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Leber und Fragemotiv: Unterschied zwischen den Seiten

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Die '''Leber''' ({{ELSalt|ἧπαρ}} ''Hepar'', {{laS|''iecur''}}) ist das zentrale [[Organ|Stoffwechselorgan]] des [[Organismus]] und bildet die größte [[Drüse]] im Körper der [[Wirbeltiere]]. Sie ist das [[Leben]]sorgan schlechthin und zeichnet sich durch ihre hohe [[Regeneration]]sfähigkeit aus; der [[Ätherleib]] erweist sich hier als besonders wirksam. Die [[mensch]]liche Leber wiegt etwa 1500 bis 2000 g und liegt rechts im [[Wikipedia:Epigastrium|Oberbauch]] (''Epigastrium''). Sie ist durch mehrere [[Wikipedia:Band (Anatomie)|Bänder]] in der Bauchhöhle fixiert. [[Wikipedia:Anatomisch|Anatomisch]] gliedert sie sich in zwei große und zwei kleine Leberlappen. Der rechte große Leberlappen (''Lobus dexter'') liegt unter dem [[Wikipedia:Zwerchfell|Zwerchfell]], der linke große Leberlappen (''Lobus sinister'') ragt bis in den linken Oberbauch hinein. Die beiden kleineren Lappen sind der quadratischen Lappen (''Lobus quadratus'') und der „geschwänzten“ Lappen (''Lobus caudatus''). Im [[Makrokosmos]] entspricht die Leber dem [[Planet]]en [[Jupiter]] {{GZ||128|36}} und dem zugehörigen [[Planetenmetall]] [[Zinn]].
Das '''Fragemotiv''', wie es sich in vielen [[Märchen]] und [[Sagen]] findet, stammt aus der Zeit des alten [[traum]]haften [[Hellsehen]]s und zeigt einen wichtigen Grundzug allen geistigen Erlebens. In der [[sinnlich]]-[[physisch]]en Welt stellen wir Fragen an die [[Natur]] bzw. an die Dinge, die und umgeben, sofern wir nicht interesselos stumpf an ihnen vorübergehen. In der [[Geistige Welt|geistigen Welt]] ist das anders - da werden uns von den [[Wesenheit]]en, die uns entgegenkommen, die Fragen gestellt und es hängt von unserer geistigen Reife ab, ob wir sie beantworten können.


== Die Leber als Willensorgan ==
{{GZ|In der physischen Welt können wir so an den Dingen
vorbeigehen, daß wir, indem wir die Dinge betrachten, sagen: Wie ist
es mit dem Wesen dieses Dinges? Wie verhält es sich denn? Was ist
das Gesetz dieses Wesens, dieses Vorgangs? Oder aber, wir gehen
stumpf vorbei und fragen überhaupt nicht... Auf dem geistigen Plane ist es so, daß die
Dinge und Wesenheiten um uns herum geistig sind; und die Dinge,
die fragen uns, nicht wir fragen die Dinge. Die Dinge fragen uns,
sie stehen da, die Vorgänge und Wesenheiten, und wir stehen ihnen
gegenüber und werden fortwährend von ihnen gefragt. Wir müssen
jetzt die Möglichkeit haben aus dem unendlichen Meer von Weisheit
das herauszugreifen, was auf die Fragen antworten kann, die uns da
gestellt werden. Wir müssen nicht aus den Dingen und Vorgängen
heraus die Antworten suchen, sondern aus uns heraus, denn fragen tun
uns die Dinge, überall um uns herum sind die fragenden Dinge.


Die Leber ist das wesentliche [[Organ]], um [[Idee]]n in die Tat umzusetzen. Ist die Lebertätigkeit gestört, treten [[Wille]]nshemmungen auf.
Dabei kommt noch das Folgende in Betracht: Nehmen wir an, wir
stünden irgendeinem Vorgang oder Wesen der geistigen Welt gegenüber,
wir treten eigentlich ihm gar nicht anders gegenüber, als daß es an
uns eine Frage stellt. Nehmen wir an, es stellt die Frage. Wir stehen da mit
unserer Weisheit. Aber wir finden nicht die Möglichkeit, ein solches
Wollen, fühlendes Wollen, wollendes Fühlen zu entwickeln, daß wir
aus dieser Weisheit heraus die Antwort geben können, trotzdem wir
wissen: die Antworten sind in uns. Unser Inneres ist von unendlicher
Tiefe, alle Antworten sind in uns, aber wir finden nicht die Möglichkeit,
wirklich die Antwort zu geben. Und die Folge davon ist, daß
wir im Zeitenstrome vorbeisausen und die Möglichkeit, den rechten
Zeitpunkt nämlich, versäumen, die Antwort zu geben, weil wir uns
nicht die Fähigkeit erworben haben, vielleicht durch unsere vorhergehende
Entwickelung, die Reife zu haben, auf diese Frage schon in
dem Zeitpunkt zu antworten. Wir haben uns in bezug auf das, was
wir antworten sollten, zu langsam entwickelt: wir könnten erst später
antworten. Aber die Gelegenheit kommt nicht wieder, wir haben
sie versäumt. Wir haben nicht alle Gelegenheiten ausgenützt. So
gehen wir vorbei an Dingen und Vorgängen, ohne ihnen Antwort zu
geben. Solche Erlebnisse machen wir fortwährend in der geistigen
Welt. Es kommt also vor, daß wir in dem Leben zwischen Tod und
einer neuen Geburt vor einem Wesen stehen, das uns fragt. Wir
haben es nicht dahin gebracht durch unsere Erdenleben und die dazwischenliegenden
geistigen Leben, jetzt, wo es uns fragt, Antwort
zu geben. Wir müssen vorbei, müssen in die nächste Inkarnation
hinein. Die Folge davon ist, daß wir erst wiederum durch die guten
Götter, ohne unser Bewußtsein, in der nächsten Erdenverkörperung
die Impulse bekommen müssen, damit wir beim nächsten Male
nicht wieder an derselben Frage vorbeigehen...


<div style="margin-left:20px">
Geisteswissenschaft
"Denn die Crux ist, daß die Leber
zeigt uns, daß der Mensch, wie er jetzt in dem gegenwärtigen Zeitenzyklus
nicht bloß das Organ ist beim Menschen, das die heutige Physiologie
ist, wenn er durch das Leben zwischen dem Tod und einer
beschreibt, sie ist im eminentesten Sinne dasjenige Organ, das dem
neuen Geburt geht, immerfort und immer mehr und mehr vor den
Menschen die Courage gibt, eine ausgedachte Tat in eine wirklich ausgeführte
fragenden Wesenheiten zur rechten Zeit Antwort geben muß. Denn
umzusetzen. Also wenn es geschieht, daß ich so organisiert bin
davon, ob er Antwort geben kann, hängt seine richtige Fortentwickelung
als Mensch, daß da ein Tram wegfährt, ich weiß, ich soll nach Basel
ab, seine Annäherung an das Ideal der Götter von dem vollkommenen
fahren - es gibt solche Menschen - ich bin schon da: im letzten Moment
Menschen. Wie gesagt, ins Traumhafte umgesetzt hatten
kann ich nicht aufsteigen, es will mich etwas zurückhalten, ich komme
das früher die Menschen, und es ist ein Überrest davon geblieben in
nicht dazu, aufzusteigen! - Sehen Sie, so etwas enthüllt sich manchmal
zahlreichen märchenartigen, sagenartigen Motiven. Sie werden immer
auf eine merkwürdige Weise, wenn eine Stockung des Willens auftritt.
weniger im Volk. Aber diese märchenartigen, sagenartigen Motive,
Wenn aber so etwas auftritt, dann liegt immer ein feiner Leberdefekt
die erzählen uns dann etwa: Der oder jener begegnet einem geistigen
vor. Die Leber vermittelt immer das Umsetzen der vorgenommenen
Wesen, das stellt immer wieder und wieder Fragen an ihn, und er steht
Ideen in die durch die Gliedmaßen durchgeführten Handlungen." {{Lit|{{G|317|22}}}}
ihm gegenüber, muß antworten. Aber er hat das Bewußtsein: bis
</div>
zu einem gewissen Glockenschlage oder sonst etwas muß er antworten.
Dieses, was man das Fragemotiv der Märchen und Sagen nennen
könnte, ist sehr verbreitet. Das ist in dem früheren traumhaften Hellsehen
dasselbe gewesen, was nun wiederum in der geistigen Welt
auftritt in der Form, wie ich es geschildert habe.|153|133ff}}


== Die Leber und das Wasserelement ==
== Der Albtraum, das Fragemotiv und die Sphinx ==
[[Bild:Gustave Moreau Oedipus.jpg|thumb|200px|[[Wikipedia:Gustave Moreau|Gustave Moreau]], Ödipus und die Sphinx]]
In verfeinerter Form zeigt sich der [[Albtraum]] in der Rätselfrage der [[Sphinx]], wie sie durch die [[Ödipus]]-Sage überliefert ist. Sie beruht auf dem [[luzifer]]ischen Einfluss auf die [[Atmung]] und [[Blut]]bewegung, der in der [[Griechisch-Lateinische Kultur|griechisch-lateinischen Zeit]] besonders stark war und zu einer Ausweitung des [[Ätherleib]]s über die Grenzen des [[Physischer Leib|physischen Leibs]] führte. Heute tritt an dessen Stelle vermehrt der [[ahriman]]ische Einfluss, der sich im Erleben der [[Mephistopheles]]-Gestalt äußert, wie sie [[Goethe]] in seiner [[Faust-Tragödie]] schildert.


Die Leber hat einen starken Bezug zum [[Wasser]]element, das der stoffliche Träger des [[Ätherleib]]s ist. Wenn wir Durst empfinden, hängt das ebenfalls mit dem Lebersystem zusammen.
{{GZ|In das menschliche Leben spielen immer Erlebnisse
herein, die von Luzifer und Ahriman stammen. In das Grunderlebnis
der vierten nachatlantischen Periode spielte insbesondere Luzifer
herein; in unsere Periode spielt Ahriman herein und bedingt das
Grunderlebnis. Nun hängt Luzifer mit alledem zusammen, was noch
nicht bis zur Deutlichkeit der einzelnen Sinne sich ausgewachsen hat,
was undeutlich an den Menschen, undifferenziert an ihn herankommt.
Mit andern Worten, Luzifer hängt mit dem Atemerlebnis zusammen,
mit dem Erlebnis des Ein- und Ausatmens. Das Atmen des Menschen
ist etwas, was in einem ganz bestimmten geregelten Verhältnis stehen
muß zu seiner Gesamtorganisation. In dem Augenblick, wo der Atmungsprozeß
in irgendeiner Weise gestört ist, verwandelt sich sogleich
die Atmung aus dem, wie sie sonst auftritt, nämlich als unbewußter
Vorgang, auf den wir nicht zu achten brauchen, in einen bewußten, in
einen mehr oder weniger traumhaft bewußten Vorgang. Und wenn -
wir können es ganz trivial ausdrücken - der Atmungsprozeß zu energisch
wird, wenn er größere Anforderungen an den Organismus stellt,
als dieser Organismus leisten kann, dann hat Luzifer die Möglichkeit,
mit dem Atmen einzudringen in den menschlichen Organismus. Er muß
es ja nicht selbst sein, aber seine Scharen tun es, diejenigen, die zu ihm
gehören.


<div style="margin-left:20px">
Ich weise damit auf eine Erscheinung hin, welche jeder kennt als
"Alles dasjenige nun, was mit dem Wässerigen zusammenhängt,
Traumerlebnis. Dieses Traumerlebnis kann sich in beliebiger Weise
was mit dem Flüssigen zusammenhängt, für das müssen wir die
steigern. Der Alptraum, wo also der Mensch durch das gestörte Atmen
tieferen Gründe in dem Lebersystem suchen. So wie die Atemnot
zum Traumbewußtsein kommt, so daß sich Erlebnisse der geistigen Welt
und Atemregulierung, der Atembedarf, mit dem Nierensystem
hineinmischen können, und auch alle Angst- und Furchterlebnisse, die
zusammenhängt, so hängt der Durst mit dem Lebersystem zusammen.
mit Alpträumen verbunden sind, haben in dem luziferischen Element
Aller Durst hängt mit dem Lebersystem zusammen. Das wäre
der Welt ihren Ursprung. Alles, was vom gewöhnlichen Atmungsprozeß
schon eine interessante Aufgabe, einmal die Wechselbeziehungen
übergeht zum Würgen, zu dem Gefühl des Gewürgtwerdens,
der verschiedenen menschlichen Dursteigenschaften in den Leberwirkungen
das hängt zusammen mit dieser Möglichkeit, daß Luzifer sich einmischt
zu studieren. Und innig hängen mit der Innenbeschaffenheit
in den Atmungsprozeß. Das ist der grobe Prozeß, wo durch eine Herabminderung
der Lunge, gewissermaßen mit dem Innenstoffwechsel der
des Bewußtseins Luzifer sich in das Atemerlebnis hineinmischt,
Lunge, die Erscheinungen des Hungers und all dasjenige zusammen,
gestaltenhaf t in das Traumbewußtsein tritt und da zum Würger
was auf diesem Felde steht." {{Lit|{{G|312|225}}}}
wird. Das ist das grobe Erlebnis.
</div>


== Die Leber als «Chemikator» ==
Es gibt aber auch ein feineres Erlebnis, das uns dieses Würgeerlebnis
gleichsam verfeinert, nicht so grob wie ein physisches Würgen darstellt.
Man achtet gewöhnlich nicht darauf, daß eine solche Verfeinerung des
Würgens zu den menschlichen Erlebnissen gehört. Aber jedesmal, wenn
an die menschliche Seele dasjenige herantritt, was zu einer Frage wird
oder zu einem Zweifel an diesem oder jenem in der Welt, dann ist in
verfeinerter Weise ein Würgeerlebnis da. Man kann schon sagen: Wenn
wir eine Frage aufstellen müssen, wenn ein kleines oder ein großes Weltenrätsel
sich uns aufdrängt, dann werden wir gewürgt, aber so, daß
wir es nicht merken. - Jeder Zweifel, jede Frage ist ein verfeinertes
Alpdrücken oder ein verfeinerter Alptraum.


<div style="margin-left:20px">
So verwandeln sich die Erlebnisse, die uns sonst grob entgegentreten,
"Der Mensch hat in sich — wenn
in feinere Erlebnisse, wenn sie mehr seelisch auftreten. Man kann sich
ich mich so ausdrücken darf — einen Chemikator. Er hat etwas von
schon denken, daß die Wissenschaft einmal dazu kommen wird, den
der himmlischen Sphäre in sich, in der der Ursprung der chemischen
Zusammenhang des Atmungsprozesses mit der Fragestellung oder der
Aktionen liegt. Und das ist recht stark lokalisiert im Menschen,
Empfindung eines Zweifels in der Menschenseele zu studieren. Aber
was da so wirkt, das ist nämlich lokalisiert in der Leber.
auch alles das, was mit Fragen und Zweifeln zusammenhängt, alles das,
Und studieren Sie diese ganze merkwürdige Tätigkeit, welche die
was damit zusammenhängt, daß wir unbefriedigt sind, weil die Welt an
Leber im menschlichen Organismus entfaltet, all den Anteil, den
uns herantritt und eine Antwort verlangt, oder weil wir gezwungen
sie hat auf der einen Seite, indem sie, ich möchte sagen, wie saugend
sind, eine Antwort zu geben durch das, was wir sind, hängt mit dem
wirkt für die Beschaffenheit des Blutes, auf der anderen Seite,
Luziferischen zusammen.
indem sie regulierend wirkt durch die Gallenabsonderung im
menschlichen Organismus, für die ganze Zubereitung der Blutflüssigkeit.
Sehen Sie diese ganze ausgebreitete Tätigkeit der Leber
an, und Sie werden in ihr erblicken müssen dasjenige, was, wenn
es zu Ende studiert wird, die Chemie, die wirkliche Chemie gibt,
denn unsere äußerliche Chemie ist ja auf der Erde gar nicht in
ihrer Wirklichkeit zu finden. Die müssen wir ja als ein Spiegelbild
der außermenschlichen chemischen Sphäre ansehen. Aber
wir können auch diese außerirdische Sphäre studieren, indem
wir alle die wunderbaren Wirkungen der menschlichen Leber
studieren [...]


Alles
Wenn wir nun die Sache geisteswissenschaftlich betrachten, so können
dasjenige überhaupt, was laugenartig ist, hat eine Wirkung tiefer
wir sagen: Bei allem, wo der Würgeengel im Alptraum uns bedrückt,
nach dem Inneren des Organismus zu gelegen, nach den Leberprozessen
oder wo wir durch die Fragestellung eine innere Bedrückung,
hin, während alles dasjenige, was mit Carbo vegetabilis
einen Anflug von Beängstigung erfahren, haben wir es mit einem gleichsam
zusammenhängt, mit seinen Wirkungen nach dem Nierentrakt hinweist.
stärkeren, energischeren Atmungsprozeß zu tun, mit etwas, was im
Und wir werden eine durchaus deutliche Wechselwirkung
Atem lebt, was aber, damit die menschliche Natur in der richtigen
wahrnehmen können zwischen alledem, was laugenartig ist, und
Weise funktioniert, harmonisiert, abgeschwächt werden muß, damit
dem, was Prozesse des Lebersystems sind." {{Lit|{{G|312|221}}}}
das Leben richtig verläuft. Was findet nun statt, wenn ein energischerer
</div>
Atmungsprozeß eintritt? Da ist gleichsam der Ätherleib und alles, was
mit der ätherischen Natur des Menschen zusammenhängt, zu weit ausgedehnt,
zu sehr auseinandergedrängt, und da sich das dann auslebt
im physischen Leibe, so kann es sich nicht auf den physischen Leib
beschränken, es will ihn gewissermaßen auseinanderzerren. Ein zu
üppiger, ein zu weit ausgedehnter Ätherleib liegt einem verstärkten
Atmungsprozeß zugrunde, und dann besteht die Möglichkeit für das
luziferische Element, sich besonders geltend zu machen.
Man kann also sagen: Das Luziferische kann sich in die menschliche
Natur hineinschleichen, wenn der Ätherleib geweitet ist. — Man kann
auch sagen: Das Luziferische hat die Tendenz, in einem der menschlichen
Form gegenüber geweiteten Ätherleibe sich auszudrücken, also
in einem Ätherleibe, der mehr Raum braucht, als in der menschlichen
Haut eingeschlossen ist, der die Form üppiger gibt. — Man kann sich
nun denken, daß man künstlerisch diese Frage beantworten will, und
da kann man sagen: So wie der menschliche Ätherleib normal ist, ist er
der Bildner der menschlichen Gestalt, die physisch vor uns steht. Aber
sobald er sich weitet, sobald er sich einen größeren Raum, weitere Grenzen
verschaffen will, als in der menschlichen Haut darinnen sind, will
er auch andere Formen geben. Es kann da nicht die menschliche Form
bleiben. Er will überall über die menschliche Form hinaus. - Dieses
Problem hat man in alter Zeit schon gelöst. Was für eine Form kommt
da heraus, wenn der geweitete Ätherleib, der nicht für das menschliche
Wesen, sondern für das luziferische Wesen paßt, sich Geltung verschafft
und formhaft vor die menschliche Seele tritt? Was kommt da
heraus? Die Sphinx!


== Leber und Musikalität ==
Hier haben wir eine besondere Art, uns in die Sphinx hinein zu vertiefen.
Die Sphinx ist es, was eigentlich an einem würgt. Wenn der
Ätherleib des Menschen durch die Energie des Atmens sich ausweitet,
taucht ein luziferisches Wesen in der Seele auf. Es lebt in diesem Ätherleibe
nicht die menschliche Gestalt, sondern die luziferische Gestalt, die
Sphinxgestalt. Die Sphinx taucht auf als die Zweifelaufwerferin, als
die Fragepeinigerin. Diese Sphinx hat also eine besondere Beziehung
zum Atmungsprozeß. Wiederum wissen wir aber, daß der Atmungsprozeß
eine besondere Beziehung zur Blutbildung hat. Daher lebt das
Luziferische auch im Blute, durchwogt und durchwallt das Blut.
Überall kann auf dem Umwege durch die Atmung das Luziferische
in das Blut des Menschen hinein, und wenn zuviel Energie in das
Blut hineinkommt, dann ist das Luziferische, die Sphinx, besonders
stark.


{{GZ|Aber das Bedeutsame besteht
So steht der Mensch dadurch, daß er in seinem Atmungsprozeß dem
darinnen, daß ein gewichtiger Unterschied ist zwischen der Leber eines
Kosmos geöffnet ist, der Sphinxnatur gegenüber. Dieses Erlebnis, in
Musikers und der Leber eines Nichtmusikers, weil die Leber sehr,
seinem Atmen der Sphinxnatur des Kosmos gegenüberzustehen, dieses
sehr viel zu tun hat mit dem, was widerklingt im Menschen von musikalischen
Grunderlebnis ging besonders in der vierten nachatlantischen, der griechisch-
Vorstellungen. Ja, es nützt nichts, in asketischer Erkenntnis
lateinischen Kulturperiode auf. Und in der Ödipus-Sage sehen
die Leber als ein geringes Organ zu betrachten. Diese Leber, die
wir, wie der Mensch der Sphinx gegenübersteht, wie die Sphinx sich an
scheinbar ein so geringes Organ ist, ist der Sitz alles dessen, was in
ihn kettet, zur Fragepeinigerin wird. Der Mensch und die Sphinx, oder
der schönen Folge der Melodien lebt, und die Leber hat sehr viel mit
wir können auch sagen, der Mensch und das Luziferische im Weltall
dem Anhören einer Symphonie zu tun. Nur muß man natürlich
sollten gleichsam als ein Grunderlebnis der vierten nachatlantischen
sich klar sein, daß diese Leber auch noch ein Ätherorgan hat und daß
Kulturperiode so hingestellt werden, daß, wenn der Mensch sein äußeres
das in erster Linie damit zu tun hat. Aber die äußere physische Leber
normales Leben auf dem physischen Plan nur ein wenig durchbricht,
ist eben gewissermaßen das Exsudat der Ätherleber und ist so gestaltet,
er mit der Sphinxnatur in Berührung kommt. Da tritt Luzifer in seinem
wie diese Ätherleber gestaltet ist.|201|111}}
Leben an ihn heran, und er muß mit Luzifer, mit der Sphinx fertig
werden.|158|99ff}}


== Zusammenhang der Leber mit den Wesensgliedern des Menschen ==
== Die versäumte Frage Parzivals ==


{{GZ|Der astralische Leib
{{Hauptartikel|Fragen|Tumbheit, Zwifel und Saelde}}
durchsetzt und durcharbeitet die Gehirnsubstanz, und es ist nichts
innerhalb der Gehirnsubstanz, nichts innerhalb irgendeiner Nervensubstanz,
worin nicht der astralische Leib neben dem ätherischen
Leib mitarbeitete. Nehmen Sie dagegen einen großen Teil der
Leber, so müßten Sie sich das so vorstellen, daß zwar der astralische
Leib auch die Leber durchdringt, daß er aber nichts tut in der
Leber, keinen Anteil nimmt an der inneren Organisation der Leber,
daß dagegen einen ganz wesentlichen Anteil nimmt an der Organisation,
an der Struktur der Leber der Ätherleib. Die verschiedenen
Organe sind eigentlich ganz verschiedene Dinge beim Menschen.
Ein Stück Leber ist etwas, was wir nur studieren können, wenn wir
wissen, daß da der Ätherleib mit seinen Kräften den Hauptanteil
hat und daß der astralische Leib, wie Wasser den Schwamm, zwar
die Leber durchsetzt, aber an der Bildung der Leber, an der inneren
Konfiguration derselben keinen besonderen Anteil hat. Ein Stück
Gehirnsubstanz können wir uns nicht anders vorstellen als so, daß
einen wesentlich großen Anteil der astralische Leib hat und nur
einen geringen der ätherische Leib. Wiederum an der ganzen
Struktur des Blutsystemes, bis in den Bau des Herzens hinein, hat
das Ich seinen wesentlichen Anteil, während zum Beispiel an der
Organisation der Nervensubstanz als solcher das Ich gar keinen
Anteil hat, geschweige denn an den anderen Organen.|136|124}}


== Die Leber als Spiegelungsorgan zur Erinnerung gefühlsmäßig gefärbter Gedanken ==
Die Verhältnisse ändern sich mit der Morgendämmerung des [[Bewusstseinsseelenzeitalter]]s. Heute muss der [[Mensch]] aktiv nach der [[Geistige Welt|geistigen Welt]] fragen, sonst bleibt sie verschlossen. Nur so kann er sich, wie es in der [[Parzival]]-Dichtung angedeutet wird, von der [[Tumbheit]] über den [[Zwifel]] zur [[Saelde]] erheben.


Die Leberoberfläche ist ein Spiegelungsorgan, durch das [[gefühl]]sbetonte [[Gedanke]]n wieder in der [[Erinnerung]] gerufen werden können:
{{GZ|Bei
den Menschen vor dem Mysterium von Golgatha war es so, daß sie wie
Kinder heranwuchsen: sie lernten gehen, sprechen, und sie lernten
selbstverständlich, solange die elementaren Kräfte im Sinne des alten
Hellsehens noch da waren, auch hellsehen. Sie lernten es wie etwas,
was sich ergab im Umgange mit der Menschheit, so wie es sich ergab
im Umgange mit der Menschheit, daß man durch die Organisation des
Kehlkopfes das Sprechen lernte. Man blieb aber nicht beim Sprechenlernen
stehen, sondern schritt vor zu dem elementaren Hellsehen. Dieses
elementare Hellsehen war gebunden an die gewöhnliche menschliche
Organisation so, wie die menschliche Organisation drinnenstand
in der physischen Welt; es mußte also notwendigerweise das
Hellsehen auch den Charakter der menschlichen Organisation annehmen.
Ein Mensch, der ein Wüstling war, konnte nicht eine reine Natur
in sein Hellsehen hineinschieben; ein reiner Mensch konnte seine reine
Natur auch in sein Hellsehen hineinschieben. Das ist ganz natürlich,
denn es war das Hellsehen an die unmittelbare menschliche Organisation
gebunden.


{{GZ|Nehmen Sie
Eine notwendige Folge davon war, daß ein gewisses Geheimnis -
die Lungenorganisation, Leberorganisation und so weiter, Sie kommen
das Geheimnis des Zusammenhanges zwischen der geistigen Welt und
dazu, nach dem Inneren schauend, gewissermaßen die Oberfläche der
der physischen Erdenwelt -, das vor dem Herabstieg des Christus
einzelnen Organe zu überblicken, natürlich durch geistigen Blick nach
Jesus bestand, nicht für diese gewöhnliche menschheitliche Organisation
innen. Was ist diese Oberfläche der Organe? Diese Oberfläche der Organe
enthüllt werden durfte. Es mußte die menschheitliche Organisation erst
ist nämlich nichts anderes als ein Spiegelungsapparat für das seelische
umgestaltet, erst reif gemacht werden. Der Jüngling von Sais durfte
Leben. Was wir wahrnehmen und auch was wir gedanklich verarbeiten,
nicht ohne weiteres, von außen kommend, das Bild der Isis sehen.
das spiegelt sich an der Oberfläche unserer sämtlichen inneren
Mit dem vierten nachatlantischen Zeiträume, in welchen das Mysterium
Organe, und diese Spiegelung bedeutet unsere Erinnerungen, unser Gedächtnis
von Golgatha hineinfiel, war das alte Hellsehen verschwunden.
während des Lebens. Also was sich da, nachdem wir es wahrgenommen
Eine neue Organisation der Menschenseele trat auf, eine Organisation
und verarbeitet haben, an der Außenfläche unseres Herzens,
der Menschenseele, die überhaupt abgeschlossen bleiben muß von der
unserer Lunge, unserer Milz und so weiter spiegelt, was da zurückgeworfen
geistigen Welt, wenn sie nicht fragt, wenn sie nicht den Trieb hat, der
wird, das ist dasjenige, was die Erinnerungen abgibt. Und bei
in der Frage liegt. Dieselben schädlichen Kräfte, die in alten Zeiten an
einer gar nicht sehr weitgehenden Trainierung können Sie schon bemerken,
die Menschenseele herangetreten sind, können nicht an sie herantreten,
wie gewisse Gedanken auf den ganzen Organismus zurückstrahlen
wenn man gerade nach dem Geheimnis fragt, das das Geheimnis des
in der Erinnerung. Da sind die verschiedensten Organe beteiligt.
Heiligen Grales ist. Denn in diesem Geheimnisse birgt sich das, was seit
Wenn es sich zum Beispiel handelt um die Erinnerung, sagen wir
dem Mysterium von Golgatha in die Aura der Erde jetzt ausgeflossen
sehr abstrakter Gedanken, da ist außerordentlich stark beteiligt daran
ist. Was früher nicht in sie ausgeflossen war, was jetzt als das Geheimnis
die Lunge, die Lungenoberfläche. Wenn es sich mehr um gefühlsgefärbte Gedanken handelt, um Gedanken also, die eine Gefühlsnuance
des Grales in die Erdenaura ausgeflossen ist, bliebe einem doch
haben, da ist sehr stark die Leberoberfläche daran beteiligt. So daß
immer verschlossen, wenn man nicht fragt. Man muß fragen, was aber
wir wirklich im einzelnen gut beschreiben können, wie die einzelnen
nichts anderes heißt als: man muß den Trieb haben, dasjenige, was
Organe des Menschen beteiligt sind an dieser Rückstrahlung, die dann
ohnedies in der Seele lebt, wirklich zu entfalten.
als Gedächtnis, als Erinnerungsvermögen auftritt. Wir dürfen nicht,
wenn wir das Seelische ins Auge fassen, sagen: Im Nervensystem
allein liegt der Parallelorganismus für das seelische Leben; im ganzen
menschlichen Organismus liegt diese Parallelorganisation für das
menschliche Seelenleben.|205|100f}}


== Leber und Ich-Organisation ==
Vor dem Mysterium von Golgatha war es nicht in der Seele, denn
der Christus war nicht in der Erdenaura. Vor dem Mysterium von
Golgatha würde jemand ohne weiteres, wenn er nur das Bild der Isis
im rechten Sinne geschaut und ihr Geheimnis ergründet hatte, durch
das, was in ihm noch an alten hellseherischen Kräften vorhanden war,
seine ganze Menschennatur da hineingelegt haben, und er würde es
dann so erkannt haben.


Die Leber steht in engem Zusammenhang mit dem [[Wärmeleib]] und mit der [[Ich-Organisation]] des [[Mensch]]en.
In der Zeit nach dem Mysterium von Golgatha wird eine Seele, die
 
zum Fragen kommt, im rechten Sinne zum Fragen kommen, und sie
{{GZ|... die Niere hat eine innige Beziehung zum astralischen Leib, und die Leber zum Ich.|218|80}}
wird auch im rechten Sinne das neue Isis-Mysterium empfinden können.
 
Daher ist es so, daß es heute ankommt auf das richtige Fragen,
{{GZ|In die Ich-
das heißt auf das richtige Sich-Stellen zu dem, was als spirituelle Weltanschauung
Organisation wird alles aufgenommen zunächst durch das Leber-
verkündet werden kann. Kommt ein Mensch bloß aus der
Gallensystem. Dasjenige, was in der Wärmestruktur und in alledem,
Stimmung des Urteilens, dann kann er alle Bücher und alle Zyklen und
was im Leber-Gallensystem als Wärmestruktur vorhanden ist, strahlt
alles lesen - er erfährt gar nichts, denn ihm fehlt die Parzival-Stimmung.
so aus, daß der Mensch durchzogen ist mit dem, was Ich-Organisation
Kommt jemand mit der Fragestimmung, dann wird er noch
ist, die gebunden ist überhaupt an die Wärmedifferenzierungen
etwas ganz anderes erfahren, als was bloß in den Worten liegt. Er wird
im gesamten Organismus.
die Worte fruchtbar mit den Quellkräften in seiner eigenen Seele erleben.
 
Daß uns das, was uns spirituell verkündet ist, zu einem solchen
Zu dem, was ich jetzt sage, können Sie wirklich so exakt wie möglich
inneren Erleben werde, das ist es, worauf es ankommt.|148|169f}}
Ihre Versuchsmethoden ausgestalten. Denn erstens: Sehen Sie sich
niedere Tiere an, bei denen noch gar kein Anflug ist zu einer Ich-Organisation, seelisch angesehen. Da finden Sie keine ausgebildete
Leber, noch weniger Gallensäure im Prozeß. Diese Dinge entwickeln
sich auch phylogenetisch durchaus erst im Laufe der Tierreihe, wenn
es gegen die Ich-Organisation hingeht. Ganz parallel mit der Stärke
der Ich-Organisation, die ein Wesen bekommt, geht seine Leber-
Gallenausbildung. Und ebenso können Sie natürlich physiologische
Versuchsreihen anstellen, die Sie nur ausdehnen müssen über die verschiedenen
menschlichen Lebensalter. Dann werden Sie sehen, wie
mit der Leberfunktion zusammenhängt, was als Ich-Organisation im
Menschen vorhanden ist. Sie brauchen nur namentlich pathologische
Zustände, sagen wir, gewisse Kinderkrankheiten zu beobachten, die
letal ausgehen, und Sie werden schon finden, wie mit der Gallenabsonderung
gewisse seelische, nicht nach der Empfindungsseite hin,
sondern nach der Ich-Seite hin gehende Organisationen zusammenhängen.
Dann werden Sie eben finden: da eröffnet sich eine ungeheuer
fruchtbare Reihe von Versuchsmethoden, die zum Teil aber
zusammengesucht werden können aus dem, was die sinnenfälligempirische
Wissenschaft bietet, die nur ausgebildet werden müssen.
Sie werden sehen, daß in ebensolcher Weise, wie die physische Organisation
mit dem Kohlenstoff, die ätherische Organisation mit dem
Sauerstoff, die astralische Organisation mit dem Stickstoff, so die
Ich-Organisation mit dem Wasserstoff zusammenhängt. Sie werden
die ganzen Wärmedifferenzierungen eingliedern können — ich kann
das hier nur andeuten — in dasjenige, was der Wasserstoff als seine
besondere Funktion, natürlich immer in Verbindung mit anderen
Substanzen, im menschlichen Organismus ausübt. Und so kommen
wir dazu, indem wir aus dem Sinnlichen ins Übersinnliche sogleich
heraufsteigen, aber dieses Übersinnliche dadurch packen, daß wir
seine physischen Repräsentanten ins Auge fassen, den ganzen Menschen
gewissermaßen als eine sehr komplizierte Zelle, die beseelt
und durchgeistigt ist, auffassen zu können.|314|114f}}
 
== Die Leber und die innere Gehirndisposition der folgenden Inkarnation ==
 
Während die [[Lunge]] wesentlich die [[Kopf]]form der folgenden [[Inkarnation]] bestimmt, bildet sich durch die Leber die innere Disposition des [[Gehirn]]s für das nächste Erdenleben. Werden diese Kräfte schon in der gegenwärtigen Inkarnation wirksam, führt das zu [[Halluzination]]en oder starken [[Vision]]en.
 
{{GZ|Wenn Sie nun in derselben Weise, wie ich es jetzt für die Lunge
auseinandergesetzt habe, die Leber studieren, dann finden Sie: Da wird
ebenso im Inneren der Leber konzentriert an Kräften alles dasjenige,
was in der nächsten Inkarnation sich hinüberleitet in die inneren Dispositionen
des Gehirnes. Also wiederum auf dem Umwege des Stoffwechselorganismus
des jetzigen Lebens gehen die inneren Kräfte der
Leber hinüber, aber jetzt nicht in die Form des Kopfes wie die Lunge,
sondern in die innere Disposition des Gehirnes. Ob jemand ein scharfer
Denker ist in der nächsten Inkarnation, hängt davon ab, wie er sich in
der gegenwärtigen Inkarnation benimmt. So daß also auf dem Umweg
durch den Stoffwechsel in der Leber bestimmte Kräfte auftreten; wenn
diese Kräfte aber ausgepreßt werden in der gegenwärtigen Inkarnation,
dann führen sie zu Halluzinationen oder starken Visionen.|205|103}}
 
== Siehe auch ==
 
* {{WikipediaDE|Leber}}


== Literatur ==
== Literatur ==


#Rudolf Steiner: ''Eine okkulte Physiologie'', [[GA 128]] (1991), ISBN 3-7274-1281-X {{Vorträge|128}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Aus der Akasha-Forschung. Das Fünfte Evangelium'', [[GA 148]] (1992), ISBN 3-7274-1480-4 {{Vorträge|148}}
#Rudolf Steiner: ''Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen'', [[GA 136]] (1996), ISBN 3-7274-1361-1 {{Vorträge|136}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt'', [[GA 153]] (1997), ISBN 3-7274-1530-4 {{Vorträge|153}}
#Rudolf Steiner: ''Entsprechungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos'', [[GA 201]] (1987), ISBN 3-7274-2012-X {{Vorträge|201}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Der Zusammenhang des Menschen mit der elementarischen Welt'', [[GA 158]] (1993), ISBN 3-7274-1580-0 {{Vorträge|158}}
#Rudolf Steiner: ''Menschenwerden, Weltenseele und Weltengeist – Erster Teil'', [[GA 205]] (1987), ISBN 3-7274-2050-2 {{Vorträge|205}}
#Rudolf Steiner: ''Geisteswissenschaft und Medizin'', [[GA 312]] (1999), ISBN 3-7274-3120-2 {{Vorträge|312}}
#Rudolf Steiner: ''Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene'', [[GA 314]] (1989), ISBN 3-7274-3141-5 {{Vorträge|314}}
#Rudolf Steiner: ''Heilpädagogischer Kurs'', [[GA 317]] (1995), ISBN 3-7274-3171-7 {{Vorträge|317}}


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Aktuelle Version vom 17. April 2020, 00:53 Uhr

Das Fragemotiv, wie es sich in vielen Märchen und Sagen findet, stammt aus der Zeit des alten traumhaften Hellsehens und zeigt einen wichtigen Grundzug allen geistigen Erlebens. In der sinnlich-physischen Welt stellen wir Fragen an die Natur bzw. an die Dinge, die und umgeben, sofern wir nicht interesselos stumpf an ihnen vorübergehen. In der geistigen Welt ist das anders - da werden uns von den Wesenheiten, die uns entgegenkommen, die Fragen gestellt und es hängt von unserer geistigen Reife ab, ob wir sie beantworten können.

„In der physischen Welt können wir so an den Dingen vorbeigehen, daß wir, indem wir die Dinge betrachten, sagen: Wie ist es mit dem Wesen dieses Dinges? Wie verhält es sich denn? Was ist das Gesetz dieses Wesens, dieses Vorgangs? Oder aber, wir gehen stumpf vorbei und fragen überhaupt nicht... Auf dem geistigen Plane ist es so, daß die Dinge und Wesenheiten um uns herum geistig sind; und die Dinge, die fragen uns, nicht wir fragen die Dinge. Die Dinge fragen uns, sie stehen da, die Vorgänge und Wesenheiten, und wir stehen ihnen gegenüber und werden fortwährend von ihnen gefragt. Wir müssen jetzt die Möglichkeit haben aus dem unendlichen Meer von Weisheit das herauszugreifen, was auf die Fragen antworten kann, die uns da gestellt werden. Wir müssen nicht aus den Dingen und Vorgängen heraus die Antworten suchen, sondern aus uns heraus, denn fragen tun uns die Dinge, überall um uns herum sind die fragenden Dinge.

Dabei kommt noch das Folgende in Betracht: Nehmen wir an, wir stünden irgendeinem Vorgang oder Wesen der geistigen Welt gegenüber, wir treten eigentlich ihm gar nicht anders gegenüber, als daß es an uns eine Frage stellt. Nehmen wir an, es stellt die Frage. Wir stehen da mit unserer Weisheit. Aber wir finden nicht die Möglichkeit, ein solches Wollen, fühlendes Wollen, wollendes Fühlen zu entwickeln, daß wir aus dieser Weisheit heraus die Antwort geben können, trotzdem wir wissen: die Antworten sind in uns. Unser Inneres ist von unendlicher Tiefe, alle Antworten sind in uns, aber wir finden nicht die Möglichkeit, wirklich die Antwort zu geben. Und die Folge davon ist, daß wir im Zeitenstrome vorbeisausen und die Möglichkeit, den rechten Zeitpunkt nämlich, versäumen, die Antwort zu geben, weil wir uns nicht die Fähigkeit erworben haben, vielleicht durch unsere vorhergehende Entwickelung, die Reife zu haben, auf diese Frage schon in dem Zeitpunkt zu antworten. Wir haben uns in bezug auf das, was wir antworten sollten, zu langsam entwickelt: wir könnten erst später antworten. Aber die Gelegenheit kommt nicht wieder, wir haben sie versäumt. Wir haben nicht alle Gelegenheiten ausgenützt. So gehen wir vorbei an Dingen und Vorgängen, ohne ihnen Antwort zu geben. Solche Erlebnisse machen wir fortwährend in der geistigen Welt. Es kommt also vor, daß wir in dem Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt vor einem Wesen stehen, das uns fragt. Wir haben es nicht dahin gebracht durch unsere Erdenleben und die dazwischenliegenden geistigen Leben, jetzt, wo es uns fragt, Antwort zu geben. Wir müssen vorbei, müssen in die nächste Inkarnation hinein. Die Folge davon ist, daß wir erst wiederum durch die guten Götter, ohne unser Bewußtsein, in der nächsten Erdenverkörperung die Impulse bekommen müssen, damit wir beim nächsten Male nicht wieder an derselben Frage vorbeigehen...

Geisteswissenschaft zeigt uns, daß der Mensch, wie er jetzt in dem gegenwärtigen Zeitenzyklus ist, wenn er durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt geht, immerfort und immer mehr und mehr vor den fragenden Wesenheiten zur rechten Zeit Antwort geben muß. Denn davon, ob er Antwort geben kann, hängt seine richtige Fortentwickelung ab, seine Annäherung an das Ideal der Götter von dem vollkommenen Menschen. Wie gesagt, ins Traumhafte umgesetzt hatten das früher die Menschen, und es ist ein Überrest davon geblieben in zahlreichen märchenartigen, sagenartigen Motiven. Sie werden immer weniger im Volk. Aber diese märchenartigen, sagenartigen Motive, die erzählen uns dann etwa: Der oder jener begegnet einem geistigen Wesen, das stellt immer wieder und wieder Fragen an ihn, und er steht ihm gegenüber, muß antworten. Aber er hat das Bewußtsein: bis zu einem gewissen Glockenschlage oder sonst etwas muß er antworten. Dieses, was man das Fragemotiv der Märchen und Sagen nennen könnte, ist sehr verbreitet. Das ist in dem früheren traumhaften Hellsehen dasselbe gewesen, was nun wiederum in der geistigen Welt auftritt in der Form, wie ich es geschildert habe.“ (Lit.:GA 153, S. 133ff)

Der Albtraum, das Fragemotiv und die Sphinx

Gustave Moreau, Ödipus und die Sphinx

In verfeinerter Form zeigt sich der Albtraum in der Rätselfrage der Sphinx, wie sie durch die Ödipus-Sage überliefert ist. Sie beruht auf dem luziferischen Einfluss auf die Atmung und Blutbewegung, der in der griechisch-lateinischen Zeit besonders stark war und zu einer Ausweitung des Ätherleibs über die Grenzen des physischen Leibs führte. Heute tritt an dessen Stelle vermehrt der ahrimanische Einfluss, der sich im Erleben der Mephistopheles-Gestalt äußert, wie sie Goethe in seiner Faust-Tragödie schildert.

„In das menschliche Leben spielen immer Erlebnisse herein, die von Luzifer und Ahriman stammen. In das Grunderlebnis der vierten nachatlantischen Periode spielte insbesondere Luzifer herein; in unsere Periode spielt Ahriman herein und bedingt das Grunderlebnis. Nun hängt Luzifer mit alledem zusammen, was noch nicht bis zur Deutlichkeit der einzelnen Sinne sich ausgewachsen hat, was undeutlich an den Menschen, undifferenziert an ihn herankommt. Mit andern Worten, Luzifer hängt mit dem Atemerlebnis zusammen, mit dem Erlebnis des Ein- und Ausatmens. Das Atmen des Menschen ist etwas, was in einem ganz bestimmten geregelten Verhältnis stehen muß zu seiner Gesamtorganisation. In dem Augenblick, wo der Atmungsprozeß in irgendeiner Weise gestört ist, verwandelt sich sogleich die Atmung aus dem, wie sie sonst auftritt, nämlich als unbewußter Vorgang, auf den wir nicht zu achten brauchen, in einen bewußten, in einen mehr oder weniger traumhaft bewußten Vorgang. Und wenn - wir können es ganz trivial ausdrücken - der Atmungsprozeß zu energisch wird, wenn er größere Anforderungen an den Organismus stellt, als dieser Organismus leisten kann, dann hat Luzifer die Möglichkeit, mit dem Atmen einzudringen in den menschlichen Organismus. Er muß es ja nicht selbst sein, aber seine Scharen tun es, diejenigen, die zu ihm gehören.

Ich weise damit auf eine Erscheinung hin, welche jeder kennt als Traumerlebnis. Dieses Traumerlebnis kann sich in beliebiger Weise steigern. Der Alptraum, wo also der Mensch durch das gestörte Atmen zum Traumbewußtsein kommt, so daß sich Erlebnisse der geistigen Welt hineinmischen können, und auch alle Angst- und Furchterlebnisse, die mit Alpträumen verbunden sind, haben in dem luziferischen Element der Welt ihren Ursprung. Alles, was vom gewöhnlichen Atmungsprozeß übergeht zum Würgen, zu dem Gefühl des Gewürgtwerdens, das hängt zusammen mit dieser Möglichkeit, daß Luzifer sich einmischt in den Atmungsprozeß. Das ist der grobe Prozeß, wo durch eine Herabminderung des Bewußtseins Luzifer sich in das Atemerlebnis hineinmischt, gestaltenhaf t in das Traumbewußtsein tritt und da zum Würger wird. Das ist das grobe Erlebnis.

Es gibt aber auch ein feineres Erlebnis, das uns dieses Würgeerlebnis gleichsam verfeinert, nicht so grob wie ein physisches Würgen darstellt. Man achtet gewöhnlich nicht darauf, daß eine solche Verfeinerung des Würgens zu den menschlichen Erlebnissen gehört. Aber jedesmal, wenn an die menschliche Seele dasjenige herantritt, was zu einer Frage wird oder zu einem Zweifel an diesem oder jenem in der Welt, dann ist in verfeinerter Weise ein Würgeerlebnis da. Man kann schon sagen: Wenn wir eine Frage aufstellen müssen, wenn ein kleines oder ein großes Weltenrätsel sich uns aufdrängt, dann werden wir gewürgt, aber so, daß wir es nicht merken. - Jeder Zweifel, jede Frage ist ein verfeinertes Alpdrücken oder ein verfeinerter Alptraum.

So verwandeln sich die Erlebnisse, die uns sonst grob entgegentreten, in feinere Erlebnisse, wenn sie mehr seelisch auftreten. Man kann sich schon denken, daß die Wissenschaft einmal dazu kommen wird, den Zusammenhang des Atmungsprozesses mit der Fragestellung oder der Empfindung eines Zweifels in der Menschenseele zu studieren. Aber auch alles das, was mit Fragen und Zweifeln zusammenhängt, alles das, was damit zusammenhängt, daß wir unbefriedigt sind, weil die Welt an uns herantritt und eine Antwort verlangt, oder weil wir gezwungen sind, eine Antwort zu geben durch das, was wir sind, hängt mit dem Luziferischen zusammen.

Wenn wir nun die Sache geisteswissenschaftlich betrachten, so können wir sagen: Bei allem, wo der Würgeengel im Alptraum uns bedrückt, oder wo wir durch die Fragestellung eine innere Bedrückung, einen Anflug von Beängstigung erfahren, haben wir es mit einem gleichsam stärkeren, energischeren Atmungsprozeß zu tun, mit etwas, was im Atem lebt, was aber, damit die menschliche Natur in der richtigen Weise funktioniert, harmonisiert, abgeschwächt werden muß, damit das Leben richtig verläuft. Was findet nun statt, wenn ein energischerer Atmungsprozeß eintritt? Da ist gleichsam der Ätherleib und alles, was mit der ätherischen Natur des Menschen zusammenhängt, zu weit ausgedehnt, zu sehr auseinandergedrängt, und da sich das dann auslebt im physischen Leibe, so kann es sich nicht auf den physischen Leib beschränken, es will ihn gewissermaßen auseinanderzerren. Ein zu üppiger, ein zu weit ausgedehnter Ätherleib liegt einem verstärkten Atmungsprozeß zugrunde, und dann besteht die Möglichkeit für das luziferische Element, sich besonders geltend zu machen. Man kann also sagen: Das Luziferische kann sich in die menschliche Natur hineinschleichen, wenn der Ätherleib geweitet ist. — Man kann auch sagen: Das Luziferische hat die Tendenz, in einem der menschlichen Form gegenüber geweiteten Ätherleibe sich auszudrücken, also in einem Ätherleibe, der mehr Raum braucht, als in der menschlichen Haut eingeschlossen ist, der die Form üppiger gibt. — Man kann sich nun denken, daß man künstlerisch diese Frage beantworten will, und da kann man sagen: So wie der menschliche Ätherleib normal ist, ist er der Bildner der menschlichen Gestalt, die physisch vor uns steht. Aber sobald er sich weitet, sobald er sich einen größeren Raum, weitere Grenzen verschaffen will, als in der menschlichen Haut darinnen sind, will er auch andere Formen geben. Es kann da nicht die menschliche Form bleiben. Er will überall über die menschliche Form hinaus. - Dieses Problem hat man in alter Zeit schon gelöst. Was für eine Form kommt da heraus, wenn der geweitete Ätherleib, der nicht für das menschliche Wesen, sondern für das luziferische Wesen paßt, sich Geltung verschafft und formhaft vor die menschliche Seele tritt? Was kommt da heraus? Die Sphinx!

Hier haben wir eine besondere Art, uns in die Sphinx hinein zu vertiefen. Die Sphinx ist es, was eigentlich an einem würgt. Wenn der Ätherleib des Menschen durch die Energie des Atmens sich ausweitet, taucht ein luziferisches Wesen in der Seele auf. Es lebt in diesem Ätherleibe nicht die menschliche Gestalt, sondern die luziferische Gestalt, die Sphinxgestalt. Die Sphinx taucht auf als die Zweifelaufwerferin, als die Fragepeinigerin. Diese Sphinx hat also eine besondere Beziehung zum Atmungsprozeß. Wiederum wissen wir aber, daß der Atmungsprozeß eine besondere Beziehung zur Blutbildung hat. Daher lebt das Luziferische auch im Blute, durchwogt und durchwallt das Blut. Überall kann auf dem Umwege durch die Atmung das Luziferische in das Blut des Menschen hinein, und wenn zuviel Energie in das Blut hineinkommt, dann ist das Luziferische, die Sphinx, besonders stark.

So steht der Mensch dadurch, daß er in seinem Atmungsprozeß dem Kosmos geöffnet ist, der Sphinxnatur gegenüber. Dieses Erlebnis, in seinem Atmen der Sphinxnatur des Kosmos gegenüberzustehen, dieses Grunderlebnis ging besonders in der vierten nachatlantischen, der griechisch- lateinischen Kulturperiode auf. Und in der Ödipus-Sage sehen wir, wie der Mensch der Sphinx gegenübersteht, wie die Sphinx sich an ihn kettet, zur Fragepeinigerin wird. Der Mensch und die Sphinx, oder wir können auch sagen, der Mensch und das Luziferische im Weltall sollten gleichsam als ein Grunderlebnis der vierten nachatlantischen Kulturperiode so hingestellt werden, daß, wenn der Mensch sein äußeres normales Leben auf dem physischen Plan nur ein wenig durchbricht, er mit der Sphinxnatur in Berührung kommt. Da tritt Luzifer in seinem Leben an ihn heran, und er muß mit Luzifer, mit der Sphinx fertig werden.“ (Lit.:GA 158, S. 99ff)

Die versäumte Frage Parzivals

Hauptartikel: Fragen und Tumbheit, Zwifel und Saelde

Die Verhältnisse ändern sich mit der Morgendämmerung des Bewusstseinsseelenzeitalters. Heute muss der Mensch aktiv nach der geistigen Welt fragen, sonst bleibt sie verschlossen. Nur so kann er sich, wie es in der Parzival-Dichtung angedeutet wird, von der Tumbheit über den Zwifel zur Saelde erheben.

„Bei den Menschen vor dem Mysterium von Golgatha war es so, daß sie wie Kinder heranwuchsen: sie lernten gehen, sprechen, und sie lernten selbstverständlich, solange die elementaren Kräfte im Sinne des alten Hellsehens noch da waren, auch hellsehen. Sie lernten es wie etwas, was sich ergab im Umgange mit der Menschheit, so wie es sich ergab im Umgange mit der Menschheit, daß man durch die Organisation des Kehlkopfes das Sprechen lernte. Man blieb aber nicht beim Sprechenlernen stehen, sondern schritt vor zu dem elementaren Hellsehen. Dieses elementare Hellsehen war gebunden an die gewöhnliche menschliche Organisation so, wie die menschliche Organisation drinnenstand in der physischen Welt; es mußte also notwendigerweise das Hellsehen auch den Charakter der menschlichen Organisation annehmen. Ein Mensch, der ein Wüstling war, konnte nicht eine reine Natur in sein Hellsehen hineinschieben; ein reiner Mensch konnte seine reine Natur auch in sein Hellsehen hineinschieben. Das ist ganz natürlich, denn es war das Hellsehen an die unmittelbare menschliche Organisation gebunden.

Eine notwendige Folge davon war, daß ein gewisses Geheimnis - das Geheimnis des Zusammenhanges zwischen der geistigen Welt und der physischen Erdenwelt -, das vor dem Herabstieg des Christus Jesus bestand, nicht für diese gewöhnliche menschheitliche Organisation enthüllt werden durfte. Es mußte die menschheitliche Organisation erst umgestaltet, erst reif gemacht werden. Der Jüngling von Sais durfte nicht ohne weiteres, von außen kommend, das Bild der Isis sehen. Mit dem vierten nachatlantischen Zeiträume, in welchen das Mysterium von Golgatha hineinfiel, war das alte Hellsehen verschwunden. Eine neue Organisation der Menschenseele trat auf, eine Organisation der Menschenseele, die überhaupt abgeschlossen bleiben muß von der geistigen Welt, wenn sie nicht fragt, wenn sie nicht den Trieb hat, der in der Frage liegt. Dieselben schädlichen Kräfte, die in alten Zeiten an die Menschenseele herangetreten sind, können nicht an sie herantreten, wenn man gerade nach dem Geheimnis fragt, das das Geheimnis des Heiligen Grales ist. Denn in diesem Geheimnisse birgt sich das, was seit dem Mysterium von Golgatha in die Aura der Erde jetzt ausgeflossen ist. Was früher nicht in sie ausgeflossen war, was jetzt als das Geheimnis des Grales in die Erdenaura ausgeflossen ist, bliebe einem doch immer verschlossen, wenn man nicht fragt. Man muß fragen, was aber nichts anderes heißt als: man muß den Trieb haben, dasjenige, was ohnedies in der Seele lebt, wirklich zu entfalten.

Vor dem Mysterium von Golgatha war es nicht in der Seele, denn der Christus war nicht in der Erdenaura. Vor dem Mysterium von Golgatha würde jemand ohne weiteres, wenn er nur das Bild der Isis im rechten Sinne geschaut und ihr Geheimnis ergründet hatte, durch das, was in ihm noch an alten hellseherischen Kräften vorhanden war, seine ganze Menschennatur da hineingelegt haben, und er würde es dann so erkannt haben.

In der Zeit nach dem Mysterium von Golgatha wird eine Seele, die zum Fragen kommt, im rechten Sinne zum Fragen kommen, und sie wird auch im rechten Sinne das neue Isis-Mysterium empfinden können. Daher ist es so, daß es heute ankommt auf das richtige Fragen, das heißt auf das richtige Sich-Stellen zu dem, was als spirituelle Weltanschauung verkündet werden kann. Kommt ein Mensch bloß aus der Stimmung des Urteilens, dann kann er alle Bücher und alle Zyklen und alles lesen - er erfährt gar nichts, denn ihm fehlt die Parzival-Stimmung. Kommt jemand mit der Fragestimmung, dann wird er noch etwas ganz anderes erfahren, als was bloß in den Worten liegt. Er wird die Worte fruchtbar mit den Quellkräften in seiner eigenen Seele erleben. Daß uns das, was uns spirituell verkündet ist, zu einem solchen inneren Erleben werde, das ist es, worauf es ankommt.“ (Lit.:GA 148, S. 169f)

Literatur

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