Traditionelle Chinesische Medizin

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Traditionelle Arzneimittelhandlung in Hongkong

Als Traditionelle Chinesische Medizin, TCM oder Chinesische Medizin (chin. 中醫 / 中医, zhōngyī „chinesische Medizin“) wird jene Heilkunde bezeichnet, die sich in China seit mehr als 2000 Jahren entwickelt hat. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet umfasst den ostasiatischen Raum, insbesondere Vietnam, Korea und Japan. Auf dieser Grundlage entwickelten sich spezielle Varianten in diesen Ländern. Besonders bekannt ist die japanische Kampo-Medizin.[1]

Der Begriff zhōngyī (中醫 / 中医) ist sowohl mit Chinesische Medizin als auch TCM-Arzt übersetzbar. Die im Westen gebräuchliche Bezeichnung Traditionelle Chinesische Medizin, also TCM, ist im sprachlichen Gebrauch in China unüblich. Daher fehlt es gewöhnlich im Chinesischen Ausdruck meist das Wort traditionell.

Zu den therapeutischen Verfahren der chinesischen Medizin zählen vor allem die Chinesische Arzneimitteltherapie und die Akupunktur sowie die Moxibustion (Erwärmung von Akupunkturpunkten). Zusammen mit Massagetechniken wie Tuina Anmo und Shiatsu, mit Bewegungsübungen wie Qigong und Taijiquan und mit einer am Wirkprofil der Arzneien ausgerichteten Diätetik werden die Verfahren heute gerne als die fünf Säulen der chinesischen Therapie bezeichnet. Die TCM ist die traditionelle Medizin mit dem größten Verbreitungsgebiet, besonders die Akupunktur wird heute weltweit praktiziert.[2] Die TCM gilt als alternativ- oder komplementärmedizinisches Verfahren. Das größte einschlägige Forschungszentrum ist die Chinesische Akademie für traditionelle chinesische Medizin. Von wissenschaftlicher Seite, insbesondere der evidenzbasierten Medizin, wird die therapeutische Wirksamkeit vieler Behandlungsmethoden der TCM bezweifelt und etliche Behandlungsmethoden als pseudowissenschaftlich betrachtet. [3] [4] [5] Dennoch haben sich einige Behandlungsmethoden der TCM wie z. B. die Akupunktur mittlerweile in der westlichen Heilkunde etabliert. 2002 veröffentlichte die WHO eine Indikationsliste für Akupunktur, auf der diese bei 28 Krankheitsbildern empfohlen wird.[6][7]

Geschichte

Das historische Quellenmaterial erstreckt sich über mehr als drei Jahrtausende. Diese Zeitspanne ist grob in drei Sozialepochen zu gliedern:

  1. die vorkonfuzianische der Shang- (etwa 1500 bis 1050) und Zhou- (1050 bis 256 vor unserer Zeitrechnung) Dynastien,
  2. die konfuzianische Epoche bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts und
  3. die nachkonfuzianische Epoche der Republik China und der Volksrepublik China.

Auf konzeptioneller Ebene findet sich eine Vielzahl unterschiedlicher Heilsysteme, die mit wenigen Ausnahmen bis in die Gegenwart überliefert und praktiziert wurden. Nebeneinander, teils in einem und demselben medizinischen Werk, finden sich Theorien, die die Verursachung der Krankheiten auf Sündenfall, Dämoneneinfluss, Abweichung von normgerechtem Lebensstil oder Böswilligkeit verstorbener Ahnen oder Mitmenschen zurückführten. Sie lassen sich aber auch den unterschiedlichen Epochen und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zuordnen.

Grundlagen – der Begriff des Qi

Eine Schlüsselrolle im medizinischen Diskurs der chinesischen Tradition spielt der Begriff „Qi“. Der Organismus erscheint als außerordentlich komplexes Gefüge dynamischer Qi-Strukturen.[8] Es ist eine auf Gleichgewicht aufgebaute Dynamik. Ist das Gleichgewicht empfindlich gestört, braucht es den Arzt, der mit seinem erfahrenen Blick und im Gespräch mit dem Patienten die Ursache der Störungen zu ermitteln sucht. Es ist dann etwa von „Leber-Qi“ die Rede, von „Herz-Qi“, von „aufsteigendem Qi“, von „Qi-Schwäche“ usw.

Siehe auch

Literatur

  • Dan Bensky, Andrew Gamble: Chinese Herbal Medicine. Materia Medica. Eastland Press, Seattle 1993, ISBN 0-939616-15-7 (Standardwerk).
  • Claudia Focks (Hrsg.), Norman Hillenbrand: Leitfaden Chinesische Medizin. 4. Auflage. Urban und Fischer, München/Jena 2003, ISBN 3-437-56481-1.
  • Fritz Friedl: Einführung in die Chinesische Medizin. In: E. A. Stöger, F. Friedl (Hrsg.): Arzneibuch der chinesischen Medizin. 2. Auflage. Deutscher Apotheker-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-7692-1965-4.
  • Jochen Gleditsch: Traditionelle Chinesische Medizin II. In: Zentrum zur Dokumentation für Naturheilverfahren: Dokumentation der besonderen Therapierichtungen und natürlichen Heilweisen in Europa. Bd. 1.2. Essen 1991, ISBN 3-88699-025-7.
  • Johannes Greten: Kursbuch traditionelle chinesische Medizin: TCM verstehen und richtig anwenden. Thieme, Stuttgart/New York 2003, ISBN 3-13-121661-1.
  • Carl-Hermann Hempen: Die Medizin der Chinesen. Bertelsmann, München 1988, ISBN 3-570-03877-7, 352 Seiten; Taschenbuch-Ausgabe: Goldmann, München 1991, ISBN 3-442-12309-7.
  • Ted J. Kaptchuk: Das große Buch der chinesischen Medizin. Fischer, Frankfurt a. M. 2006, ISBN 978-3-596-17123-1.
  • Giovanni Maciocia: Die Grundlagen der chinesischen Medizin. Ein Lehrbuch für Akupunkteure und Arzneimitteltherapeuten. Verlag für traditionelle chinesische Medizin Dr. Erich Wühr, Kötzting 1994, ISBN 3-927344-07-9.
  • Thomas Ots: Traditionelle Chinesische Medizin I. In: Zentrum zur Dokumentation für Naturheilverfahren: Dokumentation der besonderen Therapierichtungen und natürlichen Heilweisen in Europa. Bd. 1.2. Essen 1991, ISBN 3-88699-025-7
  • Manfred Porkert: Die theoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin. 2. Auflage. Hirzel, Stuttgart 1982, ISBN 978-3-7776-0369-8.
  • Manfred Porkert (unter Mitarbeit von Christian Ullmann): Die chinesische Medizin. Econ, Düsseldorf/Wien 1982, ISBN 3-430-17603-4.
  • Christian Schmincke: Chinesische Medizin für die westliche Welt. Springer, Heidelberg 2004, ISBN 978-3-540-00058-7.
  • Claus C. Schnorrenberger: Lehrbuch der chinesischen Medizin für westliche Ärzte. Die theoretischen Grundlagen der chinesischen Akupunktur und Arzneiverordnung. 3. Auflage. Hippokrates, Stuttgart 1985, ISBN 978-3-7773-0730-5.
  • Paul U. Unschuld: Medizin in China. Eine Ideengeschichte. München 1980.
  • Paul U. Unschuld: Chinesische Medizin. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 243–250.
  • Paul U. Unschuld: Traditionelle Chinesische Medizin. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65602-6.
  • John Zhou: Chinesische Medizin, Kompendium: mit 3 Registern; [Heilverfahren, Geschichte, Philosophie]. Original-Ausgabe, 1. Auflage, OZV, Bad Pyrmont/ Beijing 2004, ISBN 3-9809443-0-1.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Traditionelle Chinesische Medizin - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. TCM-Handout der Uniklinik Düsseldorf
  2. World Health Organization: Legal Status of Traditional Medicine and Complementary/ Alternative Medicine: A Worldwide Review. 2001, S. 2 (Dokument als PDF).
  3.  »Traditionelle Chinesische Medizin beruht nicht auf Wissenschaft, sondern auf Mystizismus, Magie und Anekdoten.« So stand es 2008 im Magazin Science zu lesen. Zitiert wurde dort kein westlicher Schulmediziner, sondern Fang »Zhouzi« Shi-min, ein chinesischer Topwissenschaftler. Das Reich der Mittel, Die Zeit, 6. April 2010,abgerufen 10. März 2017
  4. Lifting the Veil on Traditional Chinese Medicine, Science, Vol. 319, Issue 5864, pp. 709-710, 8. Februar 2008 abgerufen 10. März 2017
  5. Hard to swallow. In: Nature. 448, Nr. 7150, 2007, S. 105–6. doi:10.1038/448106a. „But it seems problematic to apply a brand new technique, largely untested in the clinic, to test the veracity of traditional Chinese medicine, when the field is so fraught with pseudoscience.“
  6. http://apps.who.int/iris/handle/10665/42414?mode=full&submit_simple=Show+full+item+record
  7. C. N. M. Renckens u. a.: Beware of quacks at the WHO: objecting to the WHO draft report on homeopathy. In: Skeptical Inquirer. Sept./ Okt. 2005.
  8. Dazu die in der Literaturliste aufgeführten Bücher von: Ted J. Kaptchuk, Das große Buch der chinesischen Medizin; Giovanni Maciocia, Die Grundlagen der chinesischen Medizin; Manfred Porkert, Die theoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin. Eine kompakte Darstellung des Begriffs Qi gibt: Christian Schmincke, Der Energiebegriff in der chinesischen Medizin – Wie das Qi die Welt bewegt, in: Naturarzt, Heft 08/2005, S. 39–41. (Manuskript als PDF (Memento vom 1. Januar 2007 im Internet Archive))
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