Klade

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Monophylum: Das Taxon der Sauropsida ist monophyletisch, da es alle Arten der gemeinsamen Stammart einschließt und folglich eine Klade bildet.
Paraphylum: Die Reptilien im klassischen Verständnis sind paraphyletisch, da sie die Vögel nicht mit einschließen.
Polyphylum: Ein auf ein konvergentes Merkmal (hier „Warmblütigkeit“ bei Vögeln und Säugetieren) begründetes Taxon ist polyphyletisch.

Eine Klade (von altgriech. κλάδος kládos, deutsch ‚Zweig‘), auch Monophylum, monophyletische Gruppe oder geschlossene Abstammungsgemeinschaft, ist in der Biologie eine systematische Einheit, die den letzten gemeinsamen Vorfahren (eng. Most recent common ancestor) einer heute lebenden Gruppe von Individuen und alle seine Nachfahren enthält. Die Verwandschaftsverhältnisse werden in einem Kladogramm dargestellt. Damit werden in der Regel Beziehungen zwischen verschiedenen Arten beschrieben, der Begriff kann aber auch auf Individuen angewendet werden[1]. Die wissenschaftliche Methodik, die sich mit den Beziehungen von Kladen beschäftigt, ist die Kladistik.

Monophylie

Lässt sich ein Taxon als Klade beschreiben, ist dieses monophyletisch und umfasst somit auch alle Untergruppen, die auf den letzten gemeinsamen Vorfahren zurückgehen.

Paraphylie

Ein Taxon, das zwar eine jüngste gemeinsame Stammform, aber nicht alle Untergruppen umfasst, die auf den letzten gemeinsamen Vorfahren zurückgehen, wird als paraphyletisch bzw. als Paraphylum bezeichnet.

Polyphylie

Ein Taxon, das über keine gemeinsame Stammform verfügt, die jünger ist als die gemeinsamen Stammformen, die seine Untertaxa mit anderen Taxa haben, ist polyphyletisch. Ein Paraphylum hat also also keinen gemeinsamen Vorfahren.

Beispiele und Gegenbeispiele

  • Aufgrund vielfältiger Beweise kann es heute als gesichert gelten, dass die Vögel von den Dinosauriern abstammen. Die Dinosaurier als Klade müssen daher die Vögel einschließen.
  • Aufgrund der Abstammung des Menschen (Gattung Homo) umfassen die Biota als taxonomischer Begriff (Klade) den Menschen, der Begriff ist dann synonym zu Lebewesen.
  • Die Viren zählen selbst nicht zu den Lebewesen (Biota). Aufgrund ihres äußerst unterschiedlichen Genom-Aufbaus muss von einem polyphyletischen Ursprung ausgegangen werden: Es gibt keinen gemeinsamen Vorfahren ('Ur-Virus') aller Viren, und sie bilden somit keine Klade.

Literatur

  • Neil A. Campbell, Jane B. Reece, Lisa A. Urry, Michael L. Cain, Steven A. Wasserman, Peter V. Minorsky, Robert B. Jackson: Campbell Biologie, 10. Auflage, Pearson Studium 2015, ISBN 978-3-8632-6725-4, eBook ASIN B0181U7ANU
  • Marek B. Majorek: Rudolf Steiners Geisteswissenschaft: Mythisches Denken oder Wissenschaft?, 2 Bände, Verlag Narr Francke Attempto, Tübingen 2015, ISBN 978-3772085635, eBook: ASIN B0714F4N5R
  • Peter Heusser: Anthroposophie und Wissenschaft: Eine Einführung. Erkenntniswissenschaft, Physik, Chemie, Genetik, Biologie, Neurobiologie, Psychologie, Philosophie des Geistes, Anthropologie, Anthroposophie, Medizin, Verlag am Goetheanum, Dornach 2016, ISBN 978-3723515686

Einzelnachweise

  1. Glossar des Phylocode