Zwölftonmusik

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Mit den Begriffen Zwölftontechnik und Reihentechnik bzw. Dodekaphonie (griech. dodeka = 12, phone = Stimme) und Zwölftonmusik werden kompositorische Verfahren zusammengefasst, die von einem Kreis Wiener Komponisten um Arnold Schönberg, der sogenannten „Schönberg-Schule“ oder „Wiener Schule“, in den Jahren um 1920 entwickelt wurden.

Allgemeines

Grundlage der Zwölftontechnik ist die Methode des Komponierens mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen.[1] Die Zwölftonreihe und ihre regelrechten Modifikationen wurden zum neuen Ordnungsprinzip des musikalischen Materials und lösten in der Folge die keinen spezifischen Regeln unterworfene freie Atonalität ab.

Die „Totalität der Zwölftontechnik“ im Verständnis von Schönberg erfuhr im musiktheoretischen Diskurs der Folgezeit vielfache Erweiterungen. Als „Reihentechnik“ oder „serielle Technik“ beschäftigte sie sich auch mit nicht zwölftönigen Reihen. Die Ausdehnung des Reihenprinzips auf alle Parameter des Tones erweiterte die Zwölftontechnik zur seriellen Technik, die sich in den frühen 1950er Jahren im französisch-, italienisch- und deutschsprachigen Raum verbreitete.

Die Erfindung der Zwölftontechnik hat Arnold Schönberg allein sich selbst zugeschrieben. Gleich ihm haben aber auch Komponisten wie Josef Matthias Hauer, Herbert Eimert, Anton Webern, Josef Rufer und Alban Berg in den frühen Jahren wichtige Beiträge zur Entwicklung der Zwölftontechnik geleistet. Josef Matthias Hauer hat 1919 von allen als Erster mit seiner 12-tönigen Komposition Nomos, op. 19 in diesem System komponiert.[2]

Die Zwölftontechnik hat sowohl in der kompositorischen Praxis als auch im analytischen Denken vielfältige und tiefgreifende Auswirkungen auf die Musik der Moderne und der Avantgarde gehabt. Sie zählt zu den einflussreichsten musikgeschichtlichen Entwicklungen in der westlichen Musik des 20. Jahrhunderts. Da sie sich vom frühesten Anfang an in die verschiedensten Schulen und Individualstile verästelt hat, werden in diesem Artikel Diskussionen und Nachwirkungen nicht geschlossen an den Schluss gestellt, sondern im Zusammenhang mit ihren jeweiligen Auslösern besprochen.

Zu vielen weiten Themen siehe auch

Siehe auch

Literatur

chronologisch

  • Arnold Schönberg: Harmonielehre. Wien 1911.
  • Anton Webern: Der Weg zur Neuen Musik (16 Vorträge 1932). Universal Edition, Wien 1960.
  • Arnold Schönberg: Stil und Gedanke. In: Gesammelte Schriften 1. Stil und Gedanke, Aufsätze zur Musik. Hg. von Ivan Vojtech. Frankfurt am Main 1976. (Auch als Fischer Taschenbuch, 1992) Darin vor allem:
    • Brahms der Fortschrittliche. Vortrag vom 12. Februar 1933 im Frankfurter Rundfunk (liegt nicht mehr vor), englische Fassung datiert vom 28. Oktober 1947 (Brahms the Progressive).
    • Komposition mit zwölf Tönen. Vortrag gehalten zuerst 1935 in der University of Southern California (Composition With Twelve Tones).
  • René Leibowitz: Schoenberg et son école (1947). Janin, Paris 1947.
  • René Leibowitz: Introduction a la musique de douze sons (1949). L’Arche, Paris 1949.
  • Theodor W. Adorno: Philosophie der neuen Musik. Tübingen 1949.
  • Ernst Krenek: Studies in Counterpoint (1940), deutsch: Zwölfton-Kontrapunkt-Studien. Schott, Mainz 1952.
  • Herbert Eimert: Lehrbuch der Zwölftontechnik. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1952.
  • Josef Rufer: Die Komposition mit zwölf Tönen. Berlin/Wunsiedel 1952.
  • Luigi Nono: Die Entwicklung der Reihentechnik. In: Darmstädter Beiträge zur neuen Musik. Mainz 1958.
  • György Ligeti: Die Komposition mit Reihen. In: Österreichische Musikzeitschrift. Nr. XVI, Wien 1961.
  • Eberhard Klemm: Zur Theorie einiger Reihen-Kombinationen. In: Archiv für Musikwissenschaft. XXIII, 1966 S. 170–212.
  • Hanns Jelinek: Anleitung zur Zwölftonkomposition (1952–58), 2 Teile in 4 Bänden. Wien 1967 (= UE. 1967 2teA).
  • Michael Beiche: Artikel Zwölftonmusik im Handwörterbuch der musikalischen Terminologie, herausgegeben von Hans Heinrich Eggebrecht (jetzt: Albrecht Riethmüller). Steiner, Wiesbaden 1971 ff. (Digitalisat).
  • Eberhard Freitag: Schönberg. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1973.
  • Arnold Schönberg. Gedenkausstellung 1974 (Katalog, Redaktion Ernst Hilmar) Universal Edition, Wien 1974.
  • Christian Möllers: Reihentechnik und musikalische Gestalt bei Arnold Schönberg. Eine Untersuchung zum III. Streichquartett op. 30 (= Beihefte zum Archiv für Musikwissenschaft, Band XVIII). Wiesbaden 1977.

Weblinks

Einzelanchweise

  1. Arnold Schönberg: Stil und Gedanke. Fischer, Frankfurt a. M. 1995 S. 75.
  2. Joseph Matthias Hauer. In: Riemann Musiklexikon. Schott-Mainz, 2012, Band 4, S. 343.


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