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Bibliothek:Sophia Jesu Christi

Aus AnthroWiki

Die Sophia Jesu Christi ist Teil der gnostischen Nag-Hammadi-Schriften. Dort erscheint sie als vierte Schrift des 3. Kodex (NHC III,4). Sie ist auch Teil des koptischen Codex Berolinensis Gnosticus 8502. Es existiert noch ein Fragment unter der Bezeichnung Papyrus Oxyrhynchus 1081.[1] Der Text ist eine christliche Überarbeitung des Eugnostosbriefes, der ebenfalls in den Nag-Hammadi-Schriften überliefert ist. Durch die Überarbeitung wurde der Lehrbrief umgestaltet zu einem Dialog des Erlösers mit seinen Jüngern.

Die Sophia Jesu Christi

Christophanie

Nachdem er von den Toten auferstanden war, folgten ihm seine zwölf Jünger und sieben Frauen und kamen nach Galiläa zu dem Berg, der genannt wird, Ort der Zeit der Reife und Freude`. Als sie sich miteinander versammelten, wobei sie im Unklaren waren über das wahre Wesen des Alls und den Plan und die heilige Vorsehung und die Trefflichkeit der Mächte und über alles, was der Erlöser mit ihnen tat im Mysterium des heiligen Planes, da erschien der Erlöser, nicht in seiner ursprünglichen Gestalt, sondern im unsichtbaren Geist. Sein Aussehen aber glich einem großen Engel des Lichtes. Seine Gestalt aber werde ich nicht beschreiben können. Kein sterbliches Fleisch wird ihn bei sich aufnehmen können, sondern nur ein reines, vollkommenens Fleisch wie das, welches er uns gezeigt hat auf dem Berg, den man, den der Oliven` nennt in Galiläa. Und er sagte zu uns: ,,Der Friede sei mit euch! Meinen Frieden gebe ich euch.`` Und sie alle wunderten sich und gerieten in Furcht. Der Erlöser lächelte und sprach: ,,Worüber denkt ihr nach, oder worüber seid ihr im Unklaren? Wonach sucht ihr?`` Philippus sagte: ,,Über das wahre Wesen des Alls und über den Plan.``

Widerlegung der Philosophenmeinungen

Der Erlöser sagte zu ihnen: ,,Ich will, daß ihr folgendes erkennt: Alle Menschen, die gezeugt wurden auf der Erde seit der Grundlegung der Welt bis jetzt, sind Staub. Obwohl sie Erkundigungen über Gott anstellen, wer er ist und von welcher Beschaffenheit er ist, haben sie ihn dennoch nicht gefunden. Die Weisesten unter ihnen aber stellten über die Wahrheit Vermutungen an aufgrund der Einrichtung der Welt und ihrer Bewegung. Und ihre Vermutung hat die Wahrheit nicht getroffen. Denn über die Einrichtung redet man in drei unterschiedlichen Weisen bei allen Philosophen, und deswegen stimmen sie nicht überein.

Einige von ihnen sagen nämlich über die Welt, daß sie durch sich selbst gelenkt werde. Andere, daß es Vorsehung sei, wieder andere, daß es Schicksal sei. Und es ist nicht eine von diesen. Nun, von diesen drei Stimmen, die ich eben erwähnt habe, zählt nicht eine zur Wahrheit, sondern sie sind durch den Menschen entstanden.

Ich aber, der ich gekommen bin aus dem unendlichen Licht, ich bin hier, denn ich kenne es, das Licht, damit ich zu euch rede über das genaue Wesen der Wahrheit.

Dasjenige, das aus sich selbst ist, hat ein unreines Leben. Es hat sich selbst gemacht. Die Vorsehung hat keine Weisheit in sich, und das Schicksal beurteilt nicht.

Aber euch ist es gegeben zu wissen. Und denjenigen, die der Erkenntnis würdig sind, wird man die Erkenntnis geben, denen, die nicht gezeugt wurden aus der Zeugung der befleckten Übung, sondern durch den Ersten, der gesandt wurde, denn er ist ein Unsterblicher inmitten von sterblichen Menschen.``

Über den guten, unbekannten Gott

Matthäus sagte zu ihm: ,,Herr, keiner wird die Wahrheit finden können außer durch dich. Deswegen lehre uns die Wahrheit!``

Beginn des Eugnostosbriefs

Der Erlöser sagte:  ,, Der, der existiert, ist unbeschreibbar. Weder hat Kraft ihn erkannt noch Macht noch Unterordnung noch irgendein Geschöpf, seit der Grundlegung der Welt, außer er allein hat sich erkannt und der, dem er sich offenbaren will durch ihn, der aus dem ersten Licht stammt. Von nun an, ich bin der große Erlöser!

Denn er ist unsterblich und ewig. Er ist aber ewig, indem er keine Geburt hat. Denn jeder, der Geburt hat, wird sterben. Er ist ungezeugt, er hat keinen Anfang. Denn jeder, der einen Anfang hat, hat ein Ende. Da niemand über ihn herrscht, hat er keinen Namen. Denn jeder, der einen Namen hat, ist das Geschöpf eines anderen.  Und er hat ein eigenes Aussehen, nicht in der Art von dem, das ihr gesehen habt und das ihr empfangen habt, sondern ein fremdes Aussehen, das alle Dinge übertrifft und besser ist als das All. Er sieht nach allen Seiten und sieht sich selbst durch sich selbst.  Da er unendlich ist, ist er immerwährend unbegreifbar. Er ist unvergänglich. Er ist einer, der nicht seinesgleichen hat. Er ist unwandelbar gut. Er ist ohne Mangel. Er ist ewig. Er ist selig. Während er nicht erkannt werden kann, kennt er sich allezeit selbst. Er ist unmeßbar. Er ist unauffindbar. Er ist vollkommen, weil er keinen Mangel hat. Er ist unvergänglich selig. Er wird, Vater des Alls` genannt.

Über die Hervorbringungen aus dem Vater

Philippus sagte: ,,Herr, wieso hat er sich denn den Vollkommenen offenbart?``

Der vollkommene Erlöser sprach zu ihm: ,,Bevor irgendetwas offenbar ist von den Geoffenbarten, sind die Größe und die Macht in ihm, weil er das Ganze der Ganzheiten umschließt, während nichts ihn umschließt. Denn jener ist vollständig Verstand. Und er ist Denken und Klugheit und Überlegung und Vernunft und Kraft. Sie sind alle gleiche Kräfte. Sie sind Quellen der Ganzheiten. Und ihr gesamtes Geschlecht von Anfang bis Ende war in seiner ersten Erkenntnis, der des unendlichen, ungezeugten Vaters.``

Thomas sagte zu ihm: ,,Herr, Erlöser, weshalb sind diese entstanden, und weshalb wurden diese offenbart?``

Der vollkommene Erlöser sagte: ,,Ich bin aus dem Unendlichen gekommen, damit ich euch alles sage. Der seiende Geist war ein Erzeuger, der eine Kraft hatte eines erzeugenden, gestaltgebenden Wesens, damit sich offenbare der große Reichtum, der in ihm verborgen ist. Wegen seiner Güte und seiner Liebe wollte er durch sich selbst Früchte hervorbringen, damit er nicht allein seine Güte genieße, sondern damit auch andere Geister des nichtwankenden Geschlechts hervorbringen Körper und Frucht, Herrlichkeit und Ehre in Unvergänglichkeit und seiner grenzenlose Gnade, damit sein Gutes geoffenbart werde durch den von selbst entstandenen Gott, den Vater aller Unvergänglichkeit, und die, die nachher entstanden sind. Denn sie sind noch nicht offenbar geworden. Es gibt nun einen großen Unterschied zwischen den Unvergänglichen. Er rief aus, indem er sagte: ,,Wer Ohren hat zu hören über die Unendlichen, möge hören!`` Und: ,,Ich sprach mit denen, die wach sind.`` Weiter fuhr er fort  und sprach: ,,Was immer aus dem Vergänglichen entstanden ist, wird vergehen, denn es ist aus dem Vergänglichen entstanden. Aber was immer aus der Unvergänglichkeit entstanden ist, vergeht nicht, sondern es wird unvergänglich werden. Deshalb ging eine Menge Menschen in die Irre, weil sie diesen Unterschied nicht kannten. Und sie starben.``

Es sagte zu ihm Mariamme: ,, Herr, wie nun werden wir diese Dinge erkennen?``

Es sagte der vollkommene Erlöser: ,,Kommt von den nicht offenbaren Dingen bis zu dem Ende derer, die offenbar sind, und die Hervorbringung des Gedankens wird euch offenbaren, wie der Glaube an die Dinge, die nicht offenbar sind, gefunden wurde in den Dingen, die offenbar sind, die zu dem ungezeugten Vater gehören. Wer Ohren hat zu hören, möge hören! Der Herr des Alls wird nicht Vater, sondern Vorvater genannt. Der Vater ist nämlich der Anfang derer, die offenbar sein werden. Denn jener  ist der anfangslose Vorvater. Indem er sich selbst sieht in sich selbst, in einem Spiegel, trat er in Erscheinung, nur sich selbst gleichend, aber sein Ebenbild trat in Erscheinung als göttlicher Selbstvater und als Gegenüberstehender bei den Gegenüberstehenden, der erstseiende, ungezeugte Vater. Er ist zwar gleichaltrig mit dem Licht, das vor ihm ist, aber er ist nicht gleichwertig an Kraft mit ihm. Danach wurden offenbar viele gegenüberstehende, selbstentstandene, gleichaltrige und gleich-mächtige Kräfte, wobei sie ruhmvoll und zahllos sind, deren Geschlecht genannt wird, das Geschlecht, über dem kein Königreich ist`, aus dem, durch das ihr offenbar geworden seid aus diesen Menschen. Und die ganze Menge, über der kein Königreich ist, nennt man, die Söhne des ungezeugten Vaters`, Gottes, des Erlösers, dessen Eben-bild mit euch ist. Er aber ist der Unerkennbare, der voll ist jeglicher unvergänglicher Herrlichkeit und unaussprechbarer Freude. Sie alle ruhen in ihm, wobei sie sich andauernd in unaussprechbarer Freude freuen in seiner unwandelbaren Herrlichkeit und dem unermeßlichen Jubel. Dieser ist niemals gehört oder wahrgenommen worden in allen Äonen und ihren Welten bis jetzt.``

Matthäus sagte zu ihm: ,,Herr, Erlöser! Wie ist der Mensch offenbar geworden?``

Es sagte der vollkommene Erlöser: ,,Ich will, daß ihr erkennt: Der, der offenbar wurde vor dem All im Unendlichen, ist ein selbstgewachsener, selbsterschaffener Vater, wobei er angefüllt mit leuchtendem Licht ist, wobei es unaussprechbar ist. Zu Beginn, als er erkannte, daß sein Ebenbild eine große Kraft wurde, offenbarte sich so-fort der Anfang jenes Lichtes als ein unsterblicher, mannweiblicher Mensch, damit durch jenen unsterblichen Menschen sie ihre Erlösung erlangen und aus dem Vergessen erwachen durch den Deuter, der gesandt wurde, der bei euch ist bis zum Ende der Armut der Räuber. Seine Paargenossin aber ist die große Sophia, die von Anfang an bestimmt war in ihm zur Paarung durch den selbstentstandenen Vater, durch den unsterblichen Menschen, der in Erscheinung trat als erste Benennung und Göttlichkeit und Herrschaft. Denn der Vater, der ,SelbstvaterMensch` genannt wird, offenbarte dieses. Er schuf einen großen Äon, dessen Name, Achtheit` ist, für seine Grösse. Es wurden ihm große Mächte gegeben. Er herrschte über die Schöpfung der Armut. Er schuf Götter und Engel und Erzengel, Myriaden ohne Zahl, als seine Dienerschaft, aus jenem Licht und dem dreifachmännlichen Geist, welcher der der Sophia ist, seiner Paargenossin. Denn aus diesem Gott begannen die Göttlichkeit und das Königreich. Deswegen nannte man ihn, Gott der Götter` und, König der Könige`. Der erste Mensch hat in sich seinen eigenen Verstand so wie er selbst Verstand ist und Klugheit, Überlegung, Vernunft, Kraft. Alle Glieder, die existieren, sind vollkommen und unsterblich. Hinsichtlich der Unvergänglichkeit sind sie gleichwertig. Hinsichtlich der Kraft sind sie aber unterschiedlich, vergleichbar dem Unterschied zwischen Vater und Sohn, zwischen Sohn und Gedanken, zwischen dem Gedanken und dem Rest. Wie ich schon früher gesagt habe, ist hinsichtlich der Dinge, die hervorgebracht wurden, die Einheit die erste. Und nach allem wurde ganz offenbar jener, der offenbart worden war aus seiner Kraft. Und aus dem, der geschaffen wurde, wurde alles offenbar, was gebildet wurde. Aus dem, der gebildet wurde, wurde offenbar der, der gestaltet wurde. Aus dem, der gestaltet wurde, wurde offenbar der, der benannt wurde.  Deswegen entstand der Unterschied unter den ungezeugten Dingen von Anfang an bis zum Ende.``

Darauf sagte Bartholomäus zu ihm: ,,Wieso wurde er im Evangelium, Mensch` und, Sohn des Menschen` genannt? Aus welchem von ihnen ist nun dieser Sohn?``

Der Heilige sagte zu ihm: ,,Ich will, daß ihr folgendes erkennt: Der erste Mensch wird genannt, Erzeuger,

selbstvollendeter Verstand`. Dieser überlegte mit der großen Sophia, seiner Paargenossin, und offenbarte seinen ersthervorgebrachten, mannweiblichen Sohn. Sein männlicher Name ist ,Erst-Erzeuger, Sohn Gottes`, sein weiblicher Name ist ,Sophia, Erst-Erzeugerin, Mutter des Alls`. Einige nennen sie, die Liebe`. Er aber, der Erstgeborene, wird, Christus` genannt. Da er Macht hat von seinem Vater, schuf er eine Menge von Engeln ohne Zahl als sein Gefolge aus Geist und Licht.``

Seine Schüler sagten zu ihm: ,,Herr, offenbare uns über denjenigen, der gewöhnlich, der Mensch` genannt wird, damit auch wir seine Herrlichkeit genau kennenlernen.``

Der vollkommene Erlöser sagte: ,,Wer Ohren hat, zu hören, möge hören.`` Den Erst-Erzeuger-Vater nennt man ,Adam, Auge des Lichtes`, weil er aus dem leuchtenden Licht gekommen ist. Und seine heiligen Engel, die unaussprechbar und schattenlos sind, vergnügen sich unaufhörlich in Freude in ihrer Überlegung, welche sie von ihrem Vater empfangen haben. Das ganze Königreich des Menschensohnes, der ,Sohn des Gottes` genannt wird, ist voll von unaussprechbarer und schattenloser Freude und unwandelbarem Jubel, wobei sie sich freuen über seine unvergängliche Herrlichkeit, welche bis jetzt noch niemals gehört wurde noch offenbart wurde in allen Äonen, die danach entstanden sind, und ihren Welten. Ich bin hervorkommen durch den Selbstentstandenen und durch das erste grenzenlose Licht, damit ich euch alle Dinge verkünde.``

Wiederum, seine Jünger sagten: ,,Lehre uns in Offenheit, wie sie aus dem Nichtoffenbaren herabkamen, aus dem un-sterblichen Äon in die Welt, die sterblich ist!``

Der vollkommene Erlöser sagte: ,,Der Menschensohn stimmte mit Sophia, seiner Paargenossin, überein. Er offenbarte ein großes, mannweibliches Licht. Seinen männlichen Namen nennt man, Erlöser, Schöpfer aller Dinge`. Seinen weiblichen Namen nennt man ,All-Erzeugerin Sophia`. Einige nennen sie, Glaube Pistis`.

Über das Wirken des Erlösers I

Alle, die in die Welt kommen, wie ein Tropfen aus dem Licht, durch diesen, sind in die Welt des Allmächtigen ausgesandt worden, damit sie bewacht werden durch ihn. Und die Fessel seines Vergessens fesselte ihn nach dem Willen der Sophia, damit die Angelegenheit durch ihn offenbar werde in der ganzen Welt der Armut, die Angelegenheit hin-sichtlich seines Hochmuts und seiner Blindheit und der Unwissenheit, denn man gab ihm einen Namen. Ich aber kam von den oberen Orten nach dem Willen des großen Lichtes, ich, der ich aus jener Fessel frei gekommen war. Ich deckte das Werk der Räuber auf. Ich weckte jenen Tropfen auf, damit er reichlich Frucht bringe durch mich,  jenen Tropfen, der durch Sophia entsandt wurde, damit er vollendet werde und nicht mehr Mangel leide, sondern verbunden werde durch mich, den großen Erlöser, damit seine Herrlichkeit offenbar werde, damit auch Sophia freigesprochen werde von jenem Fehler, damit ihre Söhne nicht mehr mangelhaft werden, sondern Ehre und Herrlichkeit erhalten und zu ihrem Vater hinaufgehen und die Worte des männlichen Lichtes kennen. Ihr aber wurdet gesandt durch den Sohn, der seinerseits gesandt wurde, damit ihr erleuchtet werdet und euch freimacht von dem Vergessen der Mächte und damit es euretwegen nicht mehr in Erscheinung trete, nämlich die befleckte Übung, die aus dem furchtbaren Feuer kommt, welches gekommen ist aus dem Fleischlichen von ihnen. Tretet auf ihre Pronoia!``

Wiederaufnahme des Eugnostosbriefs

Darauf sagte Thomas zu ihm: ,,Herr, Erlöser, die die Himmel übertreffen, wieviele sind ihre Äonen?``

Der vollkommene Erlöser sagte: ,,Ich lobe euch, daß ihr nach den großen Äonen fragt, denn eure Wurzeln sind im Grenzenlosen. Als nun die, die ich schon nannte, in Erscheinung traten, schuf der Selbst-Erzeuger-Vater zu-erst zwölf Äonen als Gefolge für die zwölf Engel. Alle diese sind vollkommen und gut. So trat der Mangel der Weiblichkeit in Erscheinung.`` Und er sagte zu ihm: ,,Wieviele sind die Äonen der Unsterblichen von den Un-endlichen an gerechnet?`` Der vollkommene Erlöser sagte: ,,Wer immer Ohren hat, laß ihn hören! Der erste Äon ist der des Menschensohnes, der auch genannt wird, Erst-Erzeuger`, der, Erlöser` genannt wird, der offenbar wurde. Der zweite Äon ist der des Menschen, der genannt wird, Adam, das Auge des Lichts`. Derjenige, der über diese herrscht, ist der Äon, über dem es kein Königreich gibt, der ewige, unendliche, göttliche Äon, der selbstentstandene Äon der Äonen, die in ihm sind, der Äon der Unsterblichen, die ich oben erwähnt habe, der Äon oberhalb der Siebenheit, die aus der Sophia in Erscheinung trat, der der erste Äon ist. Nun aber offenbarte der unsterbliche Mensch Äonen und Kräfte und Königreiche und gab allen, die offenbar geworden waren in ihm, die Gewalt, ihre Wünsche auszuführen bis zu den letzten Dingen, die oberhalb des Chaos sind. Denn diese stimmten miteinander überein. Und sie offenbarten alle Größen und aus dem Geist eine Menge von Lichtern, die herrlich und zahllos waren. Diese empfingen Namen am Anfang, das heißt: der erste Äon und der zweite und der dritte. Der erste wird genannt, die Einheit und die Ruhe`. Jeder einzelne hat seinen eigenen Namen: Denn der dritte Äon wurde genannt, die Kirche` aus der großen Menge, welche offenbar wurde in einem. Eine Menge offenbarte sich selbst. Weil nun die Menge sich zu versammeln pflegte und eins wurde, deshalb wird sie genannt, Kirche aus jener Kirche, die den Himmel übertrifft`. Die Kirche der Achtheit hat sich als mannweiblich offenbart. Und sie wird zum Teil männlich, zum Teil weiblich genannt. Das Männliche wird, die Kirche` genannt, während das Weibliche, Leben` genannt wird, damit es deutlich würde, daß aus einer Frau das Leben aller Äonen entstand. Und jeder Name wurde von Anfang an empfangen. Aus seiner Übereinstimmung mit seinem Gedanken wurden sofort offenbar die Kräfte, die, Götter` genannt werden. Die Götter der Götter aber offenbarten aus ihrer Weisheit Götter. Die Götter aber offenbarten aus ihrer Weisheit Herren. Die Herren der Herren aber offenbarten aus ihren Gedanken Herren. Die Herren aber offenbarten aus ihren Kräften Erzengel. Die Erzengel offenbarten aus ihren Worten Engel. Aus diesen wurde die Idee offenbar und Gestalt und Form und Nam-en für alle Äonen und ihre Welten. Die Unsterblichen aber, die ich bereits beschrieben habe, haben alle Macht vom unsterblichen Menschen, der, das Schweigen` genannt wird, denn aus einer Überlegung ohne Worte vollendete es, das Schweigen, seine ganze Größe. Da die Unvergänglichen die Macht hatten, erschuf jeder von ihnen ein großes Königreich in der Achtheit und Throne und Tempel und Firmamente nach ihren eigenen Größen. Denn alle diese sind entstanden nach dem Willen der Mutter des Alls.``

Darauf sagten die heiligen Apostel zu ihm: ,,Herr, Erlöser, berichte uns über die, die in den Äonen sind, da es notwendig ist für uns, nach ihnen zu fragen!``

Es sagte der vollkommene Erlöser: ,,Wenn ihr irgendetwas fragt, werde ich es euch sagen. Sie schufen sich

Engelheere Myriaden ohne Zahl, als Dienerschaft und als ihre Herrlichkeit. Sie schufen die jungfräulichen Geister, die unaussprechbaren und unwandelbaren Lichter. Denn es gibt bei ihnen keine Last oder Schwäche, sondern es ist allein Wille. So vollendeten sich die Äonen in Eile mit den Himmeln und den Firmamenten in der Herrlichkeit des unsterblichen Menschen und Sophia, seiner Paargenossin, dem Ort, von dem alle Äonen und Welten und diejenigen, die nach ihnen gekommen sind, Gestalt erhielten zu ihrer Schöpfung der Ebenbilder in den Himmeln des Chaos und ihren Welten. Alle Wesen aber seit dem Erscheinen des Chaos, sind in dem Licht, das leuchtet ohne Schatten, und einer Freude, die nicht beschrieben werden kann, und in unbeschreibbarem Jubel. Sie vergnügen sich selbst allezeit an ihrer unwandelbaren Herrlichkeit und an der unmeßbaren Ruhe, die man nicht beschreiben kann in allen Äonen, die entstanden sind nach diesen, und ihren Kräften. Alles nun, was ich euch schon gesagt habe, habe ich gesagt, damit ihr mehr leuchtet im Licht als diese.``

Über das Wirken des Erlösers II

Marihamme sagte zu ihm: ,, Heiliger Herr, woher sind deine Jünger gekommen und wohin werden sie gehen oder was werden sie an diesem Ort tun?``

Der vollkommene Erlöser sagte zu ihr: ,,Ich will, daß ihr wißt, daß die Sophia, die Mutter des Alls und die Paargenossin, diese durch sich allein ohne ihren männlichen Paargenossen entstehen lassen wollte. Als der Vaters des Alls wollte, daß seine unvorstellbare Güte offenbar werde, schuf er jenen Vorhang zwischen den Unsterblichen und denen, die nach diesen kamen, so daß der Mangel des Weiblichen offenbar werde und es geschehe, daß der Irrtum mit ihr in den Streit gerate. Diese aber wurden zu Vorhängen eines Geistes. Aus den Äonen oberhalb der Lichthervorbringungen kam, wie ich schon früher gesagt habe, ein Tropfen aus dem Licht und Geist hinab in die unteren Gebiete des Allmächtigen des Chaos, damit ihre Gebilde offenbar würden aus jenem Tropfen, wobei es ihm ein Gericht ist, dem Erst-Erzeuger, der Jaldabaoth genannt wird. Jener Tropfen ließ ihre Gebilde durch den Hauch offenbar werden als eine lebendige Seele. Sie war erloschen und schlummerte in dem Vergessen der Seele. Als sie warm wurde vom Hauch des großen Lichtes des Männlichen, er dachte Gedanken,  wurden alle, die in der Welt des Chaos sind, benannt, und alle Dinge, die darin sind, durch jenen Unsterblichen, als der Hauch in ihn hineingehaucht wurde. Als aber diese Dinge geschahen nach dem Willen der Mutter Sophia, damit der unsterbliche Mensch die Schleier, die dort waren, in Ordnung bringe, wobei die Räuber verurteilt würden, da begrüßte er das Wehen aus diesem Hauch. Weil er aber seelisch ist, war er nicht in der Lage, diese Kraft in sich aufzunehmen, bis die Zahl des Chaos vollendet ist, wenn nämlich die festgesetzte Zeit durch den großen Engel vollendet ist.

Ich habe euch aber über den unsterblichen Menschen belehrt. Und ich habe gelöst die Fesseln der Räuber von ihm. Ich habe zerbrochen die Tore der Erbarmungslosen vor ihrem Angesicht. Ich habe gedemütigt ihre Pronoia. Sie wurden alle beschämt und sie erhoben sich aus ihrem Vergessen.  Deswegen bin ich ja hierher gekommen, damit sie sich verbinden mit diesem Geist und dem Hauch, und sie beide eins werden wie von Anfang an, damit ihr reiche Frucht gebt und hinaufgeht zu dem, der ist von Anfang an, in unaussprechbarer Freude und Herrlich-keit und Ehre und Gnade des Vaters des Alls.  Wer immer nun den Vater in reiner Erkenntnis erkennt, wird sich zum Vater zurückziehen und wird ruhen im ungezeugten Vater. Wer immer ihn aber mangelhaft erkennt, wird sich in den Mangel zurückziehen und die Ruhe in der Achtheit finden.

Wer immer nun den unsterblichen Geist, der im Licht ist, im Schweigen erkennt durch die Überlegung und das Wohlgefallen, wahrhaftig, er möge mir Kenn-Zeichen des Unsichtbaren bringen, und er wird zu Licht werden im Geiste des Schweigens. Wer immer den Sohn des Menschen in Wissen und Liebe erkennt, möge mir ein Kennzeichen des Menschensohnes bringen, und er wird gehen zu den Orten mit denen, die in der Achtheit sind.

Seht, ich habe euch den Namen des Vollkommenen offenbart, den ganzen Willen der Mutter der heiligen Engel, damit sich hier vollende die männliche Menge, damit die Unendlichen in den Äonen offenbar werden und die, die entstanden sind in dem unaufspürbaren Reichtum des großen unsichtbaren Geistes, damit sie alle empfangen von seiner Güte und dem Reichtum ihrer Ruhe, die kein Königreich über sich hat.

Ich bin gekommen aus dem Ersten, dem, der gesandt wurde, damit ich euch offenbare den, der ist von Anfang an, wegen der Überheblichkeit des Erst-Erzeugers und seiner Engel, Sie sagen über sich, daß sie Götter seien. Ich aber bin gekommen, sie aus ihrer Blindheit herauszuführen, damit ich jedem berichte über Gott, der über dem All ist.

Deswegen zertretet ihre Gräber, unterdrückt ihre Pronoia und zerbrecht ihr Joch und errichtet das meinige! Ich habe euch Gewalt über alle Dinge gegeben als Söhne des Lichts, damit ihr ihre Kraft mit euren Füßen tretet.``

Abschluß

Das sind die Dinge, die der selige Erlöser sagte; er wurde für sie unsichtbar. Darauf gerieten alle Jünger in große, unaussprechbare Freude im Geiste. Von diesem Tag an begannen seine Jünger das Evangelium Gottes, des ewigen, unvergänglichen Geistes zu predigen. Amen.

Literatur

  • Walter C. Till (Hrsg. u. Übers.): Die gnostischen Schriften des Papyrus Berolinensis 8502 (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur. Bd. 60, ISSN 0082-3589). 2. Auflage, bearbeitet von Hans-Martin Schenke. Akademie-Verlag, Berlin 1972, S. 194–295.

Einzelnachweise

  1. W. Till (1. Aufl.) S. 11.