Krishna

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Krishna mit Kuh

Krishna (Sanskrit, m., कृष्ण, kṛṣṇa, wörtlich „der Schwarze“) ist eine hinduistische Form des Göttlichen und wird meist als die achte Inkarnation (Avatar) von Vishnu verehrt. Für seine Anhänger ist er die Manifestation des Höchsten.

Laut Rudolf Steiner handelt es sich bei Krishna um die Schwesterseele Adams, die nach dem Sündenfall als engelartige Wesenheit in der Seelenwelt verblieben war. Von Anfang an stand sie in enger Beziehung zu dem Christus, der durch sie wirkte und so die Vorstufen zum Mysterium von Golgatha vollbringen konnte. Kurz vor dem Anbruch des Kali-Yuga, des finsteren Zeitalters, in dem die natürliche Hellsichtigkeit bei den meisten Menschen erlosch, erschien sie in der Gestalt Krishnas, durch die sich Vishnu-Christus offenbarte. Zur Zeitenwende wurde sie auf Erden als der nathanische Jesusknabe geboren, dessen Leibeshüllen mit der Jordan-Taufe die leibliche Inkarnation des Christus ermöglichten. Der Lichtschein dieses Schwesterseele Adams war es auch, durch den Paulus von Tarsos bei seinem Damaskus-Erlebnis den Auferstandenen erkannte. (Lit.:GA 142, S. 121ff)

Die heiligen Schriften beschreiben Krishnas Körpertönung als vergleichbar mit einer frischen Gewitterwolke. Er hat stets eine Flöte bei sich und trägt eine Pfauenfeder im Haar. Obwohl er im wissenschaftlichen Sinne nicht als historisch angesehen wird, gehen Hindus davon aus, dass er tatsächlich gelebt hat. Die Indologie untersucht historische Spuren.

Geschichten aus Krishnas Leben

Über die Umstände seiner Geburt berichtet das Bhagavatapurana. Demzufolge wird Krishna kurz nach seiner Geburt vor dem König Kansa, der dem Knaben nach dem Leben trachtet, in Sicherheit gebracht. Kansa war geweissagt worden, dass der achte Sohn von Vasudeva und Devaki ihn töten werde. Er hält die Eltern im Palastkerker gefangen und tötet die ersten sechs Jungen Devakis, der siebente kann gerettet werden. Der achte Sohn, Krishna, wird geboren und in einer vorübergehenden Vision können die Eltern ihn in seiner kosmischen Form mit vier Händen sehen. Seine Wunderkräfte äußern sich darin, dass die Wärter einschlafen, die Kerkerketten zerspringen und die Türen aufspringen. Vasudeva flieht mit dem Neugeborenen und kann ihn zu Pflegeeltern ins Dorf Vrindavan, im heutigen indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, bringen. Um das Kind zu vernichten, lässt der König alle Neugeborenen töten. Doch Krishna überlebt und er wächst als Hirte unter Kuh-Hirten auf. Daher ist mit seiner Geschichte besonders auch die Verehrung der heiligen Kuh verbunden.

Als Erwachsener kehrt er an den Ort seiner Geburt zurück, nach Mathura, im heutigen indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Er tötet Kansa und gibt den Thron an den rechtmäßigen König Ugrasena zurück. Das Mahabharata berichtet, dass er König von Dwarka gewesen sei, heute im indischen Bundesstaat Gujarat.

Noch heute beliebt sind die Geschichten aus seiner Kindheit, die ein wichtiges Thema im Bhagavatapurana sind; zum Beispiel die Sequenzen, in der er die Butter stiehlt, die seine Pflegemutter oder die Nachbarinnen hergestellt und vor Krishna und seinen Freunden versteckt haben. Diese Szenen seiner Jugend werden noch heute vielfältig in der darstellenden Kunst und im indischen Tanz, wie etwa dem Bharatanatyam, dargestellt.

Ein wichtiger Teil der Mythologie und Motiv für spirituelle Gleichnisse sind die Spiele mit den Hirtenmädchen, den Gopis: wie er sie verliebt macht und sie darüber alle Pflichten vergessen, wie sie ihm auch seine manchmal üblen Streiche immer wieder verzeihen. Krishnas Gefährtin, im spirituellen Sinne seine Shakti (Energie oder auch Inspiration), ist Radha. Nach anfänglichem Schmollen wegen seiner vielen Liebschaften, die sie aus der Ferne beobachtet hat, werden Krishna und Radha Geliebte. Die geistige, aber auch erotische Liebe zwischen Krishna und Radha sowie den anderen Hirtenmädchen gilt den Hindus je nach Zugehörigkeit oder Schule als Symbol der Liebe Gottes zum Menschen und der sehnsuchtsvollen Liebe zu Gott (Bhakti) oder als Verherrlichung der Lust. Radha begeht Selbstmord, nachdem Krishna sie verlassen hat.

Eine Geschichte erzählt, wie Krishna den Gopis (Hirtenmädchen), die im Fluss baden, die Kleider wegnimmt und mit dem Bündel auf einen Baum klettert. Um ihre Kleider wieder zu bekommen, müssen die Verschämten einzeln nackt vor ihm erscheinen. Oft wird dieser Episode eine erotische Konnation zugeschrieben, Krishna war bei dieser Begebenheit laut Bhagavatapurana aber ein kleines Kind und kein Jüngling, wie oft angenommen. Einer anderen Legende zufolge soll er 16108 entführte Prinzessinnen aus den Fängen eines Dämons befreit und allesamt geheiratet haben.

Die meisten Geschichten von Krishna (auch die Kindheitslegenden) zeichnen sich durch äußerste Brutalität (Köpfungen, Verstümmelungen) und Unmoral aus, was von den gläubigen Hindus gerne kaschiert wird. Krishna erschlägt nicht nur zahllose seiner Gegner und Feinde (Dämonen), sondern auch seinen Onkel Kansa. Er verführt verheiratete Frauen, die ihre Männer und Kinder verlassen, um an seinen erotischen Spielen teilzunehmen, worauf er sie genießt und dann im Stich lässt. Krishnas Leben gipfelt an der Teilnahme einer an Blutrünstigkeit und Toten alles übertreffenden mythologischen Schlacht von Kuruksetra, die ausführlichst in allen blutigen Details im Epos Mahabharata beschrieben wird, wo er seinen Freund Arjuna die Lehren der Bhagavadgita übermittelt und ihn zum Krieg gegen seine eigene Familie (aus Pflichterfüllung) anstachelt, was deren Vernichtung zur Folge hat.

36 Jahre nach der Schlacht von Kurukshetra erschlagen sich nach dem Bhagavadpurana die Yadavas, deren Oberhaupt Krishna ist, auf einem Trinkgelage in einem sie überkommenden Wahnsinn gegenseitig. Krishna selbst wird im Alter irrtümlich durch den Pfeil eines Jägers verwundet und stirbt, nachdem er dem Unglücklichen verziehen hat. Nach hinduistischer Tradition kehrte er im Jahre 3102 v. Chr. in den Himmel zurück, dieser Zeitpunkt gilt als Beginn des dunklen Zeitalters, des Kali-Yuga.

Krishna-Religiosität

Die Krishna-Religiosität ist ihrem Wesen nach besonders emotionale, religiöse Hingabe, Bhakti Yoga, die besonders das Bhagavatapurana hervorhebt. Ausdrucksformen der Krishna-Bhakti sind die Verehrung des Göttlichen im Bild, Bhajans (religiöse Gesänge), Lesungen aus Schriften wie dem Bhagavatapurana oder der Bhagavad Gita.

Eine der zentralen Textquellen für die eher philosophische Dimension der Krishna-Verehrung ist die Bhagavadgita, die ein Teil des Epos Mahabharata ist. In der Schlacht von Kurukshetra steht Krishna seinem Freund Arjuna als Freund und Beschützer sowie als geistiger Führer zur Seite. Vor Beginn dieser Schlacht offenbart er sich Arjuna als der Höchste. Als Fürst und Wagenlenker von Arjuna zieht Krishna mit in die Schlacht. Arjuna zögert zu kämpfen, da es sich um Verwandte handelt. Krishna belehrt ihn über seine Pflicht, dharma, als Krieger Kshatriya zu kämpfen sowie über die Unsterblichkeit der Seele Atman. Daneben gibt er auch Anweisungen für das spirituelle und ethische Leben seiner Verehrer, etwa: Wer gegen kein Wesen übel gesinnt ist und wer Mitleid hat, wer frei ist von Egoismus und Selbstsucht, gleichmütig in Leid und Freude und wer geduldig ist....liebe ich. (12. Kap.)

Weitere Namen Krishnas sind u. a.

  • Param Brahman „das Höchste Brahman“,
  • Bhagavan „Besitzer des Glückes“, „Herr“, „Gott
  • Hrishikesha „Herr der Sinne“
  • Vishnu der „Alldurchdringende“
  • Mohana „Faszinierender“
  • Keshava „Vernichter des Keshi-Dämons“
  • Purusottama „Höchster Genießer“, „Höchste Person“
  • Ishvara „Gott, Herrscher“
  • Govinda „der den Kühen und den Sinnen Freude bereitet“
  • Parameshvara „höchster Ishvara“, „der höchste Gott

Der höchste Feiertag ist Janmashtami, nach dem Mondkalender meist im August, wenn die Gläubigen seine Geburt feiern. Während der Puja, dem rituellen Gottesdienst, verehrt der Priester das göttliche Kind in einer Puppe in einem kleinen Bett, welches die Frauen vorher über und über mit Blumen schmücken. Besonders in Mathura, dem Ort seiner Geburt, feiern Einwohner und zigtausende von Pilgern das Fest mit Gottesdiensten und Bühnenspielen, die vom indischen Fernsehen übertragen werden. Die Bedeutung für Hindus ist vergleichbar mit den Weihnachtstagen für Christen in Bethlehem. Auch Holi, das ausgelassene Fest der Farben, ist eng mit Krishna und den sorglosen Spielen seiner Jugend verbunden.

Die Krishnaverehrung ist eine der populärsten Formen des heutigen Hinduismus. Auch im Westen stieß sie auf Interesse: die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (umgangssprachlich: „Hare-Krishna-Bewegung“), gegründet von Abhay Charan Bhaktivedanta Swami Prabhupada gelangte in den 1960er Jahren nach Amerika.

Literatur

  • Wilfried Huchzermeyer: Die heiligen Schriften Indiens - Geschichte der Sanskrit-Literatur. (edition-sawitri.de) ISBN 3-931172-22-8
  • Hans Wolfgang Schumann: Die großen Götter Indien. Diederichs Verlag, München, 2060
  • A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada: Bhagavad Gita - Wie sie ist. Verlag: The Bhaktivedanta Book Trust, ISBN 0-89213-088-1
  • A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada: Krsna - Die Quelle aller Freude. Verlag: The Bhaktivedanta Book Trust, ISBN-10 0029881722
  • A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada: Srimad Bhagavatam. Verlag: The Bhaktivedanta Book Trust, ISBN-10: 0892130636
  • Biren Roy, Mahabharata, Diederichs Gelde Reihe Bd. 16, Diederichs Verlag, ISBN-13: 978-3424005769
  • Trimondi, Hitler, Buddha, Krishna, Ueberreuter, ISBN-10: 3800038870
  • Rudolf Steiner: Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe, GA 142 (1982), ISBN 3-7274-1420-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Rudolf Steiner: Die okkulten Grundlagen der Bhagavad Gita, GA 146 (1992), ISBN 3-7274-1460-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

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 Wiktionary: Krishna – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen


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