Alpenpflanzen

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Pflanzenvielfalt auf über 2000 m Höhe
Das Edelweiß (Leontopodium alpinum) gilt als Wahrzeichen der Alpen.
Auch manche Enzian-Arten (hier Clusius-Enzian, Gentiana clusii) mit intensiver blauer Farbe sind als typische Alpenpflanzen bekannt.

Alpenflora bezeichnet alle Pflanzenarten, die im Bereich der Alpen oberhalb der Baumgrenze vorkommen. Da diese Grenze regional schwankt, werden auch Arten hinzugerechnet, die im Gebirge ihr Hauptverbreitungsgebiet besitzen, aber schon in der Tallage gedeihen.

Nach geographischer Lage und naturgeschichtlichen Einwanderungswegen ist die Zusammensetzung der Flora sehr unterschiedlich; manche Arten kommen nur punktuell vor. Die Zusammensetzung ist überdies von der Höhe abhängig, die in verschiedene ökologische Höhenstufen, oft mit gleitenden Übergängen, unterteilt wird. Im Übrigen spielen Bodenstruktur und Bodenzusammensetzung eine wichtige Rolle: Auf Kalk und Dolomit herrscht ein anderer Artenkomplex vor als auf Silikat; wo Kalk und Silikat aufeinandertreffen, entsteht meist eine große Artenvielfalt.

Als typische blühende Almwiesen gelten die Pflanzengesellschaften Wikipedia:Borstengrasweide:Borstgrasweide (Nardetum) und Blaugras-Horstseggenrasen (Seslerio-Semperviretum).

Alpenpflanzen, die von Bächen und Flüssen in tiefere Lagen verbracht werden, bezeichnet man als Alpenschwemmlinge.

Entstehung der Alpenflora

Der Himmelsherold (Eritrichium nanum) überlebte die Eiszeit auf eisfreien Gipfeln.

Nach dem Rückzug des Urmeeres Tethys vor ca. 60 Millionen Jahren herrschte im mitteleuropäischen Raum ein feuchtes und subtropisches Klima, mit einer Jahresmitteltemperatur von 22 °C. Dieses rief einen artenreichen, vorwiegend immergrünen Bewuchs mit Palmen, Magnolien, Mammutbäumen, epiphytischen Bromelien und Sumpfzypressen hervor. Die nachfolgende Klimaverschlechterung und die Auffaltung der Alpen im jungen Tertiär führten zur Verdrängung dieser Tropengewächse. Kleinwüchsige Verwandte der damaligen Vegetation finden sich jedoch noch immer im Alpenraum, etwa die Schneeheide, die Wikipedia:Hauswurzen:Hauswurzen und der Frauenmantel. Das neu entstandene Hochgebirge wurde in der Folgezeit auf vermutlich drei Wegen von bisher hier nicht vorkommenden Pflanzenarten besiedelt:

  1. Einwanderung und Anpassung von Tieflandgewächsen aus den Ebenen nördlich der Alpen (z. B. Habichtskraut)
  2. Zuwanderung aus anderen Gebieten mit alpinem Klima, vor allem aus Zentralasien (Altai, Wikipedia:Himalaya:Himalaya): Hierzu zählen Steinbrecharten, Akeleien, Mannsschildarten, Alpenrosen, manche Enzianarten, Alpen-Mohn.
  3. Zuwanderung und Anpassung von Pflanzen aus dem Mittelmeerraum: Krokusse, Narzissen, Knabenkrautgewächse, Glockenblumen und andere.

Weitere einschneidende Veränderungen brachte die anschließende Epoche der Eiszeiten: Pflanzen wurden zum einen aus den Alpenhöhen in tiefere Lagen, zum anderen aus dem arktisch-skandinavischen Raum in den wärmeren Süden verdrängt. Die Tieflandflora starb weitestgehend aus. Die Alpenflora wurde vom nachrückenden Eis ins Vorland gedrängt. Im Extremfall betrug die eisfreie Zone zwischen den alpinen und den skandinavischen Gletschern nur einige hundert Kilometer, wodurch eine intensive Vermischung der Flora zustande kam. Die Verbreitung von z. B. Weiße Silberwurz (Dryas octopetala), Krautweide (Salix herbacea) und Gämsheide (Loiseleuria procumbens) wird daher als arktisch-alpin bezeichnet. Die Verdrängung vom Alpenhauptkamm nach Norden und Süden hatte überdies den Effekt, dass noch vorhandene Restbestände subtropischer Pflanzen (vor allem subtropische Baumarten) wegen natürlicher Barrieren (Mittelmeer im Süden, skandinavische Gletscher im Norden) ausstarben.

Auf eisfreien Inseln, so genannten Nunataks, innerhalb des alpinen Bereichs (etwa in den Tessiner Alpen, den Bergamasker Alpen oder den Julischen Alpen) hatten manche Pflanzenarten die Möglichkeit zum Überdauern der Kälteperiode. Diese Refugien sind daher noch heute besonders reich an alten Pflanzenarten, deren Ursprünge im Tertiär zu suchen sind. Tertiärrelikte sind z. B. der Spinnweb-Steinbrech (Saxifraga arachnoidea) im Gardasee-Gebiet und die Kärntner Wulfenie (Wulfenia carinthiaca) am Gartnerkofel.

In der Nacheiszeit erfolgte eine Rückwanderung der Vegetation in die zuvor vergletscherten Gebiete. Aus jener Zeit stammen die großen Waldbestände in den Alpen, wobei die Waldgrenze zeitweise um 300 bis 400 Meter höher lag als heute.

Siehe auch

Literaturhinweise

  • Norbert Griebl, Alpenpflanzen, Freya, Linz 2017, ISBN 978-3-99025-185-0 online
  • D. Aeschimann, K. Lauber, D. M. Moser, J.-P. Theurillat: Flora Alpina. Ein Atlas sämtlicher 4500 Gefäßpflanzen der Alpen. 3 Bände, Haupt Verlag, Bern 2004, ISBN 3258066000.
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  • Manfred A. Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Stuttgart 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  • Gustav Hegi: Alpenflora. Die verbreitetsten Alpenpflanzen von Bayern, Österreich und der Schweiz. J. F. Lehmanns Verlag München 1905; 25. erw. Aufl. herausgegeben von Herbert Reisigl. Parey Verlag, Berlin 1977.
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  • Christian Körner: Alpine Plant Life. Functional Plant Ecology of High Mountain Ecosystems. Springer, Berlin 1999, ISBN 3540654380.
  • Konrad Lauber, Gerhart Wagner: Flora Helvetica. Flora der Schweiz. Haupt Verlag, Bern 1996, ISBN 3-258-05405-3.
  • Elias Landolt: Unsere Alpenflora. 8. Auflage, SAC-Verlag, Bern 2012, ISBN 3-85902-369-1.
  • Herbert Reisigl, Richard Keller: Alpenpflanzen im Lebensraum. Alpine Rasen, Schutt- und Felsvegetation. ISBN 3-437-20397-5.
  • Elfrune Wendelberger: Alpenpflanzen. Blumen, Zwergsträucher, Gräser. BLV, München 1993, ISBN 3-405-12868-4.
  • Manuel Werner: Welche Alpenblume ist das? Franckh-Kosmos Verlags-GmbH, Stuttgart 2011, ISBN 9783440125762.

Weblinks


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