Suggestion

Aus AnthroWiki
Version vom 12. Juli 2018, 15:24 Uhr von Odyssee (Diskussion | Beiträge) (Hypnose, Suggestion und bewusstes Denken)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Suggestion (von lat. suggestio, -onis „Hinzufügung, Eingebung, Einflüsterung“, aus suggerĕre „zuführen, unterschieben“) wird in der Psychologie die auf das Unterbewusstsein wirkende manipulative Beeinflussung des Denkens, Fühlens oder Wollens einer anderen (Heterosuggestion) oder auch der eigenen Person (Autosuggestion) bezeichnet. Der Begriff wurde im 18. Jahrhundert von dem schottischen Chirurgen und Hypnoseforscher James Braid (1795-1860) eingeführt.

Der Astralleib verbindet körperliche und seelische Erscheinungen miteinander. Aus dieser Verbindung des Seelischen mit dem Körperlichen lässt sich auch verstehen, wie durch körperliche Ursachen bedingte Traumbilder entstehen, aber auch Phänomene wie Hypnotismus und Suggestion, die auf Naturwirkungen beruhen, die von Mensch zu Mensch gehen, aber normalerweise vom hellen Tagesbewusstsein überstrahlt und daher nicht wahrgenommen werden. Der Astralleib ist in diesem Sinn eine „Summe von Naturwirkungen, unter deren Einfluß wir stehen oder durch besondere Umstände stehen können; die von uns ausgehen, ohne daß unsere Seele dabei in Betracht kommt; und die doch nicht unter den Begriff rein physikalischer Erscheinungen fallen.“ (siehe nachfolgendes Zitat)

„Das erste Glied der menschlichen Natur nennt Paracelsus den Elementarleib; das zweite den ätherisch-himmlischen oder astralischen Leib, das dritte Glied nennt er Seele, - In den «astralischen» Erscheinungen sieht also Paracelsus eine Zwischenstufe zwischen den rein körperlichen und den eigentlichen Seelenerscheinungen. Sie werden also dann sichtbar werden, wenn der Geist, welcher die Naturgrundlage unseres Seins verhüllt, seine Tätigkeit einstellt. Die einfachste Erscheinung dieses Gebietes haben wir in der Traumwelt vor uns. Die Bilder, die uns im Traume umgaukeln, mit ihrem merkwürdigen sinnvollen Zusammenhange mit Vorgängen in unserer Umgebung und mit Zuständen unseres eigenen Innern, sind Erzeugnisse unserer Naturgrundlage, die durch das hellere Licht der Seele verdunkelt werden. Wenn ein Stuhl neben meinem Bette umfällt, und ich träume ein ganzes Drama, das mit einem durch ein Duell verursachten Schuß endet, oder wenn ich Herzklopfen habe, und ich träume von einem kochenden Ofen, so kommen Naturwirkungen zum Vorschein, sinnvoll und bedeutsam, die ein Leben enthüllen, das zwischen den rein organischen Funktionen und dem im hellen Bewußtsein des Geistes vollzogenen Vorstellen liegt. An dieses Gebiet schließen sich alle Erscheinungen an, die dem Felde des Hypnotismus und der Suggestion angehören. Wir können in der Suggestion eine Einwirkung von Mensch auf Mensch sehen, die auf einen durch die höhere Geistestätigkeit verhüllten Zusammenhang der Wesen in der Natur deutet. Von hier aus eröffnet sich die Möglichkeit das zu verstehen, was Paracelsus als «astralischen» Leib deutet. Er ist die Summe von Naturwirkungen, unter deren Einfluß wir stehen oder durch besondere Umstände stehen können; die von uns ausgehen, ohne daß unsere Seele dabei in Betracht kommt; und die doch nicht unter den Begriff rein physikalischer Erscheinungen fallen.“ (Lit.:GA 7, S. 110f)

Die suggestive Beeinflussung kann bei willensschwächeren Personen mit dementsprechender Suggestibilität etwa in der Hypnose erfolgen, eventuell verbunden mit einem posthypnotischen Effekt, der später z. B. durch ein Wort oder eine Geste ausgelöst werden kann. Eine besonders hohe und nahezu allgegenwärtige Suggestivkraft (Suggestivität) haben kollektive, gesellschaftlich anerkannte Autoritäten, die sogar das Weltbild ganzer Epochen nachhaltig prägen können. In unserem gegenwärtigen Informationszeitalter ist diese Wirkung durch den flächendeckenden Einsatz technischer Medien noch um ein Vielfaches gesteigert.

„Die Suggestionen wirken in unserem öffentlichen Leben so ungeheuer, daß man einfach sehen kann, wie in großen Versammlungen, die mit Tausenden von Menschen stattfinden, auf die Zuhörer nicht das wirkt, was man freie Überzeugung nennt, sondern einfach das, was der Redner durch Suggestion an sie heranbringt. Und die, welche zugehört haben, tragen die Suggestion weiter, so daß vieles, was heute getan wird, unter der Macht einer Suggestion zustande gekommen ist. Solche Imponderabilien muß aber derjenige, der in das praktische Leben eingreift, kennen und beobachten. Wenn man diesen Weg fein zu beobachten versteht, kommt man auch dazu, einzusehen, wie solche Suggestionen wirken.“ (Lit.:GA 53, S. 463)

Rudolf Steiner nennt in diesem Zusammenhang vor allem auch die mächtige suggestive Wirkung der materialistischen Wissenschaft, die das Verständnis für wirkliche Geistesforschung nachhaltig behindert.

„Grundsätzlich müßte es für jeden Menschen feststehen, daß er nur über das etwas behaupten darf, worüber er etwas weiß, und daß er niemals über das etwas sagen sollte, worüber er nichts weiß. Daher sind alle Urteile, welche der Geisteswissenschaft entgegengebracht werden, die von der Voraussetzung ausgehen: Das sind Welten, von denen man nichts wissen kann - , ein heilloses logisches Unding. Es darf nie das Urteil gefällt werden: Es gibt eine Welt für mich nicht, weil ich nichts von ihr weiß! - Das zur Charakteristik dessen, was uns an Vorurteilen entgegengebracht wird. Das sind die wissenschaftlichen Suggestionen der Gegenwart. Und wie viele Leute stehen unter diesen wissenschaftlichen Suggestionen! Wie schwer hat man es heute, gegen diese Suggestionen anzukämpfen! Ein geisteswissenschaftlicher Vortrag wird einmal gehört und dann werden den Leuten wieder Hunderte und Tausende von Dingen vor das Auge gebracht, die ihnen als höchst bedeutsame Tatsachen hingestellt werden, aber immer verwoben mit dem, was nicht der materialistischen Wissenschaft, sondern der materialistischen Deutung der Wissenschaft entspringt.

Wie schwer es ist, mit der Vernunft gegen diese Suggestionen zu kämpfen, kann nur der wissen, der tiefer in das Geistesleben hineinschaut. So ist gerade das populäre wissenschaftliche Treiben etwas, was sich äußerst abträglich auswirkt, weil es mit einer autoritativen Unfehlbarkeit auftritt, die erst künftige Zeiten in dem richtigen Lichte werden beurteilen können. Der heutige Mensch hat noch keine Ahnung davon, in welchem Grade er den Suggestionen unterliegt, die von den Autoritäten ausgehen. Betrachten Sie das, was ich sage, nur als Charakteristik, und bedenken Sie, wie paradox es doch ist, wenn Völker kämpfen, um eine Autorität abzuschütteln, während sie neuen zum Opfer fallen.“ (Lit.:GA 96, S. 78)

Durch derartige Massensuggestionen entstehen tiefsitzende Vorurteile und Illusionen, deren sich die Mehrheit der Menschen nicht bewusst sind.

„Nun, man kann alle Gebiete des Lebens in dieser Weise durchforschen, es ist ganz merkwürdig, wie man überall, überall heute die Illusionsfähigkeit ganz bedeutsam entwickelt findet. Diese Illusionsfähigkeit gibt gerade den Lebensauffassungen und Lebensgesinnungen der materialistisch gestimmten Leute zuweilen etwas Kindliches, um nicht zu sagen Kindisches. Wenn man heute sieht, was dazu gehört, damit Menschen das eine oder andere begreifen, was dazu gehört, sie mit der Nase drauf zu stoßen, dann wird man schon einen Begriff davon bekommen, was hier als «kindlich» um nicht zu sagen «kindisch», gemeint ist. Nun, so ist es. Wenn die Menschen sich abwenden von der geistigen Welt, dann müssen sie es damit bezahlen, daß sie illusionsfähig werden, daß sie die Fähigkeit verlieren, zutreffende Begriffe über die äußere physische Wirklichkeit und ihren Gang zu haben. Sie müssen auf einem anderen Gebiet phantasieren, weil sie an die Wahrheit - jetzt Wahrheit, ob sie nun auf das geistige oder physische Leben sich bezieht - sich nicht halten wollen [...]

Dies läßt sich nicht im einzelnen Falle gleich so beobachten, daß man sagen kann: Aha, da ist der; der wird durch seine Abneigung vor der geistigen Welt in Illusionen gestürzt! - Solche Beispiele findet man schon, aber man muß sie suchen; daß es aber im Leben nicht so ohne weiteres sich nachweisen läßt, das kommt davon her, weil das Leben kompliziert ist und eines das andere beeinflußt. Es ist immer so, daß durchaus die stärkere Seele die schwächere Seele beeinflußt. So liegt, wenn man bei einer Seele ein Stück Illusionsfähigkeit findet, schon irgendwie der Grund zu dieser Illusionsfähigkeit in einem Haß oder einer Abneigung vor der geistigen Welt; es braucht nicht in der Seele, die illusioniert ist, selber zu liegen, sondern es kann suggeriert sein. Denn auf geistigen Gebieten ist die Ansteckungskraft viel größer als auf irgendeinem physischen Gebiete.“ (Lit.:GA 175, S. 48ff)

Hypnose, Suggestion und bewusstes Denken

„Im Anschluß an diese Bemerkungen möchte ich ein paar Worte hierhersetzen über eine Frage, die im Hinblick auf die Erfahrungen des Hypnotismus den philosophischen Denker vor allen anderen Dingen interessiert. Ich meine die nach dem Verhältnis der Suggestion zu der auf logischem Wege gewonnenen Überzeugung. Es kann ja kein Zweifel darüber bestehen, daß bei aller qualitativen Verschiedenheit des hypnotischen von dem normalen Bewußtsein, Auto- und Fremdsuggestionen auch in dem letzteren eine große Rolle spielen und ein großer Teil dessen, was wir glauben und für wahr halten, auf suggestive Weise sich in uns festgesetzt hat. Niemals darf aber ein durch Suggestion zustande gekommener Vorstellungskomplex den Wert einer Überzeugung in Anspruch nehmen. Um so wichtiger ist es, die bezeichneten Gebiete streng auseinanderzuhalten. Wissenschaftliche Bedeutung kann ja doch nur dasjenige haben, was logisch erworbene Überzeugung ist. Wie kommt ein Urteil zustande? Wir kämen nie in die Lage, Vorstellungen logisch zu verbinden, wenn uns nicht die reale Einheit des Universums auseinandergelegt in eine Vielheit von VorStellungen erschiene. Der Grund für das letztere liegt in unserer geistigen Organisation. Wären wir anders organisiert, dann würden wir etwa den ganzen (physischen und geistigen) Kosmos mit einem einzigen Blicke überschauen. Es gäbe kein wissenschaftliches Denken. Das letztere besteht eben darinnen, die getrennten Elemente der Welt durch bewußte Tätigkeit zu vereinigen. Durch Entwickelung dieser Tätigkeit nähern wir uns immer mehr jenem Überschauen der Welt mit einem Blicke. Soll dieses Vereinigen ein wirklich logisches sein, dann ist zweierlei dazu notwendig. Erstens müssen wir die Elemente der Welterscheinungen im abgesonderten Zustande ihrem Inhalte nach genau durchschauen; zweitens aus diesem Inhalte die Art und Weise finden, wie wir die getrennten Einzelheiten in objektiver Weise dem einheitlichen Weltganzen einzufügen haben. Nur dann, wenn sich die uns gegebenen Weltelemente ganz passiv bei dieser Vereinigung verhalten und diese lediglich durch unser «Ich» zustande kommt, dann ist das Ergebnis mit dem Namen einer Überzeugung zu belegen.

Es ist aber ohne Frage, daß dieselbe Verbindung von Vorstellungen, die durch unser «Ich» bewirkt wird, auch sich unabhängig von demselben bloß durch die Anziehungskraft der Vorstellungen selbst vollziehen kann. Dies wird geschehen, wenn das «Ich» auf irgendeine Weise ausgeschaltet, in Untätigkeit versetzt wird. Die menschliche Psyche vereinigt ja zwei Momente: sie nimmt die Welt als Mannigfaltigkeit auf, als eine Summe von Einzelheiten, und sie verbindet dieselben auf höherer Stufe wieder zu jener Einheit, der sie entstammen. Weil sie einer solchen Einheit angehören, so werden sie nach Vereinigung auch dann streben, wenn sie im Bewußtsein anwesend sind und ihnen das «Ich» nicht als regelnder Faktor entgegentritt. Ist das der Fall, so haben wir es hier mit der Suggestion im weitesten Sinne zu tun. Für eine monistische Weltauffassung ist die letztere völlig verständlich. Was in einer Einheit wurzelt, strebt nach Verbindung, wenn es irgendwo als Vielheit auftritt. Da nun die Gesamtheit der Lebenserscheinungen eines Menschen immer das Ergebnis der in seinem Bewußtsein tätigen Kräfte ist, so wird sich dieselbe in zweifacher Weise geltend machen können. Ist der Vorstellungsablauf geregelt von dem «Ich», so werden die Erscheinungen der Persönlichkeit auch nur aus der Tätigkeit desselben abzuleiten sein; wird hingegen das «Ich» ausgelöscht, so muß die Ursache dessen, was sich in und mit der Persönlichkeit vollzieht, außerhalb derselben gesucht werden. Jeder Vorstellungskomplex oder jede Handlung der letzteren Art ist nur als Suggestion aufzufassen. Zwischen dem in tiefer Hypnose Handelnden und dem Schulgelehrten, dessen Methode nicht auf Erwägungen seines eigenen «Ich», sondern auf solchen des Schulhauptes beruht, ist nur ein gradueller Unterschied. Erst derjenige, der die Weltzusammenhänge so durchschaut, daß sein Urteil völlig unabhängig wird von jeglichem äußeren Einflüsse, erhebt seinen Vorstellungsinhalt über eine Summe von Suggestionen. Wir können deshalb bei so vielen Menschen sagen, wie sie in einem gegebenen Falle handeln oder denken werden, weil wir die Suggestionen kennen, unter deren Einfluß sie stehen. Ein unter Wirkung einer Suggestion lebender Mensch gliedert sich ein in die Kette niederer Naturvorgänge, wo ja auch immer die Ursachen zu einer Erscheinung nicht in derselben, sondern außer ihr gesucht werden müssen. Nur das «Ichbewußtsein » hebt uns heraus aus dieser Kette, zerreißt die Verbindung mit der übrigen Natur, um sie innerhalb des Bewußtseins wieder zu schließen.“ (Lit.:GA 30, S. 337ff)

Literatur

Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.