Fette

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Allgemeine chemische Struktur der Triglyceride. Der Glycerin-Anteil ist blau gezeichnet. R1, R2 und R3 sind Alkyl- oder Alkenylreste mit einer meist ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen)
Typisches Triglycerid im Fettanteil der Butter mit dem blau markierten gesättigten Fettsäurerest der Palmitinsäure, dem grün markierten einfach ungesättigten Fettsäurerest der Ölsäure sowie dem rot markierten Rest der Buttersäure. Im Zentrum ist das dreifach acylierte Glycerin schwarz markiert.

Fette und fette Öle sind grundlegende Nährstoffe für den tierischen und menschlichen Organismus und zeichnen sich durch ihren hohen Gehalt an gespeicherter Sonneenergie aus. Sie dienen daher als Energielieferanten und Reservestoffe. Im menschlichen Organismus sorgen sie für eine ausreichende Wärmeentwicklung, die für die Ich-Tätigkeit unerlässlich ist. Darüber hinaus sind sie gute Isolatoren gegen die Kälte, Lösungsmittel für nur fettlösliche Substanzen wie z.B. einige Vitamine. Fettegewebe sind auch wichtige Schutzpolster für die inneren Organe und das Nervensystem und wichtige Bestandteile der Zellmembranen.

Chemisch betrachtet sind die Fette und Öle Ester des dreiwertigen Alkohols Glycerin (Propan-1,2,3-triol) mit drei, meist verschiedenen Fettsäuren, die überwiegend geradzahlige, unverzweigte aliphatische Monocarbonsäuren sind. Sie werden auch als Triglyceride bzw. Triglyzeride bezeichnet.

Im Gegensatz zu dem vorwiegend von den Geistern der Form gebildeten Eiweiß sind aus geisteswissenschaftlicher Sicht am Aufbau der Fette vor allem die Geister der Bewegung beteiligt.

„Dasjenige, was wir Fettsubstanz nennen, gleichgültig ob es der Mensch von außen genießt oder in seinem eigenen Organismus selber bildet, ist nach ganz anderen kosmischen Gesetzen aufgebaut als die Eiweißsubstanz. Während an dieser beteiligt sind jene kosmischen Kräfte, welche ausgehen von Wesenheiten der Hierarchien der Form, sind beteiligt an dem Aufbau der Fettsubstanz vorzugsweise jene Wesenheiten, die wir nennen die Geister der Bewegung. Sehen Sie, es ist wichtig, solche Dinge zu erwähnen, weil man dadurch erst den Begriff bekommt, wie kompliziert eigentlich so etwas ist, was sich die äußere Wissenschaft so unendlich einfach vorstellt. Kein Lebewesen könnte auf der einen Seite mit Eiweißsubstanz, auf der anderen mit Fettsubstanz durchdrungen sein, wenn nicht zusammenwirkten aus dem Kosmos herein — wenn auch indirekt — der Geist der Form und der Geist der Bewegung. Also wir können die geistigen Wirkungen, die wir kennen als ausgehend von den Wesen der verschiedenen Hierarchien, verfolgen bis in die Substanz herein, die unsere physische Hülle zusammensetzt. Daher wird beim Erleben, das dann eintritt, wenn die Seele eine anthroposophische Entwicklung durchgemacht hat, auch dieses Erleben in sich differenzierter, in sich beweglicher, das man hat gegenüber dem, was man als Eiweiß in sich trägt, und dem, was man als Fett in sich trägt in der physischen Hülle. Es ist das ein zweifaches Empfinden. Was bei dem im äußeren normalen Dasein lebenden Menschen in ein einziges Empfinden zusammenrinnt, das empfindet man durcheinander: das, was im Organismus die Fette machen und was die Eiweißsubstanzen machen. Indem der ganze physische Organismus beweglicher wird, lernt die sich entwickelnde Seele unterscheiden zweierlei Empfindungen am eigenen Leib. Eine Empfindung, welche gleichsam uns innerlich so durchdringt, daß wir fühlen: das setzt uns zusammen, gibt uns die Statur, — da empfinden wir die Eiweißsubstanzen in uns. Wenn wir empfinden: das macht uns gleichgültig gegen unsere innere Abgeschlossenheit, das hebt uns gleichsam hinaus über unsere Form, das macht uns gegenüber unserem inneren menschlichen Fühlen phlegmatischer, wenn sich also zu der eigenen Empfindung etwas Phlegma zusetzt gegenüber dieser eigenen Empfindung — diese Empfindungen differenzieren sich sehr stark bei einer anthroposophischen Entwicklung - , so rührt diese letzte Empfindung her von dem Erleben der Fettsubstanz in der physischen Hülle. Es wird also das innere Erleben auch in bezug auf die physische Hülle komplizierter.“ (Lit.:GA 145, S. 32f)

„Das Fett ist diejenige Substanz des Organismus, die sich, indem sie von außen aufgenommen wird, am wenigsten als Fremdstoff erweist. Fett geht am leichtesten aus der Art, die es bei der Nahrungsaufnahme mitbringt, in die Art des menschlichen Organismus über. Die achtzig Prozent Fett, welche z. B. die Butter enthält, gehen durch die Gebiete des Ptyalin und Pepsin unverändert hindurch und werden nur vom Pankreassaft verändert, nämlich in Glycerin und Fettsäuren verwandelt.

Dieses Verhalten des Fettes ist nur dadurch möglich, daß es von der Natur eines fremden Organismus (von dessen ätherischen Kräften usw.) möglichst wenig in den menschlichen hinüberträgt. Dieser kann es leicht seiner eigenen Wirksamkeit einverleiben.

Das rührt davon her, daß das Fett bei der Erzeugung der inneren Wärme seine besondere Rolle spielt. Diese Wärme ist aber dasjenige, in dem, als im physischen Organismus, die Ich-Organisation vorzüglich lebt. Von jeder im menschlichen Körper befindlichen Substanz kommt für die Ich- Organisation nur soviel in Betracht, als bei deren Wirksamkeit Wärmeentfaltung stattfindet. Fett erweist sich durch sein ganzes Verhalten als eine Substanz, die nur Ausfüllung des Körpers ist, nur von ihm getragen wird und allein durch diejenigen Vorgänge, bei denen sich Wärme entwikkelt, für die tätige Organisation in Betracht kommt. Fett, das z. B. als Nahrung aus einem tierischen Organismus genommen ist, nimmt von diesem in den menschlichen Organismus nichts hinüber als allein seine Fähigkeit Wärme zu entwickeln.

Diese Wärme-Entwicklung geschieht aber als eine der spätesten Vorgänge des Stoffwechsels. Es erhält sich daher als Nahrung aufgenommenes Fett durch die ersten und mittleren Vorgänge des Stoffwechsels hindurch und wird erst in dem Bereich der inneren Körpertätigkeit, am frühesten vom Bauchspeichel aufgenommen.

Wenn das Fett in der menschlichen Milch erscheint, so weist dies auf eine sehr bemerkenswerte Tätigkeit des Organismus hin. Der Körper zehrt dies Fett nicht in sich auf; er läßt es in ein Absonderungsprodukt übergehen. Es geht damit aber auch die Ich-Organisation in dieses Fett über. Darauf beruht die bildsame Kraft der Muttermilch. Die Mutter überträgt dadurch ihre eigenen bildsamen Kräfte der Ich-Organisation auf das Kind und fügt damit den Gestaltungskräften, die schon durch die Vererbung übertragen worden sind, noch etwas hinzu.

Der gesunde Weg ist dann vorhanden, wenn die menschlich bildsamen Kräfte die im Körper vorhandenen Fettvorräte in der Wärmeentwicklung aufzehren. Ein ungesunder Weg ist derjenige, wenn das Fett nicht von der Ich-Organisation in Wärmeprozessen verbraucht, sondern unverbraucht in den Organismus geführt wird. Solches Fett bildet einen Überschuß an der Möglichkeit, Wärme da und dort im Organismus zu erzeugen. Es ist das Wärme, die beirrend für die anderen Lebensvorgänge da und dort im Organismus eingreift, und die von der Ich-Organisation nicht umfaßt wird. Es entstehen da gewissermaßen parasitäre Wärmeherde. Diese tragen die Neigung zu entzündlichen Zuständen in sich. Die Entstehung solcher Herde muß darin gesucht werden, daß der Körper die Neigung entwickelt, mehr Fett zustande zu bringen, als die Ich-Organisation zu ihrem Leben in der Innenwärme braucht.

Im gesunden Organismus werden die animalischen (astralischen) Kräfte so viel Fett erzeugen oder aufnehmen, als durch die Ich-Organisation in Wärmevorgänge übergeführt werden kann, und dazu noch diejenige Menge, die notwendig ist, um die Muskel- und Knochen-Mechanik in Ordnung zu halten. In diesem Falle wird die dem Körper notwendige Wärme erzeugt werden. Tragen die animalischen Kräfte der Ich-Organisation zu wenig Fett zu, so tritt für die Ich-Organisation Wärmehunger ein. Diese muß die ihr notwendige Wärme den Tätigkeiten der Organe entziehen. Dadurch werden diese gewissermaßen in sich brüchig, versteift. Ihre notwendigen Vorgänge spielen sich träge ab. Man wird dann da oder dort Krankheitsprozesse auftreten sehen, bei denen es sich darum handeln wird, zu erkennen, ob sie in einem allgemeinen Fettmangel ihre Ursachen haben.“ (Lit.:GA 27, S. 58ff)

Siehe auch

Literatur

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