Allogenes (NHC)

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Disambig-dark.svg Dieser Artikel behandelt die Schrift "Allogenes" (Allog) aus den Nag Hammadi Schriften; eine andere, ebenfalls gnostische Schrift gleichen Namens "(Allogenes)" ist im koptischen Codex Tchacos (CT) überliefert.

Allogenes (griech. ’Αλλογενής, „Fremdstämmiger“), abgekürzt: Allog, ist eine gnostisch-sethianische Schrift aus der Sammlung der Nag-Hammadi-Schriften. Sie ist erhalten als dritte Schrift des elften Kodex (NHC XI,3); sie weist erhebliche Lücken auf. Die Handschrift befindet sich heute im Koptischen Museum in Kairo. Sie liegt als koptische Übersetzung vor, war aber ursprünglich sicher auf Griechisch abgefasst worden. Sie berichtet von Visionen und Auditionen, die beim Aufstieg in höhere Sphären erlebt wurden. „Allogenes“ ist in dieser Schrift die Bezeichnung für Jesus.

Verfasser, Herkunft, Datierung

Die ersten Zeilen des Werks fehlen, der ursprüngliche Titel des Werks ist aber am Schluss als subscriptio überliefert. Verfasser und Ort der Abfassung sind unbekannt. Die Abfassungszeit dürfte im 3. Jahrhundert liegen.[1] Der einzige bekannte Textzeuge stammt aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Epiphanios von Salamis erwähnt, dass die Sethianer und Archontiker Bücher mit dem Titel «Allogeneis» gebrauchten[2]. Porphyrius erwähnt in seiner Biografie Plotins eine Apokalypsen des Allogenes, die vermutlich mit Allog identisch ist. Allogenes („Fremder“) ist darüber hinaus eine geläufige Selbstbezeichnung der Gnostiker, die die geistige Welt als ihre wahre Heimat empfinden und „Fremde“ in der sinnlichen Welt geworden sind.

Inhalt

Meist wird Allogenes der Gattung ‚Apokalypse‘ zugeordnet, die aus zwei ungefähr gleich langen Teilen besteht:

Im ersten Teil wird Allogenes in fünf Offenbarungen von der himmlischen Juël über die höchsten Dinge belehrt, nämlich über die genaue Struktur des Barbelo-Äons, über den Unsichtbaren Geist, das „dreikräftige“ Prinzip und allgemeine Erkenntnis-Bedingungen dieser Dinge.

„Entsprechend der Art, wie alle Äonen existieren, existiert der Barbelo-Äon, indem auch er die Typen und die Formen der wirklich Existierenden hat, das Bild des Kalyptos, der das verständige Wort dieser hat. Er, der Barbelo-Äon trägt den verständigen, männ-lichen Protophanes wie ein Bild, indem er in den Einzelnen wirkt, sei es mit Kunst, sei es mit Geschicklichkeit, sei es mit teilhafter Natur. Er, der Barbelo-Äon, hat den göttlichen Autogenes wie ein Bild, indem er jeden von diesen kennt, indem er teilhaft und ein-zeln wirkt, indem er sich damit aufhält, die Verfehlungen, die aus der Natur kommen, zu berichtigen. Er hat den göttlichen Drei-fachmännlichen als eine Rettung für sie alle in Zusammenarbeit mit dem unsichtbaren Geist. Er ist ein Wort aus einem Ratschluß, er ist die vollkommene Jugend.“

Allogenes: Die zweite Offenbarung an Allogenes [1]

Im zweiten Teil, nachdem Allogenes hundert Jahre über die empfangenen Offenbarungen nachgesonnen hat, tritt die Dreiheit von Salamex, Selmen und Are als Lehrer und Visionsvermittler auf, wie es ihm schon in der fünften Offenbarung angekündigt worden war.

„Wenn du suchst mit einem vollkommenen Suchen, dann wirst du das Gute kennen, das in dir ist, dann wirst du dich selbst kennen als einen, der stammt aus dem Gott, der wirklich zuerst existiert. Denn nach hundert Jahren wird eine Enthüllung über jenen zu dir kommen durch Salamex und Selmen und Are, die Erleuchter des Barbelo-Äon. Und das, was hinausgeht über das, was für dich angemessen ist, wirst du nicht wissen zuerst, damit du deinem Geschlecht keinen Schaden zufügst. Aber wenn es sich so verhält, dann, wenn du empfängst einen Gedanken über diesen, dann geschieht es durch das Wort, daß du vollkommen bist zur Vervollkommnung. Dann wirst du göttlich und du wirst vollkommen.“

Allogenes: Die fünfte Offenbarung an Allogenes [2]

Sie sorgen für die Erleuchtung des Allogenes in Bezug auf den Barbelo-Äon. Sie führen ihn – vertreten durch "Kräfte" – stufenweise von der „Seligkeit“ über die „Lebenskraft“ zur höchsten Stufe: der „Existenz“. Dort lassen sie ihm Offenbarung über den unerkennbaren „Einen“ zukommen. Dabei warnen sie ihn mehrfach vor allzu großem Erkenntnisdrang.[3]

„Als die Vollendung der hundert Jahre nahe war, brachte sie mir eine Gesegnetheit der ewigen Hoffung, voll von Güte. Ich sah den guten, göttlichen Autogenes und den Erlöser, der das vollkommene, dreifachmännliche Kind ist, und seine Gutheit, den verständigen, vollkommenen Protophanes-Harmedon; und die Gesegnetheit des Kalyptos und den ersten Ursprung der Gesegnetheit, den Barbelo-Äon, voll von Göttlichkeit; und den ersten Ursprung dessen, der ohne Ursprung ist, den geistigen, unsichtbaren Dreifachkräftigen, den Allumfassenden, der höher als vollkommen ist.“

Allogenes: Die Vision des Allogenes [3]

Einzelnachweise

  1. Wolf-Peter Funk, in: Nag Hammadi Deutsch. Studienausgabe, Berlin 2007, S. 530.
  2. Epiphan. haer. 40.2.: „Sie gebrauchen auch die sogenannten Allogeneis; so heißen die Bücher. Sie nehmen den Ausgangspunkt bei der Himmelfahrt des Jesaja und von einigen anderen Apokryphen.“
  3. Wolf-Peter Funk, in: Nag Hammadi Deutsch. Studienausgabe, Berlin 2007, S. 530.

Weblinks

Literatur

  • John D. Turner: NHC XI,3: Allogenes. Transcription and Translation. Notes to the Text and Translation, in: Charles W. Hedrick (Hrsg.): Nag Hammadi Codices XI, XII, XIII (NHS 28), Leiden 1990, S. 192-267.
  • Karen King: Revelation of the Unknowable God, with Text, Translation, and Notes to NHC XI,3 Allogenes, Santa Rosa 1995.
  • Wolf-Peter Funk, in: Hans-Martin Schenke, Hans-Gebhard Bethge, Ursula Ulrike Kaiser (Hrsg.): Nag Hammadi Deutsch. Studienausgabe, Walter de Gruyter, Berlin 2007, S. 529-540. ISBN 978-3-11-018192-0


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