Guido Cavalcanti

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Guido Cavalcanti (* um 1255 in Florenz; † 1300 ebenda) war ein italienischer Dichter und Jugendfreund von Dante Alighieri (1265 - 1321).

Leben und Werk

Guido Cavalcanti wurde um 1255 in Florenz als Sohn einer reichen Familie von Kaufleuten geboren. Sein Vater Cavalcante de' Cavalcanti - den Dante in seinem Inferno im Höllenstrafkreis der Epikureer und Häretiker darstellt - gehörte zur Partei der Guelfen und ging nach dem Sieg der Ghibellinen 1260 nach Lucca ins Exil. 1266 kehrte der Vater wieder nach Florenz zurück und verheiratete seinen Sohn Guido 1267 mit Beatrice aus der ghibellinischen Familie der Farinata degli Uberti.

Guido Cavalcanti nahm seit den 80er-Jahren regen Anteil an den politischen Zwistigkeiten in Florenz und vertrat dabei, wie sein Vater, die Interessen der Guelfen und ihrer 'weißen' Fraktion. 1284 gehörte er - gemeinsam mit Dino Compagni und Brunetto Latini - dem Rat der Kommune an, 1294 wurde er vorübergehend mit einem Verbot politischer Betätigung belegt, und im Juni 1300 wurde er vom Priorat, dem auch sein Freund Dante angehörte, zusammen mit anderen führenden Vertretern der Weißen und der Schwarzen aus Florenz verbannt. Im Exil in Sarzana erkrankte er, mutmaßlich an Malaria, und als im selben Jahr das Verbannungsurteil aufgehoben wurde, kehrte er schwer erkrankt nach Florenz zurück, wo er im August verstarb.

Als Dichter zählt Guido Cavalcanti mit Dante, Dino Frescobaldi und Cino da Pistoia zu den Hauptvertretern der Stilrichtung des Dolce stil novo, die sich zum Kreis der Fedeli d'Amore, der „Getreuen der Liebe“, zusammenschlossen. Von Cavalcanti sind 52 Gedichte (36 Sonette, 11 Balladen und 2 Kanzonen) erhalten, die die aus der okzitanischen Trobadordichtung übernommene höfische Liebekonzeption zu einer mit naturphilosophischen und medizinischen Inhalten überformten Doktrin von der schicksalhaften Macht der Liebe ausbauen, die hierbei von Cavalcanti stärker als von seinen Mitstreitern mit einer pessimistischen Grundhaltung in ihren pathologischen und destruktiven Merkmalen betont wird.

Mit ihrer gesuchten sprachlichen und rhetorischen Schwierigkeit sind die Gedichte Cavalcantis ausdrücklich nicht auf Breitenwirkung, sondern auf die Rezeption in einer Elite von gleichgesinnten Dichtern und Gelehrten angelegt. Seine Dichtung hat nachhaltig nicht nur auf Dante (der ihm die Vita nova widmete und ihn als den Primus unter den „famosi trovatori“ rühmte) und andere Dichter seiner Zeit, sondern auch noch auf Petrarca und Marsilio Ficino gewirkt.

Donna me prega

Cavalcantis bekanntestes Werk ist die Kanzone Donna me prega, die schon von Dino del Garbo mit einem lateinischen Kommentar versehen wurde und bis heute als eines der wichtigsten Dokumente für die Amordoktrin im italienischen Duecento gilt.

Donna me prega, - per ch'eo voglio dire
d'un accidente - ehe sovente - e fero
ed e si altern - ch'e chiamato amore:
si chi lo nega - possa '] ver sentire!
Ed a presente - conoscente - chero,
perch'io no spero - ch'om di bassa core
a tal ragione porti canoscenza:
ehe senza - natural dimostramento
non ho talento - di voler provare
la dove posa, e chi lo fa creare,
e qua! sia sua vertute e sua potenza,
l'essenza - poi e ciascun suo movimento,
e 'l piacimento - ehe 'l fa dire amare,
e s'omo per veder lo po mostrare.

In quella parte - dove sta memora
prende suo stato, - si formato, - come
diaffan da lume, - d'una scuritate
la qua! da Marte - vene, e fa demora;
elli e creato - (ed ha, sensato, - nome),
d'alma costume - e di cor volontate.
Ven da veduta forma ehe s'intende,
ehe prende - nel possibile intelletto,
come in subietto, - loco e dimoranza.
In quella parte mai non ha possanza
perche da qualitate non descende:
resplende - in se perpetüal effetto;
non ha diletto - ma consideranza;
si ehe non pote largir simiglianza.

Non e vertute, - ma da quella vene
ch'e perfezione - (ehe si pone - tale),
non razionale, - ma ehe sente, dico;
for di salute - giudicar mantene,
ehe la 'ntenzione - per ragione - vale:
discerne male - in cui e vizio amico.
Di sua potenza segue spesso morte,
se forte - la vertu fosse impedita
la quale aita - la contraria via:
non perche oppost' a naturale sia;
ma quanto ehe da buon perfetto tort' e
per sorte, - non po dire om ch'aggia vita,
ehe stabilita - non ha segnoria.
A simil po valer quand'om l'oblia.

L'essere e quando - lo voler e tanto
ch'oltra misura - di natura - torna,
poi non s'adorna - di riposo mai.
Move, cangiando - color, riso in pianto,
e la figura - con paura - storna;
poco soggiorna; - ancor di lui vedrai
ehe 'n gente di valor lo piu si trova.
La nova - qualita move sospiri,
e vol ch'om miri - 'n non formato loco,
destandos' ira la qua! manda foco
(imaginar nol pote om ehe nol prova),
ne mova - gia pero ch'a lui si tiri,
e non si giri, - per trovarvi gioco,
ne certamente gran saver ne poco.

De simil tragge - complessione sguardo
ehe fa perere - lo piacere - certo:
non po coverto - star, quand'e si giunto.
Non gia selvagge - Je bielra son dardo,
ehe tal volere - per temere - e sperto:
consiegue merto - spirito ch'e punto.
E non si po conoscer per lo viso:
compriso, - bianco in tale obietto cade;
e, chi ben aude, - forma non si vede:
dunqu' elli meno, ehe da lei procede.
For di colore, d'essere diviso,
assiso - 'n mezzo scuro, luce rade.
For d'ogne fraude - dico, degno in fede,
ehe solo di costui nasce mercede.

Tu puoi sicuramente gir, canzone,
la 've ti piace, ch'io t'ho si adornata
ch'assai laudata - sara tua ragione
da le persone - c'hanno intendimento:
di star con l'altre tu non hai talento.

Mich bittet eine Frau; so will ich sagen
von einem Akzidens, das wild zuzeiten
und derart groß ist, daß mans nennt „die Liebe“.
Leugnern sei die Wahrheit vorgetragen -:
doch hierfür fordr ich einen Eingeweihten -
an Menschen niedren Herzens nämlich bliebe
vergeudet solcherlei Begriffs-Umzirkung.
Dennn ohne philosophisches Bemessen
hab ich nicht Lust noch Laune abzustecken,
worin es wohnt, wodurch es zu erwecken
und welches seine Art und seine Wirkung;
das Wesen dann und jede Regung dessen,
die Reize, die uns ködern, statt zu schrecken,
und ob es sich dem Auge läßt entdecken.

An jener Stelle, wo sich das Gedächtnis
befindet, nimmt es seinen Sitz, gestaltet
(wie Transparenz durch Licht) durch eine Schwärze,
die sich hier niederläßt, des Mars' Vermächtnis.
Es ist geschaffen, ist benannt; es waltet
als Norm und Sehnsucht über Seel und Herze.
's kommt von geschauter Form; diese bleibt haften
im möglichen Verstand als im Subjekte,
dort ihren Platz und Wohnsitz zu belegen.
An jener Stelle kann es nichts bewegen,
hängt dieser doch nicht ab von Eigenschaften:
es strahlt in ihm das ewig-Unbezweckte.
Nicht Lust - Betrachtung nur kann er erregen;
einen Vergleich bringt er uns nicht entgegen.

Nicht ist es Fähigkeit, doch ists verbunden
mit der, die man betrachtet als Vollendung
nicht der Vernunft, nein: dessen, was empfindet;
es hält das Urteil jenseits des Gesunden,
denn Neigung schlägt das Denken mit Verblendung:
schlecht urteilt, wem dies Übel sich verbindet.
Von seiner Macht wird oft der Tod gespendet,
hemmt etwas jene Eigenschaft und Gabe,
die gegenteiliger Straße Hilfe brächte -
nicht, weil sichs wider die Natur erfrechte -:
doch wen es dem vollkommnen Gut entwendet,
der kann nicht sagen, daß er Leben habe:
nicht ist er seiner Herr. Und ähnlich rächte
es sich an dem, der seiner nicht gedächte.

Sein Wesen liegt im derart Ungemeinen
des Wollens, daß Natur und Maß zerschellen;
nie schmückt es sich mit Ruh, sich neu zu stärken.
Es macht, entfärbend, aus dem Lachen Weinen
und läßt das Antlitz sich durch Angst entstellen;
kurz dauert es; auch wirst du von ihm merken,
Daß es sich meist in edlen Menschen findet.
Die neue Eigenschaft macht Seufzer quellen,
auf etwas starren, was nie fest umrissen,
und glühn in eines Zornes Bitternissen,
dem unvorstellbar, der ihn nicht empfindet,
der Lockung nicht entfliehn noch sich gesellen,
dort Lust zu finden, statt sie hier zu missen,
nicht aber wenig oder viel an Wissen.

Aus gleicher Artung wird von ihm gezogen
ein Blick, als ob er sichre Lust gelobe:
kommt es so weit, so zeigt es sich auch offen.
Nicht spröde Reize nur sind Pfeil dem Bogen,
denn Angst stellt solches Wollen auf die Probe:
Belohnung wird dem Geist, den es getroffen.
Und nicht kann man es durchs Gesicht erhellen,
„Weiß“ wird vor solchem Gegenstand zuschanden;
und - hört mich gut! - die Form kann man nicht sehen,
noch minder, was sie läßt aus sich entstehen.
Jeneits von Farbe, fern dem Essentiellen,
im Dunkel selbst, bringt es das Licht abhanden.
Ich sage, ohn die Wahrheit zu verdrehen:
von diesem nur pflegt Gnade auszugehen.

Du kannst, wohin du möchtest, sicher wandern,
Hab ich doch derart dich geschmückt, Kanzone,
Daß deine Lehre wohl mit Lob bei andern
bestehen wird, die das Geheimnis teilen.
Nicht wünschst du, bei den übrigen zu weilen.[1]

Ausgaben

  • Sämtliche Gedichte. = Tutte le rime (= Italienische Bibliothek. Bd. 5). Übertragen und herausgegeben von Tobias Eisermann und Wolfdietrich Kopelke. Narr, Tübingen 1990, ISBN 3-8233-4054-9
  • Le Rime. = Die Gedichte. Italienisch – deutsch. Nach einer Interlinearübersetzung von Geraldine Gabor in deutsche Reime gebracht von Ernst-Jürgen Dreyer. Mit Anmerkungen von Geraldine Gabor. Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, Mainz 1991, ISBN 3-87162-009-2

Literatur

  • Tobias Eisermann: Cavalcanti oder die Poetik der Negativität (= Romanica et comparatistica. Bd. 17). Stauffenburg-Verlag, Tübingen 1992, ISBN 3-923721-67-6 (Zugleich: Bonn, Universität, Dissertation, 1989)
  • Giulio Salvadori: La poesia giovanile e la Canzone d'amore di Guido Cavalcanti, Società editrice Dante Alighieri, Roma 1895 archive.org

Weblinks

Einzelnachweise

  1. nach der Übersetzung von Ernst-Jürgen Dreyer (1991), S. 66ff.
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