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Bibliothek:2. Buch Henoch

Aus AnthroWiki

Das slawische Henochbuch, auch als 2. Buch Henoch (2. Hen) bezeichnet, ist ein apokryphes, apokalyptisches Buch und erzählt von den Erlebnissen des Henoch vor seiner Aufnahme in den siebten Himmel.

Das slawische Henochbuch hat einen apokalyptischen Charakter und ist vermutlich im 1. Jahrhundert n. Chr. entstanden. Ursprünglich war es wohl auf Griechisch geschrieben, heute ist aber nur noch eine kirchenslawische Übersetzung erhalten geblieben. Dem Namen nach soll der Verfasser der im biblischen Buch Genesis erwähnte Henoch gewesen sein, der es aber sicher nicht geschrieben hat. Die Schrift lässt sich grob in drei Bereiche aufteilen: Der Bericht über die sieben Himmel, die Unterweisung des Henoch durch Gott, die Mahnreden des Henoch an seine Söhne und die Fürsten des Volkes.

Das 2. Buch Henoch

1 Henochs Traum

1 Als ich 365 Jahre alt geworden war, 2 war ich an einem Tag des zweiten Monats allein zu Hause. 3 Ich war in großer Kümmernis und weinte; dann schlief ich ein. 4 Da erschienen mir zwei sehr große Männer, wie ich nie auf Erden gesehen. 5 Ihr Antlitz leuchtete wie die Sonne, ihre Augen wie brennende Fackeln; aus ihrem Munde sprühte Feuer; ihre Kleidung und ihr Gesang waren herrlich, ihre Arme wie goldene Flügel. Sie standen zu Häupten meines Bettes und riefen mich mit Namen. 6 Ich erwachte vom Schlaf und stand von meinem Lager auf; 7 dann verneigte ich mich vor ihnen, mein Antlitz bleich vor Schrecken. 8 Da sprachen die zwei Männer zu mir: Sei getrost, Henoch! Fürchte dich nicht! Der ewige Herr hat uns zu dir gesandt. Du sollst mit uns heute in den Himmel gehen. 9 Gib deinen Söhnen und deinem Gesinde Anweisung für das, was sie in deinem Haus tun sollen! Keiner aber soll dich suchen, bis der Herr dich ihnen wieder zuführt! 10 Auf dies hin ging ich hinaus, rief meine Söhne Metusalem und Regim und berichtete ihnen alles, was die zwei Männer zu mir gesprochen hatten.

2 Henochs Mahnreden

1 Meine Kinder! Ich weiß nicht, wohin ich gehe oder was mir zustößt. 2 Meine Kinder! Weichet nicht von Gott! Wandelt vor dem Angesicht des Herrn! Bewahret seine Satzungen! Betet nicht falsche Götter an, Götter, die weder Himmel noch Erde geschaffen und die vergänglich sind! 3 Behütet eure Herzen treu in der Furcht des Herrn! 4 Suchet mich nicht, bis mich der Herr zu euch zurückbringt!

3 Henochs Himmelreise

1 Nachdem ich so zu meinen Söhnen gesprochen, riefen mich die zwei Männer, setzten mich auf ihre Flügel, trugen mich in den ersten Himmel empor und setzten mich hier ab.

4 Anblick der Gestirne

1 Dann brachten sie mich vor das Antlitz des Alten, des Regenten der Sternreihen und er zeigte mir all ihre Läufe und Gänge jedjährlich; er zeigte mir auch zweihundert Engel und ein sehr großes Meer, größer als das Meer der Erde, und Engel flogen mit ihren Flügeln.

5 Anblick der Wolken

1 Er zeigte mir auch die Kammer der Wolken, von wo sie aufsteigen und ausgehen, ebenso alle Kammern des Schnees und Eises und die schrecklichen Engel, die die Kammern bewachen.

6 Anblick der Tauquellen

1 Er zeigte mir auch die Kammern des Taues, der Ölivenöl gleicht. Auch diese Kammern wurden von Engeln bewacht, deren Gewänder den Blumen auf Erden gleichen.

7 Reise in den zweiten Himmel

1 Da ergriffen mich die beiden Männer und führten mich in den zweiten Himmel. Hier zeigten sie mir Gefangene, die für das maßlose Gericht aufbewahrt sind. 2 Ich sah die Verdammten weinen; da fragte ich die zwei Männer bei mir: Weshalb werden diese gepeinigt? 3 Die Männer sagten mir: Dies sind die vom Herrn Abgefallenen; sie hörten nicht auf des Herrn Stimme, sondern folgten ihrem Eigenwillen. 4 Mich jammerte ihrer recht. Da fielen die Engel vor mir nieder und sprachen zu mir: Mann Gottes! Bet für uns zu Gott! 5 Ich sagte zu ihnen: Wer bin ich, ein sterblicher Mensch, daß ich für Engel beten sollte? Wer weiß, wohin ich gehe oder was mir zustößt oder wer für mich betet!

8 Reise in den dritten Himmel

1 Da nahmen mich die beiden, trugen mich in den dritten Himmel und setzten mich hier mitten im Paradiese ab, an einem wunderschönen Ort. 2 Jeder Baum blühte lieblich; jede Frucht reifte, alle Arten von Speise in überströmender Fülle mit allen Wohlgerüchen. Vier Ströme flossen sanft dahin, und jegliches Gewächs ist gut zur Nahrung. 3 Und der Baum des Lebens war dort, wo Gott ruht, wenn er ins Paradies geht, und dieser Baum hat einen wundervollen Duft. 5 Der andere Baum daneben, ein Ölbaum, spendete beständig Öl. 7 Dort ist kein unfruchtbarer Baum; jeder Baum ist gesegnet. Und die Engel, die das Paradies bewachen, sind hellglänzend und dienen dem Herrn alle Tage, indem sie unaufhörlich und süß singen. Ich sprach: Wie lieblich ist dieser Ort!

9 Wohnsitz der Gerechten

1 Die zwei Männer sagten zu mir: Henoch! Dieser Ort ist für die Gerechten bereitet, die in ihrem Leben Ungemach erdulden und gekränkt werden und die ihre Augen von Ungerechtigkeit abwenden und gerechtes Gericht üben; sie geben Brot den Hungernden und bekleiden die Nackten, bedecken sie mit Gewändern und richten die Gefallenen auf und helfen den Gekränkten; sie wandeln vor Gottes Angesicht und dienen ihm allein. Für solche ist dieser Ort bereitet zum ewigen Erbbesitz.

10 Die Hölle

1 Da nahmen mich die beiden und trugen mich in des Himmels Norden. Dort zeigten sie mir einen fürchterlichen Ort. 2 Dort war Finsternis und Nebel, keinerlei Licht, nur Feuer und Flammen. Und Finsternis senkt sich auf jenen Ort. Dort gibt es nur Frost, Eis und Kerker. Und grausame, mitleidlose Engel tragen Waffen und peinigen unbarmherzig. 4 Ich sprach: Wie fürchterlich ist dieser Ort! Da sagten die beiden zu mir: Henoch! Dieser Ort ist für die Unehrlichen bereitet, die auf Erden Gottloses tun. Sie treiben Zauberei und Beschwörung und rühmen sich ihrer Werke. 5 Sie stehlen heimlich Menschenseelen, lösen ein bindendes Joch, werden reich durch Gewalttat von fremdem Gut. Sie, die sättigen könnten, töten die Darbenden durch Hunger; sie, die Nackte bekleiden könnten, ziehen sie vollends ganz aus. 6 Sie erkannten nicht ihren Schöpfer, sondern beteten eitle Götter an. Für alle diese ist dieser Ort bereitet zum ewigen Erbbesitz.

11 Reise in den vierten Himmel

1 Da nahmen mich die beiden von dort weg und trugen mich in den vierten Himmel. Sie zeigten mir alle Läufe und Gänge und alle Lichtstrahlen der Sonne und des Mondes, ihre Maße und ihre Gänge, und so erfuhr ich ihre Gänge. 2 Die Sonne hat siebenmal mehr Licht als der Mond; ihre Kreise befahren sie auf Wagen, worauf jedes davon fährt, wie der Wind weht. Bei ihrem Fortgehen und Wiederkehren haben sie keine Ruhe bei Tag und Nacht. 3 Vier große Sterne gehen stets rechts vom Sonnenwagen und vier stets links. 4 Und Engel gehen dem Sonnenwagen voraus.

12 Im vierten Himmel

1 Fliegende Geister, jeder mit zwölf Flügel. 2 Zwölf Flügel hat jeder Engel, der den Wagen führt; sie tragen Tau und Hitze, wenn der Herr ihnen befiehlt, 4 auf die Erde mit den Sonnenstrahlen hinabzusteigen.

13 Der Osten

1 Da nahmen mich die beiden in den Osten des Himmels und zeigten mir die Tore, die die Sonne durchschreitet in den jeweiligen Jahreszeiten, nach Ablauf eines jeden Monats nach der Verkürzung und nach der Verlängerung der Tage und Nächte. 2 Sechs große Tore; ihre Größe konnte ich nicht ermessen. Durch sie geht die Sonne auf und zieht in den Westen. 3 Durch die ersten Tore geht sie 42 Tage aus, durch die zweiten 35 Tage, durch die vierten 35 Tage, durch die fünften 35 Tage, durch die sechsten… 4 Die Jahre enden mit der Wiederholung der Jahreszeiten.

14 Der Westen

1 Dann trugen mich die beiden zum Westen des Himmels; sie zeigten mir sechs Tore, die nach Osten zu offen standen. 2 Durch diese geht die Sonne unter, wenn sie die Osttore durchschritten hat, in gleich viel Tagen. Wenn sie durch die westlichen Tore schreitet, dann nehmen vier Engel die Krone und bringen sie dem Herrn. 3 Und die Sonne wendet ihren Wagen und zieht ohne Licht weiter; dann setzen sie ihr die Krone wieder in den Osttoren auf.

15 Die Unordnung der Tore

3 Die beiden Engel zeigten mir diese Unordnung der Tore, durch die sie aus- und eingeht. Diese Tore schuf der Herr zur Zeitbestimmung und Zählung nach Sonnenjahren.

16 Die Mondphasen

1 Sie zeigten mir auch die Ordnung des Mondes, alle seine Läufe, und die beiden Männer gaben mir Bescheid über all seine Umläufe und seine Tore, zwölf ewige Tore nach Osten, durch die der Mond zu den üblichen Zeiten eintritt, 2 ebenso die westlichen Tore nach dem Umlauf, nach der Zahl der Osttore. 3 Er tritt auch in die Westtore ein und vollendet das Jahr. 5 Er tritt aber in das Jahr mit 354 Tagen, und deshalb heißt er „der am Himmel Unbeteiligte“. 6 Die Jahre werden nämlich nach der Zahl seiner Tage berechnet, weil sich sonst die Jahreszeiten ändern würden. 7 Sind die Westtore abgemacht, dann geht er mit seinem Licht wieder zu den Osttoren. So dreht sich sein Kreislauf wie der Himmel, und sein Wagen, worauf der Wind in seinem Laufe steigt, und fliegende Geister ziehen seinen Wagen, sechs Flügel hat jeder Engel.

17 Engelsgesang

1 Inmitten des Himmels sah ich bewaffnete Scharen, die dem Herrn mit Pauken und Zymbeln fortwährend Lob sangen. Ich ergötzte mich daran.

18 Der fünfte Himmel

1 Da nahmen mich die Männer in den fünften Himmel; dort sah ich viele Scharen, Wächter; ihr Aussehen glich dem der Menschen; sie waren größer als die größten Riesen.

19 Der sechste Himmel

1 Da führten mich die beiden Männer von dort weg und brachten mich in den sechsten Himmel. Dort sah ich sieben Chöre leuchtender herrlicher Engel; ihr Antlitz glänzte wie die Sonne; sie unterscheiden sich weder durch ihr Antlitz noch durch ihre Größe und Gewandung. 2 Diese sorgen für die Ordnung in der Welt und den Gang der Sterne, der Sonne und des Mondes. 3 Engel, Engel, diese himmlischen Engel bringen das ganze himmlische Leben in Einklang; sie sorgen für die Gebote, Lehren und Wohlklang und Gesang und jeden Lobpreis. 4 Die einen Engel herrschen über die Zeiten und Jahre, die andern über die Flüsse und Meere, wieder andere über die Frucht, das Gras und jedes Gewächs, und andere sorgen für das Leben aller Menschen und schreiben vor dem Angesicht des Herrn auf. 6 In ihrer Mitte sind sieben Phönixe, sieben Cherubim und sieben Sechsflügelige; sie singen und jubilieren miteinander; ihr Gesang ist unbeschreiblich, und der Herr ergötzt sich an seinem Schemel.

20 Der siebte Himmel

1 Da nahmen mich die beiden von dort hinweg und brachten mich in den siebten Himmel. Dort sah ich ein großes Licht und alle feurigen Scharen der körperlosen Erzengel und den leuchtenden Ort der Ophannim. Da ward ich ängstlich und begann zu zittern. 2 Da stellten mich die beiden mitten unter jene und sagten zu mir: Henoch! Sei getrost! Fürchte dich nicht! 3 Sie zeigten mir von ferne den Herrn, der auf seinem Throne saß und alle himmlischen Scharen, wie sie in Chören auf die Stufen traten und sich vor dem Herrn niederwarfen. 4 Dann gingen sie wieder weg und begaben sich an ihre Plätze in Freude und Jubel und unermeßlichem Lichte.

21 Henoch erscheint vor Gott

1 Aber die Glorreichen, die ihm dienten, verließen ihn nicht, weder bei Tag, noch bei Nacht; sie standen vor dem Herrn vollzugsbreit. Auch alle Scharen der Cherubim und Seraphim blieben bei ihm um seinen Thron, und die Sechsflügeligen bedeckten seinen Thron und sangen vor dem Angesicht des Herrn. 2 Nachdem ich alles gesehen, verließen mich die beiden Männer, und fortan sah ich sie nicht mehr. Sie ließen mich allein am Ende des Himmels; da fürchtete ich mich und fiel auf mein Angesicht. 3 Da sandte der Herr einen von seinen Glorreichen zu mir, Gabriel. Er sprach zu mir: Sei getrost, Henoch! Fürchte nicht die Heerscharen! Folg mir und bleib vor dem Herrn in Ewigkeit stehen! 4 Ich sprach zu ihm: Wehe mir, mein Herr! Meine Seele hat mich aus Schrecken verlassen. Ruf mir die zwei Männer, die mich an diesen Ort führten. Ihnen vertraue ich, und mit ihnen will ich vor den Herrn treten. 5 Da riß mich Gabriel weg, gleich einem vom Sturme weggerissenen Laub, und stellte mich vor den Herrn.

22 Henochs himmlische Gewandung

4 Da fiel ich nieder, konnte aber den Herrn, Gott, nicht sehen. Ich betete aber den Herrn an. 8 Und der Herr Gott sprach zu Michael: Nimm Henoch und entkleide ihn der irdischen Gewänder! Salb ihn mit süßem Öl und kleid ihn in die Gewänder der Glorie! 9 Und Michael entkleidete mich meiner Gewänder und salbte mich mit süßem Öl. Und dieses Öl war mehr, als strahlend Licht; seine Salbung glich süßem Tau; sein Duft glich der Myrrhe und sein Glanz den Sonnenstrahlen. 10 Als ich mich beschaute, war ich wie einer der Glorreichen ohne Unterschied. Furcht und Zittern fielen von mir ab. 4 Und der Herr rief mich mit seinem eigenen Mund und sagte: Henoch! Sei getrost! Fürchte dich nicht! Bleib vor mir in Ewigkeit stehen! 6 Und des Herrn Oberführer Michael führte mich vor Gottes Angesicht. Der Herr aber prüfte seine Diener und sprach zu ihnen: Lasset Henoch vor mir bis in Ewigkeit stehen! 7 Da beteten die Glorreichen den Herrn an und sprachen: Lasset ihn hintreten! 11 Da rief der Herr den Bretil, einen seiner Erzengel, ihn, der weise ist und alle Werke des Herrn aufschreibt. 12 Und der Herr sprach zu Bretil: Nimm die Bücher aus den Behältern! Gib Henoch eine Feder und diktiere ihm die Bücher an! Da brachte mir Bretil eilends die Bücher, die nach Myrrhen dufteten, und gab mir seine Feder.

23 Henochs schriftliche Aufzeichnungen

1 Und er beschrieb mir alle Dinge im Himmel, auf Erden und im Meer, die Läufe und Orte aller Elemente, die Jahreszeiten, der Tage Läufe und Änderungen, 2 die Gebote und die Lehren. 3 Und Bretil sprach zu mir dreißig Tage und Nächte; seine Lippen redeten unaufhörlich. 6 Auch ich schrieb, ohne auszurufen, den ganzen Inhalt nieder. Als ich fertig war, hatte ich 360 Bücher geschrieben.

24 Henochs Offenbarung

1 Da rief mich der Herr und stellte mich zu seiner Linken, nahe zu Gabriel hin. Ich betete den Herrn an. 2 Er sprach zu mir: Henoch! Du hast alle Dinge geschaut, die stehenden und die gehenden und durch mich vollendeten; ich zeige sie dir, bevor sie eine Form annehmen. Ich rief alle Dinge aus dem Nichtsein ins Dasein, aus dem Unsichtbaren ins Sichtbare. 3 Meinen Engeln offenbarte ich nicht meine Geheimnisse, noch sagte ich ihnen die Geheimnisse, noch ihre Grenzen, noch meine unendlichen und unbegreiflichen Schöpfungspläne. 4 Ich offenbarte das Licht; ich fuhr mitten durch das Licht; gleich einem der Unsichtbaren, gleich der Sonne auf ihrer Bahn von Ost nach West. 5 Ich faßte den Plan zu Schöpfungen und zur Erschaffung der sichtbaren Schöpfung.

25 Himmlische Geheimnisse

1 Ich gebot, daß im Untersten der sehr große Idoil hervorgehe, der im Leib einen sehr großen Stein hat. 2 Ich sprach zu ihm: Birst auseinander, Idoil! Es werde aus dir das Sichtbare geboren! 3 Da barst er auseinander. Und ein großer Stein kam aus ihm; daraus kam alle Kreatur, die ich erschaffen wollte, und ich sah, daß es gut war. 4 Ich stellte für mich einen Thron hin und setzte mich darauf. Ich sprach zu dem Licht: Steig höher hinauf! Mach dich selber fest und werde eine Grundlage für das Höchste! 5 Deshalb gibt es nichts Höheres als das Licht; ich sah es, auf meinen Thron gelehnt.

26 Die Grundlage der Schöpfung

1 Ich rief im Untersten ein zweites Mal und sagte, es solle aus dem Unsichtbaren ein sichtbares festes Ding kommen. Da kam Aruchas hervor, fest, schwer und ganz schwarz. 3 Ich sah, daß es passend war. Ich sprach zu ihm: Geh hinab und mach dich selber fest! So ward eine Grundfeste für das Unterste. Und unter der Finsternis gibt es nichts mehr.

27 Die Schöpfung

1 Einiges umhüllte ich mit Licht, machte es dicht 2 und breitete über die Finsternis eine Wasserstraße.

28 Die Schöpfung

1 Ich machte große Felsen fest 2 und gebot den unergründlichen Wogen, trockenes Land zu machen, 3 und in die Flüsse sammelte ich die Gewässer 4 und so flossen sie ins tiefe Meer und hier band ich sie mit einem Joch zusammen und gab der Erde und dem Meer eine ewige Grenze, die vom Wasser nicht durchbrochen wird. Dann machte ich die Feste und legte das Wasser darüber.

29 Die Sonne

1 Für alle himmlischen Heerscharen bildete ich die Sonne aus dem großen Licht und setzte sie an den Himmel, daß sie auf der Erde scheine. 3 Aus dem Gestein schnitt ich ein großes Feuer, und aus dem Gestein schuf ich die unsichtbaren Scharen, und alle Scharen der Sterne, der Cherubim, Seraphim und Ophannim hieb ich aus dem Feuer.

30 Die Erde und das Meer

1 Der Erde gebot ich, hervorzubringen alle Arten von Bäumen und hohen Hügeln, alle Sorten von Gras und Sämereien, bevor ich lebende Wesen schuf und Nahrung für sie bereitete. 7 Dem Meer befahl ich, seine Fische hervorzubringen, alle Arten von Gewürm, das auf Erden kriecht, Wild und Haustiere und alle gefiederten Vögel. 8 Als ich alles vollendet, befahl ich meiner Weisheit, den Mann zu erschaffen.

33 Henochs Auftrag

3 Henoch! Ich habe dir alles gesagt, und du hast alles auf Erden gesehen, und alles hast du in diese Bücher geschrieben. Ich habe die Erschaffung von all dem ersonnen; ich schuf vom Höchsten bis zum Niedrigsten. 4 Kein Ratgeber war dabei. Ich bin ewig und nicht mit Händen geschaffen. Mein Gedanke ist mein Berater, und mein Wort ist Tat, und meine Augen schauen auf alles. Wenn ich auf alles blicke, dann bleibt es; wende ich mich ab dann vergeht alles. 5 Nimm dich zusammen, Henoch, und erkenne den, der mit dir spricht! Nimm die Bücher, die du geschrieben! 6 Ich gebe dir die Engel Semiel und Rasuel[1] und den, der dich zu mir gebracht. Geh auf die Erde hinab und sag deinen Söhnen alles, was ich dir erzählte, und alles, was du gesehen vom untersten Himmel bis zu meinem Thron! 7 Alle Heerscharen habe ich geschaffen; niemand widersteht mir und ist mir nicht untertan. Alles ist meiner Alleinherrschaft unterworfen und dient meiner Herrschaft. 8 Gib ihnen die Bücher mit deiner Handschrift 10 und die Kinder sollen sie den Kindern geben, die Verwandten den Verwandten, das Geschlecht dem Geschlecht! Henoch! Sei der Mittler meines Heerführers Michael! und die deiner Väter Adam und Seth werden nicht vernichtet bis zum Ende der Zeiten. So habe ich es meinen Engeln Orioch und Marioch befohlen. Ich ließ ein Blatt auf die Erde fallen und hieß es für alle Zeiten aufbewahren, 12 ebenso die Handschrift deiner Väter, daß sie nicht in der Sintflut untergehe, die ich über dein Geschlecht bringen werde.

34 Gerichtsdrohung

1 Ich kenne ja der Menschen Bosheit; sie wollen nicht das Joch tragen, das ich ihnen auferlegte, noch den Samen säen, den ich ihnen schenkte. Sie warfen mein Joch ab und wollen ein anderes nehmen und säen leeren Samen und beten eitle Götter an. Sie werfen meine Einzigkeit. 2 Und die ganze Erde wird beben durch Ungerechtigkeit, Unbilden, Unzucht und Götzendienst. 3 Dann bringe auch ich eine Flut über die Erde, und die Erde wird in einem großen Chaos zusammenschrumpfen.

35 Noe

1 Ich lasse einen Gerechten samt seinem ganzen Hause übrig; er wird nach meinem Willen tun. Aus seinem Stamm ersteht ein anderes Geschlecht, groß und unersättlich. 2 Dann wird der Führer dieses Geschlechtes die Bücher deiner Handschrift offenbaren und die deiner Väter. Durch ihn werden die Wächter der Erde sie gläubigen Männern zeigen, 3 und sie werden davon jenem Geschlecht erzählen und es wird hernach mehr als früher verherrlicht werden.

36 Henochs Wegnahme angekündigt

1 Ich gebe dir, Henoch, jetzt eine Frist von dreißig Tagen, um dein Haus zu bestellen. Sag deinen Söhnen alles, was dein Herz erfüllt! Sie sollen es lesen und sich merken, daß es keinen Gott gibt, außer mir. 2 Nach dreißig Tagen sende ich meine Engel zu dir, und sie holen dich von der Erde und von deinen Söhnen, wie es mein Wille ist.

37 Henochs Engel

1 Da rief der Herr einen der Engel, den Obersten des Tartarus, und ließ ihn zu mir treten. Dieser Engel sah aus wie Schnee, und seine Hände waren wie Eis, und er kühlte mein Antlitz ab; denn ich konnte die große Hitze nicht ertragen und nicht den Schrecken. Und der Herr sprach also zu mir.

39 Henochs Abschiedsrede

1 Ich bin heute zu euch auf des Herrn Befehl gesandt, euch alles zu sagen, was ist und was wird bis zum Tage des Gerichtes. 2 Jetzt, meine Kinder, belehre ich euch nicht mit meinem Mund, sondern mit dem Mund des Herrn. 7 Ihr hörtet meine Worte aus meinem Mund; ich aber hörte des Herren Worte; sie glichen einem gewaltigen Donner mit fortwährendem Wolkenbruch. 6 Ich sah des Herrn Gewandung ohne Maß, unvergleichlich, endlos. 8 Jetzt höret meine Worte! Wie furchtbar und gefährlich ist es, vor einen irdischen König zu treten. Es ist fürchterlich und gefährlich, weil des Königs Wille Tod und Leben oder große Hitze bedeutet.

40 Henochs Wissen

1 Meine Kinder! Ich weiß alles aus des Herrn Mund. Das andere sahen meine Augen von Anfang bis zu Ende, auch die Plätze der Wolken, der regenbringenden und der donnernden. 9 Man zeigte mir die Engel, die sie und ihre Schlüssel verwahren. 10 Ich sah die Kammern des Schnees und des Eises und den Aufgang, wodurch sie gemessen aufsteigen. 9 Sie werden mit einer Kette emporgehoben und mit einer Kette niedergelassen, 10 damit sie nicht durch Heftigkeit die Wolken zerreißen und was auf Erden ist, vernichten, Luft und Frost. Ich schaute eine Zeitlang zu, wie die Schlüsselbewahrer die Wolken anfüllen und wie die Kammern doch nicht erschöpft werden. 11 Ich sah der Winde Lager, wie ihre Schlüsselbewahrer Wagschalen und Maßgefäße bringen. Dann legen sie die Winde zuerst in die Wagschalen und dann in Maße, hernach lassen sie sie aus den Maßgefäßen auf die ganze Erde, damit sie nicht durch heftiges Stürmen die Erde schwanken machen. 2 Von dort ward ich zum Gerichtsort geführt; da sah ich die Hölle offen, die Gefangenen und ein Gericht ohne Ende.

41 Furcht vor der Hölle

1 Bei diesem Anblick seufzte ich und weinte über das Verderben der Gottlosen. Ich sprach in meinem Herzen: 2 Selig ist, wer nicht geboren oder geboren, nicht gesündigt hat vor Gott, damit er nicht an diesen Ort komme und dies Joch nicht trage.

42 Die Hölle

1 Ich sah die Schlüsselbewahrer der Hölle den Toren gegenüber wie große Schlangen stehen. Ihr Antlitz glich erloschenen Lampen und ihre Augen verdunkelten Flammen, und ihre Zähne waren bis zu ihrer Brust entblößt. 2 Ich sprach vor ihnen: Ich hätte besser euch nicht gesehen. Möge keiner meines Stammes zu euch kommen! 3 Ich sah dort auch einen gesegneten Ort und lauter gesegnete Geschöpfe; sie alle lebten dort in Freude und in unermeßlicher Fröhlichkeit im ewigen Leben. 6 Dann sprach ich: Meine Kinder! Auch jetzt sage ich zu euch: Selig ist, wer Gott fürchtet und ihm dient. Ihr, meine Kinder, lernet, dein Herrn Gaben zu bringen, damit ihr euch des Lebens erfreuet! 7 Selig ist, wer gerecht richtet 9 und Waisen und Witwen, überhaupt jedem Unterdrückten hilft, 8 wer Nackte bekleidet und Hungrigen Brot gibt. 10 Selig ist, wer von dem verkehrten Wege läßt und auf dem geraden Pfade wandelt. 11 Selig ist, wer den Samen der Gerechtigkeit ausstreut; denn er erntet siebenfältig. 12 Selig ist, in dem die Wahrheit ist, so daß er mit dem Nächsten Wahres spricht. 13 Selig ist, in dessen Mund Erbarmen und Sanftmut. 14 Selig ist, der des Herrn Werke versteht und den Herrn Gott verherrlicht.

43 Gottesfurcht das Höchste

1 Meine Kinder! Alles, was auf Erden geschehen und ausgedacht werden kann, habe ich vom Herrn Gott aufgeschrieben. Winter und Sommer, alles habe ich zusammengefaßt. Den Jahren rechnete ich die Stunden aus, und die Stunden maß ich alle und schrieb sie auf und zeigte alle Unterschiede auf. 2 Ein Jahr ist beachtenswerter als das andere, ein Tag mehr als der andere eine Stunde mehr als die andere. Ähnlich ist ein Mann gerechter als der andere; der eine wegen des großen Wohlstandes, der andere wegen Gutherzigkeit, ein anderer wegen Verstandes und Klugheit und Schweigsamkeit der Zunge und des Mundes. 3 Niemand ist ja größer, als wer Gott fürchtet. Solche werden in Ewigkeit herrlich sein.

44 Der Mensch Gottes eigenes Geschöpf

1 Der Herr schuf mit eigenen Händen einen Menschen und machte seinem eigenen Antlitz ihn ähnlich. Der Herr Gott schuf alle großen und kleinen Dinge. Wer des Menschen Antlitz verachtet, verachtet das Antlitz des Herrn. 2 Des Herrn Zorn und ein groß Gericht dem, der einem Menschen ins Angesicht speit! 4 Selig ist, wer sein Herz auf einen solchen Menschen richtet, so daß er dem Gerichteten hilft und den zerbrochenen aufnimmt.

45 Opfer ein Prüfstein für den Menschen

2 Wer die Lichter vor dem Herrn mehrt, dem mehrt der Herr seine Vorratskammern. 3 Der Herr Gott braucht weder Brot, noch Lichter, noch Speise, noch Vieh; er prüft damit nur das Menschenherz.

49 Vorausbestimmtes Gericht

Ich schwöre euch, meine Kinder: Bevor es Menschen gab, ward schon die Gerichtsstätte hergerichtet, ein Maß und eine Wage, womit der Mensch geprüft wird. Sie stehen dort schon bereit.

Quelle

Paul Rießler: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel. Henochbuch, Dr. Benno Filser Verlag G.m.b.H., Augsburg 1928 wikisource

Anmerkungen

  1. Original unsicher. Meint wahrscheinlich 'Raguel'.