Moral

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Die Moral (von lat. mores = Sitten, Gewohnheiten) umfasst im philosophischen Sinn ein System von Werten und Normen, an denen das rechte Handeln des individuellen Menschen, größerer Menschengemeinschaften oder ganzer Kulturen bemessen wird. Der Ausdruck wurde von Cicero in seiner philosophia moralis als Übersetzung des griech. Begriffs ἠθική (êthikê = Ethik) neu geprägt.[1] Dabei hat sich zugleich der Akzent von der durch die Vernunft geleiteten Erkenntnis der geistigen Quelle des Guten auf die praktische Verwirklichung festgesetzter sittlicher Normen und Werte verschoben.

Nach Rudolf Steiner kann man von wirklicher Moral nur dort sprechen, wo sie unmittelbar aus dem Geistigen schöpft:

"Man wird niemals mit bloßer Philosophie eine Definition des Moralischen geben können, und es ist das Charakteristische gerade der Philosophie, sofern sie Moralphilosophie sein will, daß sie zu einer richtigen, befriedigenden Definition des Moralischen nicht kommt, wenn sie sich nicht auf den Boden stellt, daß es dem Menschen möglich ist, sein Geistig-Seelisches unabhängig vom Leibe in sich zu erleben. Denn eine andere wirkliche Definition des Moralischen ist nicht möglich, als nur diejenige: Moralisch ist das, was der Mensch beschließt, was der Mensch tut durch Kräfte, die unabhängig von seinem Leibe sind. Eine wirklich moralische Tat, ein wirklich moralischer Impuls geht aus denselben Fähigkeiten der Seele hervor, die durch entsprechende Ausbildung zu den hellsichtigen Fähigkeiten führen." (Lit.: GA 159, S 128f)

Moralisch sein zu können, ist eine Fähigkeit des menschlichen Ichs. Auf früheren planetarischen Entwicklungsstufen konnte der Mensch noch nicht moralisch sein, denn da hatter er noch kein individuelles Ich. Erst als ihm dieses während der Erdenentwicklung verliehen wurde, konnte er beginnen, aus sich heraus Moral zu entwickeln und im moralischen Empfinden und Tun öffnet er sein Ich dem (geistigen) Kosmos und setzt sich mit ihm in Einklang. Vollenden wird sich diese Entwicklung erst auf dem künftigen Vulkanzustand.

"Der Mensch steht zum Wahren, Schönen, Guten so, daß er im Wahren öffnet seinen Ätherleib, zunächst den Ätherteil des Kopfes, unmittelbar dem Kosmos. Im Schönen öffnet er seinen astralischen Leib unmittelbar dem Kosmos. In der Moralität öffnet er unmittelbar sein Ich dem Kosmos. Von Moralität konnte man während der Mondenentwickelung noch nicht sprechen, denn da war der Mensch in bezug auf das, was er tat, noch in eine Notwendigkeit, fast in eine Naturnotwendigkeit eingeschaltet. Moralität beginnt erst auf der Erde. Und die Vollendung wird sie erreichen in der Vulkanentwickelung, wenn alles das, was in den Feuerprozessen des Blutes pulsiert, geläutertes Ich sein wird, von der Moralität geläutertes Ich, von der Moralität ganz ergriffenes Ich: wenn Ich-Kräfte des Menschen und Moralkräfte eines und dasselbe sein werden, und sein Blut, das heißt seine Blutwärme – denn das Materielle ist ja nur das äußere Zeichen –, wenn seine Blutwärme das heilige Feuer des Vulkans sein wird." (Lit.: GA 170, S 74f)

Anmerkungen

  1. Cicero, De fato 1; Historisches Wörterbuch der Philosophie: Moral, moralisch, Moralphilosophie, Bd. 6, S. 149

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister, GA 159 (1980)
  2. Rudolf Steiner: Das Rätsel des Menschen. Die geistigen Hintergründe der menschlichen Geschichte, GA 170 (1992)