachens im Buddhismus (der Bodhibaum) eine Rolle. In der babylonischen Mythologie erstreckt Xixum seine Zweige bis in den Himmel, während seine Wurzeln tief in der Unterwelt sind. Sein Stamm symbolisiert die Verbindung der Sphären.

Im Schamanismus spielt der Weltenbaum eine große Rolle. Zum einen ist er das Zentrum der Welt und als solches das Zentrum der Schöpfung, zum anderen verbindet er die reale Welt mit den anderen Welten. Über den Weltenbaum kann der Schamane mit dem Schöpfungszentrum Verbindung aufnehmen und in die Reiche der Geister und Götter reisen. Zuweilen wird diese Verbindung zwischen den Welten auch durch einen Fluss gekennzeichnet. Dann reist der Schamane bei seinem Seelenflug in einem Boot über diesen Fluss in die Geisterwelt. Der Weltenbaum dient auch als Ruhestätte verstorbener Schamanen, von der aus die Seele den Körper verlässt, um in das Reich der Geister zu gelangen.

Weltenbäume der Völker

Literatur

  • Hans Biedermann: Knaurs Lexikon der Symbole; Droemer Knaur Verlag; München 1998
  • Wolfgang Bauer und Irmtraud Dümotz (Hrsg.): Lexikon der Symbole; 14. Aufl.; 1993; S. 97-99; ISBN 3921695546 (Verschiedene indianische Vorstellungen des Weltenbaums)
  • Harald Schweizer (Hg.)...Bäume braucht man doch! Das Symbol des Baumes zwischen Hoffnung und Zerstörung.Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen. 1986.
  • Mariko Namba Walter und Eva Jane Neumann Fridman: Shamanism; 2 Bd.e; 2004; Bd. 1, S. 263 f.; ISBN 1576076458 (Bedeutung des Weltenbaums für die Schamanen)

Weblinks

  • world tree - Artikel in der Encyclopædia Britannica online (Englisch)


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