Ceridwen

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Ceridwen (walisisch [ke'ridwen], auch Carridwen oder Kerridwen) ist eine Gestalt mittelalterlicher Sagen der keltischen Mythologie von Wales.

Mythologie

Gwion Bach, Tegid Foel und Ceridwen

Sie soll die Gattin des Seegeistes Tegid Foel gewesen sein und Mutter der wunderschönen Creirwy und des Morfran ap Tegid sowie des abgrundtief hässlichen Afaggdu.[1] Um dessen Hässlichkeit auszugleichen, braute sie in einem magischen Kessel einen Trank, der ihren Sohn zum weisesten aller Wesen machen sollte. Gwion Bach, der den Kessel bewachen und den Trank ständig umrühren sollte, bekam, als der Trank vollendet war, zufällig die ersten drei Tropfen des heißen Gebräus auf seinen Daumen. Der steckte den Finger in den Mund, so dass der Zauber auf ihn anstelle von Afaggdus wirkte.[2] Aus Ärger darüber versuchte Ceridwen Gwion zu töten und so kam es zu einer langen Verfolgungsjagd. Der Junge wechselte die Gestalt zu einem Hasen; sie wandelte sich zu einer schwarzen Jagdhündin. Sie nahmen immer neue tierische und pflanzliche Gestalten an bis Gwion zu einem Getreidekorn wurde und sich im Korn versteckte. Ceridwen wurde zu einer Henne und pickte es auf.[3]

Bald darauf wurde Gwion als Sohn von Ceridwen wiedergeboren und wurde später der größte Dichter und Barde der Britannier. Diese Geschichte ist im Hanes Taliesin („Die Geschichte Taliesins“), einer walisischen Erzählung aus dem 16. Jahrhundert, überliefert. Ceridwen setzte ihren jungen Sohn in einem Boot auf dem Meere aus, wo er von Elphins gefunden und nach Hause getragen wurde. Hier wurde ihm der Name Taliesin („strahlende Stirne“) gegeben, da er sehr weise war.[2][1]

Ceridwen als die suchende Seele

„Im Grunde ist auch der Leib aus dem geistigen Universum heraus geboren, auch er hatte einst eine geistige Gestalt. Was den Menschen in seiner wahren Gestalt zeigt, ist heute verborgen. Als einen verborgenen Teil des sichtbaren Menschen sah man auch in diesen alten europäischen Mysterien das Menschenwesen in seiner wahren Gestalt an. Und man sah darin eine Isis, welche sucht nach dem, woraus sie entstanden ist. Einweihung war das Erlebenlassen des Ganzen jener Prozeduren, wodurch des Menschen Seele wieder das schauen konnte, woraus sie geboren ist, das Entwickeln der Fähigkeit der Seele, durch die sie sich wieder vereinigen kann mit dem geistigen Urgründe. Ob in der Tiefe des heiligen Haines oder in besonders dazu hergerichteten Mysterienstätten, ist gleichgültig; überall wurde der Kandidat in solche Lagen gebracht, durch die er den Anschluß an die geistigen Urgründe des Menschen finden konnte.

Das, was hinter der Sinnenwelt verborgen ist wie die Sonne hinter den Wolkenschleiern, die verborgenen geistigen Wesen nannte man hier «Hu»; «Ceridwen» aber war die suchende Seele. Und alle die Vorgänge der Einweihung waren so, daß dem Schüler gezeigt wurde: Der Tod ist ein Vorgang im Leben wie andere auch. Er ändert nichts am inneren Lebenskern des Menschen. Wo sich die Druidenmysterien dem Namen nach erhalten haben - Druide bedeutet Eingeweihter im dritten Grade -, wurde der Einzuweihende in einen todähnlichen Zustand gebracht, so daß er mit den Sinnen nichts wahrnahm. Sein Verstand schwieg. Wer nur in seinem Leibe lebt und nur mit seinem physischen Verstande wahrnehmen kann, dessen Werkzeug das Gehirn ist, der hat gar kein Bewußtsein in einem solchen Zustande, wo die Sinne schweigen. Das ist eben die Einweihung, daß die Sinne, das Gefühl, Gehör und so weiter schweigen, und daß dennoch, auch wenn das Gehirn schweigt, der Schüler Erlebnisse hat und Beobachtungen macht. Was da in uns Beobachtungen macht, das wurde die Seele, Ceridwen, genannt. Und was ihr entgegenkam wie dem äußeren Auge und Ohre Licht und Ton, die Welt der geistigen Tatsachen, das wurde Hu genannt. Die Ehe zwischen Ceridwen und Hu erlebten die Eingeweihten.

Solche Erlebnisse sind in den Mythen beschrieben. Wenn uns heute erzählt wird, daß die Alten verehrt hätten einen Gott Hu und eine Göttin Ceridwen, so ist das nur eine Umschreibung der Einweihung. Das ist der Grund der wirklichen Mythe. Es ist nur leere Rederei, wenn man sagt, solche Mythen hätten astronomische Bedeutung, Ceridwen sei der Mond und Hu die Sonne. Solche Mythen konnten nur entstehen dadurch, daß man sich bewußt war eines inneren Zusammenhanges zwischen der Seele, die sich erhebt, und dem Geiste der Sonne, nicht der physischen Sonne. Die Mysterien von Hu und Ceridwen, das waren diejenigen, in welche die Menschen in diesen Gegenden hier eingeweiht wurden.“ (Lit.:GA 57, S. 425f)

Ceridwen und die Weiße Loge des Nordens

„Die Kelten hatten Priester, die wir Druidenpriester nennen. Diese waren zentriert in einer großen Loge, in der nordischen Loge. Dies hat sich erhalten in der Sage vom König Artus und der Tafelrunde. Tatsächlich hat diese Loge der nordischen Initiierten bestanden, die heilige Loge der Ceridwen - die Weiße Loge des Nordens. Später wurde sie der Bardenorden genannt. Diese Loge bestand noch lange bis in die späteren Zeiten hinein. Aufgelöst wurde sie erst im Zeitalter der Königin Elisabeth. Dann zog der Orden sich ganz von dem physischen Plan zurück. Davon geht alles aus, was wir an altgermanischen Sagen haben. Alle germanische Dichtung geht zurück auf die ursprüngliche Loge von Ceridwen, die auch der Zauberkessel der Ceridwen genannt worden ist. Derjenige, welcher am meisten gewirkt hat noch bis herein in die ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt, das war der große Initiierte Meredin, der uns erhalten ist unter dem Namen des Zauberers Merlin. Er war genannt «der Zauberer der nordischen Loge».“ (Lit.:GA 92, S. 39f)

Der Heilige Gral und die Schale der Ceridwen

„Als die uralte Blutsverwandtschaft durchbrochen wurde, ging in den Mysterien etwas Besonderes vor sich. Was ehemals durch die Blutsverwandtschaft erreicht worden war, wurde nun ersetzt durch zwei bestimmte geistige Präparate in den hohen Mysterien. In den niederen Mysterien waren die äußeren Symbole dafür vorhanden. Diese äußeren Symbole waren Brot und Wein. Was als jene zwei Präparate vorlag, es waren Stoffe, die geistig etwas Ähnliches bewirkten wie physisch das Blut in den Adern. Als das alte Hellsehen verlorenging, wurde dies also ersetzt durch den Genuß dieser Präparate. Wenn man die ganze theosophische Weisheit gelernt hatte, bekam man damals diese Symbole aus der Schale der Ceridwen. Das war es, was als geläutertes Blut aus dem von oben herab sich öffnenden Kelch den Menschen gegeben werden konnte. Es ist dies, was als das eigentliche Mysterium besteht, dann auf eine sehr kleine Körperschaft übergegangen.

In andern Gegenden Europas sind die Mysterien verfallen und auf eine abscheuliche, abstoßende Weise profaniert worden. Da findet man als Symbol des Opfers eine Schale, in die ein blutendes Haupt gelegt wurde. Man hatte die Meinung, daß in dem Menschen durch den Anblick dieses Hauptes etwas erweckt werden könne. Was da vorgenommen wurde, war schwarze Magie. Es war der Gegensatz zu dem Geheimnis des Heiligen Gral.

Man wußte damals, daß das, was im Blütenkelch nach oben strömt, im menschlichen Blute lebt. Das mußte wieder rein und keusch werden wie der Blütensaft. In den entarteten Mysterien hat man das in eine grobe materialistische Form gebracht. Im Norden brauchten sie als Symbol in den Mysterien das sublimierte Blut und in den eleusinischen Mysterien den Wein des Dionysos und das Brot der Demeter. Das abscheulich gemachte Gralsgefäß mit dem blutenden Haupte finden wir wieder bei der Herodias mit dem Haupt des Johannes. Sie lacht über das profanierte Mysterium. Das eigentliche Geheimnis der hohen Mysterien ist übergegangen auf die Tempeleisen im Norden Spaniens, die Gralshüter. Während die Ritter des Artus sich mehr mit den weltlichen Angelegenheiten befaßten, konnten die Tempeleisen vorbereitet werden, ein noch höheres Geheimnis aufzunehmen, nämlich zu verstehen das große Geheimnis von Golgatha, das weltgeschichtliche Mysterium.

Das Christentum ist hervorgegangen aus dem allerstärksten Völkergemisch, den Galiläern, aus denen, die ganz fremd draußen stehen, außerhalb aller Blutsgemeinschaft. Der Heiland ist derjenige, der mit seinem Reiche ganz und gar nicht mehr fußt auf der alten Blutsgemeinschaft, der jenes Reich begründet, das jenseits aller Blutsgemeinschaft liegt. Das sublimierte Blut, das Blut, das geläutert ist, sprießt aus dem Opfertode, dem Reinigungsprozeß, hervor. Das Blut, das Wünsche und Begierden erzeugt, das muß rinnen, geopfert werden, hinfließen.

Das heilige Gefäß mit dem geläuterten Blut wurde nach Europa zu den Tempeleisen auf dem Berge Montsalvatsch gebracht. Titurel, der Ahnherr, hat den Gral empfangen, vorher war er ersehnt worden. Jetzt war die Überwindung des Blutes vor sich gegangen. Es war das rein Physische des Blutes durch das Geistige überwunden worden.“ (Lit.:GA 97, S. 264f)

Deutung und Attribute

Es wird oft vermutet, dass Ceridwen auf eine alte keltische Gottheit zurückzuführen ist. Viele setzen sie der irischen Brigid gleich. Ceridwen ist eine Hüterin des Kessels der Anderswelt und die Herrin des Getreides. Dargestellt wird sie zumeist als alte Frau, mit dunklen prophetischen Eigenschaften. Als Symbol der Fruchtbarkeit wird sie zumeist von einer Muttersau begleitet. Ihre beiden Kinder Creirwy und Afaggdu waren in Aussehen und Wesen gegensätzlich, so war ihre Tochter als das schönste Mädchen bekannt, das je geboren wurde. Sie war warmherzig und strahlte Licht aus. Ihr Sohn hingegen galt als der hässlichste Knabe, der je gelebt hat. Er war kalt und abweisend und zeichnete sich durch ein dunkles Gemüt aus.[3] Aus dieser Darstellung einer alten Frau mit einem brodelnden Kessel entstand vermutlich das Bild der Hexe im Volksmärchen.[2]

Siehe auch

Literatur

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Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
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Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1  Felix Korn: Etymologisch-symbolisch-mythologisches Real-Wörterbuch zum Handgebrauch für Bibelforscher, Archäologen und bildende Künstler, enthaltend die Thier-, Pflanzen-, Farben- und Zahlensymbolik: mit Rücksichtnahme auf die symbolische …. Band 1, Cast, Stuttgart 1843, S. 337–339, OCLC 833121377 (online).
  2. 2,0 2,1 2,2  Wilhelm Vollmer, W. Binder, Johannes Minckwitz: Dr. Vollmer’s Wörterbuch der Mythologie aller Völker. Hoffmann, Stuttgart 1874, OCLC 10203756 (Ceridwen – Britt. Mythologie).
  3. 3,0 3,1 Der Kessel der Ceridwen. In:  Diana L. Paxson: Die heilige Insel. […]: Die Herrin von Camelot / mit einem Nachw. von [[Wikipedia:Helmut W. Pesch|]]. 1. Auflage. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-404-20484-0, S. 259–278 (Nachwort: Der Heilige Gral und die Schätze Britanniens).


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