Bewegung

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Bewegung bedeutet Veränderung, im äußeren physikalischen Sinn die Änderung des Ortes eines Körpers oder eines idealisierten Massepunktes mit der Zeit. Die zu einem bestimmten Zeitpunkt ermittelte augenblickliche Bewegung des Körpers wird in der Physik als Bewegungszustand bezeichnet.

In der Biologie wird die aktive, durch innere Ursachen bestimmte bzw. mitbestimmte Bewegung eines Lebewesens von Ort zu Ort als Fortbewegung oder Lokomotion und insbesondere in der Phänomenologie, Kognitionswissenschaft und Anthropologie auch als Eigenbewegung bezeichnet. Sie macht nach Aristoteles das Wesen des Lebendigen überhaupt aus, wobei er neben der Ortsveränderung (Wo) auch die Reproduktion (Was), alle qualitativen Veränderungen (Wie) und das Wachstum bzw. den Verfall (Wieviel) mit einbezieht.

In der Kognitionswissenschaft wird insbesondere hervorgehoben, wie bedeutend die aktive Bewegung, durch die ein Lebewesen aktiv seine Umwelt erfoscht, für die Wahrnehmung und das phänomenale Bewusstsein von Raum und Zeit ist. Rudolf Steiner hat dabei insbesondere auf den Eigenbewegungssinn und den Gleichgewichtssinn hingewiesen. Eine wichtige Rolle spielt die Eigenbewegung in der von Hermann Schmitz in den 1960er Jahren begründeten Neuen Phänomenologie, im radikalen Konstruktivismus und in den kognitionswissenschaftlichen Theorien des Embodiment, nach denen Kognition auf der aktiven Wechselwirkung von Gehirn, Körper und Umwelt beruht.

Rastlose Bewegung gehört zum Wesen des Geistes, der beständig dynamisch schöpferisch gestaltend und umgestaltend wirkt, doch erfolgt diese Bewegung nicht im Raum und nicht in der Zeit. Nach Rudolf Steiner ist die Geschwindigkeit die eigentliche Realität und Raum (Weg) und Zeit sind abgeleitete Erscheinungen. Dieser geistige Bewegungsbegriff ist schwer zu denken und unmöglich in sinnlichen Vorstellungen zu fassen. Man kann sich ihm nur im Spannungsfeld scheinbar einander widersprechenden Anschauungen annähern. So erscheint die unaufhörliche Bewegung des Geistes zugleich als absolute Ruhe, solange alle geistigen Wesen auf gleicher Entwicklungshöhe stehen und diese Bewegung gleichermaßen mitmachen können. Trotz der Bewegung leben sie zugleich in der Region der Dauer, der Ewigkeit. Erst dort, wo einzelne Wesen hinter der allgemeinen Entwicklung zurückbleiben und dadurch Bewegungs- bzw. Geschwindigkeitsdifferenzen entstehen, wird die Bewegung auch als solche erlebt - und damit erst erscheint das Phänomen der Zeit. Die zurückgebliebenen Wesen werden in gewissem Sinn zu Widersachern der fortschreitenden Entwicklung, was einerseits nötig ist, damit überhaupt eine äußere Schöpfung hervorgebracht werden kann, anderseits aber auch das Rätsel des Bösen begründet.

Mathematik

In der Mathematik und Geometrie ist eine Bewegung definiert als bijektive, abstandserhaltende und winkeltreue Abbildung eines n-dimensionalen euklidischen Raums auf sich selbst. In der Ebene (also im 2-dimensionalen euklidischen Raum) bezeichnet man eine Bewegung üblicherweise auch als Kongruenzabbildung.

Physik

Die Kinematik (von griech. κίνημα kinema „Bewegung“, aus κινεῖν kinein „bewegen“), auch als Bewegungsgeometrie oder (veraltet) Phoronomie (von griech. φέρειν phérein „tragen, bringen“) bezeichnet, beschreibt die Bewegung von Körpern rein geometrisch und berücksichtig dabei nur die physikalischen Größen Zeit, Ort, Geschwindigkeit und Beschleunigung.

Die Dynamik' (von griech. δύναμις dynamis „Kraft“) berücksichtigt demgegenüber auch die Masse der Körper und die auf sie einwirkenden Kräfte und alle davon abgeleiteten Größen wie etwa Impuls und Energie.

Als Weg LaTeX: \vec s(t) oder auch als Bahn wird der Verlauf des Ortes eines mit der Geschwindigkeit LaTeX: \vec v(t) = \frac{\mathrm{d}\vec s(t)}{\mathrm{d}t} = \frac{\mathrm{d}\vec r(t)}{\mathrm{d}t} bewegten punktförmigen Objekts bezeichnet. Der Ort wird repräsentiert durch den zeitabhängigen Ortsvektor LaTeX: \vec r = \vec r(t). Die Länge LaTeX: s= | \vec s | des zurückgelegten Weges ist die Weglänge oder Wegstrecke:

LaTeX: s = \int\limits_{(1)}^{(2)}\mathrm d s = \int\limits_{t_1}^{t_2}|\vec v(t)|\;\mathrm d t

Der Weg verläuft entlang einer entsprechenden Bahnkurve. Um die Bahnkurve oder Flugbahn - die sogenannte Trajektorie - eines bewegten Körpers zu berechnen, muss die entsprechende Bewegungsgleichung gelöst werden, die in der Regel aus einem System von Differentialgleichungen zweiter Ordnung besteht. Zumeist handelt es sich dabei um ein nichtlineares Gleichungssystem, das meist nur näherungsweise numerisch lösbar ist. Selbst relativ einfache Systeme wie das Doppelpendel oder der allgemeine Fall des Dreikörperproblems zeigen bereits ein chaotisches Verhalten, das nicht längerfristig vorhersagbar ist.

In seinem Ersten naturwissenschaftlichen Kurs hat Rudolf Steiner ausführlich über den Unterschied der kinematischen und dynamischen Betrachtungsweisen gesprochen. Arithmetik, Geometrie und Phoronomie bilden drei Vorstufen der eigentlichen Naturbetrachtung. Die Phoronomie ermöglicht zwar eine rein rationelle, gedankliche Beschreibung der Bewegung, steht aber noch ganz außerhalb der Empirie, die erst dann gegeben ist, wenn man auch die wirkenden Kräfte berücksichtigt.

„Nun handelt es sich darum, daß in neuerer Zeit immer mehr und mehr diese mathematische Betrachtungsweise der Naturerscheinungen - also, es wäre falsch zu sagen: die mathematische Naturbetrachtung -, diese Betrachtung der Naturerscheinungen durch mathematische Formulierungen, daß diese gerade auch maßgebend geworden ist für die Art, wie man sich die Natur selbst vorstellt.

Nun muß man über diese Dinge zur Klarheit kommen. Sehen Sie, da haben wir auf dem gebräuchlichen Wege zur Natur hin eigentlich zunächst dreierlei. Dieses Dreierlei, das ist vom Menschen angewendet, bevor er eigentlich zur Natur kommt. Das erste ist die gewöhnliche Arithmetik. Wir rechnen außerordentlich viel in der Naturbetrachtung heute, wir rechnen und zählen. Nun muß man sich klar darüber sein, daß die Arithmetik etwas ist, was der Mensch durchaus durch sich selbst begreift. Es ist ganz gleichgültig, was wir zählen, wenn wir zählen. Indem wir Arithmetik in uns aufnehmen, nehmen wir etwas in uns auf, das zunächst gar keinen Bezug zur Außenwelt hat. Daher können wir ebensogut Erbsen wie Elektronen zählen. Die Art und Weise, wie wir einsehen, daß unsere Zähl- und Rechnungsmethoden richtig sind, die ist etwas ganz anderes als das, was sich uns ergibt in dem Vorgang, auf den wir die Arithmetik anwenden.

Das zweite ist noch immer etwas, was wir ausüben, bevor wir eigentlich an die Natur herankommen. Es ist das, was Gegenstand der Geometrie ist. WTas ein Würfel, was ein Oktaeder ist, wie ihre Winkel sind, das machen wir aus, ohne daß wir unsere Beobachtung über die Natur ausdehnen, das ist etwas, was wir aus uns herausspinnen. Daß wir die Dinge zeichnen, ist nur etwas, was unserer Trägheit dient. Wir könnten ebensogut alles dasjenige, was wir durch Zeichnung veranschaulichen, uns bloß vorstellen, und es ist sogar nützlich, wenn wir uns manches bloß vorstellen und weniger die Leiter der Veranschaulichung benützen. Daraus ergibt sich, daß dasjenige, was wir auszusagen haben über die geometrische Form, aus einem Gebiet genommen ist, das zunächst fern der äußeren Natur steht. Was wir auszusagen haben über einen Würfel, das wissen wir, ohne daß wir es ablesen vom Steinsalzwürfel. Aber es muß sich an diesem auch finden. Wir machen also etwas fern der Natur und wenden es dann auf die Natur an.

Ein Drittes, mit dem wir noch immer nicht an die Natur herandringen, ist das, was wir treiben in der sogenannten Phoronomie, in der Bewegungslehre. Nun ist es doch von einer gewissen Wichtigkeit, daß Sie sich klar machen, wie auch diese Phoronomie etwas ist, was im Grunde genommen noch ferne steht der sogenannten wirklichen Naturerscheinung. Sehen Sie, ich stelle mir vor - ich sehe nicht auf einen bewegten Gegenstand hin, sondern ich stelle mir vor -, daß ein Gegenstand sich bewegt von, sagen wir, Punkt a nach Punkt b. Ich sage

Zeichnung aus GA 320, S. 32

sogar, es bewege sich der Punkt a nach Punkt b hin. Das stelle ich mir vor. Nun kann ich mir jederzeit vorstellen, daß diese Bewegung von a nach b, die ich durch den Pfeil angedeutet habe, aus zwei Bewegungen zusammengesetzt ist. Denken Sie sich einmal, der Punkt a würde nach b kommen sollen, aber er würde nicht gleich die Richtung nach b einschlagen, sondern er würde sich zunächst in der Richtung bewegen bis c. Wenn er sich dann hinterher von c nach b bewegt, so kommt er auch bei b an. Ich kann also die Bewegung von a nach b mir auch so vorstellen, daß sie nicht auf der Linie a-b verläuft, sondern auf der Linie oder auf den zwei Linien a-c~b. Das heißt, ich kann mir vorstellen, daß die Bewegung a-b zusammengesetzt ist aus der Bewegung a-c und c-b, also aus zwei anderen Bewegungen. Sie brauchen gar nicht einen Naturvorgang zu verfolgen, sondern Sie können sich vorstellen, daß die Bewegung a-b aus den beiden anderen Bewegungen zusammengesetzt ist, das heißt, daß statt der einen Bewegung die beiden anderen Bewegungen mit demselben Effekt ausgeführt werden könnten. Wenn ich mir das vorstelle, so ist dieses Vorgestellte rein aus mir herausgesponnen. Denn statt daß ich das gezeichnet habe, hätte ich Ihnen Anleitung geben können zum Vorstellen der Sache, und das müßte eine für Sie gültige Vorstellung sein. Aber wenn in der Natur wirklich so etwas wie ein Punkt a da ist, ein kleines Schrotkorn etwa, und sich einmal von a nach b bewegt und ein anderes Mal von a nach c und von c nach b bewegt, so geschieht das wirklich, was ich mir vorgestellt habe. Das heißt, in der Bewegungslehre ist es so, daß ich mir die Bewegungen vorstelle, aber daß dieses Vorgestellte anwendbar ist auf die Naturerscheinungen, sich bewähren muß an den Naturerscheinungen.

So also können wir sagen: In Arithmetik, in Geometrie, in Phoronomie haben wir die drei Vorstufen der Naturbetrachtung. Die Begriffe, die wir dabei gewinnen, spinnen wir ganz aus uns selbst heraus, aber sie sind maßgebend für dasjenige, was in der Natur geschieht. Nun bitte ich Sie, einen kleinen Erinnerungs Spaziergang zu machen in Ihr mehr oder weniger lang zurückliegendes Physikstudium und sich zu erinnern, daß einmal darin Ihnen so etwas entgegengetreten ist wie das sogenannte Kräfte-Parallelogramm: Wenn auf einen Punkt a eine Kraft wirkt, so kann diese Kraft den Punkt a nach dem Punkt b ziehen. Also unter dem Punkt a verstehe ich irgend etwas Materielles, sagen wir wiederum ein kleines Körnchen. Das ziehe ich durch eine Kraft von a nach b. Bitte den Unterschied zu beachten zwischen dem, wie ich jetzt spreche und wie ich vorhin gesprochen habe. Ich habe vorhin von der Bewegung gesprochen, jetzt spreche ich davon, daß eine Kraft das a nach b zieht. Wenn Sie das Maß der Kraft, die von a nach b zieht, sagen wir mit fünf Gramm, ausdrücken durch Strecken (es wird gezeichnet): ein Gramm, zwei Gramm, drei

Zeichnung aus GA 320, S. 34

Gramm, vier Gramm, fünf Gramm, so können Sie sagen: Ich ziehe mit der Kraft von fünf Gramm das a nach b. Ich könnte den ganzen Vorgang auch anders gestalten, könnte mit einer gewissen Kraft das a zuerst nach c ziehen. Wenn ich es aber von a nach c ziehe, dann kann ich noch einen zweiten Zug ausführen. Ich kann ziehen in derselben Richtung, die hier durch die Verbindungslinie von c nach b angegeben ist, und ich muß dann ziehen mit einer Kraft, welche entspricht dieser Länge. Wenn ich also hier mit einer Kraft von fünf Gramm ziehe, so müßte ich aus dieser Figur ausrechnen, wie groß der Zug a-c sein muß und wie groß der Zug c-b sein muß. Und wenn ich zu gleicher Zeit ziehe von a nach c und a nach d, so ziehe ich das a so fort, daß es zuletzt nach b kommt, und ich kann berechnen, wie stark ich nach c und wie stark ich nach d ziehen muß. Aber das kann ich nicht so ausrechnen, wie ich die Bewegung ausrechnen kann im obigen Beispiel. Was ich hier oben für die Bewegung finde, das kann ich in der Vorstellung ausrechnen. Sobald ein wirklicher Zug, das heißt eine wirkliche Kraft ausgeübt wird, muß ich diese Kraft irgendwie messen. Da muß ich an die Natur selbst herangehen, da muß ich schreiten von der Vorstellung in die Tatsachenwelt hinein. Und je klarer Sie sich machen diesen Unterschied zwischen dem Bewegungs-Parallelogramm - ein Parallelogramm wird es ja auch, wenn Sie sich dieses (erste Figur, d) ergänzen - und dem Kräfte-Parallelogramm, um so klarer und schärfer haben Sie ausgedrückt den Unterschied zwischen all dem, was sich innerhalb der Vorstellung festsetzen läßt, und dem, was da liegt, wo die Vorstellungen aufhören. Sie können zu Bewegungen in der Vorstellung kommen, aber nicht zu Kräften. Die müssen Sie in der Außenweit messen. Und Sie können überhaupt nur, wenn Sie es äußerlich experimentell feststellen, konstatieren, daß, wenn zwei Züge ausgeübt werden, von a nach c und von a nach d, daß dann a nach b gezogen wird nach den Gesetzen des Kräfte-Parallelogramms. Es gibt gar keinen Vorstellungsbeweis wie oben. Das muß äußerlich gemessen werden. Daher kann man sagen: Das Bewegungs-Parallelogramm wird gewonnen aus der bloßen Vernunft heraus, das Kräfte-Parallelogramm muß gewonnen werden auf empirische Weise durch äußere Erfahrungen. Und indem Sie unterscheiden Bewegungs-Parallelogramm von Kräfte-Parallelogramm, haben Sie haarscharf vor sich den Unterschied zwischen Phoronomie und Mechanik. Die Mechanik, die es schon zu tun hat mit Kräften, nicht mehr bloß mit Bewegungen, ist bereits eine Naturwissenschaft. Eine eigentliche Naturwissenschaft ist Arithmetik, ist Geometrie, ist Phoronomie noch nicht. Nur die Mechanik hat es mit der Wirkung von Kräften im Raum und in der Zeit zu tun. Aber man muß über das Vorstellungsleben hinausgehen, wenn man zu dieser ersten Naturwissenschaft, zu der Mechanik, vorschreiten will.

Schon hier in diesem Punkt denken eigentlich unsere Zeitgenossen nicht klar genug. Ich will Ihnen an einem Beispiel anschaulich machen, wie gewaltig eigentlich der Sprung ist von der Phoronomie in die Mechanik hinein. Die phoronomischen Erscheinungen können ganz innerhalb des Vorstellungsraumes verlaufen, die mechanischen Erscheinungen aber werden von uns zunächst nur geprüft werden können an der Außenwelt. Man macht sich das so wenig klar, daß man eigentlich immer etwas konfundiert dasjenige, was man noch mathematisch einsehen kann, mit demjenigen, worinnen schon die Entitäten der Außenwelt spielen. Denn, was muß da sein, wenn wir vom Kräfte-Parallelogramm reden? Solange wir vom Bewegungs- Parallelogramm reden, braucht nichts da zu sein als ein gedachter Körper. Aber dort beim Kräfte-Parallelogramm muß schon da sein eine Masse, eine Masse, die zum Beispiel Gewicht hat. Darüber muß man sich klar sein: In a muß eine Masse sein. Jetzt fühlt man sich wohl auch gedrungen zu fragen: Was ist das eigentlich, eine Masse?

Ja, da wird man gewissermaßen sagen müssen: Hier stocke ich schon. Denn es stellt sich heraus, daß, wo man dasjenige verläßt, was in der Vorstellungswelt so festgesetzt werden kann, daß es für die Natur gilt, daß wenn man da hineinkommt, man auf ziemlich unsicherem Gebiete steht. Sie wissen ja, daß man, um gewissermaßen mit Arithmetik, mit Geometrie und Phoronomie und mit dem, was man ein bißchen hereinholt von der Mechanik, auszukommen, sich mit dem ausrüstet und dann versucht, durch die Mechanik der Moleküle, der Atome, in die man sich zerteilt denkt das, was man Materie nennt, sich vorzustellen die Naturerscheinungen, die man zunächst als subjektive Erfahrungen betrachtet. Wir greifen irgendeinen warmen Körper an. Der Naturforscher erzählt uns: Das, was du da Wärme nennst, ist Wirkung auf deine Wärmenerven. Objektiv vorhanden ist die Bewegung der Moleküle, der Atome. Die kannst du studieren nach den Gesetzen der Mechanik. - Und so studiert man die Gesetze der Mechanik, Atome und Moleküle, und man hat ja lange Zeit geglaubt, durch das Studium der Mechanik der Atome und so weiter überhaupt alle Naturerscheinungen erklären zu können. Heute ist das ja schon im Wanken. Aber auch dann muß man, selbst wenn man bis zum Atom gedanklich vorgeht, durch allerlei Experimente dazu kommen, sich zu fragen: Ja, wie tritt denn da die Kraft auf? Wie wirkt die Masse? Wenn man bis zum Atom vordringt, so muß man fragen nach der Masse des Atoms und muß weiter fragen: Wie erkennt man sie? Man kann gewissermaßen die Masse auch nur an ihrer Wirkung erkennen.

Nun, man hat sich gewöhnt, das Kleinste, was man anspricht als Träger mechanischer Kraft, so an der Wirkung zu erkennen, daß man sich die Frage beantwortet hat: Wenn ein solcher kleinster Teil einen anderen kleinen Teil, sagen wir einen kleinen Teil einer Materie von dem Gewicht eines Gramms, in Bewegung versetzt, so muß da eine Kraft ausgehen von dieser Materie, die die andere in Bewegung versetzt. Wenn diese Masse die andere Masse, welche ein Gramm schwer ist, so in Bewegung versetzt, daß diese andere Masse in einer Sekunde einen Zentimeter weit fliegt, so hat die erste Masse eine Kraft angewendet, die man sich gewöhnt hat als eine Art von «Welteinheit» zu betrachten. Und wenn man sagen kann: Irgendeine Kraft ist sovielmal größer als diese Kraft, welche man anwenden muß, um ein Gramm in einer Sekunde einen Zentimeter weit zu bringen, so weiß man, wie sich diese Kraftanwendung zu einer gewissen Welteinheit verhält. Diese Welteinheit ist, wenn man sie ausdrücken würde durch ein Gewicht, 0,001019 Gramm. Also würde man sagen können: Solch ein atomistischer Körper, über dessen Kraftanwendung wir nicht weiter zurückgehen in der Natur, der ist imstande, irgendeinem Körper von einem Gramm Größe einen solchen Schubs zu geben, daß dieser in einer Sekunde einen Zentimeter weit fliegt.

Aber ausdrücken, was in dieser Kraft steckt, wie kann man es nur? Man kann es, wenn man auf die Waage geht: Diese Kraft kommt gleich dem Druck, der sich ausdrückt durch 0,001019 Gramm beim Wägen. Also, durch etwas sehr Äußerliches, Reales muß ich mich ausdrücken, wo ich an das heran will, was in der Welt Masse genannt wird. Ich kann dasjenige, was ich da ersinne als Masse, dadurch ausdrücken, daß ich etwas, was ich auf äußerlichen Wegen kennenlerne, ein Gewicht, ins Feld führe. Ich drücke die Masse nur aus durch ein Gewicht. Selbst wenn ich in das Atomisieren der Masse gehe, drücke ich mich durch ein Gewicht aus.

Damit möchte ich Ihnen eben scharf den Punkt bezeichnen, wo wir gewissermaßen aus dem a priori Festzustellenden in das Naturgemäße hineinkommen. Und ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, wie notwendig es ist, sich klar zu machen, inwieweit anwendbar ist dasjenige, was wir außer aller Natur feststellen in Arithmetik, Geometrie, Phoronomie, inwieweit das maßgebend sein kann für das, was uns eigentlich von ganz anderer Seite entgegentritt, was uns zum ersten Mal entgegentritt in der Mechanik und was eigentlich erst der Inhalt dessen sein kann, was wir als Naturerscheinung bezeichnen.“ (Lit.:GA 320, S. 31ff)

Die Bewegungslehre von Friedrich Adolf Trendelenburg

In dem erstmals 1840 veröffentlichten Hauptwerk von Friedrich Adolf Trendelenburg, den „Logische Untersuchungen“ (LU), bildet die Bewegung das zentrale erkenntnistheoretische Prinzip, in dem das Sein und das Denken durch Sinnlichkeit und Verstand vermittelt werden. Erkenntnis könne nur entstehen, wenn eine äußere Bewegung durch eine innere konstruierende Bewegung nachvollzogen und zur Deckung gebracht werde, nicht im Sinne einer Identität als Abbild, aber doch als Entsprechung.

„Das Denken tritt in der Anschauung aus sich heraus, und dies geschieht durch die Bewegung. Wer z. B. ein Gebirge anschauet, muss es durch die Bewegung seines Blickes umschreiben und erzeugen. „Der Berg erhebt sich; die Bergreihe läuft fort.“ Solche Ausdrücke, von den stehenden Gegenständen gebraucht, deuten auf die Bewegung der Anschauung hin...

Wer etwa das keplersche Gesetz denkt: der Planet bewegt sich in einer elliptischen Bahn - der muss das in siech thun, was er sagt, dass der Planet thue. In diesem Beispiele kann man sich nicht auf eine äussere, uns gleichsam von aussen eingedrückte Anschauung berufen; denn durch eine solche würde nur die scheinbare Bewegung und diese wieder nur aus berechneten Fragmenten der Beobachtung erreicht. Der Geist beschreibt in dem Raume des Gedankens jene Ellipse. Es ist also im innern Denken der Art nach dieselbe Bewegung, wie in der äussern Natur.“ (Lit.: LU 1, 143f.)

Trendelenburg entwickelt daraus eine eigenständige Theorie von Raum und Zeit, die ebenfalls abhängig von der Bewegung seien, weil sie nicht ohne die sie erzeugende Bewegung gedacht werden könnten. „Bei dieser Ansicht [die Bewegung sei aus Raum und Zeit zusammengesetzt] werden Raum und Zeit vor die Bewegung gestellt, und diese fertigen Elemente werden in der Bewegung gleichsam die beiden Factoren. Woher nehmen wir aber Raum und Zeit als fertige Elemente? Ist ferner der Begriff der Zusammensetzung der ineinander wirkenden Factoren ein ursprünglicher Begriff? Auf diese Frage zeigt sich, dass alle drei Elemente der von der Bewegung gegebenen Erklärung (Raum, Zeit, Factor) die Bewegung selbst voraussetzen.“ (LU 1, 150) Das deckt sich weitgehend mit der Anschauung Rudolf Steiners, wonach die Geschwindigkeit (als Maß der Bewegung) die eigentliche Realität und Raum und Zeit davon abgeleitete abstrakte Größen seien. Der Anthroposoph und Maler Karl Ballmer (1891-1958) hat in seiner Schrift «Abschied vom „Leib-Seele-Problem“» ausdrücklich auf die Bedeutung der Bewegungslehre von Trendelenburg hingewiesen.

Körperbewegung und Ich-Wesenheit

Das wirkliche Ich ist außerhalb des Körpers

Rudolf Steiner hat immer wieder darauf hingewiesen, dass sich das wirkliche Ich des Menschen nicht innerhalb des Körpers befindet, sondern von außen, d.h. aus der geistigen Außenwelt auf diesen einwirkt. Der Körper dient ihm nur als Spiegelungsapparat, der ihm ein unwirkliches mentales Bild des Ichs zurückwirft und dem Menschen dadurch das Ich-Bewusstsein ermöglicht. Entsprechend hat der Mensch von seinem wirklichen Ich, dass durch den Willen im Sinne des Karmas wirkt, zunächst überhaupt keine bewusste Kenntnis. Das wirkliche Ich wird uns nur durch seine Abwesenheit, als Leerraum, gleichsam als „schwarzes Loch“, innerhalb unseres Seelenlebens bewusst.

Ausführlich hat Rudolf Steiner darüber in seinem am 8. April 1911 gehaltenen Vortrag in Bologna zu einem philosophisch fachkundigen Publikum gesprochen. So verbindet sich das wirkliche Ich bei der Wahrnehmung unmittelbar mit dem draußen in der Welt Gegebenen. Insofern das Wahrgenommene unser bewusstes Seelenleben erfüllt, stehen wir auch mit diesem außerhalb des Körpers.

Bei der Körperbewegung wird der Körper durch die Willenstätigkeit ebenfalls unmittelbar von außen durch das wirkliche, d.h. das wirkende Ich ergriffen. Jegliche „Steuerung“ der Körperbewegung durch Nervenimpulse wird damit obsolent. Rudolf Steiner widerspricht hier ganz bewusst explizit der unverrückbar scheinenden, allgemein anerkannten neurowissenschaftlichen Grundthese. In diesem Punkt gibt es keine Versöhnung mit den Theorien der äußeren Wissenschaft, ohne das fundamentale Grundprinzip der Anthroposophie - und damit diese selbst - völlig aufzugeben.

„Sogleich entsteht da die Frage: wie ordnen sich in den Organismus ein auf der einen Seite die eigentliche Sinneswahrnehmung, in welche die Nerventätigkeit nur ausläuft, und wie die Bewegungsfähigkeit auf der andern Seite, in welche das Wollen mündet? Unbefangene Beobachtung zeigt, daß beides nicht in demselben Sinne zum Organismus gehört wie Nerventätigkeit, rhythmisches Geschehen und Stoffwechselvorgänge. Was im Sinn geschieht ist etwas, das gar nicht unmittelbar dem Organismus angehört. In die Sinne erstreckt sich die Außenwelt wie in Golfen hinein in das Wesen des Organismus. Indem die Seele das im Sinne vor sich gehende Geschehen umspannt, nimmt sie nicht an einem inneren organischen Geschehen teil, sondern an der Fortsetzung des äußeren Geschehens in den Organismus hinein. (Ich habe diese Verhältnisse erkenntniskritisch in einem Vortrag für den Bologner Philosophen-Kongreß des Jahres 1911 erörtert.) - Und in einem BewegungsVorgang hat man es physisch auch nicht mit etwas zu tun, dessen Wesenhaftes innerhalb des Organismus liegt, sondern mit einer Wirksamkeit des Organismus in den Gleichgewichts- und Kräfteverhältnissen, in die der Organismus gegenüber der Außenwelt hineingestellt ist. Innerhalb des Organismus ist dem Wollen nur ein Stoffwechselvorgang zuzueignen; aber das durch diesen Vorgang ausgelöste Geschehen ist zugleich ein Wesenhaftes innerhalb der Gleichgewichts- und Kräfteverhältnisse der Außenwelt; und die Seele übergreift, indem sie sich wollend betätigt, den Bereich des Organismus und lebt mit ihrem Tun das Geschehen der Außenwelt mit.“ (Lit.:GA 21, S. 158)

„Nun glaubt eine vorurteilsvolle Psychologie, Seelenlehre, daß dieses Ich eigentlich im Menschen drinnensitzt; da, wo seine Muskeln sind, sein Fleisch ist, seine Knochen sind und so weiter, da sei auch das Ich drinnen. Wenn man das Leben nur ein wenig überschauen würde, so würde man sehr bald wahrnehmen, daß es nicht so ist. Aber es ist schwer, eine solche Überlegung heute vor die Menschen hinzubringen. Ich habe es im Jahre 1911 schon versucht in meinem Vortrage auf dem Philosophenkongreß in Bologna. Aber diesen Vortrag hat ja bis heute keiner noch verstanden. Ich habe da versucht zu zeigen, wie es eigentlich mit dem Ich ist. Dieses Ich liegt eigentlich in jeder Wahrnehmung, das liegt eigentlich in alldem, was Eindruck auf uns macht. Nicht dadrinnen in meinem Fleische und in meinen Knochen liegt das Ich, sondern in demjenigen, was ich durch meine Augen wahrnehmen kann. Wenn Sie irgendwo eine rote Blume sehen: in Ihrem Ich, in Ihrem ganzen Erleben, das Sie ja haben, indem Sie an das Rot hingegeben sind, können Sie ja das Rot von der Blume nicht trennen. Mit alldem haben Sie ja zugleich das Ich gegeben, das Ich ist ja verbunden mit Ihrem Seeleninhalt. Aber Ihr Seeleninhalt, der ist doch nicht in Ihren Knochen! Ihren Seeleninhalt, den breiten Sie doch aus im ganzen Räume. Also dieses Ich, das ist noch weniger als die Luft in Ihnen, die Sie eben einatmen, noch weniger als die Luft, die vorher in Ihnen war. Dieses Ich ist ja verbunden mit jeder Wahrnehmung und mit alldem, was eigentlich im Grunde genommen außer Ihnen ist. Es betätigt sich nur im Inneren, weil es aus dem Wahrnehmen die Kräfte hineinschickt. Und ferner ist das Ich noch verbunden mit etwas anderem: Sie brauchen nur zu gehen, das heißt, Ihren Willen zu entwickeln. Da allerdings geht Ihr Ich mit, beziehungsweise das Ich nimmt an der Bewegung teil, und ob Sie langsam schleichen, ob Sie laufen, ob Sie im Kiebitzschritt sich bewegen oder irgendwie sich drehen und dergleichen, ob Sie tanzen oder springen, das Ich macht alles das mit. Alles was an Betätigung von Ihnen ausgeht, macht das Ich mit. Aber das ist ja auch nicht in Ihnen. Denken Sie, es nimmt Sie doch mit. Wenn Sie einen Reigen tanzen - glauben Sie, der Reigen ist in Ihnen? Der hätte ja gar nicht Platz in Ihnen! Wie hätte der Platz? Aber das Ich ist dabei, das Ich macht den Reigen mit. Also in Ihren Wahrnehmungen und in Ihrer Betätigung, da sitzt das Ich. Aber das ist eigentlich gar nie in Ihnen im vollen Sinne des Wortes, etwa so, wie Ihr Magen in Ihnen ist, sondern das ist eigentlich immer etwas, dieses Ich, was im Grunde außerhalb Ihrer ist. Es ist ebenso außerhalb des Kopfes, wie es außerhalb der Beine ist, nur daß es im Gehen sich sehr stark beteiligt an den Bewegungen, welche die Beine machen. Das Ich ist wirklich sehr stark beteiligt an der Bewegung, welche die Beine machen. Der Kopf aber, der ist an dem Ich weniger beteiligt.

Aber wovon unterscheiden sich des ferneren die Beine beziehungsweise überhaupt die Gliedmaßen mit dem Stoffwechsel von dem Kopfe? Beim Kopfe ist auch der ätherische Leib und der astralische Leib verhältnismäßig selbständig, der Kopf ist am meisten physischer Leib. Dieser Kopf, der also schon ein so alter Kerl ist, daß er aus der vorhergehenden Inkarnation stammt, der ist am meisten physisch geworden, der ist wirklich der ärgste Erdenbewohner. Dagegen bei den Beinen beziehungsweise bei den Gliedmaßen und bei dem Stoffwechsel ist es so, daß der ätherische Leib und der astralische Leib innig verbunden sind mit dem physischen Leib. So daß wir sagen können: Bei den Beinen ist es so, daß der ätherische Leib und der astralische Leib verbunden sind mit dem physischen Leib; nur das Ich ist relativ frei von den Beinen und nimmt die Beine nur mit, wenn sich die Beine bewegen. Und beim Stoffwechsel ist es auch so: die Stoffwechselorgane sind im wesentlichen mit dem ätherischen und mit dem astralischen Leib verbunden.

Wir können jetzt sagen: Wodurch unterscheidet sich der Kopf des Menschen von dem Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen? - Dadurch, daß der Kopf eigentlich freien Ätherleib, freien Astralleib und freies Ich hat; der Gliedmaßen-Stoff wechselmensch hat nur freies Ich, währenddem der Ätherleib und der Astralleib im Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen an den physischen Leib gebunden sind; sie sind nicht frei von ihm.

Zeichnung aus GA 205, S. 221

Vielleicht ist Ihnen die Sache noch verständlicher, wenn ich Ihnen das Folgende sage. Denken Sie sich, es fiele Ihrem astralischen Leib oder Ihrem Ätherleib, dem Teil, der Ihren Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen zu versorgen hat, einmal ein, sich ebenso zu benehmen, wie sich der Ätherleib und der astralische Leib des Kopfes benehmen: der wollte auch frei werden. Denken Sie, der hätte diese sonderbare Idee, er wollte auch frei werden. Sagen wir zum Beispiel, der astralische Leib Ihres Stoffwechselmenschen wollte sich so benehmen, wie sich sein Kollege, der astralische Leib des Kopfes benehmen darf — er ist nur ein anderer Teil, also sage ich: sein Kollege. Was entsteht da? Da entsteht - was gar nicht sein darf, weil es der Gestalt des Menschen widerspricht - das, daß unser Unterleib ein Kopf werden will, daß er dem Kopfe ähnlich werden will. Und das Eigentümliche ist, was beim Kopfe gesund ist, das macht den Unterleib krank. Im Grunde genommen ist es eine Generaleigenschaft aller Krankheiten des Unterleibs, daß der Unterleib die Konfiguration des Kopfes annimmt.

Es ist das ja nur ein Spezialfall, was ich zum Beispiel ausgeführt habe für das Karzinom in einem Stuttgarter oder Zürcher Vortrag, wo ich gezeigt habe, daß die Karzinombildung darauf beruht, daß an einem Teil des menschlichen Leibes, wo sich nach innen keine Sinnesorgane ausbilden sollen, plötzlich der astralische Leib anfängt, Sinnesorgane ausbilden zu wollen. Das Karzinom ist ja nur ein an einer unrechten Stelle sein wollendes Ohr oder Auge. Das wächst hinein. Da will sich ein Ohr oder Auge bilden. Wenn sich also dieser astralische Leib oder auch der Ätherleib des Unterleibes so benehmen will, wie sich der astralische oder der ätherische Leib im Kopfe benimmt, dann entsteht die Krankheit des Unterleibes.

Und umgekehrt, wenn der Kopf auch anfängt - leise fängt er es an bei den migräneartigen Zuständen — so leben zu wollen wie der Unterleib, daß er seinen astralischen Leib oder seinen Ätherleib hereinzieht in seine Angelegenheiten, dann wird der Kopf krank. Wenn er seinen Ätherleib hereinzieht, so entstehen die migräneartigen Zustände. Wenn er seinen astralischen Leib hereinzieht, entsteht noch Schlimmeres.“ (Lit.:GA 205, S. 219ff)

„Im Schlafe ist ja das Ich aus dem physischen Leibe heraus. Im Wollen ist das Ich aus gewissen Orten unseres Organismus heraus. Das ist dadurch der Fall, daß an diesem Orte sich in gewissen Zeitaugenblicken eben nichts mineralisiert, sondern daß da alles lebt. Aus denjenigen Stellen unseres Organismus, in denen alles lebt, in denen in dem entsprechenden Augenblicke nichts Mineralisiertes sich ablöst, abscheidet, da entfalten sich die Willensimpulse. Da wird aber das Ich ausgestoßen. In das Mineralische wird das Ich hineingezogen. Mit dem Mineralischen kann es hantieren; mit demjenigen, was lebendig ist, kann es nicht hantieren. Aus dem wird es herausgetrieben, wie in der Nacht, wenn wir schlafen, dieses Ich aus dem ganzen physischen Leibe herausgetrieben wird. Nun ist aber dann das Ich außerhalb des Leibes. Durch das Mineralisieren wird das Ich in den Leib hineingetrieben. Durch das Vitalisieren wird das Ich aus Teilen des Leibes herausgetrieben. Es ist dann gerade so außerhalb dieser Teile, wie es im Schlafe ganz außerhalb des physischen Leibes ist. Und wir können daher sagen: bei einer Willensbetätigung sind immer Teile des Ich außerhalb derjenigen Orte des physischen Leibes, denen sie eigentlich zugeteilt sind. Und wo sind dann diese Teile des Ich, die außerhalb der ihnen entsprechenden Teile des physischen Leibes sind? Nun, sie sind eben außerhalb, im übrigen Räume. Sie sind eingegliedert in die Kräfte, welche diesen Raum durchweben. Wir sind, indem wir unseren Willen betätigen, mit einem Teil unseres Ich außerhalb unser. Wir gliedern uns Kräfte ein, die durch die Welt gelegt sind. Wenn ich einen Arm bewege, so bewege ich ihn nicht durch etwas, was im Inneren des Organismus entspringt, sondern durch eine Kraft, die außerhalb meines Armes ist, und in die das Ich hineinkommt dadurch, daß es aus gewissen Orten meines Armes herausgetrieben wird. Im Wollen komme ich außerhalb meines Leibes, und durch Kräfte, die außerhalb meiner liegen, bewege ich mich. Man hebt das Bein nicht durch Kräfte, die im Inneren sind, sondern man hebt das Bein durch Kräfte, die tatsächlich von außerhalb wirken; ebenso den Arm. Während man also im Denken nach innen getrieben wird durch das Verhältnis des Ich zu dem mineralisierten Teil des menschlichen Organismus, wird man im Wollen geradeso wie im Schlafe nach außen getrieben. Und niemand versteht das Wollen, der nicht den Menschen als kosmisches Wesen auffaßt, der nicht hinausgeht aus den Grenzen des menschlichen Leibes, der nicht weiß, daß der Mensch im Wollen sich außerhalb seines Leibes liegende Kräfte eingliedert. Wir versenken uns in die Welt, wir geben uns an die Welt hin, indem wir wollen. So daß wir sagen können: Die materielle Begleiterscheinung des Denkens ist ein mineralischer Prozeß in uns, ein Zeichnen des Ich in mineralisierte Teile des menschlichen Organismus. Das Wollen in uns stellt dar ein Vitalisieren, ein Herausbreiten des Ich, ein Eingliedern des Ich in die geistige Außenwelt, und ein Wirken auf den Leib vom Ich aus, aus der geistigen Außenwelt herein.

Wollen wir schematisch das Verhältnis des Denkens zum Wollen zeichnen, so müssen wir das in der folgenden Weise tun. Sie sehen, man kann durchaus den Weg machen von der Innenschau des Seelenlebens zu dem physischen Korrelat dieses Seelenlebens, ohne daß man dadurch versucht wird, in einseitiger Weise in den Materialismus zu verfallen. Man lernt erkennen dasjenige, was sich materiell abspielt im Denken und im Wollen. Aber man verliert niemals das Ich, indem man erkennt, wie das Ich innerlich aktiv wird mit dem Unorganischen im Denken, und auf der andern Seite erkennt, wie das Ich in den Geist hineingetrieben wird durch das organische Vitalisieren im Leib. Indem das Ich aus dem Leibe herausgetrieben wird, wird es mit den Kräften des Kosmos zusammengebracht, und von dem geistigen Teil des Kosmos aus, also von außerhalb herein, entfaltet das Ich das Wollen.

Zeichnung aus GA 209, S. 133

Dadurch ist auf der einen Seite der Materialismus gerechtfertigt, und auf der andern Seite zugleich überwunden. Dilettantisch bleibt es immer, wenn man den Materialismus bloß bekämpft. Denn dasjenige, was er im positiven Sinne zu sagen hat, das ist ein durchaus Berechtigtes. Falsch ist an ihm nur, wenn er einseitig sich zu dem ganzen Um und Auf der Weltanschauung des Menschen machen will. Überhaupt kommt man immer mehr und mehr darauf, wenn man geistig innerlich die Welt und ihr Geschehen verfolgt, daß dasjenige, was die einzelnen menschlichen Standpunkte als Positives zu sagen haben, ein Berechtigtes ist, daß sie unberechtigt erst werden, wenn sie Negatives sagen wollen. Und in dieser Beziehung ist der Spiritualismus oftmals ebenso einseitig wie der Materialismus. In dem, was der Materialismus Positives zu sagen hat, hat er recht; in dem, was der Spiritualismus Positives zu sagen hat, hat er recht. Erst wenn sie beide negativ werden, verfallen sie in das Unrecht und in den Irrtum. Und es ist kein geringer Irrtum, wenn in laienhaft dilettantischer Weise Leute, die sich einbilden, eine spirituelle Weltanschauung sich errungen zu haben, ohne irgend etwas zu verstehen von den materiellen Vorgängen, auf den Materialismus herabsehen. Die materielle Welt ist durchgeistigt; aber man muß sie auch in ihren materiellen Eigentümlichkeiten kennenlernen, nicht einseitig werden, sondern wissen, daß man die Wirklichkeit von den verschiedensten Seiten ansehen muß, um zur vollen Bedeutung dieser Wirklichkeit zu kommen.

Das ist dasjenige, was uns als ein Bestes lehren kann eine Weltanschauung wie diejenige, die als anthroposophische gemeint ist.“ (Lit.:GA 209, S. 131ff)

Motorische und sensorische Nerven

Rudolf Steiner hat sich, wie schon oben erwähnt, entschieden gegen das auch heute noch in den Neurowissenschaften unverrückbar scheinende Dogma gewandt, dass die Körperbewegungen des Menschen zentral vom Gehirn gesteuert würden. Er lehnte daher auch die weder anatomisch noch funktionell zu rechtfertigende Unterscheidung von sensorischen und motorischen Nerven ab. In Wahrheit seien alle Nerven sensorisch und die sogenannten motorischen Nerven würden nur der Wahrnehmung der Bewegung dienen, die unmittelbar durch den Eingriff der Ich-Wesenheit bewirkt wird.

„Es ist in einer gewissen Weise mißlich, wenn man in dieser Art einer, wie es scheint, so gut begründeten Anschauung, wie der von den beiderlei Nerven, widersprechen muß; allein dabei steht einem ja wenigstens das zu, daß bis jetzt weder mit Bezug auf die Reaktion noch mit Bezug auf den anatomischen Bau irgend jemand einen Unterschied gefunden hat, der erheblich wäre, zwischen einem sensitiven und einem motorischen Nerven. Sie sind mit Bezug auf alles gleich. Wenn wir uns Übung in irgend etwas aneignen, dann eignen wir uns diese Übung dadurch an, daß wir lernen, durch unseren Willen die Stoffwechselvorgänge zu beherrschen. Das ist dasjenige, was das Kind lernt, nachdem es zuerst nach allen Richtungen zappelt und keine geregelte Willensbewegung ausführt: die StofFwechsel Vorgänge, wie sie sich in ihren feineren Gliederungen abspielen, zu beherrschen. Und wenn wir zum Beispiel Klavier spielen oder ähnliche Fähigkeiten haben, dann lernen wir, die Finger in einer gewissen Weise bewegen, die entsprechenden feineren Stoffwechselvorgänge mit dem Willen beherrschen. Die sensitiven Nerven, die aber die sonst sogenannten motorischen Nerven sind, die merken es immer mehr und mehr, welches der richtige Griff und die richtige Bewegung ist, denn diese Nerven sind nur dazu da, um das, was im Stoffwechsel geschieht, nachzufühlen. Ich möchte einmal jemand, der wirklich seelisch-leiblich beobachten kann, fragen, ob er nicht bei einer genaueren Selbstschau nach dieser Richtung fühlt, wie er nicht motorische Nervenbahnen ausschleif};, sondern wie er lernt, die feineren Vibrationen seines Organismus, die er durch den Willen hervorbringt, zu fühlen, wahrzunehmen, dumpf vorzustellen. Es ist wirklich Selbstwahrnehmung, die wir da üben. Wir haben es zu tun im ganzen Bereich mit sensitiven Nerven. Es soll nur jemand einmal nach dieser Richtung das Sprechen beobachten, wie es sich aus dem Lallen beim Kinde entwickelt. Es beruht durchaus darauf, daß der Wille in einen Sprechorganismus lernt einzugreifen. Und was das Nervensystem lernt, ist nur die feinere Wahrnehmung desjenigen, was als feinere Stoffwechselvorgänge vorgeht.“ (Lit.:GA 66, S. 138f)

„Diese materialistische Wissenschaftsgesinnung glaubt nämlich, ebenso wie sie für die Sensation, für die Empfindung, für die Wahrnehmung der Vermittelung der Nerven bedarf, bedürfe sie auch der Vermittelung des Nervs für die Willensimpulse. Das ist aber nicht der Fall. Der Willensimpuls geht von dem Geistig-Seelischen aus. Da beginnt er, und er wirkt im Leibe, unmittelbar, nicht auf dem Umweg des Nervs, unmittelbar auf das Gliedmaßen-Stoffwechselsystem. Und der Nerv, der in das Gliedmaßen-Stoffwechselsystem hineingeht, vermittelt nur die Wahrnehmung desjenigen, was das Geistig-Seelische an dem ganzen Menschen in bezug auf sein Gliedmaßen-Stoffwechselsystem tut. Wir nehmen dasjenige wahr, was eine Folge ist seelisch-geistiger Willensprozesse in der Blutzirkulation, im übrigen Stoffwechsel und auch in der mechanischen Bewegung der Glieder; wir nehmen das wahr. Die sogenannten motorischen Nerven sind keine motorischen Nerven, die sind bloß dasjenige, was die Äußerungen, den Impuls des Willens wahrnimmt. Ehe man diesen Zusammenhang nicht einsehen wird, eher wird man nicht zu einer durchsichtigen Menschenerkenntnis kommen.“ (Lit.:GA 303, S. 209)

„Eine große Verwirrung hat für die Betrachtung aller dieser Dinge die Gliederung der Nerven in Empfindungs- und motorische Nerven angerichtet. So fest verankert diese Gliederung in den gegenwärtigen physiologischen Vorstellungen erscheint: sie ist nicht in der unbefangenen Beobachtung begründet. Was die Physiologie vorbringt auf Grund der Zerschneidung der Nerven, oder der krankhaften Ausschaltung gewisser Nerven beweist nicht, was auf Grundlage des Versuches oder der Erfahrung sich ergibt, sondern etwas ganz anderes. Es beweist, daß der Unterschied gar nicht besteht, den man zwischen Empfindungs- und motorischen Nerven annimmt. Beide Nervenarten sind vielmehr wesensgleich. Der sogenannte motorische Nerv dient nicht in dem Sinne der Bewegung wie die Lehre von dieser Gliederung es annimmt, sondern als Träger der Nerventätigkeit dient er der inneren Wahrnehmung desjenigen StofFwechselvorganges, der dem Wollen zugrunde liegt, geradeso wie der Empfindungsnerv der Wahrnehmung desjenigen dient, was im Sinnesorgan sich abspielt. Bevor nicht die Nervenlehre in dieser Beziehung mit klaren Begriffen arbeitet, wird eine richtige Zuordnung des Seelenlebens zum Leibesleben nicht zustande kommen.“ (Lit.:GA 205, S. 159)

Tafel 17 aus GA 201

„Sehen Sie, wenn heute der materialistisch gesinnte Physiologe von dem Willen spricht, der sich zum Beispiel in einer menschlichen Gliedbewegung offenbart, so denkt er, da wird irgendein telegraphisches Zeichen vom Zentralorgan, vom Gehirn abgeschickt, geht durch den sogenannten motorischen Nerv und bewegt dann, sagen wir, das rechte Bein. Aber das ist als solches wirklich eine ganz unbegründete Hypothese, und es ist auch eine unrichtige Hypothese. Denn die geistige Beobachtung zeigt das Folgende. Wenn wir den Menschen schematisch nehmen (Tafel 17), so ist das so: Wenn das rechte Bein gehoben wird durch den Willen, so geschieht von der Ich-Wesenheit des Menschen, von der wirklichen Ich-Wesenheit ein unmittelbarer Einfluß auf das Bein, und das Bein wird unmittelbar durch die Ich-Wesenheit gehoben. Nur verläuft das alles so, wie die Tätigkeit des Schlafens. Das Bewußtsein weiß nichts davon. Daß hier Nerven eingeschaltet sind, die dann zum Zentralorgan gehen, das unterrichtet uns bloß davon, daß wir ein Bein haben, das unterrichtet uns nur fortwährend von der Anwesenheit dieses Beines. Dieser Nerv hat als solcher nichts zu tun mit der Wirkung des Ich auf das Bein. Es ist eine unmittelbare Korrespondenz zwischen dem Bein und dem Willen, der beim Menschen verknüpft ist mit der Ich-Wesenheit, beim Tiere verknüpft ist mit dem astralischen Leib.

Alles, was die Physiologie zu sagen hat zum Beispiel auch mit Bezug auf die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des sogenannten Willens, das müßte umgedacht werden dahingehend, daß man es zu tun hat mit der Fortpflanzungsgeschwindigkeit, die sich bezieht auf die Wahrnehmung des betreffenden Gliedes. Natürlich können diejenigen, die dressiert sind auf die heutige Physiologie, mit einem Dutzend Einwendungen kommen. Ich kenne diese Einwände sehr gut; aber man muß nur versuchen zurechtzukommen mit einem wirklich logischen Denken und man wird finden, daß dasjenige, was ich hier sage, in Übereinstimmung steht mit den Beobachtungstatsachen, nicht aber das, was Sie heute in den physiologischen Lehrbüchern finden.“ (Lit.:GA 201, S. 134f)

„Nun mache ich Sie auf eine Tatsache aufmerksam, welche eine große Rolle gespielt hat in der ganzen älteren, sagen wir, Welterkenntnis. Diese ältere Welterkenntnis hat zum Beispiel folgende Zuordnung gemacht. Sie hat gesagt: Zugeordnet ist der Ausgangspunkt für die unteren Gliedmaßen dem Monde. Zugeordnet ist gewissermaßen der Zusammenlaufungspunkt für die oberen Gliedmaßen da in der Kehlkopfgegend, zugeordnet ist diese Partie dem Mars (Mond und Mars werden in die Zeichnung 17 eingezeichnet).“ (S. 136)

„Sehen Sie, was ich jetzt eben gesagt habe, daß der Mensch mit Bezug auf seine Willens-Stoffwechselnatur ein schlafendes, ein fortwährend schlafendes Wesen ist, das drückt sich am intensivsten aus in den unteren Gliedmaßen. Man könnte eigentlich sagen: Durch jene metamorphosische Umformung, welche Arme und Hände beim Menschen erlangt haben, trotzt der Mensch der Unbewußtheit ab, was eigentlich Schlafesnatur des Gliedmaßenmenschen ist. Sie werden auch wahrnehmen können, wenn Sie sich ein wenig das innere Erleben für solche Dinge schärfen, daß doch ein beträchtlicher Unterschied besteht zwischen den Bewegungen der Beine und den Bewegungen der Arme. Die Bewegungen der Arme sind frei, sie folgen in einer gewissen Weise Empfindungen. Die Bewegungen der Beine sind nicht so frei - ich meine jetzt die Gesetzmäßigkeit, durch die wir die Beine in Bewegung bringen. Allerdings, dies ist etwas, was nicht immer beachtet und nicht immer in der richtigen Weise gewürdigt wird, denn sehen Sie, ein größerer Teil des Eurythmiebesuchenden Publikums ist natürlich daraufhin dressiert, mehr passiv sich den Vorstellungen hinzugeben; der empfindet dann bei unserer Eurythmie die geringer artikulierte Beinbewegung gegenüber der mehr artikulierten Armbewegung und Händebewegung. Aber das kommt nur davon her, daß eben, um die Armbewegungen zu verstehen, schon ein Mitarbeiten der Seele notwendig ist von Seiten des Zuschauers.“ (S. 137f)

„Also am intensivsten unbewußt ist dasjenige, was sich auf die Bewegung der unteren Gliedmaßen bezieht. Da schläft der Mensch in gewisser Weise ganz. Wie der Wille in die Beine hineinwirkt, wie der Wille schon im Unterleibe wirkt, das ist etwas, was total verschlaschlafen wird. Da ist gewissermaßen der Mensch immer seiner bewußten Natur abgekehrt. Da sendet ihm die eigene Natur nur das zurück, was Reflexion ist. Sie verfolgen ja natürlich auch die Bewegung Ihrer Beine, aber eben durch Ihren Nervenapparat, durch die Wahrnehmung; wie der Wille hineinschießt, das verfolgen Sie nicht, sondern bekommen es nur in der Reflexion in die Wahrnehmung herein. Die untere Natur kehrt Ihnen gewissermaßen die eine Seite immer ab und nur die eine Seite immer zu, je nachdem Sie sie beleuchten von Ihrem oberen Menschen aus. Das ist aber genau ebenso, wie es der Mond macht (Tafel 17, rechts). Der Mond geht, wie Sie ja wissen, um die Erde herum. Er ist ein höflicher Herr; er wendet immer nur die eine Seite der Erde zu. Während er um die Erde kreist, dreht er sich nicht so, daß er einmal seine Vorderseite zeigt, das andere Mal seine Rückseite, sondern er wendet der Erde nie seine Rückseite zu. Man hat aber auch zugleich niemals irgend etwas Eigenes von dem Monde, sondern immer das zurückgesendete, das reflektierte Licht. Da ist durchaus ein innerer Parallelismus zwischen der Mondennatur und der ganzen inneren menschlichen Wesenheit. Sie schauen hinauf nach dem Monde, und verstehen Sie ihn auch nur dieser äußeren formalen Seite nach, so müssen Sie darin die innere Verwandtschaft mit der unteren Organisation des Menschen empfinden.“ (S. 138f)

„Und nehmen wir jetzt die andere Tatsache, nehmen wir die Tatsache, daß die Arme, in ihrer Verbindung mit dem Oberen des mittleren Menschen, in einer gewissen Weise, ich möchte sagen, im Menschen selber aufwachen, daß die Armbewegung wenigstens traumhaft wird, dann fühlen wir, daß alles, was die Arme betrifft, mehr Verwandtschaft hat mit der menschlichen Bewußtheit, als dasjenige, was die Beinbewegung betrifft. Der elementarisch empfindende Mensch wird daher sehr häufig schon ganz naturgemäß die Arme ein wenig zu Hilfe nehmen, wenn es sich um die Sprache handelt, die ja mit dem mittleren Menschen sehr viel zu tun hat. Eine Unterstützung des Redens mit den Armen wird uns naheliegen. Ich glaube aber nicht, daß es sehr viele Redner gibt, die zu gleicher Zeit durch Beingesten ihre Rede unterstützen, oder viele Zuhörer, welche an diesen Beingesten Gefallen finden würden. Also Sie brauchen nur in der richtigen Weise solch ein Bedürfnis des Menschen zu fühlen, dann fühlen Sie die Verwandtschaft heraus, die nun wirklich besteht zwischen den Armen und Händen - die ja zum Gliedmaßenmenschen gehören -, diesem höheren Teil des Gliedmaßenmenschen und dem mittleren Menschen, dem rhythmisehen Menschen, der zu seinem seelischen Gegenbilde das Gefühlsmäßige des Menschen hat. Vorzugsweise versuchen wir ja die Rede, die sehr leicht abstrakt wird, durch Gebärden der Arme und Gebärden der Hände zu unterstützen. Das Gefühlsmäßige suchen wir in die Rede hineinzubringen durch diese Unterstützung.“ (S. 139f)

„Das wiederum wurde gefühlt, indem man Sprache und Armbewegung zusammenfassend mit dem Mars in eine gewisse Beziehung gebracht hat. Der Mars steht ja nicht in so inniger Verbindung mit der Erde, wie der Mond, und dasjenige, was dem Sprachorganismus und dem Armorganismus zugrunde liegt, steht auch nicht mit dem irdischen Menschen in einer so innigen Verbindung wie das, was dem Beinorganismus und dem Unterleibsorganismus zugrunde liegt. Wir können sagen: In einer gewissen Beziehung wirkt das, was den unteren Gliedmaßen als Tätigkeiten entspricht, sehr stark auf den unbewußten Menschen; auf den halbbewußten Menschen wirkt aber ungeheuer stark das, was den Armen und Händen entspricht. Und es ist schon so: Jemand, der ganz ungeschickte Hände hat, der also zum Beispiel gar nicht mit den Fingern geschickte Bewegungen ausführen kann, der wird auch kein sehr feinsinniger Denker sein. Er wird in einer gewissen Weise mehr nach groben Gedankenmaschen suchen als nach feinen Gedankengliedern. Er wird, wenn er grobklotzige Hände hat, viel eher sich für den Materialismus eignen, als wenn er geschickte Handbewegungen hat.“ (S. 140f)

Diese Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für eine menschengerechte Pädagogik und sollen daher in der von Rudolf Steiner begründeten Waldorfpädagogik entsprechend berücksichtigt werden:

„All diese Dinge werden von einer umfassenden Pädagogik durchaus ins Auge gefaßt. Sie würden wahrscheinlich Ihre Freude haben, wenn Sie, in unsere Waldorfschule eintretend, gerade in das Zimmer kommen, wo so nach 10 Uhr vormittags der Handarbeitsunterricht gegeben wird von unserer Freundin, Frau Molt, mit einigen andern Damen zusammen, und Sie sehen würden, wie da unmittelbar nebeneinander die strickenden Knaben, die häkelnden Knaben sitzen, wie sie fleißig und hingebungsvoll stricken und häkeln, geradeso wie die Mädchen. Das alles sind Dinge, die durchaus aus dem Ganzen dieses Waldorfschulgeistes herauskommen, denn da handelt es sich wirklich nicht darum, daß man in einigen abstrakten programmatischen Sätzen dies oder jenes schreibt, sondern daß man das ernst nimmt, daß der ganze Unterricht von Menschenerkenntnis ausgehen soll; daß man wissen soll als Lehrer, was es für eine Bedeutung hat, wenn ich geschickt die Finger zu bewegen verstehe - wenn ich unter Umständen sogar ordentlich den Mittelfinger über den Zeigefinger zu geben vermag, so wie einen Merkurstab, oder wenn ich das durchaus nicht zu machen vermag -, was das für einen großen Unterschied macht für das Denken. Unsere Fingerbewegungen sind in hohem Maße Lehrer der Elastizität unseres Denkens. Diese Dinge können aber nun auch erkennend weiter verfolgt werden. Sie werden verhältnismäßig leicht sich die Fertigkeit aneignen, den mittleren Finger über den Zeigefinger elastisch drüberzulegen, so daß Sie eine Schlange um den Merkurstab zuwege bringen, aber Sie werden das mit der mittleren Zehe gegenüber der zweiten Zehe weniger leicht zustande bringen. Daraus sehen Sie den Unterschied der ganzen Organisation. Es ist sehr wichtig, das ins Auge zu fassen, denn die Fußkonstruktion hängt innig zusammen mit unserer ganzen menschlichen Erdennatur. Durch unsere Handorganisation erheben wir uns über die Erdennatur. Wir erheben uns zum Außerirdischen. Dieses Sich-Erheben zum Außerirdischen im Menschen, das fühlte die alte Weisheit, indem sie sagte: Der untere Mensch ist dem Mond zugeteilt; der sich über die Erdennatur erhebende Mensch ist dem Mars zugeteilt. - So fühlte diese uralte Weisheit in dem ganzen Weltenall drinnen die Organisation, wie wir im Menschen die Organisation fühlen. Aber der Materialismus hat es ja eben gerade dazu gebracht, nichts mehr vom Menschen zu verstehen. Das ist - ich muß es immer wieder betonen - die Tragik des Materialismus, daß er seine Blicke auf die Materie hinrichtet, aber von der Materie nichts mehr versteht, sondern gerade den Zusammenhang mit dem materiellen Dasein verliert. Daher kann dieser Materialismus auch sozial nur Unheil anrichten.“ (S. 141f)

Wie Gedanken den Willen zur Tätigkeit aufrufen können

Sehr genau beschreibt Rudolf Steiner, wie eine gedanklich gefasste Willensabsicht den Organismus zur Tätigkeit aufruft. Der Gedanke, der sonst nur Abbauprozesse im Nervensystem bewirkt, wirkt dabei zerstörerisch bis in das Stoffwechsel-System hinein. Um diese Zerstörung wieder auszugleichen, wirken im Gegenzug Astralleib und Ich von außen herein und bringen dadurch die Willenstat zur Ausführung, z.B. durch die Bewegung der Gliedmaßen oder auch in viel mehr verinnerlichter Form.

„Beim Nachdenken über die Dinge der Welt, ohne daß es zu einem Wollen kommt, wird bloß die Kopf-Organisation engagiert, und es wird die Organisation des menschlichen Kopfes durch die Denktätigkeit in der Weise abgebaut oder wenigstens in die Neigung zum Abbau, zum Auflösen, zum Sterben gebracht, wie ich es gestern dargestellt habe. Fassen wir aber den Gedanken: Ich will dies oder jenes - , dann verbreitet sich die Tätigkeit, die dem denkenden Teil der Seele angehört, von der Kopforganisation aus in das Stoffwechselsystem und in das Gliedmaßensystem des Menschen hinein. Wenn ein Mensch einen Gedanken hat, der eine Willensabsicht darstellt, dann sieht man in der Intuition, wie eine astralische Tätigkeit hineinpulsiert in irgendeinen Teil der menschlichen Stoffwechselorganisation oder bis in die Gliedmaßenorganisation, und da wird dann durch einen solchen den Willen beabsichtigenden Gedanken nicht nur in der Kopforganisation abgebaut, sondern es wird abgebaut auch in den Stoffwechselorganen und in den Gliedmaßenorganen. Da entstehen durch solche Gedanken Zerstörungsprozesse. Diese Zerstörungsprozesse veranlassen, daß sich nun auch das, was als Reales dem Willensteil der Seele zugrundeliegt, hineinergießt in den Stoffwechselorganismus oder in den Gliedmaßenorganismus und wiederum das ausgleicht, was der Gedanke abgebaut hat, wiederum aufbaut, was durch den Gedanken abgebaut wird.

Wenn ich mich anschaulich ausdrücken will, so ist folgendes der Fall. Ich habe den Gedanken, meinen Arm aufzuheben. Dieser Gedanke schießt aus der Kopforganisation in die Armorganisation hinein, bewirkt dort einen Abbau, einen Zerstörungsprozeß. Man kann ihn eine Verbrennung nennen. Da wird im Laufe meiner Armorganisation etwas zerstört. Derjenige Teil des astralischen Organismus, der dem Willensteil der Seele entspricht, flutet nach, stellt wiederum her, was abgebaut ist, baut es wieder auf. Und in diesem Aufbauen vollzieht sich das Heben meines Armes. Es wird also das, was verbrannt ist, wiederum hergestellt, und in dieser Wiederherstellung vollzieht sich der eigentliche Willensakt.

Nun ist in dem Teil des astralischen Organismus, der den Willensimpulsen der menschlichen Seele zugrundeliegt, auch die eigentliche Ich-Wesenheit enthalten, so daß immer, wenn eine Willensentfaltung geschieht, auch eine Entfaltung der Ich-Wesenheit vor sich geht. Indem man sieht, wie der Mensch seinen Willen entfaltet, schaut man also hinein, wie auf eine gewisse Veranlassung hin der menschliche astralische Organismus und die Ich-Wesenheit hineinfluten, sich hineinergießen in den physischen und ätherischen Organismus. Das geschieht auch, wenn eine Willensentfaltung sich abspielt, die eigentlich nicht nötig macht, daß ich meine Gliedmaßen bewege, sondern die vielleicht deren Ergänzungsteil ist, oder die vielleicht selber nur ein etwas lebhafter Wunsch ist. Da geschieht so etwas auch, nur werden da viel innerlichere Teile des menschlichen Organismus von dem realen Willensteil der Seele durchflutet.

Sie sehen, man kann ganz genau die Willensentfaltung studieren, aber man braucht dazu die Erkenntnis der eigentlichen seelischen und geistigen Wesenheit des Menschen. Ohne diese Erkenntnis kann man den Willensteil der Seele nicht studieren und eigentlich auch nicht auf die Ich-Wesenheit kommen, weil diese im Denken sich nur in einem schwachen Abbild zeigt, im Fühlen nur als ein Impuls auftritt und im Willen erst für das Erdendasein ihre wirkliche Realität hat.“ (Lit.:GA 215, S. 162)

Wie die elektrische Aktivität der Nerven dabei die Muskeltätigkeit beeinflussen kann, zeigte Rudolf Steiner am Beispiel des Herzens, das allerdings - wie oben besprochen - erst auf dem Weg ist, künfig ein Willkürorgan zu werden:

„Zum Herzen hin gehen zwei Nervenstränge. Die gehen von da hinten aus, gehen da herunter und gehen zum Herzen hin. Da geht einer, und der breitet sich dann aus im Herzen. Dann geht da ein anderer, breitet sich auch aus im Herzen. Jetzt denken Sie sich, ich leite einen elektrischen Strom durch den Nerv. Da kann ich etwas Merkwürdiges wahrnehmen: Das Herz fängt an, immer schneller und schneller zu schlagen. Warum? Weil der elektrische Strom den Nerv erregt, fängt das Herz an, immer schneller und schneller zu schlagen. Der elektrische Strom, der erregt den Nerv.

Zeichnung aus GA 349, S. 174

Nun denken Sie sich aber, ich elektrisiere nicht diesen Nerv, sondern ich elektrisiere den anderen Nerv, den zweiten. Jetzt könnten Sie glauben, Nerv ist Nerv. Ich elektrisiere da. Und man könnte nun glauben, nicht wahr, das Herz fängt wieder an, schneller und schneller zu schlagen. Es ist aber nicht so. Wenn ich den Nerv hier elektrisiere (den ersten), schlägt das Herz immer schneller und schneller. Wenn ich aber den hier elektrisiere (den zweiten), schlägt das Herz immer langsamer und langsamer. Und wenn ich ihn ganz stark elektrisiere, dann hört das Herz überhaupt zu schlagen auf. Ich muß rasch aufhören, sonst stirbt mir der Mensch am Herzschlag. Dabei ist es so, daß zwischen diesem einen und diesem anderen Nerv gar kein Unterschied ist in der Konstruktion. Konstruiert sind sie beide auf gleiche Art. Ja, was liegt denn da vor?

Sehen Sie, da ist es dann so: Wenn das da hier elektrisiert ist, dann geht der astralische Leib da herein, regt das Herz an, daß es schneller schlägt, weil ihm gewissermaßen eine Arbeit, die er sonst selber machen muß, vom elektrischen Strom abgenommen wird. Er kann also schneller arbeiten im Herzen. Jetzt nehmen Sie aber an, hier würde elektrisiert (beim anderen Nerv). Jetzt will der Astralleib das Herz schneller bewegen; aber von der anderen Seite wird ihm ein Hindernis in den Weg gesetzt. Sowie er anfangen will, das Herz schneller zu bewegen, kann er nicht durch auf der anderen Seite. Diese Erregung (beim ersten Nerv) nützt ihm, weil es ihm eine Arbeit abnimmt. Diese Erregung (die zweite), die schadet ihm, weil es ihm entgegenkommt. Wenn ich mich hineinbegeben könnte ins Herz und von da aus elektrisieren könnte, dann würde das auch das Herz schneller und schneller schlagen lassen. Wenn ich aber von außen her diesen Nerv elektrisiere, dann kann dieser astralische Leib das Herz nicht bewegen, weil er immer mehr und mehr ein Hindernis hat.

Daraus sehen Sie, daß man ganz genau erkennen kann, wie die Dinge sich eigentlich vollziehen am menschlichen Körper, wie der astralische Leib auf der einen Seite geradeso eingreift, wie wenn ich, sagen wir, ein Rad drehen will: da schiebe ich an, da drehe ich weiter; wenn ich aber entgegengesetzt drehe, dann geht es nicht. So ist es beim Herzen, so ist es bei der Lunge, bei jedem Organ. Jedes Organ wird von zwei Seiten aus versorgt mit den Nerven; aber das, was eingreift, das ist der astralische Leib.“ (Lit.:GA 349, S. 174f)

Das gesunde Verhältnis des Geistig-Seelischen zum Gliedmaßen-System

Das blaue Südfenster des ersten Goetheanums nach dem Entwurf Rudolf Steiners, das die Einweihung in die kosmische Astralwelt zeigt. Damit wird zugleich der Weg dargestellt, der vom Willensvorsatz (links) über den Entschluss (Mitte) bis hin zu ausgeführten Handlung (rechts) führt. Im mittleren Fensterteil durchläuft der Mensch die Region des Tierkreises, die an jeder Willenshandlung beteiligt ist. Durch seine Bewegungen drückt der Mensch aus, welche Kräfte ihm von den Tierkreiswesen zuströmen. Es sind dieselben Bewegungsformen, die wir auch aus dem Sprachgestaltungsunterricht kennen und die mit der Zuordnung der Tierkreiszeichen zu den verschiedenen Körperregionen zusammenhängen.

Verbindet sich der Astralleib zu fest mit dem Organismus, so tritt Schmerz oder zumindest Unlust auf. Das Gefühlsleben bekommt einen Erlebnisinhalt, den es im gesunden Organismus nicht hat, und in der Folge wird auch das Willensleben beeinträchtigt. Wenn etwa die Bewegung eines Körpergliedes, die sich sonst ganz selbstverständlich vollzieht, zu schmerzen beginnt, ist das bereits der Anfang einer Lähmung. Der Wille kann den Organismus nicht mehr in rechter Weise ergreifen.

Astralleib

„Man stellt sich wohl vor, daß das Geistige im Menschen zur physischen Grundlage einen komplizierten Naturprozeß wie eine Fortsetzung des außerhalb des Menschen befindlichen Natürlichen habe. Aber man sehe doch, ob jemals die im gesunden menschlichen Organismus begründete Fortsetzung eines Naturprozesses das geistige Erleben als solches hervorruft? Das Gegenteil ist der Fall. Das geistige Erleben wird ausgelöscht, wenn der Naturprozeß sich in gerader Linie fortsetzt. Es geschieht dies im Schlafe; es geschieht in der Ohnmacht.

Man sehe dagegen, wie das bewußte Geistesleben verschärft wird, wenn ein Organ erkrankt. Schmerz stellt sich ein oder wenigstens Unlust und Unbehagen. Das Gefühlsleben erhält einen Inhalt, den es sonst nicht hat. Und das Willensleben wird beeinträchtigt. Eine Gliedbewegung, die sich im gesunden Zustande selbstverständlich vollzieht, kann nicht ausgeführt werden, weil sich der Schmerz oder die Unlust hemmend entgegenstellen.

Man beachte den Übergang von der schmerzbegleiteten Bewegung eines Gliedes zu dessen Lähmung. In der schmerzbegleiteten Bewegung liegt der Anfang der gelähmten. Das aktiv Geistige greift in den Organismus ein. Im gesunden Zustande offenbart sich dieses zunächst im Vorstellungs- oder Denkleben. Man aktiviert eine Vorstellung; und eine Gliedbewegung folgt. Man geht mit der Vorstellung nicht bewußt in die organischen Vorgänge ein, die zuletzt zur Gliedbewegung führen. Die Vorstellung taucht in das Unbewußte unter. Zwischen der Vorstellung und der Bewegung tritt im gesunden Zustande ein Fühlen ein, das nur seelisch wirkt. Es lehnt sich nicht deutlich an ein körperlich Organisches an. Im kranken Zustande ist das aber der Fall. Das Fühlen, das im gesunden Zustande als losgelöst von dem physischen Organismus erlebt wird, verbindet sich im kranken Erleben mit diesem.

Die Vorgänge des gesunden Fühlens und des kranken Erlebens erscheinen dadurch in ihrer Verwandtschaft. Es muß etwas da sein, das im gesunden Organismus mit diesem nicht so intensiv verbunden ist als im kranken. Der geistigen Anschauung enthüllt sich dieses als der astralische Leib. Er ist eine übersinnliche Organisation innerhalb der sinnlichen. Er greift entweder lose in ein Organ ein, dann führt er zum seelischen Erleben, das für sich besteht und nicht in Verbindung mit dem Körper empfunden wird. Oder er greift intensiv in ein Organ ein; dann führt er zum Erleben des Krankseins. Man muß sich eine der Formen des Krankseins in einem Ergreifen des Organismus durch den astralischen Leib vorstellen, die den geistigen Menschen tiefer in seinen Körper untertauchen läßt, als dies im gesunden Zustande der Fall ist.“ (Lit.:GA 27, S. 20ff)

Ich-Organisation

Wenn auch die Ich-Organisation zu tief in den Organismus eintaucht, verschärft sich das Problem. Verbindet sich das Ich zu stark mit dem zu bewegenden Glied, so wird dieses wie ein Stück der Außenwelt empfunden und eine Lähmung tritt ein. Die gesunde Bewegung ist eine beginnende Lähmung, die sofort wieder aufgehoben wird; das Ich verbindet sich zuerst mit dem zu bewegenden Glied, löst sich aber gleich wieder los.

„Aber auch das Denken hat seine physische Grundlage im Organismus. Es ist im gesunden Zustande nur noch mehr von diesem losgelöst als das Fühlen. Die geistige Anschauung findet außer dem astralischen Leib noch eine besondere Ich-Organisation, die sich seelisch frei im Denken darlebt. Taucht mit dieser Ich-Organisation der Mensch intensiv in sein Körperhaftes unter, so tritt ein Zustand ein, der die Beobachtung des eigenen Organismus derjenigen der Außenwelt ähnlich macht. - Beobachtet man ein Ding oder einen Vorgang der Außenwelt, so liegt die Tatsache vor, daß der Gedanke im Menschen und das Beobachtete nicht in lebendiger Wechselwirkung stehen, sondern unabhängig voneinander sind. Das tritt für ein menschliches Glied nur dann ein, wenn es gelähmt wird. Dann wird es Außenwelt. Die Ich-Organisation ist nicht mehr lose wie im gesunden Zustande mit dem Gliede vereinigt, so daß sie sich in der Bewegung mit ihm verbinden und gleich wieder loslösen kann; sie taucht sich dauernd in das Glied ein und kann sich nicht mehr aus ihm zurückziehen.

Wieder stellen sich die Vorgänge des gesunden Bewegens eines Gliedes und die Lähmung in ihrer Verwandtschaft nebeneinander. Ja, man sieht es deutlich: die gesunde Bewegung ist eine angefangene Lähmung, die sogleich in ihrem Anfange wieder aufgehoben wird.“ (Lit.:GA 27, S. 22f)

Bewegung, Wille, Intuition

Wie der Wille unseren Leib ergreift, um ihn zu bewegen, liegt - im Einklang mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaften - zunächst ganz außerhalb unseres Bewusstseins. Ein Bewusstsein dafür lässt sich nur durch Intuition erlangen.

„Wenn der einfachste Ausdruck eines Willens geschieht, wenn wir zum Beispiel eine Hand heben, oder gehen, oder mit irgendeinem Instrument auf den Tisch schlagen, also etwas ausführen, was mit dem Willen etwas zu tun hat, so können wir sehen, daß in der Wirklichkeit sich etwas vollzieht, was wir nennen können einen Übergang unserer Gemütsbewegungen - des inneren Impulses also zu der Handlung - zu etwas, was wahrhaft nicht mehr innerhalb unserer Seele ist, aber doch in einer gewissen Weise innerhalb von uns. Denn dasjenige, was da durch einen wirklichen Willensimpuls geschieht, indem wir unseren eigenen Leib in Tätigkeit versetzen, und wodurch dann sozusagen als Fortsetzung dieses In-Tätigkeit-Versetzens die äußere Handlung geschieht, das steht durchaus nicht innerhalb desjenigen, was sich in der Seele erschöpft; denn der Mensch kann unmöglich alle die Handlungen verfolgen, die von dem Entschluß, eine Hand zu heben, bis zum wirklichen Heben der Hand verlaufen müssen. Da wird der Mensch auf der andern Seite von seinen Gemütsbewegungen in ein Äußeres hineingeleitet, aber in ein Äußeres, das jetzt in einer ganz andern Weise ein Äußeres ist, nämlich das Äußere an uns selber: unsere Leiblichkeit, unsere eigene Körperlichkeit. Wir gehen hinunter von der Seele in unsere eigene Leiblichkeit, in unsere eigene Körperlichkeit; aber wir wissen zunächst nicht, wie wir das machen im äußeren Leben. Denken Sie einmal, was Sie für Anstrengungen machen müßten, wenn Sie, anstatt Ihre Hand zu bewegen, einen Apparat konstruieren müßten, welcher, indem Sie ihn von außen durch Federn und so weiter bewegten, denselben Effekt hervorrufen würde, wie wenn Sie sagen würden: Ich will die Kreide aufheben - also wenn Sie einfach sagten: Ich will die Kreide aufheben - und dann Ihre Hand dazu heben. Denken Sie nur, was Sie alles, was da geschieht zwischen der Vorstellung: Ich will die Kreide aufheben - und dem wirklichen Aufheben der Kreide, bewerkstelligen müßten, um es durch ein Werkzeug wirklich in Realität umzusetzen! Denken Sie, was Sie da für Anstalten machen müßten! Das kann man nicht denken, aus dem einfachen Grunde, weil man dazu auch gar nicht imstande ist. Es ist auch nicht ein solcher Apparat da. Dennoch ist er vorhanden am Menschen. Da geschieht etwas in der Welt, was ganz offenbar nicht in unserem Bewußtsein ist; denn wenn es in unserem Bewußtsein im Alltag wäre, so würden wir den Apparat mit Leichtigkeit herstellen können. Würde man alles kennen, was verläuft zwischen der Vorstellung: Ich will die Kreide aufheben - und dem Kreide-Aufheben selbst, so würde man den entsprechend konstruierten Apparat herstellen können. Also es verfließt da etwas, was wir zu unserer Leiblichkeit rechnen müssen, was aber dem Menschen ganz und gar unbekannt ist.

Wir müssen also fragen: Was müßte denn geschehen, wenn in das, was da in der Handbewegung oder in irgendeiner andern, dem Willen folgenden Körperbewegung ausgeführt wird, Bewußtsein hereindringen soll? Dann müßte auch eine solche Realität, die außer uns ist, nicht Halt machen vor unserem Bewußtsein, sondern müßte heraufkommen in unser Bewußtsein. Ein ebensolches Geschehen, einen ebensolchen Verlauf, wie er sich da an unserer eigenen Leiblichkeit vollzieht und nicht heraufdringt in unser Bewußtsein, müßten wir so vor uns haben, daß er uns ebenso äußerlich wäre, ebenso aber wieder intensiv mit uns verbunden wäre wie für unser Bewußtsein unsere Handbewegung. So etwas müßten wir haben, was so intensiv zu uns gehörte und doch in uns wie von außen hereinfiele, also etwas, was wir in unserer Seele erleben würden und dennoch in unserer Seele als ein Äußeres erlebten. Also wir müßten ein so Kunstvolles haben wie einen Apparat für das Aufheben der Kreide und müßten dieses Kunstvolle ebenso wie ein in festen äußeren Gesetzen Begründetes innerhalb unseres Bewußtseins haben. In unser Bewußtsein müßte etwas hereinfallen, was in gesetzmäßiger Weise innerhalb dieses Bewußtseins wirkte, so daß wir jetzt nicht so denken würden, wie wir bei einer sonstigen Willenshandlung denken, daß wir uns sagen: Da ist auf der einen Seite in uns lebend der Gedanke: Ich will die Kreide aufheben - und dann, wie streng davon getrennt, etwas, wovon ich gar nichts weiß, nämlich der Vorgang, den ich höchstens dann wie eine äußere Wahrnehmung anschauen kann -, sondern die beiden Dinge müßten zusammenfallen, müßten ein und dasselbe sein. Das Geschehen müßte unmittelbar mit dem seelischen Bewußtsein verbunden sein, so daß es in dasselbe hineinfällt, so etwa hineinfällt, wie wenn alle Einzelheiten der Handbewegung nicht außerhalb, sondern innerhalb des Bewußtseins sich vollzögen. Das ist aber der Vorgang, der sich vollzieht bei der Intuition [es wird «Intuition» angeschrieben].

Zeichnung aus GA 115, S. 274

Daher können wir sagen: Wenn wir mit unserem eigenen Bewußtsein etwas, was vollständig innerhalb desselben sich auslebt, erfassen können, nicht als ein bloßes Wissen, sondern als ein Geschehen, als ein Weltgeschehen, so haben wir es zu tun mit der Intuition, und zwar mit jener Intuition im höheren Sinne, wie es auch gemeint ist in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», so daß wir es also innerhalb der Intuition zu tun haben mit dem waltenden Willen. Während also Brentano, dieser scharfsinnige Psychologe, bei den gewöhnlichen Seelenerscheinungen innerhalb der Seele nur die Gemütsbewegungen findet und den Willen gar nicht findet, weil er dort nicht vorhanden ist - denn der Wille fällt heraus für das gewöhnliche Bewußtsein -, findet erst das in die höheren Regionen hinaufsteigende Bewußtsein in sich etwas, was zugleich ein Geschehen ist. Das ist das, wo die Welt hereinspielt in das Bewußtsein. Das ist die Intuition.“ (Lit.:GA 115, S. 273ff)

Die menschliche Bewegung ist eigentlich eine magische Wirkung

Rudolf Steiner ist - wie schon oben beschrieben - entschieden gegen die bis heute in den Neurowissenschaften dogmatisch verkündete Behauptung aufgetreten, dass die menschliche Bewegung zentral vom Nervensystem gesteuert werde. Er hat daher auch die ihm falsch erscheinende Unterscheidung von motorischen und sensorischen Nerven zurückgewiesen. Motorische Nerven gäbe es in Wahrheit nicht. Alle Nerven seien letztlich sensorischer Natur und die sogenannten „motorischen Nerven“ würden nur der Wahrnehmung der eigenen Körperbewegung dienen. Eigentlich sei die menschliche Bewegung eine magische Wirkung, bei der das Geistige unmittelbar in den Bewegungsapparat eingreife. Der Wille werde dadurch angeregt, dass im unteren Menschen eine beständige Tendenz zur Bildung von Blausäure (von Steiner im heute veralteten Sinn als Zyansäure bezeichnet) vorliege, der die Willenstätigkeit entgegenwirke.

„Nun müssen wir die Frage auf werfen: Was bewegt denn eigentlich die Gliedmaßen? Was ist das Tätige, wenn zum Beispiel der Mensch geht, oder wenn der Mensch mit seinen Armen irgend etwas verrichtet? Was ist das Tätige dabei? Nicht wahr, die materialistische Anschauung wird einfach sagen: Der Mensch selbst ist das - und wird dabei denken an das im Menschen, woran eben die materialistische Anschauung denken kann. Dieses Stück Kosmos aus Blut, Knochen und so weiter, das man als den Menschen beschreibt, das bewegt die Glieder! Das ist der eigentliche Akteur! Aber das hat im Grunde genommen gar keinen Sinn; denn das ist das Objekt der Bewegung, das ist dasjenige, was bewegt wird. Und wenn wir fragen: Wer ist das eigentliche Subjekt dabei, wer bewegt das Bein, den Arm? -, dann kommen wir nicht auf Materielles, dann kommen wir gerade auf Geistiges. Dann kommen wir dazu, uns zu sagen: Es muß das Geistige selbst physische Kräfte, Kräfte, die wir sonst als physische Kräfte bezeichnen, in Aktion bringen. Es muß unser Bein geradeso durch ein Geistiges bewegt werden können, wie durch uns, sagen wir ein Stück Holz, das wir von einem Ort zum anderen legen, bewegt wird.

Aber da kommen wir auf etwas ganz Merkwürdiges, das eigentlich gewöhnlich nicht bedacht wird, weil darüber eine große Illusion herrscht. Unsere menschliche Bewegung ist eigentlich eine magische Wirkung, die darin besteht, daß durch den Geist etwas in Bewegung gesetzt wird. Tatsächlich ist unsere Bewegung als Mensch eine magische Wirkung, und wir sehen den Menschen ganz und gar nicht richtig an, wenn wir ihn als bewegten Menschen nicht auf magische Art bewegt denken. Es muß der Wille, ein rein Geistiges, eingreifen in die physische Aktivität. Das sind magische Wirkungen. Wenn Sie gehen, wirkt der innere Magier, der ist etwas ganz Wesentliches. Wie kommt das zustande? Dadurch, daß wir physische Menschen sind aus Knochen, Blut und so weiter, sind wir noch kein bewegter Mensch, dadurch könnten wir höchstens ein ruhender, ein ewig im Bette liegender Mensch sein; aber wir könnten kein bewegter Mensch sein. Denn da muß der Wille unmittelbar tätig sein. Die materialistische Wissenschaft macht es sich leicht, wenn sie die Theorie aufstellt: das sind die motorischen Nerven und so weiter. Das ist Unsinn. In Wirklichkeit liegt hier in der menschlichen Bewegung eine magische Wirkung vor, ein unmittelbares Eingreifen des Geistes in die körperlichen Bewegungen. Wie ist das möglich? Das wird auf folgende Weise herbeigeführt.

Ich habe schon heute Nachmittag angedeutet: Wenn der Mensch lebt vom rhythmischen System hin zum Gliedmaßen-Stoffwechselsystem, dann erweist dasjenige, was aus dem Kohlenstoff wird, seine Verwandtschaft mit dem, was aus dem Stickstoff wird, und es entsteht fortwährend die Tendenz, in der menschlichen Wesenheit nach unten hin Verbindungen zu schaffen von Kohlenstoff und Stickstoff. Diese Tendenz besteht. Man wird früher auch den Verdauungsprozeß selbst und namentlich den Ausscheidungsprozeß nicht durchsichtig bekommen, wenn man nicht die Tendenz der Verbindung des Kohlenstoffes mit dem Stickstoff ins Auge faßt. Diese Tendenz zur Verbindung von Kohlenstoff und Stickstoff führt zuletzt zur Bildung von Zyansäure, und tatsächlich besteht im Menschen nach unten fortwährend die Tendenz, Zyansäure zu erzeugen oder zyansaure Salze zu erzeugen. Wir haben nicht einmal einen ordentlichen Ausdruck für das, was da entsteht. - Was da entsteht, wird nur so weit getrieben, daß es gerade bis zu dem Punkt kommt, anzufangen zu entstehen, dann wird es, durch die Absonderungen der Galle namentlich, sofort aufgehoben. So daß wir nach unten gehend im Menschen eine Tendenz haben, Zyanverbindungen zu schaffen, die im Status nascendi aufgehoben werden durch die Gallenabsonderungen. Nun bedeutet aber Zyanverbindungen im Menschen schaffen, den Menschen zerstören. Es ist die schnellste Methode, wodurch man die Menschengestalt zerstören kann, wenn man sie mit Zyan durchdringt. Diese Tendenz besteht namentlich nach dem Gliedmaßen-Stoffwechselsystem hin. Fortwährend will der menschliche Organismus Zyanverbindungen schaffen, die gleich wieder zerstört werden. Aber in diesem Moment zwischen dem Entstehen und dem sogleich Aufgelöstwerden der Zyansäureverbindungen ergreift der Wille das Muskelsystem. - Im Paralysieren dieses Prozesses liegt die Möglichkeit für den Willen, einzugreifen, so daß der Mensch sich bewegen kann. Es liegt fortwährend im Menschen nach unten gehend die Tendenz, die organische Substanz zu zerstören durch eine Vergiftung. Sie ist fortwährend im Anfang und wir könnten uns nicht bewegen, wir könnten nicht zum Freiwerden des Willens gelangen, wenn wir nicht fortwährend die Tendenz hätten, uns zu zerstören. So daß wir, wenn wir es grotesk ausdrücken wollen, nach unten hin fortwährend die Tendenz haben, uns zum Gespenst zu machen und uns dadurch auf magische Weise bewegen. Wir dürfen nicht auf den physischen Körper schauen beim Herumgehen des Menschen, sondern auf seinen Willen, auf das Hervorrufen von räumlichen Bewegungen auf rein magische Weise.

So sehen Sie, daß wir eigentlich jedesmal, wenn wir den Menschen in Bewegung bringen, vor der Verantwortung stehen, in die Prozesse einzugreifen, die eigentlich Todes-, Erkrankungsprozesse sind. Wir haben daher die Aufgabe, auf der anderen Seite auch wieder zu wissen, daß diesem Erkrankungsprozeß gegenübersteht der Gesundungsprozeß, und der liegt in dem, was ich schon heute nachmittag erwähnt habe: Es muß jederzeit einem Vorgang im unteren Menschen ein entsprechender Prozeß im oberen gegenüberstehen. Hat der Kohlenstoff die Tendenz, nach unten Stickstoffverbindungen zu bilden, so hat er nach oben die Tendenz, Sauerstoffverbindungen zu bilden. Die früheren Alchimisten nannten ihn den «Stein der Weisen», das ist nichts anderes als der voll verstandene Kohlenstoff. Er hat nach oben die Tendenz, Sauerstoffverbindungen zu erzeugen, Sauerstoff säuren oder Sauerstoff saure Salze. Die aber regen den Gedanken an, und jedesmal wenn wir bildhaft lebendig das Kind beschäftigen, regen wir die Kohlensäurebildung und damit das Denken an. Jedesmal, wenn wir das Kind anleiten, gleichzeitig während des Denkens etwas zu tun, rufen wir einen Gleichgewichtszustand herbei zwischen der Kohlensäurebildung und der Zyanerzeugung; und darauf kommt im menschlichen Leben eigentlich alles an, daß diese zwei Dinge im Gleichmaß erzeugt werden.“ (Lit.:GA 302a, S. 135ff)

Die Muskeln sind kristallisiertes Karma

Im Willen, der unsere Muskeln gestaltet und bewegt, indem er über das Wärmeelement unmittelbar magisch in den Stoffwechsel eingreift, wirkt unser Karma, unser ganz persönliches Schicksal. Die Muskeln selbst sind, bis in den biochemischen Feinbau hinein, kristallisiertes Karma.

„Man erblickt nämlich dieses ganz personifizierte Schicksal so, daß man es im innersten Zusammenhang mit seiner Leiblichkeit, mit seinem Erdenmenschen erfühlt. Und zwar so, daß man die unmittelbare Erkenntnis hat: Wie in deinem Erdenleibe deine Muskeln aufgebaut sind, wie dein ganzes Muskelsystem ist, ist es eine Schöpfung dieses deines Schicksals, deines Karmas. Jetzt kommt dann die Zeit, wo man sich sagt: Wie verschieden ist manchmal die Maja von der Wahrheit. Da glauben wir, solange wir auf dem physischen Plane stehen, dieser Muskelmensch bestehe eben aus den fleischigen Muskeln; in Wahrheit sind diese Fleischesmuskeln das kristallisierte Karma. Und sie sind so gestaltet im Menschen, so kristallisiert, daß der Mensch bis auf die feinste chemische Zusammensetzung hinein in seinem Muskelsystem sein kristallisiertes Karma trägt. So sehr trägt er es, daß sich nun der geistige Erschauer ganz klar wird darüber: Wenn ein Mensch zum Beispiel seine Muskeln so bewegt hat, daß er sich auf eine Stätte begeben hat, auf der ihm ein Unglück geschehen ist, so ist das aus dem Grunde geschehen, weil in den Muskeln die geistige Kraft darinnen lag, die ihn aus sich selbst heraus an die Stätte getrieben hat, an der ihm das Unglück passierte. Die Weltenordnung hat unser Schicksal kristallisiert in unserem Muskelsystem. Und in unserem Muskelsystem lebt der Geist, für den äußeren physischen Plan kristallisiert, der ohne unser offenbares Wissen uns überall dahin führt, wohin wir eben in Gemäßheit unseres Karmas gehen müssen, kommen müssen.“ (Lit.:GA 153, S. 85f)

Siehe auch

Weblinks

Literatur

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