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Bibliothek:Rudolf Steiner/Arbeitervorträge/GA 347 Die Erkenntnis des Menschenwesens/Achter Vortrag

Aus AnthroWiki

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ACHTER VORTRAG

Dornach, 23. September 1922

Es wird nötig sein, meine Herren, die Sache, die wir besprochen haben, etwas näher noch zu betrachten. Ich habe Ihnen ja das letzte Mal zeigen können, was für merkwürdiges Getier einmal die Erde bevölkert hat, und wie sich dieses wirklich höchst merkwürdige Getier benommen hat. Ich habe Sie zuletzt darauf aufmerksam machen können, daß die ganze Erde selbst einmal ein lebendiges Wesen war.
Sehen Sie, wenn wir alle diese Tiere, die einmal auf der Erde gelebt haben - ich habe Ihnen das letzte Mal von den Ichthyosauriern ge sprochen, von den Plesiosauriern, von den Megatherien, von den Seekühen -, wenn wir alle diese Tiere, von denen ja in den verschiedenen Museen noch Uberreste vorhanden sind, betrachten, dann finden wir, daß sie eine Eigentümlichkeit haben, nämlich daß sie außen meistens mit einem Schuppenpanzer umgeben sind und mächtige dicke Vorderarme, Pranken haben. So daß man natürlich nicht nur auf einem sol chen Tiere hätte spazierengehen können - dazu waren sie auch groß genug -, sondern daß man natürlich auch hätte schlagen können mit einem mächtigen Hammer, und das Tier würde von alledem nicht sehr ungemütlich berührt worden sein, weil eben das ganze Tier rings mit einem solchen Schuppenpanzer umgeben war. Im kleinen allerdings nur, als ganz kleine Zwerge, sind ja von diesen alten Tieren heute nur etwa die Schildkröten oder die Krokodile übriggeblieben. Schildkröten und Krokodile sind, ich möchte sagen, im kleinen Format dasjenige, was diese Tiere einmal in riesiger Größe waren. Also Sie müssen sich vorstellen, daß diese alten Tiere einen solchen hornartigen, aus einzel nen Hornplatten bestehenden Mantel hatten.
Nun müssen wir uns einmal eine Vorstellung davon machen, woher diese Tiere eigentlich diesen hornartigen Mantel hatten. Da müssen wir die Geschichte ganz, ich möchte sagen, von klein auf studieren, nicht als Mensch von klein auf, sondern wie sich die Geschichte von klein auf entwickelt. Denken Sie sich einmal, daß ein Hund sich irgendwo eine Wunde macht. Die Tiere haben merkwürdige Heilungsinstinkte. Sie

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werden schon gesehen haben, was der Hund tut, wenn er sich irgendwo eine Wunde macht. Wenn der Hund irgendwo eine Wunde hat, dann leckt er sie zuerst einmal ab; er speichelt sie ein. Und dann, wenn er sie eingespeichelt hat, dann legt er sich am liebsten in die Sonne, läßt die Sonne darauf scheinen. Und was geschieht da? Es bildet sich über der Wunde eine Art von Rinde. So daß man sagen kann: Wenn das dahier die Wunde des Hundes ist (siehe Zeichnung), dann speichelt er

[Bild GA 347 133]

sie ein, so daß die Wunde an der ganzen Oberfläche mit Speichel über zogen ist. Dann läßt er die Sonne darauf scheinen, und die Sonne macht aus dem, was sie da braut, mit dem Speichel zusammen eine harte Rinde, und darunter heilt das ab. Der Hund hat also einen ganz merkwürdigen Heilinstinkt. Er macht das Richtige aus seinem Instinkt heraus.
Jetzt können wir das, was wir da betrachtet haben, ein wenig er weitern. Wir können eine andere merkwürdige Erscheinung betrachten, die uns dazu führen wird, daß wir so etwas wie diese Heilung derWunde hier verstehen lernen. Sie wissen, wir atmen die Luft ein. Wenn wir die Luft einatmen, dann kriegen wir Sauerstoff ins Innere. Der Sauerstoff verbreitet sich in unserem Leib. Und wenn der Sauerstoff sich in un serem Leib verbreitet, da können wir leben. Wir würden sofort er sticken, wenn wir den Sauerstoff nicht kriegen könnten. Aber was tun wir dafür? Wir sind nicht gerade sehr dankbare Leute für die Luft, die uns Sauerstoff gibt. Wir sind eigentlich recht undankbare Wesen gegen die Luft, denn wir verbinden mit diesem Sauerstoff in uns selbst Koh lenstoff, und da wird Kohlensäure daraus, und die atmen wir wieder aus. Das ist eigentlich recht undankbar gegen unsere Umgebung, weil wir die Luft damit fortwährend verpesten. Wenn einer sich in Kohlen säure stellt, so erstickt er auch. Was in unserem Inneren aus der schönen, guten Atemluft gemacht wird, damit verpesten wir unsere Umgebung.

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Wir verbreiten fortwährend um uns herum eine Kohlensäureluft, in der kein Wesen - ein Mensch nicht, aber auch nicht ein lebendiges Wesen, das tierartig ist - leben könnte. Also sehen Sie, tierisches Leben besteht eigentlich im Grunde genommen darinnen, daß es selber fortwährend das, was es zum Leben braucht, aus der Umgebung in sich hereinsaugt, aber an die Umgebung den Todesstoff zurückgibt. Darinnen besteht tierisches Leben.
Mit diesem tierischen Leben würde es aber auf der jetzigen Erde bald recht übel stehen, wenn sich alle Wesen so unanständig benehmen würden wie die Menschen und die Tiere. Die Menschen und die Tiere verpesten nämlich die Luft. Und wenn sich alle Wesen so unanständig benehmen würden, wie die Menschen und die Tiere, dann wäre es über haupt schon längst auf unserer Erde dahin gekommen, daß nichts mehr leben könnte; dann wäre unsere Erde längst ein großer Friedhof. Aber das gute ist, daß sich die Pflanzen nicht so unanständig benehmen. Die machen nämlich das Gegenteil. Denn wie wir den Sauerstoff einsaugen und die Luft ringsumher verpesten, so saugen die Pflanzen die Kohlen säure ein, und die behalten wiederum den Kohlenstoff zurück und geben den Sauerstoff wieder her. So daß eigentlich ganz allein dadurch, daß auf der Erde Pflanzen und namentlich Wälder sind, das Leben auf der Erde bestehen kann. Wenn keine Wälder auf der Erde wären, oder wenn einmal große Gesellschaften - sie tun es ja zum Teil schon - die Wälder abholzen würden, so würde das Leben auf der Erde viel un gesünder werden. Das ist ja eben gerade das, daß wir die Wälder brau chen auf der Erde. Wenn wir nur auf das Holz schauen, dann machen wir natürlich das Leben auf der Erde nach und nach dadurch, daß wir die Wälder abholzen, unmöglich. Wir können also sagen: Auf der Erde ist es so eingerichtet, daß sich die Menschen und Tiere eigentlich recht unanständig benehmen, denn die verpesten alles, und die Pflanzen und die Wälder, die machen wiederum alles ordentlich.
Ja, sehen Sie, meine Herren, das ist jetzt so auf der Erde, aber das war nicht immer so auf der Erde. Wir müssen uns eben ganz klar dar über werden, daß sich die Erde verändert hat, daß sie ganz anders war in der Zeit, von der ich Ihnen am letzten Mittwoch geredet habe; das haben Sie ja eingesehen. Denn wenn Sie jetzt spazieren gehen, so begegnet

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Ihnen nicht, wie es damals hätte geschehen können, da oben auf dem Gempen ein Ichthyosaurus. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Aber die Erde verändert sich fortwährend und wird auch in der Zukunft ganz anders ausschauen, als sie heute ausschaut. Aber was können wir sehen aus alledem, was wir da jetzt gelernt haben? Wir können sagen:
Dasjenige, was im Menschen drinnen ist, was er von sich gibt, das kann ihn nicht erhalten. Er muß etwas anderes kriegen; auf der jetzigen Erde muß er das, was ihm die Pflanzen geben, kriegen, damit er leben kann. Von dem allein, was wir in unserem Inneren haben, können wir nicht leben, das zerstört uns.
So daß Sie sich das also ganz klar vor Augen stellen können: Das jenige, was im Inneren des Menschen nützlich ist, das zerstört uns, wenn es von außen herankommt. Im Inneren, da würden wir recht übel daran sein, wenn man zu viel Sauerstoff hätte. Aber von außen muß der Sauerstoff fortwährend herankommen.
Also was im Inneren schädlich ist - wenn es von außen herankommt, ist es nützlich. Was im Inneren nützlich ist, das ist, wenn es von außen herankommt, schädlich. Sehen Sie, meine Herren, das ist so wichtig, daß man einsieht, daß dasjenige, was im Inneren nützlich ist, schädlich ist, wenn es von außen herankommt, und was im Inneren schädlich ist, das ist nützlich, wenn es von außen herankommt. Das ist so wichtig, daß, wenn man das nicht einsieht, man überhaupt nichts versteht.
Nun können wir sagen: Das wissen wir jetzt von dem Leben der Gegenwart, daß etwas ganz anderes von außen an uns herankommen muß, als wir im eigenen Inneren haben. Etwas ganz anderes muß von außen herankommen.
Gehen wir jetzt wiederum zurück in die alten Zeiten, nachdem wir uns ein paar Begriffe an der Gegenwart erworben haben. Gehen wir wieder zurück und versetzen wir uns einmal in der Phantasie in die Zeit, wo da die Ichthyosaurier auf der Erde herumspaziert sind, halb spaziert, halb geschwommen, wo die Plesiosaurier herumgehupst sind auf der Erde. Wir versetzen uns in diese Zeit. Ja, das war aber auch schon eine Zeit, der eine andere vorangegangen ist. Nun, wie war es denn in dieser alten Zeit auf der Erde, bevor es Ichthyosaurier, Plesio-saurier gegeben hat?

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Ja, meine Herren, nach diesen Überresten, die wir aus dieser alten, ganz alten Zeit behalten haben, da waren die Tiere, die da vorhanden waren, dazumal noch ungeschickter als die späteren. Wissen Sie, so ein Plesiosaurier - Sie können das sehen, wenn Sie ihn in irgendeinem Museum angucken, mit seiner riesigen Größe, mit seinem schweren Schuppenpanzer, schwer wie eine Ritterrüstung im Mittelalter, und mit der war es schon ein wenig unbequem, sich zu bewegen, und mit seinen tapsigen Beinen -, das waren furchtbar ungeschickte Wesen. Also wissen Sie, leichtbewegliche Kerle waren das nicht. Aber diese ungeschickten Wesen, die haben immerhin noch so etwas gehabt wie Füße, die flossenähnlich waren, mit denen sie schwimmen konnten, mit denen sie sich sogar anhalten konnten an etwas. Also immerhin, ich möchte sagen, war das schon eine Art moderne Zeit. Aber die Tiere, die früher vorhanden waren, vor diesen ungeschickten Ichthyosauriern, Plesiosauriern, Megatherien, die Tiere, die früher vorhanden waren, die waren noch riesig viel ungeschickter, denn die haben eigentlich gar nicht viel anderes gehabt als einen weichen Körper, in dem alles mög liche zusammen war: vorn so ein bißchen etwas ähnliches wie ein Kopf, hinten ein ziemlich langer Schwanz, und darüber ein riesiger, riesiger Schuppenpanzer.
Wenn Sie zum Beispiel schon einmal eine Auster gesehen haben, dann können Sie sich denken, daß eine Auster so ein ganz kleiner Zwerg ist. Sie hat in ihrem Inneren nur den ganzen schleimartigen Körper, und eine Schale ringsherum. Nun, wenn Sie sich die Schale etwas anders vorstellen, die Schuppen wie bei der Schildkröte und darinnen auch so einen weichen Austernkörper, dann kriegen Sie ungefähr die Tiere, die einmal auf der Erde waren, bevor die Ichthyosaurier und die Mega therien auf der Erde waren.
Da war die Erde ganz dicklich, noch viel dicklicher als die Milch. Alles, was heute als Gebirge draußen ist, das war aufgelöst. Es war also eine ganz dickliche Sache. Da drinnen in dieser dicklichen Sauce - die ganze Erde war eine furchtbar dicke Sauce im Weltenraum - schwamm solch eine Riesenauster. Gegen die wäre unsere ganze Schreinerei hier noch ein Zwerg gewesen. Es waren solche Riesenaustern, daß, wenn man es auf ihrem Rücken abgezeichnet hätte, zum Beispiel das heutige

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Frankreich bequem daraufgegangen wäre. Die ältesten dieser Tiere waren so riesige Kerle, weil die Erde auch noch riesig groß war. Also es waren einmal Riesentiere, die eigentlich nur aus einer schleimigen Masse bestanden haben und die ja auch nur so sich bewegen konnten wie die Austern, nur daß die Austern in einem viel dünneren Wasser sein müssen. Und diese schleimigen Tiere, die einen riesigen Schild krötenpanzer hatten, schwammen in dieser dicklichen Erde drinnen.
Also sehen Sie, die Erde war wirklich so etwas ähnliches, wie wenn Sie sich heute eine riesige dicke Suppe vorstellen und darinnen Klöße. Aber die Klöße müssen Sie sich so vorstellen, daß sie auf der einen Seite ganz dick werden, so daß Sie sich die Zähne ausbeißen würden, wenn Sie auf dieser einen Seite hereinbeißen würden, und auf der anderen Seite ganz weich. Sie könnten dann von diesen Klößen die eine Seite abheben; dann kriegten Sie so etwas heraus wie einen Hut. Und das andere, das wäre ganz weich, das könnten Sie essen. Das ist viel weicher gewesen bei diesen Tieren als dasjenige, in dem sie drinnen schwammen, als diese dickliche Erde. Daher war es bei diesen Tieren auch so, wie es heute nur gewisse ganz kleine Tiere sich erhalten haben. Sie werden schon einmal Schnecken kriechen gesehen haben. Wenn die Schnecken kriechen, dann können Sie die Spur von diesen Schnecken verfolgen; sie ist ganz voll von diesem Schleim - das werden Sie schon gesehen haben -, den läßt die Schnecke zurück. Der Schleim, der wird heute aufgetrocknet von der Sonne. Heute bedeutet er nicht viel. Aber denken Sie, in der alten Zeit, wo die Erde nicht so fest war, da ließen diese Tiere in der dicklichen Erdensuppe auch diesen Schleim zurück, und der vermischte sich mit dieser dicklichen Erdensuppe. So daß diese Tiere fortwährend sehr nützlich gewesen sind in dieser dicken Erden-suppe.
Heute kann man solche Sachen höchstens noch in ganz kleinen Spuren verfolgen, wenn man über den Weg geht und es recht geregnet hat. Besonders hier auch beim Goetheanum können Sie das bemerken:
Dann kriechen die Regenwürmer heraus. Sie werden das schon gesehen haben, bei besonderen Regenzeiten kriechen überall die Regenwürmer heraus. Wo sind die Regenwürmer sonst? Die sind sonst in der Erde drinnen, kriechen in der Erde drinnen und machen da solche Löcher,

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wo sie durchkriechen. Sehen Sie, wenn es diese Regenwürmer nicht geben würde, dann wären unsere Acker viel weniger fruchtbar. Denn dasjenige, was diese Regenwürmer in der Erde zurücklassen, das macht die Ackererde fruchtbar. Man darf sich eben nicht vorstellen, daß irgend etwas in der Natur unnötig ist.
Und so war es bei diesen Riesenaustern in alten Zeiten. Die haben in der Erdensuppe fortwährend dasjenige abgesondert, was sie da als Schleim von sich gaben, und haben diese Erdensuppe dadurch immer aufgefrischt, immer, immer aufgefrischt.
Aber die Geschichte ist so: In der heutigen Erde - ja, da können die Schnecken und die Regenwürmer noch so viel von dem, was sie ab sondern, hineinmischen -, in der heutigen Erde stirbt das doch wieder um ab. Man kann das gut gebrauchen, was die Regenwürmer an Mist liefern in der Ackererde, in einem gewissen Sinne sogar kann man das gut gebrauchen in der Ackererde, was die Schnecken als Mist liefern, und nicht nur auf der Ackererde, sondern in den Wiesen ist dasjenige, was auf der Erde ist, indem sich der Schneckenschleim hineinsenkt, ein sehr, sehr gutes Düngemittel. Aber sehen Sie, lebendig wird das nicht, was da in die Erde durch die heutigen Tiere hineingeht.
Aber in der Zeit, von der ich jetzt spreche, wo diese Riesenaustern in die Erdensuppe hinein ihre Produkte abgelagert haben, da war wirk lich etwas sehr Merkwürdiges - heute kommt ja auch noch so etwas vor. Nicht wahr, die Befruchtung, die geschieht bei gewissen niederen Tieren, sogar bei ziemlich hohen Tieren nicht so, wie sie bei höheren Tieren und beim Menschen geschieht, sondern die Befruchtung ge schieht, sagen wir, bei gewissen fischähnlichen oder selbst bei am phibienähnlichen oder krötenähnlichen Tieren so, daß die Eier abgelegt werden, irgendwohin abgelegt werden, so daß da so ein Batzen Eier irgendwo liegt, den das Weibchen abgelegt hat; und das Männchen, das läßt dann seine Samenflüssigkeit einfach da drauf fallen, außerhalb des Weibchens, und da werden erst die Eier befruchtet, außerhalb des Weibchens. Das geschieht heute auch noch. So daß man also sagen kann: Das Weibchen legt irgendwohin die Eier ab und geht weg. Das Männchen findet diese Eier, befruchtet sie, geht auch weg. Die Befruch tung geschieht also äußerlich. Nur kann sie nicht geschehen, es wird

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nichts daraus, wenn nicht dann auf diese befruchteten Eier die Sonne scheint. Wenn die Sonne nicht darauf scheint, dann wird nichts daraus, dann sterben sie ab. Aber wenn die Sonne auf diese befruchteten Eier scheint, dann werden neue Tiere daraus. Das geschieht noch heute.
In der Zeit, als diese Riesenaustern in der Erdensuppe herum-schwammen, da wirkte dieser Schleim, wenn er in die Erde hineinkam, so, daß aus der Erde selber wiederum solche riesigen Tiere sich immer wieder entwickelten. Die alten starben ab, aber aus der Erde selber ent wickelten sich die neuen Tiere heraus. Die Erde gebar fortwährend selber solche ja höchst ungeschickten, aber riesenmäßigen Tiere. Also die Erde war so, daß sie selber befruchtet wurde durch dasjenige, was diese Tiere absonderten. So daß Sie sich also vorstellen können: Einmal war ein Erdenleben vorhanden; die Erde war ganz ein lebendes Wesen. Aber das Leben mußte dadurch unterhalten werden, daß da oben diese Tiere Schleim absonderten. Wenn diese dickliche Erdensuppe allein ge wesen wäre, so wären diese dicken Tiere dahier auch bald ausgestorben. Sie sonderten ab, und dadurch war das Leben der Erde fortwährend erhalten worden, so daß die Erde fortwährend aus sich heraus solche Tiere trieb. Die befruchteten dann die Erde selber wiederum, und sie konnte jetzt aus sich heraus wieder solche Tiere wachsen lassen.
Aber diese Tiere da, die hätten diesen Schleim nicht absondern kön nen, wenn nicht etwas anderes dagewesen wäre. Sehen Sie, die Erde war eine furchtbar dicke Suppe; aber ich habe Ihnen gesagt: Der Schleim der Tiere war viel dünner als diese Erdensuppe, viel dünner. Woher ist denn das gekommen, daß die Tiere so dünnen Schleim haben konnten? Das wäre ganz unmöglich gewesen, daß die Tiere einen dünneren Schleim haben konnten als die Erde überhaupt. Die Erde war auch ein Brei, ein Schleim, aber ein ganz dicker; aber immerfort entstanden diese dünneren Schleimklumpen. Wodurch entstanden sie?
Sehen Sie, meine Herren, wenn Sie da nur ein Glas Wasser haben und darinnen eine Flüssigkeit, Wasser, in dem Salz aufgelöst ist, so kann es passieren, daß das Salz da herunterfällt. Das Salz sammelt sich als Satz unten am Boden an; aber dann ist ja das Wasser dünner. Erst als das Salz aufgelöst war, war das Wasser dick. Jetzt ist das Wasser dünner geworden, weil das Salz heraußen ist. Also haben Sie später ein dünneres

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Wasser oben, und unten ein viel dickeres Salzwasser. Und wenn ich das machen könnte, daß ich jetzt dieses Glas umkehre - nicht wahr, wenn ich das tun würde, so würde natürlich einfach das ganze Salz wasser herausfließen, und die Geschichte bildete sich nicht. Aber bei diesen alten Tieren, da war das so, daß es sich umgekehrt hat. Bei die­sen alten Viechern, da war das so: Da war die dickliche Erde; da hat sich nun etwas gebildet. Da war oben der Schuppenpanzer und weiter unten Schleim. Was war denn der Schuppenpanzer? Der war nichts anderes, als was sich herausgesondert hat aus der dicklichen Erden masse. Geradeso wie sich das Salz vom Wasser nach unten absondert, so hat sich diese dickliche, ganz dicke Masse, die dann so einen Schup penpanzer bildete wie bei den Schildkröten, von dem Dicklichen der Erdenmasse, aber nach oben, abgesondert, so daß das Dünnere unten übriggeblieben ist. Und so konnte da dieses umgekehrte Glas, oder der Kopf, sich herausheben aus dem Wasser. Nur das Salz ist nach oben gekommen.
Und was ist denn mit diesem Salz geschehen? Ja, meine Herren, jetzt gehen wir wieder zurück zu dem, was der Hund macht, wenn er eine Wunde hat. Wenn der Hund eine Wunde hat, leckt er sie ab. Dann läßt er die Sonne darauf scheinen; dann wird es dicklich, und dann tötet es das, was da drinnen ist in der Wunde. Sonst würden die Bak terien kommen und die Wunde würde sich vergrößern, und der ganze Hund ginge kaputt. Sehen Sie, da bildet sich eine Kruste, eine Kruste von dem, was im Inneren ist. Der Schleim, den der Hund auf die Wunde bringt, ist etwas Inneres; wenn die Sonne darauf scheint, so ver dickt sie den Schleim durch die Wärme.
Geradeso war es bei diesen Tieren in diesen alten Zeiten. Da schien die Sonne darauf auf diese dicke Erdensuppe, und dadurch, daß die Sonne darauf schien, entstanden an einzelnen Stellen solche Verdickun gen, wie sie beim Hund auf der Wunde entstehen. Das waren die Schalen. Und darunter war, weil sich eine Verdickung bildete, eine dünnere Schleimmasse. Und so entstanden diese Riesenaustern. Aber, sehen Sie, diese Riesenaustern hätten sich gar nicht bilden können, wenn nicht die Sonne geschienen hätte. Es wäre unmöglich gewesen. Also wir haben jetzt das Merkwürdige, daß wir die Erde haben - ich

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will das jetzt ganz klein zeichnen -; auf die Erde scheint bei Tag die Sonne, und die Sonne holt aus der Erde heraus diese Riesenaustern. Wir können also sagen: Einmal war die Zeit, wo die Erde eine dicke Suppe war, und dadurch, daß sie von außen von der Sonne beschienen worden ist, bildeten sich solche Tiere.
Aber das alles hätte ja nichts genützt dazumal, daß nun die Erde auch wiederum, wenn diese Tiere ihren dünnen Schleim bei ihrem Schwimmen durch die Suppe zurückgelassen hätten, hätte befruchtet werden können. Das hätte nichts genützt. Ja, es muß also die Erde doch noch etwas anderes gewesen sein in ihrem Inneren. Sie muß so ähnlich gewesen sein wie ein Ei. Nur dadurch hat sie befruchtet werden kön nen. Ist das nicht einzusehen? Die Erde hat einmal sozusagen sein kön nen wie ein Ei. Dadurch nur hat sie befruchtet werden können.
Da müssen wir schon einmal studieren, wie das denn eigentlich mit solch einem Ei ist, damit das befruchtet werden kann, denn wir kom men zu einem Erdenzustand, wo eine dicke Erdensuppe da war. Die Wesen, die befruchten haben können, also ich möchte sagen, die männ lichen Wesen, die haben wir da gefunden in der alten Zeit; aber wenn die Erde das allgemein weibliche Wesen hätte sein sollen - das haben wir noch nicht gefunden, das müssen wir jetzt auch wiederum suchen. Wir müssen darauf kommen, wie denn die Erde einmal solch ein riesiges Ei hat sein können.
Sehen Sie, meine Herren, wenn man auf so etwas draufkommen will, da heißt es schon, ein bißchen die Welt betrachten. Und da werde ich Sie jetzt komischerweise auf ein ganz anderes Gebiet zuerst aufmerk sam machen müssen, aufmerksam machen auf etwas, was heute zwar noch vorhanden ist, aber wirklich, ich möchte sagen, in so verdünntem Zustande, daß viele Menschen in ihrem Bewußtsein nicht viel davon merken. Aber es ist wirklich nicht bloß aus einem gewissen Geheimtun heraus, daß die Dichter, wenn sie Liebespärchen, die Entwickelung der Liebe haben schildern wollen, dann die Liebenden in den Mondenschein gehen lassen. Der Mondenschein hat etwas, was auf die Phantasie des Menschen in außerordentlicher Weise wirkt.
Sie meinen vielleicht, das gehöre eigentlich nicht dazu; aber es ge hört doch dazu. Der Mondenschein, der treibt die Phantasie des Menschen

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heraus. Und sehen Sie, das ist schon etwas ganz Merkwürdiges, daß der Mondenschein die Phantasie des Menschen heraustreibt. Wenn die Menschen, die gegenwärtig Gelehrte sind, manchmal so eine An-wandelung von Gescheitheit haben, da kommen sie manchmal auf ganz niedliche Sachen, nette Sachen. So hat es vor einiger Zeit in Paris einen Gelehrten gegeben, der hat sich gesagt: Mit alle den Arzneimitteln, die wir jetzt haben in der Medizin, kann man so furchtbar wenig ausrich ten beim Menschen, und - wirklich, es ist ganz merkwürdig, daß ein Pariser Gelehrter endlich darauf gekommen ist! - wenn man die Men schen gesünder machen wollte, könnte man etwas anderes machen. Und staunen Sie, meine Herren: Der Gelehrte in Paris hat den Leuten an geraten, sie sollen den «Faust» von Goethe recht viel lesen - da werden sie gesünder davon, als wenn sie all das Zeug aufnehmen, das nur den Verstand anregt -, weil der «Faust» von Goethe die Phantasie anregt, und die Phantasie ist gesund. - Selbst ein materialistischer Gelehrter hat also das Lesen von Goethes «Faust», weil das die Phantasie anregt, so gut gefunden, daß er gesagt hat: Die heutigen Menschen, die sind so gescheit, die strengen den Verstand nur an; aber der Verstand macht einen eigentlich krank. Aber wenn die Leute den «Faust» lesen würden und sich in alle die Bilder hineinversetzen würden, die im «Faust» sind, würden sie viel gesünder sein.
Also der Gelehrte wollte, daß die Menschen sich ein bißchen mit gesunder Wachstumskraft durchdringen. Die Menschen sollen sich ein wenig mit gesunder Wachstumskraft durchdringen! Ja, sehen Sie, das war einmal ein lichter Augenblick, wie die heutige Wissenschaft nur wenige hat. Das war ein gesunder Augenblick, den die heutige Wissen schaft hatte. Das ist gesund, weil es einen dazu anregt, besser zu ver dauen. Es ist wirklich wahr: Der Mensch verdaut besser, wenn er den Goetheschen «Faust» studiert, als wenn er alle gelehrten Werke studiert. Da verdirbt er sich den Magen. Mit dem Goetheschen «Faust» wird der Magen immer gesünder und gesünder; aber auch die anderen Organe. Und woher kommt denn das? Nun, weil der Goethesche «Faust» aus der Phantasie stammt, nicht aus dem Verstand.
Denken Sie sich, wenn der Mensch sich durch den Mond anregen läßt, dann wird ja die Phantasie angeregt. Also es werden im Menschen

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durch den Mond die Wachstumskräfte gerade angeregt. Aber heute ist das in sehr geringem Maß der Fall. Nicht wahr, der Mensch fühlt sich so ein bißchen innerlich durchwärmt, also er fühlt seine Wachstums-kräfte innerlich angeregt, wenn er einen Mondspaziergang macht. Das ist schon wahr. Aber es kommt nicht viel in Betracht.
Aber der Mond hängt doch zusammen mit all dem, was beim Men schen das Leben bedeutet. Ich kann Ihnen eine kleine Tatsache angeben, die außerordentlich stark zeigt, wie der Mond mit dem Leben zusam menhängt. Sehen Sie, heute, wo man zum Beispiel aufmerksam macht auf manche Dinge, die die Leute einmal gewußt haben - erinnern Sie sich an dasjenige zum Beispiel, was ich Ihnen hier über den römischen Januskopf mit den zwei Gesichtern gesagt habe -, da werden Sie sich denken können, daß die Leute früher einmal mehr gewußt haben als heute; wenn sie auch nicht «gescheiter» waren, aber mehr gewußt haben sie. Nicht wahr, heute, wo alles durch die Gescheitheit der Menschen begraben ist, was die Menschen einmal gewußt haben, heute sagt man ja: Nun, ein Menschenkind wird neun Monate lang getragen. - Aber die Medizin, die manchmal noch, so wie sie die lateinische Sprache bewahrt hat, auch alte Vorstellungen bewahrt hat - die heutigen Ärzte wollen ja nichts mehr davon wissen, aber sie sind manchmal noch da, diese alten Vorstellungen -, die sagt: Das Kind wird zehn Monate ge tragen. Woher kommt das, meine Herren? Nun ja, wenn Sie sich aus rechnen: Ein Mondenmonat hat ungefähr 28 Tage; zehn mal 28 = 280 Tage. Ein Monat, wie wir ihn heute haben, zu 30 Tagen gerechnet, wenn Sie das neun mal nehmen, so haben Sie ungefähr dasselbe = 270 Tage. Das heißt: Die neun Monate, die wir heute haben, sind zehn Monden-monate. Das ist ja dieselbe Zeit. Man hat früher viel nach Monden monaten gerechnet, wenn man von der Tragezeit des Kindes im Mutter-leibe gesprochen hat.
Woher ist das gekommen, meine Herren? Weil man noch gewußt hat, daß das Ausbilden des Kindes im Mutterleib mit dem Mond zu sammenhängt. Es hängt mit dem Mond zusammen. Man hat eben ein mal gewußt und kann das heute wiederum durch anthroposophische Studien konstatieren, daß der Mond es ist, der im Menschen bewirkt, daß überhaupt das Kind als Lebendes sich entwickeln kann.

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Aber dieser Mond, der wirkt ja nur auf die weiblichen Wesen im Menschenreich und im Tierreich, weil die dazu hergerichtet sind. Auf die Erde wirkt der Mond heute nicht mehr. Da erzeugt er heute keine Eier mehr. Und dennoch, wenn man die Sache ordentlich studiert, so kommt man darauf, daß nicht nur im feinen Sinne die Phantasie an­geregt wird und dadurch unsere Wachstumskräfte und wir in eine innerliche Bewegung kommen, wenn wir einen Mondspaziergang machen. Der Mond wirkt in uns belebend, aber er wirkt so stark be lebend im menschlichen und tierischen weiblichen Körper, daß er überhaupt das Kind oder das Tier mit Wachstumskräften ausstattet.
Ja, sehen Sie, der Mond, der da vom Himmel herunterscheint, der bewirkt das nicht, daß die Erde selber wachsen kann, denn die Erde ist heute schon viel zu stark erstorben. Also es muß diese Erde, die einmal befruchtet werden konnte, lebendiger gewesen sein.
Und jetzt erinnern Sie sich, daß ich Ihnen gesagt habe, daß das jenige, was im Inneren des Menschen ist, wenn es von außen herein kommt, schädlich ist. Also der Mond, der heute auf die Erde herunter-scheint, der kann kein Leben mehr hervorrufen. Warum? Weil sein Scheinen von außen kommt, geradeso wie wenn die Luft, die wir selber von uns gegeben haben, von außen kommt. Dann kann sie uns nicht mehr innerlich beleben. Heute kann also der Mond da oben nichts mehr machen mit der Erde selber. Heute kann der Mond nur etwas machen im tierischen und menschlichen Körper, weil das beschützt ist.
Aber wo muß denn der Mond einmal gewesen sein, damit er die Erde selber zum Lebewesen machen konnte? Außer der Erde kann er sie nicht zum Lebewesen machen. Er muß in der Erde drinnen gewesen sein! Geradeso wie die Kohlensäure, wenn sie draußen ist, uns nicht mehr lebendig machen kann, sondern drinnen sein muß, sich selber drinnen lebendig entwickeln muß, so muß also einmal der Mondenschein nicht draußen gewesen sein, sondern drinnen in der Erde.
Also stellen Sie sich vor, meine Herren: Damals, als da diese Wesen waren, da war der Mond überhaupt nicht außerhalb der Erde, sondern er war drinnen und aufgelöst in der dicklichen Suppe. Er war über haupt noch nicht begrenzt, sondern er war da drinnen eine noch dicklichere Kugel. Da konnte er die ganze Erde zu einem Ei machen. Man

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kommt eben darauf, daß der Mond, der heute nur noch auf die Phanta sie wirkt und auf den weiblichen befruchteten Körper, daß der Mond, der heute droben am Himmel ist, einmal in der Erde drinnen war.
Dann muß er aber auch einmal herausgegangen sein. Und sehen Sie, meine Herren, da kommen wir eben zu dem ungeheuer wichtigen Augenblick in der Erdenentwickelung: Der Mond, der heute immer draußen ist, der ist früher einmal im Inneren der Erde gewesen. Die Erde hat ihn ausgeschieden. Er umgibt sie heute von außen.
Wenn wir den ganzen Erdenkörper studieren, so kommt dabei etwas Merkwürdiges heraus. Nicht wahr, wenn wir den Erdenkörper stu dieren, so haben wir ja eigentlich den Erdenkörper aus Wasser be stehend, und da in diesem Wasser schwimmen die Kontinente drinnen, die Landmassen, wie einstmals diese Riesentiere darinnen geschwom­men sind. Europa, Asien, Afrika schwimmen im Wasser, wie einstmals diese Riesentiere da geschwommen sind in der Erdensuppe, in der dicken Erdensuppe. Und wenn wir studieren, wie das ausschaut - wis sen Sie, das schaut ja nicht gleich aus -, dann kann man heute noch immer sehen an der Aushöhlung der Erde und an dem Ausweichen der Kontinente, daß der Mond einmal herausgeflogen ist da, wo heute der Stille Ozean ist. Der Mond war einmal in der Erde drinnen, ist heraus geflogen. Er hat sich außen erst verhärtet.
Wir blicken jetzt auf einen alten Erdenzustand zurück. Da hatte die Erde noch ihren Mond in ihrem Leib drinnen. Der machte sie zur Mut ter mit seiner Substanz, und die väterliche Substanz wurde hervor gerufen durch die Sonne, weil die Sonne fortwährend solche Schleim-klumpen erzeugt hat, die sie außen umgeben hat mit einem dicken Hornmantel. Das hat der Sonnenstrahl bewirkt. Und diese schwimmen den Schleimklumpen, die haben fortwährend das, was unten war in der Erdensuppe und was durch den Mond im Leben erhalten worden ist, befruchtet. So daß die Erde ein riesiges Ei war und durch dasjenige, was die Sonne bewirkt hat, fortwährend befruchtet worden ist.
Ja, meine Herren, wenn die Geschichte so fortgegangen wäre, da hätte sich ein recht ungemütlicher Zustand auf der Erde ergeben. Da wäre der Mond herausgeflogen. Die Erde wäre unfruchtbar geworden, und es wäre schließlich doch alles erstorben. Was ist denn da bewirkt

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worden? Da ist durch das Hinausfliegen des Mondes zwar bewirkt worden, daß die Erde erstorben ist, aber es ist etwas von dem alten Befruchtenden eben aufbewahrt worden im mütterlichen Tier- und Menschenleib. Vorher hat es überhaupt nicht ein Geborenwerden ge geben in der Weise, wie es jetzt ist, nicht wahr. Geradeso wie, wenn man einen neuen Laib Brot macht, man etwas von der alten Hefe nimmt und dann hereintut, so ist etwas noch von der alten Substanz, die man vom Mond genommen hat, geblieben in den weiblichen Leibern, so daß das befruchtet werden kann. Was da drinnen befruchtet wird, das, was innerlich zum Ei wird, das ist nur die Nachbildung vom alten Erden-Ei. So daß es kein Wunder ist, daß, wenn das Kind entsteht, da die Mon dengeschichte noch drinnen spukt, sich sogar die Zeit, während das Kind getragen wird, nach dem Mond richtet. Nicht wahr, der Sohn des Barons muß sich auch nach der Decke seiner Erbschaft strecken, die ihm sein Vater hinterläßt. Das muß auch das befruchtete Ei, das eigent lich von der alten Mondensuppe abstammt. Das muß sich heute noch nach dem Mond richten, denn von dem ist das geerbt.
Überhaupt, sehen Sie, hat man in älteren Zeiten von diesen Dingen viel mehr gewußt. Ich werde Ihnen noch einmal die Gründe angeben, warum. In älteren Zeiten hat man von diesen Dingen viel mehr gewußt, und man hat gesagt: Sol, Sonne, die ist männlich. Sie macht ja auch das Männliche. Noch im Lateinischen ist das so. Sol, die Sonne, ist männlich. Luna, der Mond, ist weiblich, ist im Lateinischen ein weib liches Wort. Sol, das Sonnenhafte, befruchtet Luna, das Weibhafte. In der deutschen Sprache ist die Geschichte vollständig umgekehrt; da sagt man die Sonne und der Mond, während doch in Wirklichkeit die Sonne das Männliche darstellt und der Mond das Weibliche. So ver­wirrt hat sich die Geschichte. Wir müßten eigentlich, wenn wir richtig reden wollten, im Deutschen sagen: der Sonn und die Mond.
Aber schon der alte Lateiner hat darüber einen Witz gemacht und hat gesagt - es ist dies nur ein Witz, mit dem ich die heutige Betrach tung abschließen will; ich wollte Ihnen hier nur etwas geben, was das nächste Mal noch viel deutlicher vor uns stehen wird -, der alte Latei ner hat nämlich gesagt: Wir haben zuerst einen solchen Mond (siehe Zeichnung); dann nimmt der Mond immer zu, wird so und dann wird

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er voll; dann nimmt er wiederum ab, wird so. - Und sehen Sie, wenn wir diese Worte nehmen in den romanischen Sprachen, zum Beispiel im Französischen, so können wir dieses da hier (siehe Zeichnung, ab nehmende Mondsichel) zu einem C machen, und das da hier (zunehmender Mond, erstes Viertel), zu einem D; dann kommt aber heraus beim C croAitre = wachsen. Aber da nimmt er gerade ab, der Mond, da wächst er nicht, wenn er ein C macht! Dagegen décroître = abnehmen
- da wächst er. So daß, wenn wir an den Himmel hinaufschauen, der Mond uns sagt: «Ich wachse», wenn er eigentlich abnimmt, und um gekehrt. Daraus ist dann das Sprichwort entstanden: Der Mond ist ein Lügner. Er lügt einen an..
Aber das hat ja noch eine tiefere Bedeutung. Die Menschen haben sich allmählich geniert, über das Mondenhafte zu reden, weil das Mon-denhafte mit der Entstehung des Menschen zusammenhängt. Das wurde allmählich etwas, worüber man nicht redete. Und die Menschen haben die Möglichkeit verloren, überhaupt von dem Mondenhaften in der richtigen Weise zu reden. Deshalb wurde der Mond auch ein Lügner. Wenn man ihn anschaute, sagte er für die Menschen nicht dasjenige mehr, womit sie zusammenhängen. Die Ärzte haben sich allmählich abgewöhnt, darüber zu reden, daß das Kind zehn Mondennionate im Mutterleibe bleibt und haben von den neun Sonnenmonaten geredet, die dann ja ungefähr dieselbe Zeit sind. Aber in Wirklichkeit sind es zehn Mondenmonate, nicht neun Sonnenmonate. Das hängt eben mit dem Mond zusammen und stammt von daher, daß die Erde einmal in ihrem Bauch, in sich den Mond getragen hat und selber den Mond ge boren und in den Weltenraum hinausgeworfen hat.
Jetzt denken Sie, meine Herren: Ja, im Grunde genommen erzähle ich Ihnen ja gar nichts anderes, als was Ihnen heute einer erzählt, wenn er Ihnen von einem alten Weltennebel redet, von so einem Dampf, aus

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dem sich wieder abgesondert hat die Erde, und aus der Erde ist wieder der Mond herausgegangen. - Aber das ist alles mechanisch gedacht! Das ist alles materialistisch! Aus einem Dampf könnte niemals, wenn noch so viel herausfließen würde, irgend etwas Lebendiges werden. Aber das, was ich Ihnen erzählt habe, ist nicht ein alter Dampf. Sie können noch so viel Dämpfe in dem Kessel erzeugen und sich etwas abspalten lassen - aber das, was ich Ihnen erzähle, führt Sie zurück zu einer Wirklichkeit. Und das ist die Wirklichkeit, nicht jener Dampf, von dem sich der Jupiter abgespalten haben soll und die Erde; und als die Erde noch gleich dem Jupiter gewesen ist, da hat sie den Mond hin ausgeworfen. Der wirkliche Mond hängt eben zusammen mit dem ganzen Wachstum und sogar mit der Fortpflanzung des Menschen, wie gesagt, und die Erde hat einmal ihre eigene Fortpflanzungskraft in sich gehabt, war mütterliche Erde, und ist von den Tieren, die da oben gewesen sind mit ihren Schalen, und von dem Sonnenschein befruchtet worden. Die Mondenkraft in der Erde ist von dem Sonnenschein befruchtet worden. Ja, da sehen Sie, wie wir allmählich von der Erde in den Weltenraum hinauskommen.
Ich stelle natürlich ein bißchen starke Anforderungen an Ihre Aufmerksamkeit, aber Sie sehen ja, daß man auch etwas Wirkliches daraus lernt!