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Fragemotiv und Kali: Unterschied zwischen den Seiten

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imported>Joachim Stiller
 
imported>Odyssee
(Weiterleitung nach Kali (Göttin) erstellt)
 
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Das '''Fragemotiv''', wie es sich in vielen [[Märchen]] und [[Sagen]] findet, stammt aus der Zeit des alten [[traum]]haften [[Hellsehen]]s und zeigt einen wichtigen Grundzug allen geistigen Erlebens. In der [[sinnlich]]-[[physisch]]en Welt stellen wir Fragen an die [[Natur]] bzw. an die Dinge, die und umgeben, sofern wir nicht interesselos stumpf an ihnen vorübergehen. In der [[Geistige Welt|geistigen Welt]] ist das anders - da werden uns von den [[Wesenheit]]en, die uns entgegenkommen, die Fragen gestellt und es hängt von unserer geistigen Reife ab, ob wir sie beantworten können.
#WEITERLEITUNG [[Kali (Göttin)]]
 
{{GZ|In der physischen Welt können wir so an den Dingen
vorbeigehen, daß wir, indem wir die Dinge betrachten, sagen: Wie ist
es mit dem Wesen dieses Dinges? Wie verhält es sich denn? Was ist
das Gesetz dieses Wesens, dieses Vorgangs? Oder aber, wir gehen
stumpf vorbei und fragen überhaupt nicht... Auf dem geistigen Plane ist es so, daß die
Dinge und Wesenheiten um uns herum geistig sind; und die Dinge,
die fragen uns, nicht wir fragen die Dinge. Die Dinge fragen uns,
sie stehen da, die Vorgänge und Wesenheiten, und wir stehen ihnen
gegenüber und werden fortwährend von ihnen gefragt. Wir müssen
jetzt die Möglichkeit haben aus dem unendlichen Meer von Weisheit
das herauszugreifen, was auf die Fragen antworten kann, die uns da
gestellt werden. Wir müssen nicht aus den Dingen und Vorgängen
heraus die Antworten suchen, sondern aus uns heraus, denn fragen tun
uns die Dinge, überall um uns herum sind die fragenden Dinge.
 
Dabei kommt noch das Folgende in Betracht: Nehmen wir an, wir
stünden irgendeinem Vorgang oder Wesen der geistigen Welt gegenüber,
wir treten eigentlich ihm gar nicht anders gegenüber, als daß es an
uns eine Frage stellt. Nehmen wir an, es stellt die Frage. Wir stehen da mit
unserer Weisheit. Aber wir finden nicht die Möglichkeit, ein solches
Wollen, fühlendes Wollen, wollendes Fühlen zu entwickeln, daß wir
aus dieser Weisheit heraus die Antwort geben können, trotzdem wir
wissen: die Antworten sind in uns. Unser Inneres ist von unendlicher
Tiefe, alle Antworten sind in uns, aber wir finden nicht die Möglichkeit,
wirklich die Antwort zu geben. Und die Folge davon ist, daß
wir im Zeitenstrome vorbeisausen und die Möglichkeit, den rechten
Zeitpunkt nämlich, versäumen, die Antwort zu geben, weil wir uns
nicht die Fähigkeit erworben haben, vielleicht durch unsere vorhergehende
Entwickelung, die Reife zu haben, auf diese Frage schon in
dem Zeitpunkt zu antworten. Wir haben uns in bezug auf das, was
wir antworten sollten, zu langsam entwickelt: wir könnten erst später
antworten. Aber die Gelegenheit kommt nicht wieder, wir haben
sie versäumt. Wir haben nicht alle Gelegenheiten ausgenützt. So
gehen wir vorbei an Dingen und Vorgängen, ohne ihnen Antwort zu
geben. Solche Erlebnisse machen wir fortwährend in der geistigen
Welt. Es kommt also vor, daß wir in dem Leben zwischen Tod und
einer neuen Geburt vor einem Wesen stehen, das uns fragt. Wir
haben es nicht dahin gebracht durch unsere Erdenleben und die dazwischenliegenden
geistigen Leben, jetzt, wo es uns fragt, Antwort
zu geben. Wir müssen vorbei, müssen in die nächste Inkarnation
hinein. Die Folge davon ist, daß wir erst wiederum durch die guten
Götter, ohne unser Bewußtsein, in der nächsten Erdenverkörperung
die Impulse bekommen müssen, damit wir beim nächsten Male
nicht wieder an derselben Frage vorbeigehen...
 
Geisteswissenschaft
zeigt uns, daß der Mensch, wie er jetzt in dem gegenwärtigen Zeitenzyklus
ist, wenn er durch das Leben zwischen dem Tod und einer
neuen Geburt geht, immerfort und immer mehr und mehr vor den
fragenden Wesenheiten zur rechten Zeit Antwort geben muß. Denn
davon, ob er Antwort geben kann, hängt seine richtige Fortentwickelung
ab, seine Annäherung an das Ideal der Götter von dem vollkommenen
Menschen. Wie gesagt, ins Traumhafte umgesetzt hatten
das früher die Menschen, und es ist ein Überrest davon geblieben in
zahlreichen märchenartigen, sagenartigen Motiven. Sie werden immer
weniger im Volk. Aber diese märchenartigen, sagenartigen Motive,
die erzählen uns dann etwa: Der oder jener begegnet einem geistigen
Wesen, das stellt immer wieder und wieder Fragen an ihn, und er steht
ihm gegenüber, muß antworten. Aber er hat das Bewußtsein: bis
zu einem gewissen Glockenschlage oder sonst etwas muß er antworten.
Dieses, was man das Fragemotiv der Märchen und Sagen nennen
könnte, ist sehr verbreitet. Das ist in dem früheren traumhaften Hellsehen
dasselbe gewesen, was nun wiederum in der geistigen Welt
auftritt in der Form, wie ich es geschildert habe.|153|133ff}}
 
== Der Albtraum, das Fragemotiv und die Sphinx ==
[[Bild:Gustave Moreau Oedipus.jpg|thumb|200px|[[Wikipedia:Gustave Moreau|Gustave Moreau]], Ödipus und die Sphinx]]
In verfeinerter Form zeigt sich der [[Albtraum]] in der Rätselfrage der [[Sphinx]], wie sie durch die [[Ödipus]]-Sage überliefert ist. Sie beruht auf dem [[luzifer]]ischen Einfluss auf die [[Atmung]] und [[Blut]]bewegung, der in der [[Griechisch-Lateinische Kultur|griechisch-lateinischen Zeit]] besonders stark war und zu einer Ausweitung des [[Ätherleib]]s über die Grenzen des [[Physischer Leib|physischen Leibs]] führte. Heute tritt an dessen Stelle vermehrt der [[ahriman]]ische Einfluss, der sich im Erleben der [[Mephistopheles]]-Gestalt äußert, wie sie [[Goethe]] in seiner [[Faust-Tragödie]] schildert.
 
{{GZ|In das menschliche Leben spielen immer Erlebnisse
herein, die von Luzifer und Ahriman stammen. In das Grunderlebnis
der vierten nachatlantischen Periode spielte insbesondere Luzifer
herein; in unsere Periode spielt Ahriman herein und bedingt das
Grunderlebnis. Nun hängt Luzifer mit alledem zusammen, was noch
nicht bis zur Deutlichkeit der einzelnen Sinne sich ausgewachsen hat,
was undeutlich an den Menschen, undifferenziert an ihn herankommt.
Mit andern Worten, Luzifer hängt mit dem Atemerlebnis zusammen,
mit dem Erlebnis des Ein- und Ausatmens. Das Atmen des Menschen
ist etwas, was in einem ganz bestimmten geregelten Verhältnis stehen
muß zu seiner Gesamtorganisation. In dem Augenblick, wo der Atmungsprozeß
in irgendeiner Weise gestört ist, verwandelt sich sogleich
die Atmung aus dem, wie sie sonst auftritt, nämlich als unbewußter
Vorgang, auf den wir nicht zu achten brauchen, in einen bewußten, in
einen mehr oder weniger traumhaft bewußten Vorgang. Und wenn -
wir können es ganz trivial ausdrücken - der Atmungsprozeß zu energisch
wird, wenn er größere Anforderungen an den Organismus stellt,
als dieser Organismus leisten kann, dann hat Luzifer die Möglichkeit,
mit dem Atmen einzudringen in den menschlichen Organismus. Er muß
es ja nicht selbst sein, aber seine Scharen tun es, diejenigen, die zu ihm
gehören.
 
Ich weise damit auf eine Erscheinung hin, welche jeder kennt als
Traumerlebnis. Dieses Traumerlebnis kann sich in beliebiger Weise
steigern. Der Alptraum, wo also der Mensch durch das gestörte Atmen
zum Traumbewußtsein kommt, so daß sich Erlebnisse der geistigen Welt
hineinmischen können, und auch alle Angst- und Furchterlebnisse, die
mit Alpträumen verbunden sind, haben in dem luziferischen Element
der Welt ihren Ursprung. Alles, was vom gewöhnlichen Atmungsprozeß
übergeht zum Würgen, zu dem Gefühl des Gewürgtwerdens,
das hängt zusammen mit dieser Möglichkeit, daß Luzifer sich einmischt
in den Atmungsprozeß. Das ist der grobe Prozeß, wo durch eine Herabminderung
des Bewußtseins Luzifer sich in das Atemerlebnis hineinmischt,
gestaltenhaf t in das Traumbewußtsein tritt und da zum Würger
wird. Das ist das grobe Erlebnis.
 
Es gibt aber auch ein feineres Erlebnis, das uns dieses Würgeerlebnis
gleichsam verfeinert, nicht so grob wie ein physisches Würgen darstellt.
Man achtet gewöhnlich nicht darauf, daß eine solche Verfeinerung des
Würgens zu den menschlichen Erlebnissen gehört. Aber jedesmal, wenn
an die menschliche Seele dasjenige herantritt, was zu einer Frage wird
oder zu einem Zweifel an diesem oder jenem in der Welt, dann ist in
verfeinerter Weise ein Würgeerlebnis da. Man kann schon sagen: Wenn
wir eine Frage aufstellen müssen, wenn ein kleines oder ein großes Weltenrätsel
sich uns aufdrängt, dann werden wir gewürgt, aber so, daß
wir es nicht merken. - Jeder Zweifel, jede Frage ist ein verfeinertes
Alpdrücken oder ein verfeinerter Alptraum.
 
So verwandeln sich die Erlebnisse, die uns sonst grob entgegentreten,
in feinere Erlebnisse, wenn sie mehr seelisch auftreten. Man kann sich
schon denken, daß die Wissenschaft einmal dazu kommen wird, den
Zusammenhang des Atmungsprozesses mit der Fragestellung oder der
Empfindung eines Zweifels in der Menschenseele zu studieren. Aber
auch alles das, was mit Fragen und Zweifeln zusammenhängt, alles das,
was damit zusammenhängt, daß wir unbefriedigt sind, weil die Welt an
uns herantritt und eine Antwort verlangt, oder weil wir gezwungen
sind, eine Antwort zu geben durch das, was wir sind, hängt mit dem
Luziferischen zusammen.
 
Wenn wir nun die Sache geisteswissenschaftlich betrachten, so können
wir sagen: Bei allem, wo der Würgeengel im Alptraum uns bedrückt,
oder wo wir durch die Fragestellung eine innere Bedrückung,
einen Anflug von Beängstigung erfahren, haben wir es mit einem gleichsam
stärkeren, energischeren Atmungsprozeß zu tun, mit etwas, was im
Atem lebt, was aber, damit die menschliche Natur in der richtigen
Weise funktioniert, harmonisiert, abgeschwächt werden muß, damit
das Leben richtig verläuft. Was findet nun statt, wenn ein energischerer
Atmungsprozeß eintritt? Da ist gleichsam der Ätherleib und alles, was
mit der ätherischen Natur des Menschen zusammenhängt, zu weit ausgedehnt,
zu sehr auseinandergedrängt, und da sich das dann auslebt
im physischen Leibe, so kann es sich nicht auf den physischen Leib
beschränken, es will ihn gewissermaßen auseinanderzerren. Ein zu
üppiger, ein zu weit ausgedehnter Ätherleib liegt einem verstärkten
Atmungsprozeß zugrunde, und dann besteht die Möglichkeit für das
luziferische Element, sich besonders geltend zu machen.
Man kann also sagen: Das Luziferische kann sich in die menschliche
Natur hineinschleichen, wenn der Ätherleib geweitet ist. — Man kann
auch sagen: Das Luziferische hat die Tendenz, in einem der menschlichen
Form gegenüber geweiteten Ätherleibe sich auszudrücken, also
in einem Ätherleibe, der mehr Raum braucht, als in der menschlichen
Haut eingeschlossen ist, der die Form üppiger gibt. — Man kann sich
nun denken, daß man künstlerisch diese Frage beantworten will, und
da kann man sagen: So wie der menschliche Ätherleib normal ist, ist er
der Bildner der menschlichen Gestalt, die physisch vor uns steht. Aber
sobald er sich weitet, sobald er sich einen größeren Raum, weitere Grenzen
verschaffen will, als in der menschlichen Haut darinnen sind, will
er auch andere Formen geben. Es kann da nicht die menschliche Form
bleiben. Er will überall über die menschliche Form hinaus. - Dieses
Problem hat man in alter Zeit schon gelöst. Was für eine Form kommt
da heraus, wenn der geweitete Ätherleib, der nicht für das menschliche
Wesen, sondern für das luziferische Wesen paßt, sich Geltung verschafft
und formhaft vor die menschliche Seele tritt? Was kommt da
heraus? Die Sphinx!
 
Hier haben wir eine besondere Art, uns in die Sphinx hinein zu vertiefen.
Die Sphinx ist es, was eigentlich an einem würgt. Wenn der
Ätherleib des Menschen durch die Energie des Atmens sich ausweitet,
taucht ein luziferisches Wesen in der Seele auf. Es lebt in diesem Ätherleibe
nicht die menschliche Gestalt, sondern die luziferische Gestalt, die
Sphinxgestalt. Die Sphinx taucht auf als die Zweifelaufwerferin, als
die Fragepeinigerin. Diese Sphinx hat also eine besondere Beziehung
zum Atmungsprozeß. Wiederum wissen wir aber, daß der Atmungsprozeß
eine besondere Beziehung zur Blutbildung hat. Daher lebt das
Luziferische auch im Blute, durchwogt und durchwallt das Blut.
Überall kann auf dem Umwege durch die Atmung das Luziferische
in das Blut des Menschen hinein, und wenn zuviel Energie in das
Blut hineinkommt, dann ist das Luziferische, die Sphinx, besonders
stark.
 
So steht der Mensch dadurch, daß er in seinem Atmungsprozeß dem
Kosmos geöffnet ist, der Sphinxnatur gegenüber. Dieses Erlebnis, in
seinem Atmen der Sphinxnatur des Kosmos gegenüberzustehen, dieses
Grunderlebnis ging besonders in der vierten nachatlantischen, der griechisch-
lateinischen Kulturperiode auf. Und in der Ödipus-Sage sehen
wir, wie der Mensch der Sphinx gegenübersteht, wie die Sphinx sich an
ihn kettet, zur Fragepeinigerin wird. Der Mensch und die Sphinx, oder
wir können auch sagen, der Mensch und das Luziferische im Weltall
sollten gleichsam als ein Grunderlebnis der vierten nachatlantischen
Kulturperiode so hingestellt werden, daß, wenn der Mensch sein äußeres
normales Leben auf dem physischen Plan nur ein wenig durchbricht,
er mit der Sphinxnatur in Berührung kommt. Da tritt Luzifer in seinem
Leben an ihn heran, und er muß mit Luzifer, mit der Sphinx fertig
werden.|158|99ff}}
 
== Die versäumte Frage Parzivals ==
 
{{Hauptartikel|Fragen|Tumbheit, Zwifel und Saelde}}
 
Die Verhältnisse ändern sich mit der Morgendämmerung des [[Bewusstseinsseelenzeitalter]]s. Heute muss der [[Mensch]] aktiv nach der [[Geistige Welt|geistigen Welt]] fragen, sonst bleibt sie verschlossen. Nur so kann er sich, wie es in der [[Parzival]]-Dichtung angedeutet wird, von der [[Tumbheit]] über den [[Zwifel]] zur [[Saelde]] erheben.
 
{{GZ|Bei
den Menschen vor dem Mysterium von Golgatha war es so, daß sie wie
Kinder heranwuchsen: sie lernten gehen, sprechen, und sie lernten
selbstverständlich, solange die elementaren Kräfte im Sinne des alten
Hellsehens noch da waren, auch hellsehen. Sie lernten es wie etwas,
was sich ergab im Umgange mit der Menschheit, so wie es sich ergab
im Umgange mit der Menschheit, daß man durch die Organisation des
Kehlkopfes das Sprechen lernte. Man blieb aber nicht beim Sprechenlernen
stehen, sondern schritt vor zu dem elementaren Hellsehen. Dieses
elementare Hellsehen war gebunden an die gewöhnliche menschliche
Organisation so, wie die menschliche Organisation drinnenstand
in der physischen Welt; es mußte also notwendigerweise das
Hellsehen auch den Charakter der menschlichen Organisation annehmen.
Ein Mensch, der ein Wüstling war, konnte nicht eine reine Natur
in sein Hellsehen hineinschieben; ein reiner Mensch konnte seine reine
Natur auch in sein Hellsehen hineinschieben. Das ist ganz natürlich,
denn es war das Hellsehen an die unmittelbare menschliche Organisation
gebunden.
 
Eine notwendige Folge davon war, daß ein gewisses Geheimnis -
das Geheimnis des Zusammenhanges zwischen der geistigen Welt und
der physischen Erdenwelt -, das vor dem Herabstieg des Christus
Jesus bestand, nicht für diese gewöhnliche menschheitliche Organisation
enthüllt werden durfte. Es mußte die menschheitliche Organisation erst
umgestaltet, erst reif gemacht werden. Der Jüngling von Sais durfte
nicht ohne weiteres, von außen kommend, das Bild der Isis sehen.
Mit dem vierten nachatlantischen Zeiträume, in welchen das Mysterium
von Golgatha hineinfiel, war das alte Hellsehen verschwunden.
Eine neue Organisation der Menschenseele trat auf, eine Organisation
der Menschenseele, die überhaupt abgeschlossen bleiben muß von der
geistigen Welt, wenn sie nicht fragt, wenn sie nicht den Trieb hat, der
in der Frage liegt. Dieselben schädlichen Kräfte, die in alten Zeiten an
die Menschenseele herangetreten sind, können nicht an sie herantreten,
wenn man gerade nach dem Geheimnis fragt, das das Geheimnis des
Heiligen Grales ist. Denn in diesem Geheimnisse birgt sich das, was seit
dem Mysterium von Golgatha in die Aura der Erde jetzt ausgeflossen
ist. Was früher nicht in sie ausgeflossen war, was jetzt als das Geheimnis
des Grales in die Erdenaura ausgeflossen ist, bliebe einem doch
immer verschlossen, wenn man nicht fragt. Man muß fragen, was aber
nichts anderes heißt als: man muß den Trieb haben, dasjenige, was
ohnedies in der Seele lebt, wirklich zu entfalten.
 
Vor dem Mysterium von Golgatha war es nicht in der Seele, denn
der Christus war nicht in der Erdenaura. Vor dem Mysterium von
Golgatha würde jemand ohne weiteres, wenn er nur das Bild der Isis
im rechten Sinne geschaut und ihr Geheimnis ergründet hatte, durch
das, was in ihm noch an alten hellseherischen Kräften vorhanden war,
seine ganze Menschennatur da hineingelegt haben, und er würde es
dann so erkannt haben.
 
In der Zeit nach dem Mysterium von Golgatha wird eine Seele, die
zum Fragen kommt, im rechten Sinne zum Fragen kommen, und sie
wird auch im rechten Sinne das neue Isis-Mysterium empfinden können.
Daher ist es so, daß es heute ankommt auf das richtige Fragen,
das heißt auf das richtige Sich-Stellen zu dem, was als spirituelle Weltanschauung
verkündet werden kann. Kommt ein Mensch bloß aus der
Stimmung des Urteilens, dann kann er alle Bücher und alle Zyklen und
alles lesen - er erfährt gar nichts, denn ihm fehlt die Parzival-Stimmung.
Kommt jemand mit der Fragestimmung, dann wird er noch
etwas ganz anderes erfahren, als was bloß in den Worten liegt. Er wird
die Worte fruchtbar mit den Quellkräften in seiner eigenen Seele erleben.
Daß uns das, was uns spirituell verkündet ist, zu einem solchen
inneren Erleben werde, das ist es, worauf es ankommt.|148|169f}}
 
== Literatur ==
 
* [[Rudolf Steiner]]: ''Aus der Akasha-Forschung. Das Fünfte Evangelium'', [[GA 148]] (1992), ISBN 3-7274-1480-4 {{Vorträge|148}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt'', [[GA 153]] (1997), ISBN 3-7274-1530-4 {{Vorträge|153}}
* [[Rudolf Steiner]]: ''Der Zusammenhang des Menschen mit der elementarischen Welt'', [[GA 158]] (1993), ISBN 3-7274-1580-0 {{Vorträge|158}}
 
{{GA}}
 
[[Kategorie:Schulungsweg]] [[Kategorie:Hellsehen]] [[Kategorie:Sphinx]] [[Kategorie:Parzival]]
[[Kategorie:Ödipus]]

Aktuelle Version vom 2. Mai 2013, 02:53 Uhr

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