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Diskussion:Phänomenalismus
Aus AnthroWiki
Kant
Kant war meiner Meinung nach kein Phänomenalist, sondern Rationalist. Dem Phänomenalisten spielt die Wirklichkeit in den erfahrbaren Erscheinungen ab, nicht im Kopf. Das Spezielle an Kant ist mir gerade diese Idee, dass man sich dem Wahren nur durch den Verstand des Menschen annnähern kann, dass das Wahre nur begriffen werden kann.
Welche Persönlichkeit wäre stattdessen geeignet als guter Repräsentant eines 'objektiven' Phänomenalismus? Ich belasse den Artikel einmal so, bis etwas Besseres da ist.
- Ich denke da an Husserl!--Michael.heinen-anders (Diskussion) 00:26, 16. Mai 2021 (UTC)
- Ja, Husserl hat das Phänomen als etwas verstanden, das durch das Erlebnis etwas Wahres abbildete (Wahr-nehmung!), nicht nur Vorstellung allein (ohne hier den Wert des Vorstellens in Abrede stellen zu wollen). Vielleicht fällt das Abgrenzen des Phänomenalismus/der Phänomenologie durch die Weltanschauungsstimmung des Transzendentalismus, der sowohl bei Kant, bei Hegel, wie auch bei Husserl zu finden ist, so schwer. Nach dem Schema Steiners liegt der Phänomenalismus jedoch direkt neben dem Realismus, der WA des Wirklichen. Die vom äusseren Wirklichen unabhängigere Vorstellungswelt hingegen, wenn man das Ganze in derart grober Weise vereinfachen darf, beim Psychismus (der Opposition des Phänomenalismus), dem Idealismus (Hegel) und dem Rationalismus (Kant). Für Husserl war meiner Meinung nach eher die Weltanschauung bestimmend, für Kant hingegen eher die Weltanschauungsstimmung, da er aus jener gar (s)eine 'Transzendentalphilosophie' schuf. Sehr interessant finde ich Husserls teils aufkommende Abgrenzung vom Psychismus ('Psychologie'), oder die Versuche, diesen zu 'überwinden'. Vielleicht gehört was ich im Folgenden aufführe jedoch weniger in den Artikel Phänomenalismus, als in den Artikel Phänomenologie (wenn überhaupt). Mit Folgendem möchte ich weniger Husserl in den Artikel zum Phänomenalismus einbinden, als darlegen, wie dieser eher als Kant nebenbei erwähnt werden sollte. Ich hoffe, dass ein solcher Schwall einer Antwort nicht als etwas der stiller'schen Logorrhö Ähnliches missverstanden wird, und ich hoffe, dass der qualitative Unterschied deutlich ausmachbar ist.
- Im Husserl-Lexikon steht unter Phänomenologie (die Lehre des Phänomens, als Unterkategorie des Phänomenalismus) auf S.229f: "II. Im Unterschied zu der vorherigen deskriptiven Psychologie etwa Franz Brentanos steht die Neuerung der Ph. in engem Zusammenhang mit der Ablehnung einer die Philosophie seit Jahrhunderten prägenden Ansicht, wonach dem Bewusstsein nicht Dinge, sondern immer nur Vorstellungen von Dingen erscheinen. Nach dieser Ansicht würde sich das Bewusstsein intentional auf Vorstellungen von Gegenständlichkeiten richten und nicht auf Gegenständlichkeiten selbst: "'Draussen' ist [...] das Ding selbst; im Bewusstsein ist als sein Stellvertreter ein Bild." (XIX/1, 436; s. III/1, 208) Dagegen zeigt Husserl, dass das im Bewusstsein Erscheinende keine stellvertretende Vorstellung von unerkennbaren Dingen an sich ist und auch keinerlei "immanente Gegenständlichkeit" (XIX/1, 85). Vielmehr stellen sich in den bewusstseinmässig erlebten Erscheinungen die Gegenständlichkeiten selbst intentional dar (Erlebnis): "Die Dingerscheinungen (das Erlebnis) ist nicht das erscheinende Ding [...]. Als dem Bewusstseinszusammenhang zugehörig, erleben wir die Erscheinungen, als der phänomenalen Welt zugehörig, erscheinen uns die Dinge. Die Erscheinungen selbst erscheinen nicht, sie werden erlebt." (XIX/1, 359f.)"
- usw.
- Dann, auf S. 233: "VI. Als Wesenswissenschaft des reinen Bewusstseins, worauf alle Seinssetzungen und sonstigen Gültigkeiten zurückzuführen sind versteht sich die Phänomenologie als Erste Philosophie (s. XXVII, 249), da es sich in der Erforschung der verschiedenen Klassen von Erlebnissen, die aller Wirklichkeitssetzung und -bewertung zugrunde liegen, sowie der Sinnesschichten der in ihnen konstituierten intentionalen Gegenständlichkeiten um diejenigen Allgemeinheiten handelt, die alle weiteren Wissenschaftsarten notwendig voraussetzen. Die transzendentale Phänomenologie beschäftigt sich damit, durch die Methode der eidetischen (die detailgetreue Vorstellung aus, oder mit Hilfe, der Erinnerung) Variation die Aufgabe der Wesensuntersuchung der transzendental reduzierten Subjektivität nach all ihren Komponeneten und Momenten, inklusive den gegenständlichen, durchzuführen (transzendentale Egologie, Subjektivität)."
- Auch Heidegger könnte vielleicht noch erwähnt werden, der von der eidetischen, der statischen (oder beschreibenden), der genetischen (oder erkärenden), wie auch von der deskriptiven Ph. noch einmal etwas anderes findet und vertritt: die hermeneutische Ph., welche im Wörterbuch der phänomenologischen Begriffe als das "Wie der Forschung, das sich die Gegenstände anschaulich vergegenwärtigt und sie nur soweit sie anschaulich da sind, bespricht" (GA 63, 72). Es scheinen noch eine Reihe weiterer Ph. beschrieben worden zu sein, wie die mantische oder die asubjektive. Ich würde jedoch eher, wenn überhaupt, im Artikel 'Phänomenologie' dieserart weiter ins Detail gehen. Von Heidegger wiederum kann ich nur mit seinen veröffentlichten Schriften aushelfen, zu allem anderen (wie z.B. dem Zitierten) habe ich leider keinen Zugang.
- Vergleicht man all dies mit der Definition des Kant-Lexikons auf S. 417, so hat man ein eher nüchternes Bild von dessen Beziehung zu Phänomenen: "Phänomenologie. Die "P." ist jener Teil der Bewegungslehre (s.d.), welche die Bewegung oder Ruhe der Materie "bloss in Beziehung auf die Vorstellungsart oder Modalität, mithin als Erscheinung äusserer Sinne bestimmt", Anfängsgr. d. Naturw. Vorr. (VII 201); vgl. Kritik, Erscheinung."
- Oder jener Eintrag im Kant-Lexikon: "Phänomenon. "Erscheinungen, sofern sie als Gegenstände nach der Einheit der Kategorien gedacht werden, heissen Phaenomena", KrV 1. A. tr. Anal. 3. (I 280-Rc 343). Vgl. Erscheiung, Noumenon."
- Einträge Kants finden sich in der Werkausgabe als: Phänomenologie IX, 22. 122-135; sowie als: Phänomenon (vgl. Sinneswesen) I, 27. III, 267-285. 292. v, 25. 29. 33. 43ff. Auf Wunsch kann ich relevante Stellen abschreiben, würde eine nähere Betrachtung zu Kant dann aber lieber zur Diskussionsseite des Rationalismus zügeln.
- Ich kann gerne auf Wunsch die zitierten Stellen aus den gesammelten Werken Husserls ausführlicher abschreiben, wobei dies eher zur Diskussionsseite des Artikels Phänomenologie gehört. Eine ganze Husserliana habe ich jedoch nicht, um daraus zu zitieren.
- Vielleicht finde ich noch Beschreibungen zum Phänomenalismus in den Werken von Pierre Alizé (dem ich nicht nur den Unterricht zum gnostizistischen Phänomenalismus verdanke, sondern auch, worüber ich jetzt gerade froh bin, das Zehnfingersystem auf dem Keyboard). Er ist weniger mit der Anthroposophie, aber dafür umso mehr mit Steiner verbunden. Alizés Werke sind veröffentlicht, was, wie ich glaube, Bedingung ist, um ihn in Artikeln als Zitat darzugeben. So würde ich mich freuen, auch etwas von ihm im eigentlichen Artikel zitieren zu dürfen, sofern es etwas zum Verständnis des Phänomenalismus beiträgt. Während ich Husserl und Heidegger nicht tiefer gehend einbinden möchte, so dünkt mir Alizés Beitrag doch ein Versuch wert.
- -mit Grüssen vom Steinerschüler (Diskussion) 20:51, 17. Mai 2021 (UTC)











