Boden (Bodenkunde)

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Schematisches Bodenprofil mit verschiedenen Bodenhorizonten

Der Boden (von ahd. bodam), umgangssprachlich auch Erde oder Erdreich genannt, ist der oberste, meist auch belebte Teil der Erdkruste und bildet in seiner Gesamtheit die Pedosphäre (von griech. πέδον pédon „Boden“) der Erde. Der wissenschaftlichen Erforschung der Böden dient die Bodenkunde, Bodenwissenschaft oder Pedologie, die sich im 19. Jahrhundert als eigenständige Wissenschaft etablierte, wozu der russische Geograf und Geologe Wassili Wassiljewitsch Dokutschajew und namentlich auch Charles Darwin entscheidend beitrugen.

Der Erdboden ruht auf dem festen oder lockeren Gestein, aus dem er durch Verwitterung und weitere Prozesse der Bodenbildung (lat. Pedogenese) hervorgegangen ist. Anfangs besteht der Boden im geologischen Sinn aus dem Lockergestein, das die oberste, erodierte Gesteinsschicht der Erdoberfläche bildet. Durch die weitere Bodenentwicklung, an der eine Vielzahl von im Boden gestaltend wirkenden Lebewesen beteiligt sind, bilden sich verschiedene Bodenhorizonte und immer komplexer werdende Bodenprofile aus, die sich durch ihre typischen gemeinsamen Eigenschaften von den darüber und darunter liegenden Bodenschichten unterscheiden.

In seinem 1924 gehaltenen landwirtschaftlichen Kurs, aus dem die biologisch-dynamische Landwirtschaft hervorgegangen ist, hat Rudolf Steiner die geistigen Hintergründe der Bodenbildung ausführlich behandelt und den Boden als ein funktionell dem Zwerchfell des Menschen vergleichbares Organ der Erde beschrieben. Man muss sich dann allerdings einen auf dem Kopf stehenden Menschen vorstellen. Der Bauch liegt oberhalb der Erdoberfläche, der Kopf steckt unter der Erde. Auf den „Bauch der Erde“ wirken vornehmlich die inneren erdnahen Planeten Mond, Merkur und Venus und auch die Sonne, die ihre Kräfte aber auch in das Erdinnere schickt. Im Erdboden bis hinein in dessen Gesteinsgrundlage wirken dann, neben der Sonne, vor allem die äußeren erdfernen Planeten Mars, Jupiter und Saturn.

„Dieser Erdboden - ich will ihn hier schematisch durch diesen Strich anzeigen (Zeichnung S. 44) - wird gewöhnlich angesehen als etwas bloß Mineralisches, in den höchstens dadurch, daß sich Humus bildet, oder dadurch, daß Dünger in ihn versenkt wird, etwas Organisches hineinkommt, so daß der Erdboden als solcher nicht nur so ein gewisses Leben in sich hat, daß er schon von selbst etwas Pflanzenhaftes in sich birgt und daß sogar etwas astralisch Wirksames im Erdboden ist. Das ist ja etwas, was heute nicht einmal bedacht, viel weniger irgendwie zugegeben wird. Und wenn man gar dann weitergeht und darauf sieht, wie dieses innere Leben des Erdbodens in feiner, ich möchte sagen, Dosierung ganz verschieden ist im Sommer und im Winter, dann kommt man auf Gebiete, die zwar für die Praxis von einer ungeheuren Bedeutung sind, die aber heute eben gar nicht berücksichtigt werden. Man muß schon, wenn man von der Betrachtung des Erdbodens ausgeht, sein Augenmerk darauf lenken, daß der Erdboden eine Art Organ ist in dem Organismus, der sich im Naturwachstum überall zeigt, wo eben ein solches Naturwachstum ist.

Zeichnung aus GA 327, S. 44 (Tafel 2)

Der Erdboden ist ein wirkliches Organ, er ist ein Organ, das wir etwa vergleichen können, wenn wir wollen, mit dem menschlichen Zwerchfell. Und wir bekommen eine richtige Vorstellung von demjenigen, was da eigentlich vorliegt - es ist nicht ganz genau gesprochen, sondern es soll nur verdeutlichen und genügt dazu -, wir gelangen zu einer Vorstellung, wenn wir uns sagen: über dem Zwerchfell sind beim Menschen gewisse Organe, vor allem der Kopf und dasjenige, was ihn aus Atmung und Zirkulation heraus versorgt, und unter dem Zwerchfell sind andere Organe. Wenn wir nun von diesem Gesichtspunkte aus vergleichen sozusagen den Erdboden mit dem menschlichen Zwerchfell, so müssen wir sagen: Der Kopf ist dann unter dem Erdboden für diejenige Individualität, die da in Betracht kommt, und wir mit allen Tieren zusammen leben im Bauch dieser Individualität. Das, was über der Erde ist, ist eigentlich durchaus dasjenige, was zum Eingeweide der - um ein Wort zu haben - landwirtschaftlichen Individualität gehört. Auf einer Landwirtschaft gehen wir eigentlich im Bauche der Landwirtschaft herum, und die Pflanzen wachsen in den Bauch der Landwirtschaft herauf. Also wir haben es durchaus mit einer Individualität zu tun, die auf dem Kopfe steht und die wir auch nur richtig anschauen, wenn wir sie als auf dem Kopfe stehend betrachten, auch auf dem Kopfe stehend in bezug auf den Menschen. In bezug auf das Tier werden wir im Laufe der Vorträge sehen, ist das etwas anderes. Nun, warum sage ich das, daß die landwirtschaftliche Individualität auf dem Kopfe steht?

Ich sage es aus dem Grunde, weil alles dasjenige, was in unmittelbarer Nähe der Erde ist, an Luft, an Wasserdünsten, auch an Wärme, wo wir drinnen sind, wo wir selber drinnen atmen, wo das herkommt, wovon die Pflanzen mit uns diese Außenwärme, Außenluft, auch ihr Außenwasser bekommen, in der Tat entspricht demjenigen, was im Menschen Unterleibsorgan ist. Dagegen alles dasjenige, was im Innern der Erde, unter der Oberfläche der Erde geschieht, wirkt auf das gesamte Pflanzen Wachstum so, wie unser Kopf auf unseren Organismus namentlich in der Kindheit, aber auch während des ganzen Lebens wirkt. Wir haben eine fortwährende, eine ganz lebendige Wechselwirkung von Über-der-Erde und Unter-der-Erde, und das über der Erde befindliche Wirken ist abhängig zugleich - betrachten Sie es zunächst als Lokalisierung des Wirkens - unmittelbar von Mond, Merkur, Venus, welche die Sonne in ihrer Wirkung unterstützen und modifizieren, so daß also die sogenannten erdennahen Planeten ihre Wirksamkeit entfalten mit Bezug auf alles dasjenige, was über der Erde ist, dagegen die fernen Planeten, die außerhalb des Umkreises der Sonne herumgehen, auf alles dasjenige wirken, was unterhalb der Erde ist, und die Sonne unterstützen in denjenigen Wirkungen, die sie von unterhalb der Erde ausübt. So daß wir sozusagen mit Bezug auf unser Pflanzenwachstum den fernen Himmel in seiner Wirksamkeit unter der Erde, die nähere Erdumgebung über der Erde zu suchen haben.“ (Lit.:GA 327, S. 43ff)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft, GA 327 (1999), ISBN 3-7274-3270-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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