Jäger und Sammler

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Angehörige der Hadza im afrikanischen Tansania, eines der letzten Völker, die als traditionelle Jäger und Sammler leben
Für viele nordische Indigene ist die Jagd eine wichtige zusätzliche Selbstversorgung … (Grönland-Inuit)
… Das gleiche gilt für die Sammeltätigkeit, die traditionell von Frauen ausgeführt wird (Chanten aus Westsibirien)

Als Jäger und Sammler oder Wildbeuter und Feldbeuter werden in der Anthropologie und Ethnologie (Völkerkunde) lokale Gemeinschaften und indigene Völker bezeichnet, die ihre Nahrung größtenteils durch die Jagd auf Wildtiere, den Fischfang sowie durch das Sammeln von wildwachsenden Pflanzen oder Kleintieren erwirtschaften. Einige Autoren betrachten die Bezeichnungen „Wild- oder Feldbeuter“ als abwertende Pejorativa (… „Ausbeuter“), auf die man verzichten sollte. Tatsächlich erfordert diese Lebensweise ein hohes Maß an Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und speziellen Kenntnissen.

Häufig wird eine Unterscheidung zwischen unspezialisierten (auch einfachen) und spezialisierten (auch komplexen oder differenzierten) Jäger- und Sammlerkulturen vorgenommen. Die Erstgenannten nutzen ein sehr breites, jedoch variierendes Nahrungsangebot in sehr großen Schweifgebieten, in denen sie in kleinen Horden saisonal nomadisieren. Die Letztgenannten nutzen vor allem eine oder mehrere bestimmte, lokal häufig vorkommende Arten, die größere Gruppen und längere Zeiten der Sesshaftigkeit ermöglichen.

Die Subsistenzform des Jagens, Fischens und Sammelns – eine aneignende oder „extraktive“ Lebensweise, durch die die Reproduktion der natürlichen Ressourcen nicht gezielt und bewusst beeinflusst wird – ist die älteste traditionelle Wirtschaftsform der Menschheit. Das heißt nicht, dass die Jäger und Sammler im Laufe langer Zeiträume keinen relevanten Einfluss auf das ökologische System ihres Lebensraumes hatten.

Die Zuordnung der einzelnen Wirtschaftsweisen ist in der Literatur nicht einheitlich: So unterscheiden etwa Lomax und Arensberg „Jäger und Fischer“ von „Sammlern“ und Hans-Peter Müller separiert die „Fischer“ von den „Jäger und Sammlern“, wenn sie überwiegend von Fisch leben.

Die Lebensweise vieler Jäger- und Sammlergesellschaften lässt sich heute nur noch aus archäologischen Funden rekonstruieren. Die schriftlichen Berichte früher Expeditionen sind nicht immer zuverlässig. So ist in vielen konkreten Fällen die Beantwortung der Frage schwierig oder auch strittig, ob es sich bei der Lebensweise untergegangener wie auch bestehender Wildbeuterkulturen um eine autonome und ursprüngliche, oder eine durch Kulturkontakte übernommene, oder durch vorteilhaften Austausch entstandene spezialisierte Lebensweise, oder gar um ein durch Isolation und Abdrängung von Völkern in Wüsten und Halbwüsten entstandenes Sekundärphänomen der nach-neolithischen Periode handelt.

In jedem Fall ist davon auszugehen, dass in vielen Regionen (beispielsweise Zentralafrika, Südamerika, Indien) jahrtausendelang rege Austauschbeziehungen zwischen Wildbeutern und Pflanzern bestanden (etwa Wildbret oder Hilfeleistungen gegen landwirtschaftliche Produkte), so dass eine isolierte Betrachtung der extraktiven Lebensweise irreführend sein kann.

Es ist sehr schwierig festzustellen, wie viele Menschen heute weltweit von Jagd- und Sammelwirtschaft leben, da gegenwärtig vielfach zusätzliche Subsistenz- bzw. Erwerbsformen genutzt werden. Die Anzahl der Menschen, deren Lebensgrundlage zum größten Teil auf extraktiven Tätigkeiten beruht, liegt maximal bei 3,8 Millionen.

Es finden sich jedoch auch Lokalgruppen von Jägern und Sammlern in Gebieten, in denen andere Formen des Nahrungserwerbs gar nicht möglich sind. Um 1500 n. Chr. war noch etwa die Hälfte der bewohnbaren Landfläche der Erde von Jägern und Sammlern besiedelt. Zur gleichen Zeit lag ihr Anteil an der Weltbevölkerung jedoch nur bei geschätzten 1 Prozent – gegenwärtig sind es weniger als 0,001 Prozent: geschätzte 50.000 bis 60.000 Menschen, mit rückläufiger Tendenz.

Siehe auch

Literatur

  • Almut Bick: Die Steinzeit. 2., korrigierte und aktualisierte Auflage. Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2589-1, S. 64–67: Kapitel „Schneller, weiter, effizienter“ – die Entwicklung der Jagdwaffen in der Altsteinzeit.
  • Gerhard Böck: Genußmittel bei Wildbeutern: Drogengebrauch bei Jägern und Sammlern. Selbstpublikation. Grin, München 2012, ISBN 978-3-656-09500-2 (Doktorarbeit 1989 Philipps-Universität Marburg).
  • Richard Barry Lee, Richard Heywood Daly (Hrsg.): The Cambridge encyclopedia of hunters and gatherers. 4. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2010, ISBN 978-0-521-60919-7.
  • Monika Oberhuber: Geschlechtsegalitäre Gesellschaften. Oder: „Same same but different“. Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Wien 2009 (Diplomarbeit zu Jäger- und Sammlergesellschaften; online auf univie.ac.at, mit PDF-Download).
  • Georgia A. Rakelmann: Anpassungskünstler: Die Buschleute der Kalahari-Wüste. In: Peter E. Stüben, Valentin Thurn (Hrsg.): Wüsten-Erde: der Kampf gegen Durst, Dürre und Desertifikation. Focus, Gießen 1991, ISBN 3-88349-394-5, S. 31–42 (online auf uni-giessen.de).
  • Marshall Sahlins: Notes on the Original Affluent Society. In: Richard Barry Lee, Irven DeVore (Hrsg.): Man the Hunter. The First Intensive Survey of a Single, Crucial Stage of Human Development – Man’s Once Universal Way of Life. Aldine, Chicago 1968, ISBN 0-202-33032-X, S. 85–89 (englisch; Tagungsband; richtungsweisende Überlegungen zur „Überflussgesellschaft“ bei Jägern und Sammlern/Wildbeutern; 2. Auflage.
  • Trevor Watkins: Der Naturraum in Anatolien, ein Zusammenspiel von Klima, Umwelt und Ressourcen. In: Badisches Landesmuseum Karlsruhe: Die ältesten Monumente der Menschheit. Theiss, Stuttgart 2007, S. 37 ff.
  • Sibylle von Reden: Die Insel der Aphrodite. Vergangenheit und Gegenwart Zyperns. DuMont Schauberg, Köln 1969. (Nachauflage: Zypern. 2. Auflage. Köln 1974, ISBN 3-7701-0797-7.)
  • Veronica Tatton-Brown: Cyprus BC, 7000 years of history. British Museum, London 1979.
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