Ayyuqi

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Darstellung aus Warqa und Gulschah, Miniaturmalerei, 13. Jahrhundert

Ayyuqi ist ein persischer Dichter des 11. Jahrhunderts, der die romantische Erzählung von Warqa und Gulschah (Varqa o Golshah) in Verse brachte. Er wirkte möglicherweise[1] in Ghazna am Hofe des Ghaznawidensultans Abu Qasem Mahmud, den er in seinem Vorwort zu Warqa und Gulschah preist. Hier gab er selbst seinen Namen als Ayyuqi an, doch gibt es sonst so gut wie keine Informationen über ihn.

Werk

Warqa und Gulschah

Nach dem sich manifestierenden Einfluss durch Firdausis (940-1020) Stil im Schahnameh, der sich in vielen Passagen Ayyuqis Werkes Warqa und Gulschah nachweisen lässt, liegt die Vermutung nahe, dass Warqa und Golshah nach dem Schahnameh erschienen ist. Abgesehen davon, scheint Ayyuqi sich wenig im literarischen Idiom seiner Zeit auszukennen, was auf einen Dichter von geringer weiterer Bildung schließen lässt. Auch in anderer Hinsicht (Themenentwicklung, Gefühlsdarstellung) lässt sich sein Werk eher als mittelmäßig einordnen.

Eine Besonderheit des Werkes ist das Einflechten von zehn Ghaselen (im Motaqareb Versmaß) in die Erzählstruktur, eine Methode, die bis dahin nicht verwandt - später jedoch häufig imitiert wurde. Die Verwendung archaischer Wörter, deren Aussprache (vokalisierte Niederschrift) sowie der Nachweis spezifischer grammatischer Eigenheiten verweisen auf das frühe 11. Jahrhundert als Erscheinungszeitpunkt dieses Werkes und machen es aus philologischer Sicht interessant.

Nach Ayyuqis eigener Angabe basiert die Geschichte auf einer arabischen Vorlage, nämlich auf der von Abū l-Faradsch al-Isfahānī (897-967) in seinem Buch der Lieder überlieferten Romanze von Urwa und Afra, von der er erstmals eine persische Version anfertigte.

Elemente der Geschichte drangen in abgewandelter Form später auch in die spanische und französische Literatur ein. Sie bildeten die Grundlage für die im 12. Jahrhundert beliebte Romanze Floire et Blancheflor.

Das Werk überlebte in einem einzigen Manuskript im Topkapi-Sarayi Museum Istanbul, das mit 71 Farbillustrationen verziert ist. Die undatierte Handschrift dürfte nicht später als aus dem 13. Jahrhundert stammen. Eine Faksimile-Edition wurde in Graz, Österreich hergestellt.

Inhalt

„Warqa und Gulschah“ (Varqa o Golshah) erzählt die Abenteuer von Warqa und Gulschah, die zu den frühesten persischen Liebesepen zählt und wegen seiner farbigen Schilderung des kriegerischen Nomadenlebens und des Luxus bei Hofe berühmt wurde.

Szene aus Warqa und Gulschah: Rabi Ibn Adnan greift nachts seine Feinde an.

Warqa und Gulschah wachsen zusammen auf, wie zwei Zypressen in einem Garten gedeihen, denn ihre Väter Hilal und Humam, die Häupter des Stammes der Bani Sheiba, waren Brüder, und sie lieben einander schon von frühester Kindheit an, wie es dies zuvor noch niemals gegeben hatte. Mit zehn Jahren werden sie einem Lehrer anvertraut. Sie lernen fleissig, aber kaum ist der Lehrer abwesend, wenden sie sich in herzlicher Liebe zueinander und bald nascht er den Zucker von ihren Lippen, bald sie ihn von den seinen. Mit fünfzehn Jahren sind sie so lieblich anzusehen wie zwei Sonnen oder wie Perlen in der Auster. Warqa ist kraftvoll und tapfer im Kampf und Gulschah anmutig wie eine Göttin und der Blick ihrer schwarzen pfeilschießenden Augen spricht nur von ihrer Liebe zu Warqa. Behutsam wachen die Eltern über ihre Liebe und wollen nicht dulden, dass sie jemals getrennt würden. Zärtlich ist beider Liebe und vollkommen rein, niemals wechseln sie ein unziemliches Wort. Süß und brennend wie Feuer ist ihre Liebe und immer auch voll tiefem Herzeleid. Mit sechzehn Jahren ist ihre Liebesnot plötzlich so groß, dass sie bitter und krank erscheinen und ihre blühenden Wangen vergilben. Als die Eltern dies bemerken, treffen sie umgehend alle Vorkehrungen für die Vermählung.

Kurz vor der Hochzeit wird die Braut von Nomaden aus dem Stamm der Bani Dhabba entführt. Ihr fürstlicher Anführer Rabi Ibn Adnan, Emir von Arabien, hatte von Gulschahs Schönheit gehört und begehrte sie zur Frau. Fünf oder sechsmal hatte er schon erfolglos eine entsprechende Botschaft an Gulschahs Vater gesandt, nun holt er sie mit Gewalt. Um ihr Herz zu gewinnen, beschenkt er sie mit reichen Schätzen. Zum Schein geht Gulschah darauf ein, doch ringt sie ihm listig eine Woche Frist ab. Indessen haben sich Gulschahs und Warqas Väter mit Warqa und einem ganzen Heer auf die Suche begeben. Es kommt zum Kampf mit den Bani Dhabba, in dem Warqas Vater von Rabi getötet wird. Vor Wut und Schmerz entbrannt stürmt Warqa auf Rabi los. Lange wogt der Kampf unentschieden hin und her. Warqa wird am Schenkel schwer verwundet und Rabi am Arm. Ihre Speere und Schwerter sind zerbrochen. Zuletzt kann Rabi Warqa niederringen. Warqa bittet Rabi, Gulschah noch einmal sehen zu dürfen, dann möge er ihn vor ihren Augen töten. Rabi willigt ein. Gulschah hat sich inzwischen unbemerkt aus dem Serail fortgeschlichen, eine Rüstung angelegt und ist auf das Schlachtfeld geritten. Mit einem Speer tötet sie Rabi und befreit den gefesselten Warqa. Rabis ältester Sohn will den Tod seines Vaters rächen, doch auch er wird von Gulschah getötet. Seinem jüngerern Bruder Ghalib Ibn al-Rabi gelingt es, Gulschah den Helm vom Kopf zu stoßen. Betört von ihrem wehenden lockenreichen Haar entflammt er in Liebe für sie. Nach langem Kampf gelingt es ihm, sie gefangenzunehmen. Doch Warqa kann sie aus dessen Zelt befreien und Ghalib töten. Die Bani Dhabba entfliehen - aber Warqas ganzes Hab und Gut wurde ihm von seinen Feinden geraubt.

Gulschah tötet Rabi Ibn Adnan und rettet Warqa das Leben.

Gulschah ist gerettet, doch nun verweigert ihr Vater die Heirat mit Warqa, da dieser jetzt zu arm sei. Warqa bittet Gulschahs Mutter um Hilfe, doch auch sie kann ihren Gatten nicht umstimmen. Viele reiche Männer werben indessen um Gulschah. Wieder interveniert Gulschahs Mutter bei ihrem Gatten. Dieser schickt nun Warqa zu dessen Onkel Mundar, dem König von Jemen. Dieser habe keine Kinder und werde ihn gerne zum Erben einsetzen, dann stünde der Heirat nichts mehr entgegen. Mit Schmerzen nehmen Warqa und Gulschah voneinander Abschied und schwören einander ewige Treue und ehe Warqa abreist, verlobt Gulschahs Vater die beiden durch einen Eid.

Die feindlichen Heere von Bahrein und Aden haben indessen Warqas Onkel, den König von Jemen, gefangengenommen. Mutig stürzt sich Warqa in die Schlacht, besiegt die Feinde und kann seinen Onkel befreien.

Während Warqas Abwesenheit bittet der König von Syrien mit überreichen Gaben Gulschahs Mutter um deren Hand und sie wird ihm gewährt, nachdem die Mutter ihren Gatten überredet hat, den Vertrag mit Warqa zu brechen. Zu Tode betrübt denkt Gulschah daran, sich das Leben nehmen. Zum Angedenken lässt sie Warqa durch einen Sklaven ihren Panzer und ihren Siegelring überbringen, doch solle er nichts von ihrem schrecklich Los erwähnen.

Gulschah wird nun nach Syrien gebracht. Als der verliebte König ihr beiwohnen will, versucht sie ihm einen Dolch ins Herz zu stoßen. Der König wehrt den Angriff ab und erkennt tief betroffen die unerschütterliche Liebe, die Gulschah an Warqa bindet. Künftig will er sich damit begnügen, ihr wunderschönes Antlitz betrachten zu dürfen.

Gulschahs Vater schlachtet nun heimlich ein Schaf und hüllt es in Leinentücher. Dann stimmt er gemeinsam mit seiner Gattin ein großes Klagen an, dass Gulschah gestorben sei und lässt ein Grabmal für sie errichten. Als Warqa mit Reichtum beladen heimkehrt, erzählt man ihm, dass Gulschah tot sei. Wie vom Blitz getroffen bricht Warqa zusammen und dann nochmals, bis man ihn zum Grab führt, auf dem er sich klagend niederlässt. Sein Gefolge mit allen Schätzen schickt er zurück nach Jemen. Ein schönes Mädchen, das in die Sache eingeweiht war, gesteht ihm schließlich voll Mitleid für ihn die Wahrheit. Rasch öffnet Warqa das Grab und findet das tote Schaf. Dann macht er sich auf den Weg nach Syrien.

Warqa und Gulschah werden mit Allahs Hilfe durch den Propheten Mohammed wieder zum Leben erweckt.

Kurz bevor er sein Ziel erreicht, wird Warqa von 40 Räuber überfallen. 30 erschlägt er, die andern entfliehen, doch auch Warqa wird schwer verwundet. Zufällig findet ihn der König von Syrien, der mit seinem Gefolge auf Jagd ist, und übergibt ihn einer Sklavin zur fürsorglichen Pflege und bittet Gulschah, gastfreundlich für ihn sorgen zu lassen. Weil Warqa sich danach sehnt, seine Liebste wiederzusehen, verschweigt er seinen wahren Namen. Gulschah schickt ihre Dienerin zu Warqa und dieser bittet sie, seinen Siegelring Gulschah zu überbringen. Sie wehrt ab, denn dies sei unschicklich. Da macht Warqa den Vorschlag, den Ring in eine Schale voll Milch zu legen, dann könne man sagen, er sei zufällig hineingefallen. So geschieht es auch. Als Gulschah den Ring entdeckt, erkennt sie ihn sofort und arrangiert ein heimliches Treffen mit Warqa. Ihrer Anweisung entsprechend zeigt sich Warqa vor dem Tor des Palasts und Gulschah erscheint auf dessen Zinnen - so sehen die beiden einander erstmals nach langer Zeit wieder. Dann berichtet Gulschah auch ganz offen ihrem Mann, dem König von Syrien, dass der Fremde Warqa sei und seinen wahren Namen nur aus Scham und Zartgefühl verschwiegen habe. Großmütig gestattet der König den beiden, Nacht für Nacht zusammen zu sein und sich ihrer Liebe hinzugeben. Heimlich belauscht er sie, doch niemals geschieht etwas Unsittliches und es fällt auch nicht ein einziges unschickliches Wort. Schließlich gibt es der König auf, sie zu belauschen.

Warqa aber weiß, was er der Großmut des edlen Königs und seiner eigenen Ehre schuldig ist - und da gibt es nur eine Möglichkeit: Er muss sich für immer von Gulschah trennen. So nimmt er Abschied und verlässt den Palast. Von tiefer Trauer gebeugt, stirbt er bald darauf. Als Gulschah von seinem Tod erfährt, zieht sie von Schmerz zerrissen zu seinem Grab, wo auch sie stirbt. Erschüttert lässt der König von Syrien ein prächtiges Grabmal für die beiden errichten, das sowohl für Juden als auch Muslime zum vielgesuchten Wallfahrtsort wird.

Ein Jahr nach ihrem Tod kommt auch der Prophet Mohammed an ihrem Grab vorbei. Er verspricht, Warqa und Gulschah mit Allahs Hilfe wieder zum Leben zu erwecken, wenn der König von den 60 Jahren seines Lebens, die ihm noch zugemessen seien, 40 für die beiden geben würde und alle Juden sich zum wahren Glauben bekehren ließen. Alle stimmen zu und so geschieht es auch und von da an leben Warqa und Gulschah in Freude und Liebe zusammen.

Deutschsprachige Ausgaben

  •  Ayyuqi: Warqa und Gulschah. Manesse Verlag, Zürich 1992, ISBN 3717518208.
  •  Ayyuqi: Die Geschichte der Liebe von Warqa und Gulshah. Unionsverlag, 2001, ISBN 3293202144.

Literatur

  •  Djalal Khaleghi-Motlagh: Ayyuqi. In: Encyclopædia Iranica. Routledge & Kegan Paul Inc., New York, NY 1987, S. 167–168.
  •  Zabihollah Safa: Comparaison des origines et des sources des deux contes persans: «Leyli et Madjnoun» de Nizami et «Varqah et Golchah» de Ayouqi. Accademia Nazionale dei Lincei, Roma 1977.
  • Abbas Daneshvari: Animal Symbolism in Warqa Wa Gulshah, Oxford University Press 1986, ISBN 978-0197280041

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Alexandra Lavizzari: Anmerkungen. In: Ayyuqi: Warqa und Gulschah. Übertragung aus dem Persischen und Nachwort von Alexandra Lavizzari. Unionsverlag, Zürich 2001, S. 158–160; hier: S. 158
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