Kerinthos

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Cerinthus oder Kerinthos (griech. Κήρινθος) (* um 100) war ein Gnostiker der frühchristlichen Zeit und stammte vermutlich aus Kleinasien. Seine Wirkungsstätte scheint Ephesus gewesen zu sein.

Irenäus von Lyon († um 200) berichtet, dass Cerinth - wie viele Gnostiker - von dem «unbekannten Gott» sprach, der aber nicht der Urheber der niederen, verderblichen äußeren Schöpfung sei. Jesus sei nicht jungfräulich geboren, sondern auf übliche Art gezeugt von Joseph und Maria. Mit der Jordan-Taufe sei der Christus in Gestalt einer Taube in ihn herabgestiegen und habe durch ihn gewirkt. Noch vor dem Tod am Kreuz habe er den Leib des Jesus wieder verlassen. Nur Jesus habe am Kreuz gelitten und sei von den Toten wieder auferstanden.

„Ein gewisser Cerinth aus Asien lehrte, nicht von dem ersten Gott sei die Welt gemacht worden, sondern von einer Kraft, die von dem Urprinzip des Universums weit entfernt und getrennt war und den über alles erhabenen Gott nicht einmal kannte. Jesus aber sei nicht aus einer Jungfrau geboren[1], vielmehr sei er der Sohn Josephs und Mariens, gezeugt wie die übrigen Menschen, übertreffe jedoch alle an Gerechtigkeit, Klugheit und Weisheit. Nach der Taufe sei auf ihn von dem erhabenen Urprinzip Christus in Gestalt einer Taube herabgestiegen, und dann habe er den unbekannten Vater gepredigt und Gewaltiges vollbracht; zum Schluß aber sei der Christus wieder von Jesus gewichen, und Jesus habe gelitten und sei von den Toten auferstanden. Christus aber sei von Leiden verschont geblieben, da er geistig war.“

Irenäus von Lyon: Contra Haereses I 26,1 [1]

Nach Irenäus sei das Johannes-Evangelium geschrieben worden, um die Irrlehren des Kerinthos zu widerlegen:

„Durch die Verkündigung seines Evangeliums wollte er jenen Irrtum widerlegen, den Kerinthus unter die Menschen gebracht hat und viel vor ihm die sog. Nikolaiten, die ein Abzweig der fälschlich sog. Gnosis sind. Diese wollte er widerlegen und dartun, daß es nur einen Gott gibt, der alles durch sein Wort gemacht hat, und nicht, wie jene sagen, einen, der die Welt erschaffen, und einen, der der Vater des Herrn ist; der eine sei der Sohn des Schöpfers, der andere, Christus, stamme von den Oberen, sei leidensunfähig und auf Jesus, des Schöpfers Sohn, hinabgestiegen und sei wiederum in sein Pleroma zurückgeflogen. Der Anfang sei der Eingeborene, das Wort sei der Sohn des Eingeborenen, und die Schöpfung hienieden sei nicht von dem ersten Gott gemacht, sondern von einer Kraft, die weit unter ihm stehe und weit entfernt sei von der Gemeinschaft mit den unsichtbaren und unaussprechbaren Wesen. Alles Derartige wollte der Schüler des Herrn austilgen und als Richtschnur der Wahrheit in der Kirche aufstellen, daß es nur einen allmächtigen Gott gibt, der durch sein Wort alles gemacht hat, das Sichtbare und das Unsichtbare, und zugleich kundtun, daß durch das Wort, durch welches Gott die Schöpfung hergestellt hat, er auch den Menschen, die in dieser Schöpfung sind, das Heil gewährt.“

Irenäus von Lyon: Contra Haereses III 11,1 [2]

Wenig später kam die gerade gegenteilige Meinung auf, nämlich dass in Wahrheit Kerinthos das Johannes-Evangelium verfasst habe[2].

Irenäus berichtet noch folgende Anekdote:

„Noch leben die, welche ihn erzählen hörten, daß Johannes, der Schüler des Herrn, einst in Ephesus ein Bad nehmen wollte; wie er aber drinnen den Cerinth erblickte, sprang er ungebadet aus dem Bade heraus, indem er sagte, er fürchte, daß das Bad einstürze, wenn Cerinth, der Feind der Wahrheit, drinnen sei.“

Irenäus von Lyon: Contra Haereses III 3,4 [3]

Anmerkungen

  1. das schien ihm unmöglich
  2. Rudolph, S 320

Literatur