Gottessöhne und Menschentöchter

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Die Gottessöhne und Menschentöchter, die eine unheilsame Verbindung eingingen, aus der das Geschlecht der Riesen hervorging, die zugleich die berühmten Heroen der Vorzeit waren, werden im 6. Kapitel der Genesis erwähnt. Unmittelbar danach wird Noah die bevorstehende Sintflut angekündigt, durch die die alte Atlantis unterging. Nachdem die Menschen etwa in der Mitte der lemurischen Zeit durch die luziferische Versuchung und den damit verbundenen Sündenfall aus den Paradies vertrieben worden waren, gerieten sie nun immer stärker unter ahrimanischen Einfluss und verstrickten sich durch diese ahrimanische Versuchung noch tiefer in die irdisch-materielle Welt.

„1 Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, 2 da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten. 3 Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn er ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertzwanzig Jahre. 4 Es waren Riesen zu den Zeiten und auch danach noch auf Erden. Denn als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.“

Genesis: 6,1-4 LUT

Noch ausführlicher berichtet darüber das apokryphe Äthiopisches Henochbuch:

„1. Es geschah, nachdem die Menschenkinder sich gemehrt hatten in diesen Tagen, daß ihnen herrliche und schöne Töchter geboren wurden. 2. Und als die Engel, die Söhne des Himmels sie erblickten, erbrannten sie in Liebe zu ihnen und sprachen zueinander: Kommt, laßt uns für uns Weiber auswählen aus der Nachkommenschaft der Menschen und laßt uns Kinder zeugen. 3. dann sprach Samjaza, ihr Anführer, zu ihnen: ich fürchte, daß ihr vielleicht der Ausführung dieses Unternehmens abgeneigt werdet, 4. und daß ich allein dulden müßte für ein schweres Verbrechen. 5. Aber sie antworteten ihm und sprachen: Wir schwören alle, 6. und verpflichten uns durch Verwünschungen gegenseitig, daß wir nicht ändern unser Vorhaben, sondern ausführen unser beabsichtigtes Unternehmen. 7. Dann schworen sie alle einander und alle verpflichteten sich durch gegenseitige Verwünschungen. Ihre Zahl betrug zwei Hundert, welche herabstiegen auf Ardis, den Gipfel des Berges Armon. 8. Dieser Berg wurde deshalb Armon genannt, weil sie geschworen hatten auf ihm und sich gebunden durch gegenseitige Verwünschungen. 9. Dies sind die Namen ihren Häupter: Samjaza, welcher ihr Führer war, Urakabarameel, Akibeel, Tamiel, Ramuel, Danel, Azkeel, Sarakujal, Afael, Armers, Batraal, Anane, Zavebe, Samsaveel, Ertael, Turel, Jomjael, Arazjal. Dies waren die Vorsteher der zweihundert Engel und die Übrigen waren mit ihnen. 10. Dann nahmen sie Weiber, ein jeder wählte sich; ihnen begannen sie sich zu nahen und ihnen wohnten sie bei, lehrten sie Zauberei, Beschwörungen und das Teilen von Wurzeln und Bäumen. 11. Und die Weiber empfingen und gebaren Riesen, 12. deren Länge dreihundert Ellen betrug. Diese verschlangen allen Erwerb der Menschen, bis es unmöglich wurde, sie zu ernähren. 13. Da wandten sie sich gegen Menschen, um sie zu essen, 14. und begannen zu verletzen Vögel, Tiere, Gewürm und Fische, ihr Fleisch zu essen eins nach dem andern und zu trinken ihr Blut. 15. Dann tadelte die Erde die Ungerechten.“

1. Buch Henoch: 7

Louis Claude de Saint-Martin, der bedeutende Schüler von Jakob Böhme, sprach in diesem Zusammenhang von dem «ursprünglichen menschlichen Ehebruch»:

„Da spricht er von dem «ursprünglichen menschlichen Ehebruch». Dieser Ehebruch habe einmal stattgefunden in der Zeit, in welcher ein Verkehr zwischen Mann und Weib in sexueller Beziehung auf der Erde noch nicht stattgefunden hat. Also einen gewöhnlichen Ehebruch meint er nicht; er meint etwas ganz anderes, er meint etwas, worüber er einen sehr starken, dichten Schleier webt, etwas, worauf etwa die Bibel deutet, indem sie sagt: «Und die Söhne der Götter fanden, daß die Töchter der Menschen schön waren, und verbanden sich mit ihnen.» Es ist ja dasjenige Ereignis, durch das dann die ganze Verwirrung in der atlantischen Welt stattfindet, das auch in einem geheimnisvollen Zusammenhang steht damit, daß der Mensch seine elementargeistige Natur versinnlicht hat. Man kann dieses Ereignis, das Saint-Martin «den ursprünglichen Ehebruch» nennt, eben nur andeuten; er deutet es auch nur an.“ (Lit.:GA 177, S. 113)

Näher erläutert Rudolf Steiner den geistigen Hintergrund dieser Geschehnisse so:

„Wir suchen mit einem gewissen Rechte die Manifestationen, die Offenbarungen Luzifers in alledem, was ausgedrückt ist in den menschlichen Emotionen, was in den menschlichen Leidenschaften, Empfindungen und so weiter sich darlebt. Als mehr aus dem Innern heraus wirksam betrachten wir das Luziferische, Als Eva daranzugehen hatte, sich selber schön zu machen, um selber schon zu scheinen, um das Wesen zu sein, das als solches sich selber schon findet und durch seine Schönheit die Versuchung bewirken kann, da mußte eben Luzifer mitwirken. Als das andere eintreten sollte im Laufe der Erdenentwickelung, daß die Söhne der Götter die Töchter der Menschen schön finden sollten, also das Objekt schön finden sollten, da mußte Ahriman wirken. - Um Eva so zu durchdringen, daß sie sich schön fühlte und durch ihre Verführung schön wirken konnte: Luzifer. Damit das Objekt schön befunden werden und wirken konnte von außen als Schönes, dazu war Ahriman notwendig. Das erstere fällt in die lemurische Zeit, das zweite in die atlantische Zeit.“ (Lit.:GA 170, S. 228f)

„Die erste Tatsache liegt in der lemurischen Zeit, die zweite liegt in der atlantischen Zeit. Wir wollen sie heute nur, soweit wir sie brauchen, charakterisieren. Die Tatsache der lemurischen Zeit, von einem gewissen Gesichtspunkte aus gekennzeichnet, besteht darin, daß durch all die Ereignisse, die nachgelesen werden können in der «Geheimwissenschaft im Umriß» oder in unseren Zyklen, die Menschen gewissermaßen tiefer in die Materie herein sich organisiert haben, als es vorausbestimmt war. Das ist geschehen durch den luziferischen Impuls. Durch diesen Impuls ist gewissermaßen die eine der Absichten erfüllt worden, auf die Mephistopheles hinweist mit dem, wovon er sagt, daß er es mit den andern zusammen unternommen habe in tiefverruchten Stunden, als Vernichtung ersonnen wurde dem menschlichen Geschlecht. Damit, daß die Menschheit sich tiefer in die Materie hereinorganisierte, als es ihr eigentlich vorbestimmt war, verband sich das menschliche Bewußtsein mit alldem, was das Dasein des Menschen in der Erdenentwickelung bedeutet, in anderer Weise, als es hätte sein sollen. Wir haben öfter darauf hingewiesen, daß dadurch, daß dieser luziferische Impuls gegeben worden ist, der Mensch ein ganz anderes Bewußtsein verbindet mit der Generation, mit der geschlechtlichen Fortpflanzung. Es wurde dazumal sozusagen die geschlechtliche Fortpflanzung in das Bewußtsein hereingeholt, und dadurch wurde sie in gewissem Sinne, man kann schon sagen aus einer übersinnlichen Tatsache zu einer sinnlichen Tatsache gemacht. Das ist das erste.

Die Tatsache, die dann in der atlantischen Zeit vorliegt, besteht darin, daß, indem der Mensch nun schon in der Sinnlichkeit tiefer organisiert war, als es ihm vorbestimmt war, er seinen ganzen Organismus so ausbildete, daß die Verahrimanisierung, könnte man sagen, so stattfinden konnte, wie wir es oftmals beschrieben haben, daß der Mensch seine geistigen Kräfte mit den sinnlich-physischen Naturkräften und Naturtatsachen verband. Sie wissen, daß in der Bibel die erste Tatsache ausgedrückt wird durch das Bild, das gegeben wird über die luziferische Verführung, das in den Worten hauptsächlich charakterisiert ist, die Luzifer spricht mit Bezug auf das Menschengeschlecht: Eure Augen werden aufgetan sein, und ihr werdet unterscheiden das Gute und das Böse. - Eure Augen werden aufgetan sein - in diesem Hereinnehmen der Sinnlichkeit in das Bewußtsein mit dem Aufgetanwerden der Augen liegt eben der Fall der Menschheit in die Materie. Also jetzt war die Menschheit tiefer in die Materie hineingefallen, als es ihr vorbestimmt war. Es war der Menschheit vorbestimmt, zu schauen die materielle Welt von außerhalb der materiellen Welt. Durch die luziferische Verführung ist die Menschheit gesunken in die materielle Welt, und durch das Ahrimanische der atlantischen Zeit ist dann innerhalb des Materiellen eine Verwandtschaft des Menschen mit dem Materiellen eingetreten, die nur gewissermaßen im geistigen Gegenbild oben hätte stattfinden sollen. Was sich oben hätte vollziehen sollen, gewissermaßen schwebend über dem Materiellen, hat sich in dem Materiellen vollzogen.

Das erste also ist dadurch ausgedrückt, daß über dem Menschen die Worte gesprochen worden sind: Eure Augen werden auf getan sein, und ihr werdet unterscheiden - äußerlich - in der sinnlichen Anschauung das Gute und das Böse. - Das zweite wird ausgedrückt in der Bibel, wie Sie wissen, dadurch, daß gesagt wird: Und die Söhne der Götter fanden, daß die Töchter der Menschen schön seien, und sie verbanden sich mit ihnen in der Materie. - Das ist das biblische Wort, welches, ich möchte sagen mit Anlehnung an den Menschen und das, was im Menschen wohnt, eine breite Tatsache ausdrückt. Denn in dieser breiten Tatsache ist alles ahrimanische Wirken im Menschengeschlecht zugleich mit inbegriffen. Durch dieselbe Kraft, mit der die himmlische Liebe hineingesunken, -gezogen ist in die Materie und zur irdischen Liebe geworden ist, durch die Kraft, die der Tatsache der Verwandlung der himmlischen Liebe zur irdischen Liebe zugrunde liegt, durch diese Impulse, diese Tatsache wurde zugleich das bewirkt, daß in einer irdischen Weise der Intellekt des Menschen sich verbindet mit der Materie und die materialistische Form der Wissenschaft schafft. Ohne daß die ahrimanischen Impulse im Menschen Platz gegriffen hätten, die ausgedrückt werden durch ihre gewissermaßen menschlichste Tatsache: Und die Söhne der Götter fanden, daß die Töchter der Menschen schön seien, und sie verbanden sich mit ihnen im Fleische -, ohne daß die Impulse in das Menschengeschlecht eingezogen wären, wären auch die Impulse nicht eingezogen, die den menschlichen Intellekt dazu verwenden, alle möglichen Instrumente zu erzeugen, die nur Zusammenfügungen von materiellen Kräften sind, und die darin bestehen, daß man bloß maschinenmäßig alles mögliche erzeugt zu jedem beliebigen Zwecke, wenn auch dieser Zweck die Vernichtung des menschlichen Geschlechtes ist. Es würde, wenn diese ahrimanische Verführung nicht geschehen wäre, nicht möglich geworden sein auf der Erde, daß Mordinstrumente und dergleichen ersonnen worden wären, weil, wenn die Menschen die Verwandtschaft behalten hätten zwischen dem Intellekt und dem Schaffen da oben, nicht da unten in der Materie, sie auch nicht den Intellekt in die Materie hineingießen würden, um solche Gebilde zu schaffen, wie sie in unseren bloß dämonischen Mechanismen geschaffen werden, die eine immer größere Rolle in der Vermaterialisierung der menschlichen Kultur spielen. So wie alles, was Verwirrungen und Verirrungen des menschlichen Affekt-, Leidenschaftslebens ist, des menschlichen emotionellen Lebens, ausgedrückt ist durch die Tatsache: Und Eure Augen werden auf getan sein, und ihr werdet unterscheiden — äußerlich, sinnlich unterscheiden — das Gute und das Böse -, so sind alle die Tatsachen, die gewissermaßen aus dem Hochmut der Menschen heraus und aus der ahrimanischen Natur der Menschen heraus wie große Fortschritte der Menschheit angestaunt werden, die rein mechanische Kultur, aus demselben Prinzip, aus dem heraus ist, was angedeutet ist in der Bibel: Und die Söhne der Götter fanden, daß die Töchter der Menschen schön seien, und sie verbanden sich mit ihnen im Fleische. - Die Urkunden drücken diese Dinge in ihrer Art aus. Auf einem gewissen Gebiete leuchten sie dahin, wo diese Impulse liegen, aber diese Impulse sind im weiten Umkreise geltend. Im jetzigen Zeitalter, wo die Menschheit Luziferisches und Ahrimanisches überwinden soll — und dieses muß voll erkannt werden -, in unserer Zeit muß eine klare Einsicht immer mehr und mehr Platz greifen über das, was da geworden ist durch das Auftun der Augen, durch das Verbinden der Göttersöhne mit den Töchtern der Menschen, das heißt, durch das Heruntersteigen der himmlischen Liebe zur irdischen Liebe. Ein klares Verständnis muß sich darüber verbreiten.“ (Lit.:GA 272, S. 298ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Rätsel des Menschen. Die geistigen Hintergründe der menschlichen Geschichte, GA 170 (1992), ISBN 3-7274-1700-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister der Finsternis, GA 177 (1999), ISBN 3-7274-1771-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust», Band I: Faust, der strebende Mensch , GA 272 (1981), ISBN 3-7274-2720-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
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