Anschauung und Michael Tschechow: Unterschied zwischen den Seiten

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'''Anschauung''' ist ein [[Erkenntnistheorie|erkenntnistheoretischer]] [[Begriff]], der in seiner heutigen Verwendung meist auf [[Immanuel Kant]] bezogen ist. Mit ihm wird auf den sinnlich-rezeptiven Anteil in der [[Erkenntnis]] Bezug genommen. '''Anschaulich''' ist im engeren Sinn etwas, von dem man sich eine [[visuell]]e [[Vorstellung]] machen kann. Der Begriff wurde allerdings auch schon vor Kant in der [[Philosophie]] verwendet, etwa bei [[Wikipedia:Notker III.|Notker]] ({{ahd|''anascouunga''}}) und [[Meister Eckhart]] ({{mhd|''anschauunge''}}), bei denen der Begriff primär eine religiöse Bedeutung hatte. In der heutigen Erkenntnistheorie werden jedoch meist die verwandten Begriffe „[[Wahrnehmung]]und [[Erfahrung]]“ verwendet.
[[Bild:Michail cechov zavadskij 1920.jpg|thumb|Michail A. Cechov, 1920, Zeichnung von Jurij A. Zavadskij]]
'''Michael Aleksandrovich Tschechow''' (* [[Wikipedia:29. August|29. August]] [[Wikipedia:1891|1891]] in [[Wikipedia:Sankt Petersburg|Sankt Petersburg]]; † [[Wikipedia:30. September|30. September]] [[Wikipedia:1955|1955]] in [[Wikipedia:Beverly Hills|Beverly Hills]]) war ein russisch-US-amerikanischer [[Theaterwiki:Schauspieler|Schauspieler]], [[Theaterwiki:Regisseur|Regisseur]], [[Theaterwiki:Autor|Autor]], [[Anthroposoph]] und Neffe des Schriftstellers [[Theaterwiki:Anton Tschechow|Anton Tschechow]].  


== Emprische und reine Anschauungsformen ==
== Leben ==


Die '''gewöhnliche Anschauung''' nimmt die [[Erscheinung]]en ungeschieden so hin, wie sie sind, d.h. auch mit allen [[Zufall|Zufälligkeiten]], mit denen sie behaftet ist. Die '''reine Anschauung''' hebt hingegen das [[Wesen]]tliche und mithin [[Notwendigkeit|Notwendige]] heraus, das sie erst zu dem macht, was sie ihrer inneren [[Natur]] nach ist.
Michail Tschechow wurde am 29. August 1891 als Sohn des Journalisten Aleksandr Pawlowitsch Tschechow, dem älteren Bruder des Dichter [[Theaterwiki:Anton Tschechow|Anton Tschechow]], in St. Petersburg geboren. Der Vater machte ihn schon früh mit der russischen Literatur bekannt und lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Werke [[Wikipedia:Arthur Schopenhauer|Schopenhauer]]s und [[Wikipedia:Friedrich Nietzsche|Nietzsche]]s.  


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Von 1907 bis 1910 besuchte Michail Tschechow in St. Petersburg die Schauspielschule Suvorin. Im Oktober 1911 gab er sein Debüt als [[Theaterwiki:Schauspieler|Schauspieler]] mit der Rolle des "Zar Fedor" in [[Wikipedia:Alexei Nikolajewitsch Tolstoi|Alexei Nikolajewitsch Tolstoi]]s gleichnamigem Schauspiel am Petersburger „Kleinen Suvorin-Theater“ (Malyj Teatr).
„Gewöhnliches Anschauen ist ein solches, welches die Erscheinungen aufnimmt wie sie sind, ohne Notwendiges und Zufälliges zu sondern. Reines Anschauen gibt sich dem Notwendigen hin und betrachtet das Zufällige als Unwesentliches.“ {{Lit|GA 1e, S. 364}}
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Kants in der [[Wikipedia:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] entwickelte Erkenntnistheorie unterscheidet zwischen [[empirisch]]en Anschauungen, die uns durch [[Sinne]]sorgane gegeben werden, und '''reinen Anschauungen''', die [[a priori]] vor jeder Erfahrung gegeben sind. Die beiden von Kant angenommenen '''''reinen Anschauungsformen''''' sind [[Raum]] und [[Zeit]]. Reine Anschauungen als solche sind frei von jeglicher sinnlichen Wahrnehmung, können aber auf sinnliche Wahrnehmungen bezogen werden. Eine Anschauung im Sinne Kants ist rein, „wenn der Vorstellung keine Empfindung beigemischt ist“ ([[Wikipedia:Kritik der reinen Vernunf|KrV]] B74, [http://korpora.zim.uni-duisburg-essen.de/kant/aa03/074.html AA III, 74]).
Mit 21 Jahren wurde Tschechow auf Vorschlag von [[Theaterwiki:Olga Leonardowna Knipper|Olga Leonardowna Knipper]], der Witwe A. Tschechows, [[Theaterwiki:Konstantin Stanislawski|Konstantin Stanislawski]] vorgestellt, der sofort das herausragende Talent Tschechows erkannte und ihn 1913 in das [[Theaterwiki:Moskauer Künstlertheater|Moskauer Künstlertheater]] aufnahm, wo er zuerst Schüler und dann Mitarbeiter von Konstantin Stanislawski war. Tschechows außergewöhnliche Begabung lässt sich an keinen Einzelheiten seiner Erscheinung und seines Tuns festmachen, sie liegt in seiner ganzen [[Persönlichkeit]] begründet. Äußerlich war er von kleinem Wuchs, sehr mager und stupsnasig, sprach leise und hatte die Gewohnheit, beim Sprechen ein wenig zu lispeln. Was ihn besonders auszeichnete, war die absolute Wahrhaftigkeit seiner Schauspielkunst. Trotzdem er damals noch ein ganz junger Mann war, hatte er viel Rollen "alter Männer" zu verkörpern, und er tat dies so glaubhaft und erschütternd, dass sich niemand dieser Wirkung entziehen konnte.  


Alle [[sinnlich]]en [[Erfahrung]]en erscheinen ''uns'' laut Kant notwendig in den Anschauungsformen von Raum und Zeit - aber nicht etwa, weil diese Notwendigkeit in den [[Ding]]en selbst begründet wäre, sondern vielmehr deshalb, weil sie aus unserem eigenen Wesen entspringen. Sie stellen damit die a priori gegebene Bedingung jeder möglichen sinnlichen Erfahrung dar.
1914 heiratete Michail Tschechow seine Cousine [[Theaterwiki:Olga Konstantinowna Tschechowa|Olga Konstantinowna Tschechowa]]. Aus dieser Ehe stammt die Tochter Ada Tschechowa. Schon nach drei Jahren wurde die Ehe geschieden. Aufgrund einer Nervenkrise, die ihn mit schweren, grundlosen Ängsten plagte, musste sich Tschechow dann in den Jahren 1917-18 kurzzeitig von der Theaterarbeit zurückziehen.  


{{Zitat|Die reine Mathematik und namentlich die reine Geometrie kann nur    
Auf der Suche nach Inspirationsquellen und tieferen schauspielerischen Ausdrucksmöglichkeiten für sein «Theater der Zukunft», wie er es nannte, studierte Michail Tschechow vielfältige spirituelle Werke, was in schließlich auch zur Anthroposophie führte. 1922 begegnete er in Berlin [[Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]] und organsierte schon bald mit dem [[Wikipedia:Symbolismus|symbolistischen]] Dichter und [[Anthroposoph]]en [[Andrej Belyj]] Vorträge zu [[Anthroposophie|anthroposophischen]] Themen. Im selben Jahr wurde ihm auch die Leitung des Ersten Studios am Moskauer Künstlertheater übertragen, das 1924 in das Moskauer Akademische Künstlertheater 2 umgewandelt wurde. Hier konnte er auch seine legendäre Hamlet-Interpretation entwickeln. Ebenfalls 1924 hatte Tschechow in [[Wikipedia:Arnheim|Arnheim]] ein ausführliches Gespräch mit Rudolf Steiner, von dem wesentliche Impulse zur Ausarbeitung seiner Lehrmethode ausgingen.  
unter der Bedingung allein objective Realität haben, daß sie blos auf Gegenstände    
der Sinne geht, in Ansehung deren aber der Grundsatz feststeht:    
daß unsre sinnliche Vorstellung keinesweges eine Vorstellung der Dinge    
an sich selbst, sondern nur der Art sei, wie sie uns erscheinen. Daraus folgt,    
daß die Sätze der Geometrie nicht etwa Bestimmungen eines bloßen Geschöpfs    
unserer dichtenden Phantasie sind und also nicht mit Zuverlässigkeit    
auf wirkliche Gegenstände könnten bezogen werden, sondern daß sie nothwendiger    
Weise vom Raume und darum auch von allem, was im Raume    
angetroffen werden mag, gelten, weil der Raum nichts anders ist, als die    
Form aller äußeren Erscheinungen, unter der uns allein Gegenstände der    
Sinne gegeben werden können. Die Sinnlichkeit, deren Form die Geometrie    
zum Grunde legt, ist das, worauf die Möglichkeit äußerer Erscheinungen    
beruht; diese also können niemals etwas anderes enthalten, als was    
die Geometrie ihnen vorschreibt. Ganz anders würde es sein, wenn die    
Sinne die Objecte vorstellen müßten, wie sie an sich selbst sind. Denn da    
würde aus der Vorstellung vom Raume, die der Geometer a priori mit    
allerlei Eigenschaften desselben zum Grunde legt, noch gar nicht folgen,    
daß alles dieses sammt dem, was daraus gefolgert wird, sich gerade so in    
der Natur verhalten müsse. Man würde den Raum des Geometers für    
bloße Erdichtung halten und ihm keine objective Gültigkeit zutrauen, weil    
man gar nicht einsieht, wie Dinge nothwendig mit dem Bilde, das wir    
uns von selbst und zum voraus von ihnen machen, übereinstimmen müßten.    
Wenn aber dieses Bild oder vielmehr diese formale Anschauung die    
wesentliche Eigenschaft unserer Sinnlichkeit ist, vermittelst deren uns allein    
Gegenstände gegeben werden, diese Sinnlichkeit aber nicht Dinge an sich    
selbst, sondern nur ihre Erscheinungen vorstellt, so ist ganz leicht zu begreifen    
und zugleich unwidersprechlich bewiesen: daß alle äußere Gegenstände    
unsrer Sinnenwelt nothwendig mit den Sätzen der Geometrie nach    
aller Pünktlichkeit übereinstimmen müssen, weil die Sinnlichkeit durch ihre    
Form äußerer Anschauung (den Raum), womit sich der Geometer beschäftigt,    
jene Gegenstände als bloße Erscheinungen selbst allererst möglich    
macht.|Immanuel Kant|''Kritik der reinen Vernunft'', 1. Auflage, 1781, [https://korpora.zim.uni-duisburg-essen.de/Kant/aa04/287.html AA IV, S. 287]}}


Damit hatte Kant nicht nur wie zuvor schon [[John Locke]] die Wirklichkeit der [[Sekundäre Sinnesqualitäten|sekundären Sinnesqualitäten]], d.h. der [[Qualia]] wie [[Farbe]], [[Ton]], [[Geruch]] usw., verneint, sondern auch den [[Primäre Sinnesqualitäten|primären Sinnesqualitäten]], d.h. allen [[Raum|räumlichen]] und [[zeit]]lichen Anschauungsformen ihren Wirklichkeitsgehalt abgesprochen. Der Mensch ist damit letztlich in seinen selbst erzeugten [[Vorstellung]]en gefangen, das „[[Ding an sich]]“ bleibt ihm für immer unzugänglich.
Der offen bekundete geistige Hintergrund seiner Theaterarbeit brachte Michail Tschechow immer wieder in Konflikt mit der materialistischen Gesinnung des herrschenden Sowjetregimes, bis er schließlich 1928 emigrierte. In den folgenden Jahren führte er ein ruheloses Wanderleben, das ihn durch ganz [[Wikipedia:Europa|Europa]] trieb und mit nahezu allen bedeutenden Künstlern seiner Zeit zusammenführte. Die reichen Erfahrungen, die er dabei sammeln konnte, ließen die von ihm schon keimhaft entwickelte Schauspielmethode weiter reifen.  


{{Zitat|Alles, was uns als Gegenstand gegeben werden soll, muß uns in der    
In [[Wikipedia:Wien|Wien]] und [[Wikipedia:Berlin|Berlin]] arbeitete Michail Tschechow mit [[Theaterwiki:Max Reinhardt|Max Reinhardt]] zusammen, der ihn einmal so charakterisierte: ''Ein Stern in unmittelbarer Nähe des Herzens''. Für kurze Zeit übernahm Tschechow die Leitung des jüdischen Theaters „Habima“ und in engem Kontakt zu [[Michael Bauer]] vertiefte er sich in diesen Jahren auch weiter in die Anthroposophie. Nachdem sein Angebot an [[Marie Steiner]], mit ihr an der [[Goetheanum]]-Bühne in [[Wikipedia:Dornach SO|Dornach]] zusammenzuarbeiten, abgelehnt wurde, ging Tschechow 1930 nach [[Wikipedia:Paris|Paris]], wo er ein eigenes russisches Theater begründete, dem aber kein nachhaltiger Erfolg beschieden war.
Anschauung gegeben werden. Alle unsere Anschauung geschieht aber nur vermittelst    
der Sinne; der Verstand schauet nichts an, sondern reflectirt nur.    
Da nun die Sinne nach dem jetzt Erwiesenen uns niemals und in keinem    
einzigen Stück die Dinge an sich selbst, sondern nur ihre Erscheinungen    
zu erkennen geben, diese aber bloße Vorstellungen der Sinnlichkeit sind,    
"so müssen auch alle Körper mit sammt dem Raume, darin sie sich befinden,    
für nichts als bloße Vorstellungen in uns gehalten werden und existiren    
nirgend anders, als blos in unsern Gedanken." Ist dieses nun nicht    
der offenbare Idealismus?    
         
Der Idealismus besteht in der Behauptung, daß es keine andere als    
denkende Wesen gebe, die übrige Dinge, die wir in der Anschauung wahrzunehmen
glauben, wären nur Vorstellungen in den denkenden Wesen,    
denen in der That kein außerhalb diesen befindlicher Gegenstand correspondirte.    
Ich dagegen sage: es sind uns Dinge als außer uns befindliche    
Gegenstände unserer Sinne gegeben, allein von dem, was sie an sich    
selbst sein mögen, wissen wir nichts, sondern kennen nur ihre Erscheinungen,    
d. i. die Vorstellungen, die sie in uns wirken, indem sie unsere Sinne    
afficiren. Demnach gestehe ich allerdings, daß es außer uns Körper gebe,    
d. i. Dinge, die, obzwar nach dem, was sie an sich selbst sein mögen, uns gänzlich    
unbekannt, wir durch die Vorstellungen kennen, welche ihr Einfluß auf    
unsre Sinnlichkeit uns verschafft, und denen wir die Benennung eines    
Körpers geben; welches Wort also blos die Erscheinung jenes uns unbekannten,    
aber nichts desto weniger wirklichen Gegenstandes bedeutet. Kann    
man dieses wohl Idealismus nennen? Es ist ja gerade das Gegentheil    
davon.  


Daß man unbeschadet der wirklichen Existenz äußerer Dinge von    
Ab 1932 war Tschechow erfolgreich als Schauspieler und Regisseur in [[Wikipedia:Riga|Riga]] und [[Wikipedia:Kaunas|Kaunas]] tätig, wo er auch Schauspielkurse hielt und bereits an seinem grundlegenden Werk zur Schauspielkunst arbeitete. Schon im Herbst des selben Jahres wollte er seine eigene Schauspielschule eröffnen, doch die politische Lage spitzte sich zu. Der grassiernde Nationalismus hatte auch das Baltikum ergriffen und Tschechow sah sich genötigt, das Land zu verlassen.
einer Menge ihrer Prädicate sagen könne: sie gehörten nicht zu diesen    
Dingen an sich selbst, sondern nur zu ihren Erscheinungen und hätten    
außer unserer Vorstellung keine eigene Existenz, ist etwas, was schon lange    
vor Lockes Zeiten, am meisten aber nach diesen allgemein angenommen    
und zugestanden ist. Dahin gehören die Wärme, die Farbe, der Geschmack etc..    
Daß ich aber noch über diese aus wichtigen Ursachen die übrigen    
Qualitäten der Körper, die man ''primarias'' nennt, die Ausdehnung,    
den Ort und überhaupt den Raum mit allem, was ihm anhängig ist (Undurchdringlichkeit    
oder Materialität, Gestalt etc.), auch mit zu bloßen Erscheinungen    
zähle, dawider kann man nicht den mindesten Grund der Unzulässigkeit    
anführen; und so wenig wie der, so die Farben nicht als Eigenschaften,    
die dem Object an sich selbst, sondern nur den Sinn des Sehens    
als Modificationen anhängen, will gelten lassen, darum ein Idealist heißen    
kann: so wenig kann mein Lehrbegriff idealistisch heißen, blos deshalb    
weil ich finde, daß noch mehr, ja alle Eigenschaften, die die Anschauung    
eines Körpers ausmachen, blos zu seiner Erscheinung gehören;    
denn die Existenz des Dinges, was erscheint, wird dadurch nicht    
wie beim wirklichen Idealism aufgehoben, sondern nur gezeigt, daß wir    
es, wie es an sich selbst sei, durch Sinne gar nicht erkennen können.|Immanuel Kant|''Kritik der reinen Vernunft'', 1. Auflage, 1781, [https://korpora.zim.uni-duisburg-essen.de/Kant/aa04/288.html AA IV, S. 288f.]}}
Kant geht zudem davon aus, dass jede Erkenntnis auf das Zusammenspiel von Anschauungen und [[Begriff]]en angewiesen ist. „Das Mannigfaltige“, das in der Anschauung gegeben werde, brauche einer begrifflichen Ordnung, um zu Erkenntnis führen zu können. Andererseits bräuchten Begriffe Anschauungen, um nicht vollkommen leer zu sein. Begriffsverwendungen ohne Anschauungsmaterial führten zu den sinnlosen [[Spekulation]]en der traditionellen [[Metaphysik]], die Kant in der [[Wikipedia:transzendentale Dialektik|transzendentalen Dialektik]] widerlegen möchte. Dennoch ist nach Kant reine apriorische Erkenntnis im Wechselspiel von reinen Anschauungen und reinen Begriffen möglich, d.h.: „''Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.''“:


{{Zitat|Wollen wir die Receptivität unseres Gemüths, Vorstellungen zu    
1935 gab Tschechow eine Reihe von Gastspielen in [[Wikipedia:Brüssel|Brüssel]], [[Wikipedia:Paris|Paris]] und schließlich auch in den [[Wikipedia:USA|Vereinigten Staaten]], wo ihn die amerikanische Schauspielerin [[Wikipedia:Beatrice Straight|Beatrice Straight]] in einer [[Wikipedia:Broadway (Theater)|Brodway]]-Produktion erlebte und daraufhin nach [[Wikipedia:England|England]] einlud. Schon im Oktober 1935 konnte Tschechow in der [[Wikipedia:Dartington Hall|Dartington Hall]] nahe [[Wikipedia:Totnes|Totnes]] an der Südküste Englands das «Cechov Theatre» mit einer daran angeschlossenen Schauspielschule ins Leben rufen, womit er seinem Ziel, das «Theater der Zukunft» zu schaffen, einen Schritt näher kam.  
empfangen, so fern es auf irgend eine Weise afficirt wird, Sinnlichkeit    
nennen: so ist dagegen das Vermögen, Vorstellungen selbst hervorzubringen,    
oder die Spontaneität des Erkenntnisses der Verstand. Unsre    
Natur bringt es so mit sich, daß die Anschauung niemals anders als    
sinnlich sein kann, d. i. nur die Art enthält, wie wir von Gegenständen    
afficirt werden. Dagegen ist das Vermögen, den Gegenstand sinnlicher    
Anschauung zu denken, der Verstand. Keine dieser Eigenschaften ist der    
andern vorzuziehen. Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben    
und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt    
sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Daher ist es eben so    
nothwendig, seine Begriffe sinnlich zu machen (d. i. ihnen den Gegenstand    
in der Anschauung beizufügen), als seine Anschauungen sich verständlich    
zu machen (d. i. sie unter Begriffe zu bringen). Beide Vermögen oder    
Fähigkeiten können auch ihre Functionen nicht vertauschen. Der Verstand    
vermag nichts anzuschauen und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus,    
daß sie sich vereinigen, kann Erkenntniß entspringen. Deswegen darf    
man aber doch nicht ihren Antheil vermischen, sondern man hat große    
Ursache, jedes von dem andern sorgfältig abzusondern und zu unterscheiden.    
Daher unterscheiden wir die Wissenschaft der Regeln der Sinnlichkeit    
überhaupt, d. i. Ästhetik, von der Wissenschaft der Verstandesregeln    
überhaupt, d. i. der Logik.|Immanuel Kant|''Kritik der reinen Vernunft'', [[Wikipedia:Kritik der reinen Vernunf|KrV]] B75 ([http://korpora.zim.uni-duisburg-essen.de/kant/aa03/075.html AA III, 75])}}


== Intellektuelle Anschauung ==
Einer der wichtigsten Schüler Michail Tschechows war der Schauspieler und Regisseur, sowie Mitgründer des [[Theaterwiki:Actors Studio|Actors Studio]] in [[Wikipedia:New York City|New York City]] [[Theaterwiki:Robert Lewis|Robert Lewis]]. Die von ihm entwickelte Schauspieltechnik wurde und wird  von Schauspielern wie [[Wikipedia:Clint Eastwood|Clint Eastwood]], [[Wikipedia:Marilyn Monroe|Marilyn Monroe]], [[Wikipedia:Yul Brynner|Yul Brynner]], [[Wikipedia:Martin Umbach|Martin Umbach]] u. a. verwendet.


Als '''intellektuelle Anschauung''' oder auch '''intellektuale Anschauung''' wird die Fähigkeit zur unmittelbaren Erkenntnis der [[Prinzipien]] unseres [[Wissen]]s und der [[Wirklichkeit]] bezeichnet. Der [[Begriff]] wurde vor allem im [[Deutscher Idealismus|Deutschen Idealismus]], bei [[Johann Gottlieb Fichte]] und [[Friedrich Wilhelm Joseph Schelling]], zu einer zentralen Kategorie.
== Die Schauspielmethode ==


Während [[Immanuel Kant]] dem [[Mensch]]en die Fähigkeit zu einer intellektuellen Anschauung kategorisch abspricht, da für ihn die menschliche Anschauung grundsätzlich [[sinnlich]], d. h. durch einen äußeren und unabhängig vom Menschen existierenden Gegenstand hervorgerufen wird, wird der Begriff bei Fichte und Schelling zu einem wesentlichen Ausgangspunkt ihrer Philosophie. „Intellektuelle Anschauung“ bedeutet bei ihnen zunächst einmal nichts weiter als den Akt, in dem das Ich auf sich selbst reflektiert, d.h. denkend die Erfahrung seines [[Selbstbewusstsein]]s betrachtet. Für Fichte und Schelling wird im Akt der Anschauung eines Gegenstandes das Ich nicht nur auf sich aufmerksam, sondern erzeugt sich dabei auch selbst. Denkend sich selbst betrachtend bringt sich das Ich selbst hervor. Dies wird für Fichte und Schelling zum Ausgangspunkt ihrer [[transzendental]]-[[idealistisch]]en Systeme. Fichte schreibt dazu in „''Zweite Einleitung in die Wissenschaftslehre''“:
Im Unterschied zu [[Theaterwiki:Konstantin Stanislawski|Stanislawski]] sah Michael Tschechow die Aufgabe und Inspirationsquelle des Schauspielers nicht in der Nutzbarmachung persönlich-biografischer Erfahrung sondern im bewussten Erschließen des imaginativen Potenzials des Bühnenkünstlers. Durch Konzentrationsübungen wird dazu das Denken zum bildhaften Erleben gesteigert, bis der Bühnencharakter vor dem inneren Auge des Schauspielers erscheint. Dabei geht es nicht um eine intellektuelle Interpretation der Rolle, sondern eben um ein bidlhaftes Schauen. Allmählich gewinnt die durch Konzentration bildhaft aufgebaute Bühnenpersönlichkeit ein Eigenleben und tritt in einen inneren Dialog mit dem Schauspieler, aus dem sich die weitere Ausgestaltung der Rolle ergibt. Besonderen Wert legte Tschechow darauf, dass dabei der Schauspieler die "Schatzkammer seines Unterbewusstseins" anzapft. Da sich das Schauspiel nicht in einem leeren, neutralen Raum entfaltet, muss der Schauspieler auch die Atmosphäre berücksichtigen, in die die einzelne Szene bzw. das ganze Stück getaucht ist. Als gleichsam überpersönliche, objektive Gefühlssphäre verbindet die Atmosphäre das Spiel der einzelnen Akteure zu einem harmonischen Ganzen. Um die in der Imagination innerlich geschaute Bühnenpersönlichkeit glaubhaft ''verkörpern'' zu können, hat Tschechow sogenannte "Psychologische Gebärden" entwickelt, die dem Schauspieler helfen sollen, die Hindernisse der eigenen Bewegungsgewohnheiten zu überwinden und eine dem Bühnencharakter entsprechende Körperhaltung und -bewegung hervorzubringen. Er nahm dazu wesentliche Impulse aus der [[Eurythmie]] auf, die er eigenständig verarbeitete. Kurz und bündig faßte Tschechow seine Methode oft so zusammen: Konzentration - Imagination - Verkörperung.


{{LZ|Dieses dem Philosophen angemuthete Anschauen seiner selbst im Vollziehen des Actes, wodurch ihm das Ich entsteht, nenne ich intellectuelle Anschauung. Sie ist das unmittelbare Bewusstseyn, dass ich handle, und was ich handle: sie ist das, wodurch ich etwas weiss, weil ich es thue. Dass es ein solches Vermögen der intellectuellen Anschauung gebe, lässt sich nicht durch Begriffe demonstriren, noch, was es sey, aus Begriffen entwickeln. Jeder muss es unmittelbar in sich selbst finden, oder er wird es nie kennen lernen. Die Forderung, man solle es ihm durch Raisonnement nachweisen, ist noch um vieles wunderbarer, als die Forderung eines Blindgeborenen seyn würde, dass man ihm, ohne dass er zu sehen brauche, erklären müsse, was die Farben seyen.
== Werke ==
 
* ''Werkgeheimnisse der Schaupspielkunst.'' Zürich und Stuttgart: Werner Classen Verlag
Wohl aber lässt sich jedem in seiner von ihm selbst zu gestandenen Erfahrung nachweisen, dass diese intellectuelle Anschauung in jedem Momente seines Bewusstseyns vorkomme. Ich kann keinen Schritt thun, weder Hand noch Fuss bewegen, ohne die intellectuelle Anschauung meines Selbstbewusstseyns in diesen Handlungen; nur durch diese Anschauung weiss ich, dass ich es thue, nur durch diese unterscheide ich mein Handeln und in demselben mich, von dem vorgefundenen Objecte des Handelns. Jeder, der sich eine Thätigkeit zuschreibt, beruft sich auf diese Anschauung. In ihr ist die Quelle des Lebens, und ohne sie ist der Tod.|Fichte, [https://archive.org/details/johanngottliebf27fichgoog/page/n503 S. 463]}}
* ''Die Kunst des Schauspielers'', Moskauer Ausgabe, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1990
 
In der intellektuellen Anschauung sieht sich, wie Fichte sagt, die [[Intelligenz]] selbst zu:
 
{{LZ|Die Intelligenz, als solche, ''sieht sich selbst zu''; und dieses
sich selbst Sehen ist mit allem, was ihr zukommt, unmittelbar
vereinigt<ref>Dieses sich selbst Sehen geht unmittelbar auf alles, was sie ist.</ref>, und in dieser ''unmittelbaren'' Vereinigung des Seyns
und des Sehens besteht die Natur der Intelligenz. Was in ihr
ist, und was sie überhaupt ist, ist sie ''für sich selbst''; und
nur, inwiefern sie es für sich selbst ist, ist sie es, als Intelligenz.|Fichte, [https://archive.org/details/johanngottliebf27fichgoog/page/n475 S. 435]}}
 
Das Ich setzt sich dabei selbst durch eine reine [[Tathandlung]]. In der „''Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre''“ §1 heißt es:
 
{{LZ|Also das Setzen des Ich durch sich selbst ist die reine Thätigkeit desselben. – Das Ich ''setzt sich selbst'', und es ist, vermöge dieses blossen Setzens durch sich selbst; und umgekehrt: das Ich ''ist'', und es ''setzt'' sein Seyn, vermöge seines blossen Seyns. – Es ist zugleich das Handelnde, und das Product der Handlung; das Thätige, und das, was durch die Thätigkeit hervorgebracht wird; Handlung und That sind Eins und ebendasselbe; und daher ist das: ''Ich bin'', Ausdruck einer Thathandlung; aber auch der einzig-möglichen, wie sich aus der ganzen Wissenschaftslehre ergeben muss.|Fichte, [https://archive.org/details/johanngottliebf27fichgoog/page/n137 S. 96]}}
 
In seinem ''„Versuch einer neuen Darstellung der Wissenschaftslehre“'' (1797) gibt Fichte dazu noch folgende Erläuterung:
 
{{LZ|Indem du deinen Tisch oder deine Wand dachtest, warest
du, da du ja, als verständiger Leser, der Thätigkeit in deinem
Denken dir bewusst bist, in diesem Denken dir selbst ''das Denkende'': aber ''das Gedachte'' war dir nicht du selbst, sondern
etwas von dir zu unterscheidendes. Kurz, in allen Begriffen
dieser Art soll, wie du es in deinem Bewusstseyn wohl finden
wirst, das Denkende und das Gedachte zweierlei seyn. In
dem du aber ''dich'' denkst, bist du dir nicht nur das Denkende,
sondern zugleich auch das Gedachte; Denkendes und Gedachtes sollen dann Eins seyn; dein Handeln im Denken soll auf
dich selbst, das Denkende, zurückgehen.
Also — ''der Begriff oder das Denken des Ich besteht in dem auf sich Handeln des Ich selbst; und umgekehrt, ein solches Handeln auf sich selbst giebt ein Denken des Ich, und schlechthin kein anderes Denken.'' Das erstere hast du soeben
in dir selbst gefunden und mir zugestanden: solltest du an
dem zweiten Anstoss nehmen, und über unsere Berechtigung
zur Umkehrung des Satzes Zweifel haben, so überlasse ich es
dir selbst, zu versuchen, ob durch das Zurückgehen deines
Denkens auf dich, als das Denkende, je ein anderer Begriff
herauskomme, als der deiner selbst; und ob du dir die Möglichkeit denken könnest, dass ein anderer herauskomme. —
Beides sonach, der Begriff eines in sich zurückkehrenden Denkens, und der Begriff des Ich, erschöpfen sich gegenseitig.
Das Ich ist das sich selbst Setzende, und nichts weiter: das
sich selbst Setzende ist das Ich, und nichts weiter. Durch
den beschriebenen Act kommt nichts anderes heraus, als das
Ich: und das Ich kommt durch keinen möglichen anderen Act
heraus, ausser durch den beschriebenen.|Fichte, [https://archive.org/details/johanngottliebf27fichgoog/page/n563 S. 522f]}}
 
Schelling hat diese in völliger Freiheit hervorgebrachte und zugleich als unmittelbare [[Erfahrung]] erlebte intellektuelle Anschauung im achten seiner ''Philosophischen Briefe über Dogmatismus und Kritizismus'' treffend so beschrieben:
 
{{LZ|Uns allen nämlich wohnt ein geheimes, wunderbares Vermögen bei, uns aus dem Wechsel der Zeit in unser Innerstes, von allem, was von außenher hinzukam, entkleidetes Selbst zurückzuziehen, und da unter der Form der Unwandelbarkeit das Ewige in uns anzuschauen. Diese Anschauung ist die innerste, eigenste Erfahrung, von welcher allein alles abhängt, was wir von einer [[Übersinnliche Welt|übersinnlichen Welt]] wissen
und glauben. Diese Anschauung zuerst überzeugt uns, dass irgend etwas im eigentlichen Sinne [[Sein|ist]], während alles übrige nur [[Erscheinung|erscheint]], worauf wir jenes Wort übertragen. Sie unterscheidet sich von jeder sinnlichen Anschauung dadurch, dass sie nur durch [[Freiheit]] hervorgebracht und jedem Andern fremd und unbekannt ist, dessen Freiheit, von der eindringenden Macht der Objekte überwältigt, kaum zur Hervorbringung des [[Bewusstsein]]s hinreicht.
 
[...]
 
Diese intellektuelle Anschauung tritt dann ein, wo wir für uns selbt aufhören, Objekt zu sein, wo, in sich selbst zurückgezogen, das anschauende Selbst mit dem angeschauten identisch ist. In diesem·Moment der Anschauung schwindet für uns Zeit und Dauer dahin: nicht wir sind in der Zeit, sondern die Zeit - oder vielmehr nicht sie, sondern die reine absolute Ewigkeit ist in uns. Nicht wir sind in der Anschauung der objektiven Welt, sondern sie ist in unsrer Anschauung verloren.|Schelling, [https://books.google.at/books?id=6RwwAAAAYAAJ&pg=165 S. 165f]}}
 
In einem Brief vom 13. Januar 1881 an seinen Freund ''Josef Köck'' bezog sich [[Rudolf Steiner]] als junger Student auf diese Worte Schellings, die ihm zu einem bedeutsamen Erweckungserlebnis wurden:
 
{{GZ|Es war die Nacht vom 10. auf den 11. Januar, in der ich
keinen Augenblick schlief. Ich hatte mich bis ½1 Uhr mitternachts
mit einzelnen philosophischen Problemen beschäftigt,
und da warf ich mich endlich auf mein Lager; mein
Bestreben war voriges Jahr, zu erforschen, ob es denn wahr
wäre, was Schelling sagt: «Uns allen wohnt ein geheimes,
wunderbares Vermögen bei, uns aus dem Wechsel der Zeit
in unser innerstes, von allem, was von außen hinzukam,
entkleidetes Selbst zurückzuziehen und da unter der Form
der Unwandelbarkeit das Ewige in uns anzuschauen.» Ich
glaubte und glaube nun noch, jenes innerste Vermögen ganz
klar an mir entdeckt zu haben - geahnt habe ich es ja schon
längst —; die ganze idealistische Philosophie steht nun in
einer wesentlich modifizierten Gestalt vor mir; was ist eine
schlaflose Nacht gegen solch einen Fund!|38|13}}
 
Auch [[Goethe]], dem diese intellektuelle Anschauung ebenfalls lebendig gegenwärtig und keineswegs ein bloß erklügelter Verstandesbegriff war, widersprach Kant ganz energisch:
 
{{LZ|Als ich die Kantische Lehre, wo nicht zu durchdringen, doch möglichst zu nutzen suchte, wollte mir manchmal dünken, der köstliche Mann verfahre schalkhaft ironisch, in dem er bald das Erkenntnisvermögen aufs engste einzuschränken bemüht schien, bald über die Grenzen, die er selbst gezogen hatte, mit einem Seitenwink hinausdeutete. Er mochte freilich bemerkt haben, wie anmaßend und naseweis der Mensch verfährt, wenn er behaglich, mit wenigen Erfahrungen ausgerüstet, sogleich unbesonnen abspricht und voreilig etwas festzusetzen, eine Grille, die ihm durchs Gehirn läuft, den Gegenständen aufzuheben trachtet. Deswegen beschränkt unser Meister seinen Denkenden auf eine reflektierende diskursive Urteilskraft, untersagt ihm eine bestimmende ganz und gar. Sodann aber, nachdem er uns genugsam in die Enge getrieben, ja zur Verzweiflung gebracht, entschließt er sich zu den liberalsten Äußerungen und überläßt uns, welchen Gebrauch wir von der Freiheit machen wollen, die er einigermaßen zugesteht. In diesem Sinne war mir folgende Stelle höchst bedeutend:
 
«Wir können uns einen Verstand denken, der, weil er nicht wie der unsrige diskursiv, sondern intuitiv ist, vom synthetisch Allgemeinen, der Anschauung eines Ganzen als eines solchen, zum Besondern geht, das ist, von dem Ganzen zu den Teilen: Hierbei ist gar nicht nötig zu beweisen, daß ein solcher intellectus archetypus möglich sei, sondern nur, daß wir in der Dagegenhaltung unseres diskursiven, der Bilder bedürftigen Verstandes (intellectus ectypus) und der Zufälligkeit einer solchen Beschaffenheit auf jene Idee eines intellectus archetypus geführt werden, diese auch keinen Widerspruch enthalte.» (vgl. [[Wikipedia:Kritik der Urteilskraft|KdU]] §77, [http://korpora.zim.uni-duisburg-essen.de/kant/aa05/405.html AA V, 405ff])
 
Zwar scheint der Verfasser hier auf einen göttlichen Verstand zu deuten, allein wenn wir ja im sittlichen, durch Glauben an Gott, Tugend und Unsterblichkeit uns in eine obere Region erheben und an das erste Wesen annähern sollen: so dürft' es wohl im Intellektuellen derselbe Fall sein, daß wir uns, durch das Anschauen einer immer schaffenden Natur zur geistigen Teilnahme an ihren Produktionen würdig machten. Hatte ich doch erst unbewußt und aus innerem Trieb auf jenes Urbildliche, Typische rastlos gedrungen, war es mir sogar geglückt, eine naturgemäße Darstellung aufzubauen, so konnte mich nunmehr nichts weiter verhindern, das Abenteuer der Vernunft, wie es der Alte vom Königsberge selbst nennt, mutig zu bestehen|Goethe: ''[[Anschauende Urteilskraft]]''}}
 
== Übersinnliche Anschauungsformen ==
Im [[geisteswissenschaft]]lichen Sinn muss man von höheren, [[übersinnlich]]en Anschauungsformen sprechen, etwa von der [[Spirituelles Bewusstsein|imaginativen Anschauung]].
 
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"Es ist ja so, daß, wenn der Mensch mit seinem physischen Auge hinschaut,
seine andern physischen Sinne in Regsamkeit hat und aufmerksam
wird auf dasjenige, was in seiner Weltumgebung ist, er da
wahrnimmt die physische Atmosphäre der Erde, in ihr eingebettet die
Wesenheitender verschiedenen Reiche, innerhalb dieses ganzenMilieus
sich zutragend alles dasjenige, was in Wind und Wetter im Laufe der
Jahreserscheinungen vor sich geht. Daß also der Mensch das alles vor
sich hat, das ist der äußere Tatsachenbestand, wenn der Mensch seine
Sinne der Außenwelt exponiert.
 
Aber hinter der Atmosphäre, hinter der sonnendurchleuchteten
Atmosphäre liegt, wahrnehmbar für dasjenige, was man Geistorgane
nennen kann, eben eine andere Welt, man darf sagen eine gegenüber
der Sinnenwelt höhere Welt, eine Welt, in der auch in einer Art Licht,
in einer Art geistigen Lichtes, in einer Art [[Astrallicht]]es, geistig
Wesenhaftes und geistige Tatsachen erglänzen und sich abspielen, die
wahrhaftig für das Gesamtwerden der Welt und des Menschen nicht
weniger bedeutsam sind als dasjenige, was in der äußeren Atmosphäre
auf der äußeren Erdoberfläche geschichtlich sich abspielt." {{Lit|{{G|229|9f}}}}
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== Literatur ==
 
*''[[Johann Gottlieb Fichte]]'s sämmtliche Werke''. Herausgegeben von J.H. Fichte, Erster Band, Verlag von Veit und Comp. Berlin 1845 [https://archive.org/details/johanngottliebf27fichgoog/page/n10 archive.org]
*[[Friedrich Wilhelm Joseph Schelling]]: ''Philosophische Schriften'', Erster Band, Philipp Krüll, Landshut 1809 [https://books.google.at/books?id=6RwwAAAAYAAJ&pg=165 google]
* Dietrich Rapp: ''TATORT Erkenntnisgrenze: Die Kritik Rudolf Steiners an Immanuel Kant'', Menon-Verlag 2012, ISBN 978-3921132487
* J. W. Goethe, Rudolf Steiner (Hrsg.): ''Naturwissenschaftliche Schriften'', [[GA 1a-e]] (1982), 5 Bände, 4. Auflage, ISBN 978-3727452109
*Rudolf Steiner: ''Briefe Band I: 1881 – 1890'', [[GA 38]] (1985), ISBN 3-7274-0380-2 {{Vorträge|038}}
*Rudolf Steiner: ''Das Miterleben des Jahreslaufes in vier kosmischen Imaginationen'', [[GA 229]] (1999), ISBN 3-7274-2290-4 {{Vorträge|221}}
 
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== Weblinks ==
== Weblinks ==
{{PND|118624288}}
*[http://biographien.kulturimpuls.org/detail.php?&id=720 Biographischer Eintrag] in der Online-Dokumentation der anthroposophischen ''Forschungsstelle Kulturimpuls''
* Michael Tschechow Studio Berlin  http://www.mtsb.de
* http://www.michaelchekhovactingstudio.com
* http://www.actorsensemble.org
* [http://www.chekhoffplayers.de Chekh-Off Players] - Schauspiel mit der Tschechow-Methode
{{IMDb Name|ID=0155011|NAME=Michael Tschechow}}


*{{Eisler|Anschauung}}
[[Kategorie:Mann|Tschechow, Michael]]
[[Kategorie:Russe|Tschechow, Michael]]
[[Kategorie:Anthroposoph]]
[[Kategorie:US-Amerikaner|Tschechow, Michael]]
[[Kategorie:Schauspieler|Tschechow, Michael]]
[[Kategorie:Regisseur|Tschechow, Michael]]
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Version vom 1. April 2008, 10:03 Uhr

Michail A. Cechov, 1920, Zeichnung von Jurij A. Zavadskij

Michael Aleksandrovich Tschechow (* 29. August 1891 in Sankt Petersburg; † 30. September 1955 in Beverly Hills) war ein russisch-US-amerikanischer Schauspieler, Regisseur, Autor, Anthroposoph und Neffe des Schriftstellers Anton Tschechow.

Leben

Michail Tschechow wurde am 29. August 1891 als Sohn des Journalisten Aleksandr Pawlowitsch Tschechow, dem älteren Bruder des Dichter Anton Tschechow, in St. Petersburg geboren. Der Vater machte ihn schon früh mit der russischen Literatur bekannt und lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Werke Schopenhauers und Nietzsches.

Von 1907 bis 1910 besuchte Michail Tschechow in St. Petersburg die Schauspielschule Suvorin. Im Oktober 1911 gab er sein Debüt als Schauspieler mit der Rolle des "Zar Fedor" in Alexei Nikolajewitsch Tolstois gleichnamigem Schauspiel am Petersburger „Kleinen Suvorin-Theater“ (Malyj Teatr).

Mit 21 Jahren wurde Tschechow auf Vorschlag von Olga Leonardowna Knipper, der Witwe A. Tschechows, Konstantin Stanislawski vorgestellt, der sofort das herausragende Talent Tschechows erkannte und ihn 1913 in das Moskauer Künstlertheater aufnahm, wo er zuerst Schüler und dann Mitarbeiter von Konstantin Stanislawski war. Tschechows außergewöhnliche Begabung lässt sich an keinen Einzelheiten seiner Erscheinung und seines Tuns festmachen, sie liegt in seiner ganzen Persönlichkeit begründet. Äußerlich war er von kleinem Wuchs, sehr mager und stupsnasig, sprach leise und hatte die Gewohnheit, beim Sprechen ein wenig zu lispeln. Was ihn besonders auszeichnete, war die absolute Wahrhaftigkeit seiner Schauspielkunst. Trotzdem er damals noch ein ganz junger Mann war, hatte er viel Rollen "alter Männer" zu verkörpern, und er tat dies so glaubhaft und erschütternd, dass sich niemand dieser Wirkung entziehen konnte.

1914 heiratete Michail Tschechow seine Cousine Olga Konstantinowna Tschechowa. Aus dieser Ehe stammt die Tochter Ada Tschechowa. Schon nach drei Jahren wurde die Ehe geschieden. Aufgrund einer Nervenkrise, die ihn mit schweren, grundlosen Ängsten plagte, musste sich Tschechow dann in den Jahren 1917-18 kurzzeitig von der Theaterarbeit zurückziehen.

Auf der Suche nach Inspirationsquellen und tieferen schauspielerischen Ausdrucksmöglichkeiten für sein «Theater der Zukunft», wie er es nannte, studierte Michail Tschechow vielfältige spirituelle Werke, was in schließlich auch zur Anthroposophie führte. 1922 begegnete er in Berlin Rudolf Steiner und organsierte schon bald mit dem symbolistischen Dichter und Anthroposophen Andrej Belyj Vorträge zu anthroposophischen Themen. Im selben Jahr wurde ihm auch die Leitung des Ersten Studios am Moskauer Künstlertheater übertragen, das 1924 in das Moskauer Akademische Künstlertheater 2 umgewandelt wurde. Hier konnte er auch seine legendäre Hamlet-Interpretation entwickeln. Ebenfalls 1924 hatte Tschechow in Arnheim ein ausführliches Gespräch mit Rudolf Steiner, von dem wesentliche Impulse zur Ausarbeitung seiner Lehrmethode ausgingen.

Der offen bekundete geistige Hintergrund seiner Theaterarbeit brachte Michail Tschechow immer wieder in Konflikt mit der materialistischen Gesinnung des herrschenden Sowjetregimes, bis er schließlich 1928 emigrierte. In den folgenden Jahren führte er ein ruheloses Wanderleben, das ihn durch ganz Europa trieb und mit nahezu allen bedeutenden Künstlern seiner Zeit zusammenführte. Die reichen Erfahrungen, die er dabei sammeln konnte, ließen die von ihm schon keimhaft entwickelte Schauspielmethode weiter reifen.

In Wien und Berlin arbeitete Michail Tschechow mit Max Reinhardt zusammen, der ihn einmal so charakterisierte: Ein Stern in unmittelbarer Nähe des Herzens. Für kurze Zeit übernahm Tschechow die Leitung des jüdischen Theaters „Habima“ und in engem Kontakt zu Michael Bauer vertiefte er sich in diesen Jahren auch weiter in die Anthroposophie. Nachdem sein Angebot an Marie Steiner, mit ihr an der Goetheanum-Bühne in Dornach zusammenzuarbeiten, abgelehnt wurde, ging Tschechow 1930 nach Paris, wo er ein eigenes russisches Theater begründete, dem aber kein nachhaltiger Erfolg beschieden war.

Ab 1932 war Tschechow erfolgreich als Schauspieler und Regisseur in Riga und Kaunas tätig, wo er auch Schauspielkurse hielt und bereits an seinem grundlegenden Werk zur Schauspielkunst arbeitete. Schon im Herbst des selben Jahres wollte er seine eigene Schauspielschule eröffnen, doch die politische Lage spitzte sich zu. Der grassiernde Nationalismus hatte auch das Baltikum ergriffen und Tschechow sah sich genötigt, das Land zu verlassen.

1935 gab Tschechow eine Reihe von Gastspielen in Brüssel, Paris und schließlich auch in den Vereinigten Staaten, wo ihn die amerikanische Schauspielerin Beatrice Straight in einer Brodway-Produktion erlebte und daraufhin nach England einlud. Schon im Oktober 1935 konnte Tschechow in der Dartington Hall nahe Totnes an der Südküste Englands das «Cechov Theatre» mit einer daran angeschlossenen Schauspielschule ins Leben rufen, womit er seinem Ziel, das «Theater der Zukunft» zu schaffen, einen Schritt näher kam.

Einer der wichtigsten Schüler Michail Tschechows war der Schauspieler und Regisseur, sowie Mitgründer des Actors Studio in New York City Robert Lewis. Die von ihm entwickelte Schauspieltechnik wurde und wird von Schauspielern wie Clint Eastwood, Marilyn Monroe, Yul Brynner, Martin Umbach u. a. verwendet.

Die Schauspielmethode

Im Unterschied zu Stanislawski sah Michael Tschechow die Aufgabe und Inspirationsquelle des Schauspielers nicht in der Nutzbarmachung persönlich-biografischer Erfahrung sondern im bewussten Erschließen des imaginativen Potenzials des Bühnenkünstlers. Durch Konzentrationsübungen wird dazu das Denken zum bildhaften Erleben gesteigert, bis der Bühnencharakter vor dem inneren Auge des Schauspielers erscheint. Dabei geht es nicht um eine intellektuelle Interpretation der Rolle, sondern eben um ein bidlhaftes Schauen. Allmählich gewinnt die durch Konzentration bildhaft aufgebaute Bühnenpersönlichkeit ein Eigenleben und tritt in einen inneren Dialog mit dem Schauspieler, aus dem sich die weitere Ausgestaltung der Rolle ergibt. Besonderen Wert legte Tschechow darauf, dass dabei der Schauspieler die "Schatzkammer seines Unterbewusstseins" anzapft. Da sich das Schauspiel nicht in einem leeren, neutralen Raum entfaltet, muss der Schauspieler auch die Atmosphäre berücksichtigen, in die die einzelne Szene bzw. das ganze Stück getaucht ist. Als gleichsam überpersönliche, objektive Gefühlssphäre verbindet die Atmosphäre das Spiel der einzelnen Akteure zu einem harmonischen Ganzen. Um die in der Imagination innerlich geschaute Bühnenpersönlichkeit glaubhaft verkörpern zu können, hat Tschechow sogenannte "Psychologische Gebärden" entwickelt, die dem Schauspieler helfen sollen, die Hindernisse der eigenen Bewegungsgewohnheiten zu überwinden und eine dem Bühnencharakter entsprechende Körperhaltung und -bewegung hervorzubringen. Er nahm dazu wesentliche Impulse aus der Eurythmie auf, die er eigenständig verarbeitete. Kurz und bündig faßte Tschechow seine Methode oft so zusammen: Konzentration - Imagination - Verkörperung.

Werke

  • Werkgeheimnisse der Schaupspielkunst. Zürich und Stuttgart: Werner Classen Verlag
  • Die Kunst des Schauspielers, Moskauer Ausgabe, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1990

Weblinks


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