Indien

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Der indische Subkontinent mit den heutigen Staatsgrenzen.

Indien nimmt den größten Teil des südlich des Himalayas gelegenen indischen Subkontinents ein und war Schauplatz der Indus-Kultur, die zu den ältesten Hochkulturen der Welt zählt und sich in der Frühzeit der ägyptisch-chaldäischen Kulturepoche (2907 - 747 v. Chr.) entfaltete. Die von Rudolf Steiner oftmals erwähnte urindische Kultur (7227 - 5067 v. Chr.) hat keine historisch fassbaren Zeugnisse hinterlassen, ihr geistiges Erbe wirkt aber bis heute nach.

„Gehen wir zurück in das ehrwürdige Leben des alten Indiens und betrachten wir, wie es sich nach und nach entwickelt hat bis in die neuesten Zeiten herauf; denn Sie wissen ja, für keines der Gebiete des eigentlichen Lebens auf der Erde, die uns bekannt sind, gilt in so hohem Maße wie für Indien die Tatsache, daß dasjenige, was Charakteristikum uralter Zeiten war, sich erhalten hat bis in die neuesten Zeiten herauf. Für kein Gebiet gilt das mehr als für das Leben innerhalb der indischen und einiger anderen asiatischen Kulturen. Bis in die neuesten Zeiten herauf haben sich die Gefühle, die Empfindungen, die Gedanken, die Anschauungen erhalten, die wir schon finden in diesen Volksgebieten in ururalten Zeiten. Das ist das Eindrucksvolle, daß sich in diesen Kulturen erhalten hat ein Abglanz uralter Zeiten, daß, wenn wir das betrachten, was sich bis in unsere Zeit herein erhalten hat, wir sozusagen in die alten Zeiten zugleich hineinschauen.“ (Lit.:GA 155, S. 71)

„Zunächst finden wir da, aufs höchste verehrt, aufs höchste geheiligt, dasjenige, was man nennen kann die Andacht, die Hingabe an das Geistige. Und um so mehr geheiligt und gewürdigt finden wir diese Hingabe an das Geistige, je mehr der Mensch in der Lage ist, in sich selbst Einkehr zu halten, still in sich zu leben und das Beste, was in ihm ist, abgesehen von aller Wirksamkeit in der äußeren Welt, abgesehen von allem, was der Mensch sein kann auf dem physischen Plane, hinzulenken zu den Urgründen der geistigen Welten. Als höchste Pflicht sehen wir diese andächtige Hinlenkung der Seele zu den Urgründen des Daseins bei denjenigen, welche zur obersten Kaste des indischen Lebens gehört haben oder gehören, bei den Brahminen. Alles, was sie tun, alle ihre Impulse sind hingeordnet nach dieser Andacht; und es gibt nichts, was das sittliche Empfinden und Fühlen dieser Menschen tiefer beeindruckt, als diese Hinlenkung nach dem Göttlich-Geistigen in einer alles Physische vergessenden Andacht, in einer intensiv tiefen Selbstbeobachtung und Selbstentäußerung. Und wie das sittliche Leben dieser Menschen von dem eben Bezeichneten durchdrungen wird, das können Sie aus der anderen Tatsache ersehen, daß diejenigen, welche, namentlich in älteren Zeiten, anderen Kasten angehört haben, es als selbstverständlich ansehen, daß die Kaste der Andacht, die Kaste des religiösen und rituellen Lebens als etwas Ehrwürdiges und Ausgesondertes betrachtet wird. So war das ganze Leben durchzogen von diesen eben charakterisierten Impulsen der Hinlenkung auf das Göttlich-Geistige. Das ganze Leben stand in dem Dienste dieser Hinlenkung, und mit allgemeinen Moralprinzipien, die irgendeine Philosophie begründet, kann man das nicht verstehen, um was es sich hier handelt. Man kann es nicht verstehen aus dem Grunde, weil in den Zeiten, in denen im alten Indien sich diese Dinge entwickelt haben, sie zunächst bei anderen Völkern unmöglich gewesen sind. Diese Impulse brauchten das Temperament, den Grundcharakter gerade dieses Volkes, damit sie sich in dieser Intensität entwickeln konnten. Dann gingen sie im Verlaufe der äußeren Kulturströmung von da aus und verbreiteten sich über die übrige Erde hin. Wenn wir das, was unter dem Göttlich-Geistigen gemeint ist, verstehen wollen, so müssen wir zu dieser Urquelle gehen.“ (S. 72f)

„Können wir uns hineinfühlen in dieses heute greisenhaft gewordene Indische, in das im Grunde schon alt gewesene zur Zeit der Vedendichtungen, der Vedantaphilosophie? Haben wir aber eine durch Geisteswissenschaft anerzogene Seelenverfassung, um aus dem Späteren das Frühere zu erschauen, wie man aus dem alt gewordenen Menschen, weil man dafür einen Blick hat, auf die Kindheit schauen kann, dann kommt man allerdings zu einer Anschauung auch über das Urindische. Aber man sagt sich dann auch, dieses Urindische, es ist ganz zweifellos eine Art von Kultur gewesen, welche grundverschieden von der unsrigen ist. Diese Kultur muß ganz durch und durch geistig gewesen sein und muß den Menschen ganz besonders als Geistiges aufgefaßt haben. Und man sagt sich dann, wenn man die Mannigfaltigkeit desjenigen betrachtet, was gerade im Indischen einem entgegentritt, gegenüber der Vedendichtung mit ihrer Bildlichkeit, die aber im lyrischen Element bleibt, der scharfsinnigen Vedantaphilosophie, der inbrünstigen Yogaphilosophie: Da muß sich im Laufe der Zeit Kultur mit Kultur gemischt haben; da muß einfach einmal eine Urkultur dagewesen sein ganz geistiger Art. Dann aber muß darüber dasjenige gezogen sein, was schon weniger geistig war, und was dann seinen Niederschlag in der Vedendichtung gefunden hat. Dann muß sich niedergeschlagen haben dasjenige, was in der inbrünstigen Yogaphilosophie aufgetaucht ist. Unmöglich kann das alles aus einem Volk herausgekommen sein. Dahaben sich Völker durcheinandergeschoben mit verschiedenen Anlagen. Das eine hat die Yogalehre, das andere die Vedendichtung gebracht. Diese Völkerschaften haben ein Urindisches schon vorgefunden, mit dem sie sich dann durchdrungen haben, dem sie dasjenige entnommen haben, was reif und alt war, aber in den Menschen abgestorben. Die eindringenden Völker kamen mit frischem Blute dazu; sie gestalteten dasjenige, was die Menschen, die in der Dekadenz waren, nicht weiter ausbilden konnten. Und so ging es weiter. So kam allmählich der gegenwärtige Zustand zustande; und man wird dann nicht mehr sehr weit davon sein, die uralte indische Kultur mit dem zu vergleichen, was als Überreste vorhanden ist in den Gegenden, in denen sich die heutige Zivilisation entwickelt hat. Man wird mit den Menschen Urindiens diejenigen Menschen vergleichen, die die merkwürdigen Bilder gemalt haben könnten, die sich da zeigen in Westeuropa, diese eigentümlichen Bilder in ihrer, ich möchte sagen, tiefen Eindruck machenden Linienführung. Wenn man diese Bilder sieht, wenn man sich in dasjenige hineinversetzen kann, was eine Menschenseele durchlebt, indem sie gerade solche Bilder ausführt, dann kommt man dazu, sich zu sagen: Ja, gewiß, in diesen Bildern ist etwas sehr Primitives enthalten, manchmal etwas, wie es begabte heutige Kinder malen; aber doch noch etwas anderes. Man sieht diesen Bildern an, wie die Menschen in einer gewissen Liebe zur äußeren Natur, die sie umgibt, gelebt haben; und man sieht, daß diese Bilder aus tiefen inneren Impulsen heraus gemalt sind; man sieht, ich möchte sagen, daß sie von Menschen gemalt sind, die nicht erst mit den Augen austüftelten, wie sie Linien zu führen haben, Farben zu setzen haben, sondern die aus ihren inneren Erlebnissen heraus dasjenige bilden, malen, was tief, ich möchte sagen, in ihrem Leibe saß. Vergleicht man dieses mit dem, was sich abgesetzt hat in der urindischen Kultur, dann findet man dennoch eine Verwandtschaft. Im Westen Europas tritt die Sache primitiv auf, und es bleibt beim Primitiven zunächst; drüben in Asien, in Südasien, entwickelt sich es weiter und weiter, weil es immer befruchtet wird von anderen Volksstämmen; und es entwickelt sich herauf bis zu der Vedantaphilosophie. Würde ich diese Dinge geisteswissenschaftlich, wie ich es öfters getan habe, vortragen, so würden Sie sehen, daß man da noch mit einer ganz anderen Konkretheit an die Sache herantreten kann.“ (Lit.:GA 325, S. 101ff)

„Derjenige, der von diesem Gesichtspunkte aus sich in die Begriffe, in die wunderbaren Begriffe der Vedantaphilosophie vertieft, der sieht in ihnen gewissermaßen, ganz ins Abstrakt-Geistige umgesetzt, durchaus die Linienführung der Malereien in den Höhlen von Spanien und Südfrankreich. Und nicht auffällig wird es ihm daher sein, selbst aus der äußeren Forschung heraus, daß ihm die Geisteswissenschaft vorträgt, wie eine gemeinsame Urbevölkerung, die etwa gesucht werden muß im Anfange des 8. vorchristlichen Jahrtausends, die sich allmählich ausgebreitet hat über die bewohnbaren Gegenden Europas, Afrikas und Asiens und die je nach den verschiedenen Lebensverhältnissen diese alte Kultur, innerhalb welcher man ganz in der äußeren Natur noch drinnen lebte, ausgebildet hat, sich als am begabtesten erwiesen hat im alten Indien. Dort offenbart sich dasjenige, was sonst nur primitiv zum Ausdruck kommt. Dort hat sich das dann weiterentwickelt, was zum Beispiel als die Kultur von Kreta die Leute in solches Erstaunen gebracht hat. Diese entstand im Süden Europas. Drüben in Asien aber hat es sich als urindische Kultur entwickelt, ist immer weiter und weiter geschritten, ist sozusagen lebensfähig geblieben bis ins höchste Alter, hat aber eine Blüte durchgemacht in der Zeit, als die Veden, die Vedantaphilosophie entstanden sind und dann die Yogaphilosophie und andere philosophische Denkarten. Es ist sehr viel in diesem Indischen durcheinandergemischt, was zu verschiedenen Zeiten sich ausgebildet hat und was heute nebeneinanderlebt. Sieht man auf dasjenige, was sich in der urindischen Kultur ankündigt, genauer hin, dann muß man sagen, es weist das alles auf einen Menschen mit einer Seelenverfassung, auf die man nicht durch äußere Mittel heute kommt.“ (S. 103f)

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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