Eugenetik

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Eugenik oder Eugenetik (von griech. eugenes, „wohlgeboren“; aus eu, „gut“ und genos, „Geschlecht“) ist die Anwendung der Erkenntnisse der Humangenetik auf ganze Völker. Der Begriff wurde 1883 vom britischen Anthropologen Francis Galton (1822-1911), einem Vetter ersten Grades von Charles Darwin, geprägt und zielt letzlich auf einen reinen Sozialdarwinismus hin. Galton sah Eugenik als eine Wissenschaft an, deren erklärtes Ziel es ist, durch rechte Zuchtwahl den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen in der Bevölkerung zu vergrößern. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde die Eugenetik als Rassenhygiene propagiert.

Rudolf Steiner hat wiederholt sehr nachdrücklich auf das Verfehlte dieses rein materialistischen Konzepts hingewiesen, das dem gegenwärtigen Entwicklungszustand der Menschheit in keiner Weise angemessen ist. Steiners diesbezügliche Aussagen sind heute auch im Hinblick auf die moderne Gentechnik und ihrer trotz der gegenwärtigen internationaler Ächtung drohenden direkten oder indirekten Anwendung auf den Menschen von brennender Aktualität:

"Da hat es einen Kongreß gegeben, der im Jahre 1912 in London stattgefunden hat über eine ganz neue Wissenschaft: Eugenetik. Man hat ja gewöhnlich hochtrabende Namen gerade für das, was an sich am dümmsten ist. Die Ideen dieser Eugenetik, die gingen eigentlich aus den Gehirnen, nicht aus den Seelen der Menschen hervor. Was will diese Eugenetik? Sie will Einrichtungen treffen, so daß künftighin nur ein gesundes menschliches Geschlecht gezeugt wird, daß nicht minderwertige Individuen gezeugt werden; sie will nach und nach durch die Verbindung von Nationalökonomie und Anthropologie Gesetze finden, um Männer und Frauen durch Gesetze so zusammenzubringen, daß ein möglichst starkes Geschlecht zustandekommt.

Ja, über diese Dinge fängt man schon an durchaus nachzudenken. Das Ideal dieses Kongresses, dem der Sohn Darwins vorgesessen hat, bestand darin, verschiedene Gesellschaftsklassen daraufhin zu untersuchen, wie groß der Schädel ist bei den Reichen, wie groß der Schädel ist bei den Armen, die weniger lernen können, wie groß die Empfindungsfähigkeit bei den Reichen, wie groß die Empfindungsfähigkeit bei den Armen ist, wie stark der Widerstand ist, den die Reichen der Ermüdung entgegenbringen können, wie stark der Widerstand ist, den die Armen der Ermüdung entgegenbringen können und dergleichen mehr. Und nun versucht man, auf diese Weise Ansichten zu gewinnen über die menschliche Körperlichkeit, die vielleicht einmal in der Zukunft dazu führen können, daß man genau aufstellt: so muß er aussehen, so muß sie aussehen, wenn es einen richtigen Zukunftsmenschen geben soll; solch einen Grad von Ermüdungsfähigkeit muß er haben, solch einen Grad von Ermüdungsfähigkeit muß sie haben, solch eine Schädelgröße bei ihm, dazu eine passende Schädelgröße bei ihr und so weiter.

Das ist ein Rumoren, ein natürliches Rumoren in den von den Seelen leer gewordenen Gehirnen, ein Rumoren derjenigen Ideen, die eine Realität in der atlantischen Zeit hatten. Da war es wirklich so, daß es gewisse Gesetze gab, durch welche die Menschen Größe, Wachstum und alles mögliche durch Kreuzen, Überkreuzen und dergleichen bewirken konnten. Das war dazumal eine Art von Wissenschaft, eine ausgebreitete Wissenschaft, die - wie ich Ihnen gestern wieder angedeutet habe - gerade im atlantischen Zeitalter so sehr mißbraucht worden ist. Diese Wissenschaft, die aus der Verwandtschaft der Körperlichkeit heraus arbeitete, wußte: Wenn man solch einen Mann mit solch einer Frau - und Mann und Frau waren in der damaligen Zeit wesentlich verschiedener als heute - zusammenbringt, entsteht ein solches Wesen, und dann kann man wiederum, so wie es heute der Pflanzer macht, variieren. Die Mysterien haben dann aus diesem Sich-Kreuzen, aus diesem Zusammenbringen des Verwandten und Verschiedenen Ordnung gemacht; sie haben Gruppen gebildet und der Menschheit entzogen, was ihr entzogen werden mußte. Es entstand aber wirklich schwärzest-magischer Unfug durch das, was da im atlantischen Zeitalter getrieben worden ist, und Ordnung ist erst dadurch eingetreten, daß man Klassen gebildet hat, daß man diese Dinge den Menschen entzogen hat. Und auf diese Weise sind die Nationen entstanden, die heutigen Rassen entstanden. Das hat mitgewirkt bei der Bildung der heutigen Rassen. Und auch die Nationenfrage rumort wieder im gegenwärtigen Zeitalter als Nachklang der seelenlosen Gehirne aus der atlantischen Zeit. Wieviel spricht man heute von Nationenfragen. Aber es spricht nur die Körperlichkeit. Die zurückgezogene Geistigkeit gehört heute schon einer ganz andern Welt an. Das ist die Diskrepanz zwischen der Wirklichkeit und all den Deklamationen, die sich heute auf das sogenannte Nationalprinzip beziehen. Das kann niemals deshalb zu einem Heil führen, sondern muß immer und immer wieder in das Chaos hineinführen, wenn man die Politik auf die Nationenfragen stellen will, die nicht mehr Fragen der Gegenwart sind, weil die Seele ganz andern Ordnungen und ganz andern Zusammenhängen angehört, als diejenigen sind, die sich im leiblichen Wesen ausdrücken. Das sind alles Dinge, die gewußt werden müssen, die aber nur durch die Geisteswissenschaft gewußt werden können. Dieses Rumoren in den von den Seelen leer gewordenen Gehirnen, das ist die Ursache davon, daß in der heutigen Zeit solche Bestrebungen auftauchen, die den Menschen nach gewissen Gesetzen gestalten wollen." (Lit.: GA 177, S. 91ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister der Finsternis., GA 177 (1985), Fünfter Vortrag, Dornach, 7. Oktober 1917
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