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sola gratia

Aus AnthroWiki


Der Ausdruck sola gratia (lat. für allein durch die Gnade) bezeichnet ein Grundelement der reformatorischen Lehre von der Rechtfertigung und ist ein theologischer Grundsatz der Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind. Er drückt die Überzeugung aus, dass der Mensch allein dank der Gnade Gottes das Heil bzw. das ewige Leben erlangt. Er kann es sich nicht durch sein Handeln verdienen.
Biblische Grundlage für diesen Gedanken sind in Röm 11,6 LUT, Eph 2,8 LUT, Apg 15,11 LUT u.a. zu finden.

Ablasshandel

Das Prinzip des sola gratia manifestiert sich insbesondere in Luthers Ablehnung des Ablasshandels. Die Idee, dass die Menschen anhand ihrer guten wie bösen Taten gerichtet werden, pervertiert nach Luthers Ansicht im Ablasshandel, wo jede böse Tat durch eine darauffolgende gute aufgewogen wird. Der Mensch kenne nicht Gottes „Bewertungskriterien“ am Jüngsten Tag und könne daher keinen solchen Handel betreiben.

Rettungsgedanke

Der theologische Gedanke einer sola gratia soll die höhere Stellung Gottes zur Geltung bringen und explizit Gläubigen bewusst machen, dass sie nicht „Punkte“ sammeln können, um sich einen Platz im Jenseits zu sichern. Die Gnade Gottes ist weder willkürlich noch beschreibbar. Luther lässt die Frage über die Vorgehensweise für eine durch Gott gegebene Rettung offen, da er vergleichbare Ideen nicht durch die Bibel erkennen kann (sola scriptura). Er äußert sich nur in der Hinsicht, dass Gott auf das Herz des Einzelnen schauen wird und dass dessen Glaube das Vordergründige für Gott darstellt und darstellen wird (sola fide). Für den Menschen, so Luther, ist es illegitim, an Gott Erwartungen zu stellen. Nur Gott selbst entscheidet über die Rettung des Einzelnen.

Offenbarungsgedanke

Der Ausdruck sola gratia befasst sich jedoch auch mit der Thematik der Offenbarung. Luther meint, dass dem Menschen nur die durch Gott gegebene Offenbarung zugängig ist und dass diese nicht durch kirchliche Lehren beeinflusst werden dürfen (sola scriptura).

Verhältnis zu den anderen „Soli"

Neben dem sola gratia stehen in den reformatorischen Kirchen die Grundsätze des sola scriptura, des sola fide und solus Christus. Diese Grundsätze stehen in Beziehung zueinander. Erst die Vereinigung dieser „solae“ führt nach Luthers Auffassung zum durch Gott gegebenen Glauben, der sich durch die Schrift selbst begründet. Die Auffassung Luthers steht damit konträr zur römisch-katholischen Glaubensgrundlage. Zwar kommt auch nach katholischer Lehre das Heil des Menschen allein aus der Gnade Gottes um Jesu Christi willen. Der entscheidende Unterschied besteht aber darin, dass nach katholischer Lehre der Mensch durch die Gnade Gottes befähigt wird, an seinem Heil mitzuwirken und dadurch auch eine Vermehrung der Gnade sowie ewigen Lohn verdienen kann (vgl. Konzil von Trient, Dekret über die Rechtfertigung, Kanon 32).

Dieser Artikel basiert ganz oder teilweise auf einer für AnthroWiki adaptierten Fassung des Artikels Sola gratia aus der freien Enzyklopädie de.wikipedia.org und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.