Phlogiston

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Phlogiston (von griech. φλογιστός phlogistós „verbrannt“) ist eine von Georg Ernst Stahl als Hypothese eingeführte flüchtige Substanz, die bei jedem Verbrennungsvorgang entweichen sollte. Sie wurde erst 1785 durch Antoine Laurent de Lavoisier widerlegt und durch den Begriff der Oxidation ersetzt.

„Wenn wir ins 18. Jahrhundert zurückgehen, da hat man zum Beispiel folgendes gemacht. Da hat man gesagt: Hier haben wir eine Kerze; da ist der Docht; da brennt die Kerze. Nun wissen Sie ja, wenn die Kerze brennt, ist sie in der Mitte bläulich, am Rand gelblich. Das können Sie sich fein zurechtlegen durch das, was wir über die Farben gesagt haben. Nämlich, da in der Mitte, da ist es finster, und hell ist es hier (außen am Rande). Und die Folge davon ist, daß man das Finstere durch das Licht sieht. Und Sie wissen, das habe ich Ihnen neulich gesagt, wenn man das Finstere durch das Licht sieht, erscheint es blau.

Zeichnung aus GA 349, S. 77

Daher erscheint das Innere der brennenden Kerze blau, weil man da das Finstere durch das Licht sieht. Ich wollte Sie nur darauf aufmerksam machen, damit Sie sehen: die Farbgedanken, die Farbanschauungen, die ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, lassen sich auf alles anwenden. Nun aber wissen Sie, wenn die Kerze brennt, wird sie immer weniger und weniger. Oben ist die Flamme, und in die Flamme geht dasjenige, was hier (an der Kerze) abschmilzt, über. Zuletzt ist die Kerze nicht mehr da. Das, was in der Kerze ist, das hat sich in die Luft verbreitet. Denken Sie sich jetzt solch einen Menschen, sagen wir, im Jahre 1750, also vor noch nicht einmal zweihundert Jahren; der sagte: Ja, wenn da die Kerze verbrennt, und das alles in Luft aufgeht, dann geht etwas von der Kerze in den freien Raum hinaus. Zuletzt ist ja nichts mehr da. Es muß also die ganze Kerze in den freien Raum hinausgehen. Weiter sagte er: sie besteht aus ganz feinem Stoff, Feuerstoff. Dieser feine Feuerstoff verbindet sich mit der Flamme und geht nach allen Seiten heraus. So daß also der Mann im Jahre 1750 noch sagte: Da drinnen in diesem Wachs, da ist ein Stoff, der nur zusammengeschoppt ist, dicht gemacht ist. Wenn ihn die Flamme fein macht, geht er in den freien Raum hinaus. Diesen Stoff nannte man dazumal Phlogiston. Also es geht etwas von der Kerze fort. Der Feuerstoff, das Phlogiston geht fort von der Kerze.

Nun kam am Ende des 18. Jahrhunderts ein anderer. Der sagte: Nein, die Geschichte glaube ich nicht recht, daß da ein Phlogiston ist, das in die Welt hinausgeht. Das glaube ich nicht! - Was hat er gemacht? Er hat folgendes gemacht. Er hat das Ganze auch verbrannt, aber er hat es so verbrannt, daß er alles, was sich da gebildet hat, aufgefangen hat. Er hat es in einem abgeschlossenen Raum verbrannt, so daß er alles das, was sich da bilden konnte, auffangen konnte. Und dann hat er es gewogen. Und dann hat er gefunden, daß das nicht leichter wird. Er hat also zuerst die ganze Kerze gewogen, und dann hat er das Stückchen, das noch geblieben ist, gewogen, wenn die Kerze bis dahin verbrannt ist (es wird gezeichnet); und dasjenige, was sich da beim Verbrennen gebildet hat, das hat er aufgefangen, hat es gewogen und hat gefunden, daß es dann etwas schwerer ist als vorher. Also, wenn etwas brennt, sagte er, dann wird dasjenige, was sich bildet, nicht leichter, sondern es wird schwerer.

Und dieser Mensch, der das gemacht hat, das war Lavoisier. Worauf beruhte denn also das, daß er eine ganz andere Ansicht bekam? Ja, das beruhte darauf, daß er zuerst die Waage anwendete, daß er alles wog. Und da sagte er: Wenn das schwerer ist, so muß nicht etwas weggegangen sein, muß nicht das Phlogiston weggegangen sein, sondern es muß etwas dazugekommen sein. Das ist der Sauerstoff, sagte er. Also man stellte sich vorher vor, daß das Phlogiston wegfliegt, und nachher stellte man sich vor, wenn etwas verbrennt, so dringt eigentlich der Sauerstoff herein, und die Verbrennung ist nicht die Zerstreuung von Phlogiston, sondern gerade die Anziehung von Sauerstoff. Das ist also dadurch gekommen, daß Lavoisier zuerst gewogen hat. Früher hat man nicht gewogen.

Sehen Sie, meine Herren, da können Sie, ich möchte sagen, mit Händen greifen, was eigentlich geschehen ist. Am Ende des 18. Jahrhunderts hat man nicht mehr an etwas geglaubt, was sich nicht wägen läßt. Natürlich, das Phlogiston kann man nicht wägen. Das Phlogiston geht schon fort. Der Sauerstoff kommt auch heran. Aber den Sauerstoff, wenn er sich verbindet, den kann man auch wiegen. Das Phlogiston, das kann man nicht auffangen. Warum? Ja, alles dasjenige, was Kopernikus am Mars und Jupiter beobachtet hat, das ist dasjenige, was schwer ist, wenn man es wiegt. Was Kopernikus den Mars nennt, das ist dasjenige, was, wenn man es auf eine große Waage legen würde, etwas wiegen würde. Ebenso, was er den Jupiter nennt. Er hat die schweren Körper bloß allein beguckt.

Dante hat nicht die schweren Körper bloß allein beguckt, sondern gerade dasjenige, was das Gegenteil hat von der Schwere, was immerzu fort will in den Weltenraum hinaus. Und das Phlogiston, das gehört einfach zu dem, was Dante beobachtet hat, und der Sauerstoff, der gehört zu dem, was Kopernikus beobachtet hat. Das Phlogiston ist das Unsichtbare, das sich zerstreut, der Äther. Der Sauerstoff ist ein Stoff, den man abwiegen kann.“ (Lit.:GA 349, S. 77ff)

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