Seismologie

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Seismische Wellen: P-Wellen (Primärwellen, rot) werden früher als S-Wellen (Sekundärwellen, grün) vom Seismographen aufgezeichnet (Einsatzzeiten markiert)
Änderung der Ausbreitungsgeschwindigkeiten von P- (schwarz) und S-Wellen (grau) mit der Tiefe im Erdinneren nach dem IASP91-Referenzmodell

Die Seismologie (griech. σεισμός seismós „Erderschütterung“ und -logie) ist als Teilgebiet der Geophysik die Lehre von Erdbeben und der Ausbreitung seismischer Wellen (Erdbebenwellen) in Festkörpern. Das eng verwandte Fachgebiet der Seismik erforscht hingegen das Erdinnere mittels künstlich angeregter seismischer Wellen und zählt zur Angewandten Geophysik. Die Messinstrumente für beide Forschungsbereiche befinden sich in den weltweit über 300 seismologischen Messstationen.

Mit Hilfe von Seismographen (auch Seismometer genannt) werden seismische Wellen, die entweder die Erde durchlaufen oder sich entlang der Erdoberfläche ausbreiten, aufgezeichnet. Aus den Laufzeiten und Amplituden dieser Wellen lassen sich Rückschlüsse auf den inneren Aufbau der Erde ziehen. Im Gegensatz hierzu nutzt die Seismik aktive Quellen wie zum Beispiel Explosionen, um den Aufbau der Erdkruste und des oberen Erdmantels zu erkunden. Ziel dieser Untersuchungen ist es, das Erdinnere tomografisch in drei Dimensionen abzubilden. Heiße und kalte Massenströme werden durch die Anomalie der Geschwindigkeit seismischer Wellen sichtbar gemacht. Bei weiterer Verbesserung der Auflösung wird es möglich werden, die Materialströme im Erdmantel darzustellen, die erstens Antrieb für die Plattentektonik und zweitens Teil des Geodynamos sind, der das Erdmagnetfeld erzeugt.

Ein verwandtes Forschungsgebiet ist die Erdspektroskopie, die sich mit vergleichsweise langwelligen seismischen Schwingungen befasst und deren Frequenzspektrum untersucht.

Siehe auch

Literatur

  • Monika Gisler: Göttliche Natur?: Formationen im Erdbebendiskurs der Schweiz des 18. Jahrhunderts. Dissertation. Chronos, Zürich 2007, ISBN 978-3-0340-0858-7.
  • Friedemann Wenzel (Hrsg.): Perspectives in modern seismology. (= Lecture notes in earth sciences. Vol. 105). Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-23712-7. (englisch)
  • Jan T. Kozák, Rudolf Dušek: Seismologische Karten – Ein Beispiel thematischer Kartographie. In: Cartographica Helvetica. Heft 27, 2003, S. 27–35. (Volltext)
  • Hugh Doyle: Seismology. Wiley, Chichester 1995, ISBN 0-471-94869-1. (englisch)
  • Thorsten Dahm: Vorlesungsskript: Seismologie I Laufzeiten, Lokalisierung, Tomographie. Hamburg 2010.
  • E. Wiechert, K. Zoeppritz: Ueber Erdbebenwellen. 1907.
  • E. Wiechert, L. Geiger: Bestimmung des Weges der Erdbebenwellen im Erdinnern. In: Physikalische Zeitschrift. 11, 1910, S. 294–311.
  • A. A. Fitch: Seismic reflection interpretation. Borntraeger, Berlin 1976, S. 139–142.
  • S. Rost, C. Thomas: Array seismology: Methods and applications. In: Reviews of Geophysics. 40(3), 2002, S. 1008. doi:10.1029/2000RG000100
  • Peter M. Shearer: Introduction to Seismology. 2., korr. Auflage. Cambridge University Press, 2011, ISBN 978-0-521-70842-5

Weblinks

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