Janus (Mythologie)

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Büste des Janus (Vatikanische Museen, Vatikanstadt).
Peter Paul Rubens: Tempel des Janus (1635)

Janus (lat. Ianus), nach dem der Monat Januar benannt wurde, ist einer der ältesten Götter der römischen Mythologie und hat keine Entsprechung in der griechischen Mytholgie. Stets mit dem typischen Januskopf dargestellt, der aus zwei miteinander am Hinterhaupt verwachsenen Köpfen besteht, blickt er als stets Gegenwärtiger aus der Mitte seiner Ich-Kraft zugleich in die Vergangenheit und in die Zukunft, zurück zum Ursprung und voraus auf die - mögliche - Vollendung. Janus war ein Gott des Krieges. Zur Zeit des Friedens wurde sein Tempel geschlossen - was in den Jahren bis zu Kaiser Augustus nur zweimal geschah. Der Bau des Janustempels in Rom, der ursprünglich ein Holzbau gewesen sein dürfte, den man unter Augustus durch einen Bronzeschrein ersetzte, wurde dem sagenhaften König Numa Pompilius zugeschrieben[1], der ab 715 v. Chr. bis zu seinem Tod 672 v. Chr. regiert haben soll.

„Sehen Sie, ich habe Ihnen gesagt, der alte Jude, der sein Altes Testament verstanden hat, der hat gewußt, was es heißt: Gott hat dich durch deine Nieren in der Nacht geplagt. - Damit wollte er ausdrücken die Wirklichkeit dessen, was der Seele als bloße Träume erscheint. Gott hat dich durch deine Nieren in der Nacht geplagt - so sagte er ja, denn er hat gewußt: Da ist nicht nur ein Mensch, der durch seine Augen hinausguckt in die äußere Welt, sondern da ist ein Mensch, der durch seine Nieren hereindenkt und durch seine Leber hereinschaut in das Innere.

Und das haben die alten Römer auch noch gewußt. Die haben gewußt, daß es eigentlich doch zwei Menschen gibt: den einen, der durch seine Augen so herausguckt, und dann den anderen, der in seinem Bauche seine Leber hat und der in sein eigenes Innere hereinguckt. Nun ist es allerdings so, daß man bei der Leber - man kann das an der Verteilung der ganzen blauen Adern verfolgen - , wenn man den Ausdruck gebrauchen will, sagen muß: Die guckt eigentlich nach hinten. Daher kommt es auch, daß der Mensch so wenig von seinem Inneren wahrnimmt; geradesowenig wie Sie das, was hinter Ihnen ist, wahrnehmen, sowenig nimmt die Leber ganz bewußt wahr, was sie eigentlich anguckt. Das haben die alten Römer gewußt. Nur haben sie es so ausgedrückt, daß man nicht gleich darauf kommt. Sie haben sich vorgestellt: Da hat der Mensch vorn einen Kopf, und im Unterkörper hat er wiederum einen Kopf; der ist aber nur ein undeutlicher Kopf, der guckt nach hinten. - Und dann haben sie die zwei Köpfe zusammengenommen und haben so etwas gebildet (siehe Zeichnung): einen Kopf mit zwei Gesichtern, von denen das eine nach hinten, das andere nach vorne schaut. Solche Bildsäulen findet man heute noch, wenn man nach Italien kommt. Man nennt sie Janusköpfe [...]

Zeichnung aus GA 347, S. 97 (Tafel 4)

Ja, nun, die Römer haben eben noch etwas gewußt durch ein gewisses natürliches Denken, was die ganze spätere Menschheit nicht gewußt hat, und worauf wir jetzt kommen, selbständig darauf kommen. So daß man jetzt wieder wissen kann, daß die Römer nicht dumm waren, sondern gescheit waren! Januskopf heißt Jänner, Januar. Warum haben sie ihn denn just in den Zeitanfang des Jahres gesetzt? Das ist auch noch ein besonderes Geheimnis.

Ja, meine Herren, wenn man schon einmal so weit gekommen ist, einzusehen, daß die Seele nicht nur im Kopfe, sondern auch in der Leber und Niere arbeitet, dann kann man auch verfolgen, wie das durch das Jahr hindurch verschieden ist. Wenn nämlich Sommer ist, warme Jahreszeit, da ist es so, daß die Leber außerordentlich wenig arbeitet. Da kommt die Leber und die Niere mehr in eine Art von seelischer Schlaftätigkeit, verrichtet nur ihre äußerlichen körperlichen Funktionen, weil der Mensch mehr an die Wärme der Außenwelt hingegeben ist. Es fängt das im Inneren an, mehr Stillstand zu haben. Das ganze Verdauungssystem ist im Hochsommer stiller als im Winter; aber im Winter fängt dieses Verdauungssystem an, sehr geistig-seelisch zu sein. Und wenn die Weihnachtszeit kommt, die Neujahrszeit, wenn der Januar kommt und anfängt, da ist am stärksten die seelische Tätigkeit in der Leber und in den Nieren drinnen.

Das haben die Römer auch gewußt. Deshalb haben sie den Menschen mit den zwei Gesichtern den Jännermenschen, den Januarmenschen genannt.“ (Lit.:GA 347, S. 96f)

„Die Römer haben den Mut gefunden, da sie dem Kriege einen Gott gesetzt haben - den Janus -, den Janustempel nur dann zu schließen, wenn Friede ist. Er wurde in der Zeit von Numa Pompilius, unter dessen Regentschaft er ganz geschlossen war, durch die ganzen 724 Jahre bis zum Kaiser Augustus nur zweimal geschlossen. Aber die Römer haben den Mut gehabt, zu unterscheiden bei ihrem Dienste für einen der obersten der Götter zwischen Krieg und Frieden. Man frage sich, ob die heutige Zeit denselben Mut aufbringen würde, vielleicht zu schließen die Friedensstätten, die Stätten, die dem Frieden dienen sollten da, wo die ganze Welt von Krieg entbrannt ist? Man würde erst dann von Mut sprechen können, wenn so viel Schöpferkraft in der Gegenwart wäre, daß man einen rechten Unterschied bemerken könnte an den Stätten, wo von Frieden geredet wird, wenn dies in solchen Zeiten geschieht, wie es die gegenwärtigen sind.“ (Lit.:GA 180, S. 35f)

In einem Brief an Rosa Mayreder vom 10. September 1891 schrieb Rudolf Steiner:

„Wir leben eben in einer ganz unglaublichen Zeit. Jeder hastet von Lebensform zu Lebensform; es ist ein nervöses Treiben, eine Zeit, die kein Verständnis dafür hat, daß Janus zwei Gesichter haben muß und daß der Blick nach vorn nur dann richtungsbestimmend sein kann, wenn ihm der Blick nach rückwärts hilft, diese fortlaufende Richtung mit der durchlaufenen fortwährend in Einklang zu bringen.“ (Lit.:GA 39, S. 116)

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Ianus - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. Livius Ab urbe condita 1, 19