Leopold van der Pals

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Leopold van der Pals

Leopold van der Pals (* 4. Juli 1884 in Sankt Petersburg; † 7. Februar 1966 in Dornach) war ein Komponist und der ältere Bruder des Musikwissenschaftlers und Dirigenten Nikolai van Gilse van der Pals (1891-1969). Bekannt ist er vor allem durch seine Vertonung der Lieder und Chöre der Oberuferer Weihnachtsspiele.

Leben und Wirken

Leopold van der Pals war der Sohn des Konsuls und Unternehmers Henri van der Pals und dessen Frau Lucie, geb. Johannsen. Er besuchte das Gymnasium in seiner Geburtsstadt Sankt Petersburg und studierte Philosophie an der dortigen Universität. Seinen ersten Unterricht in Musiktheorie erhielt er von seinem Großvater Julius Johannsen (1826–1904), Direktor des Petersburger Konservatoriums.[1] Er setzte seine Studien bei Blumberg (Klavier), Leocadie Kaschperow (Klavier), Herrbeck (Gesang) und Vokoloff (Theorie) fort.[2]

1904 zog er nach Lausanne und wurde dort Schüler von Alexandre Denéréaz, der ihn am Klavier, in Harmonik und Kontrapunkt unterrichtete. 1906 heiratete er Maria von Behse, mit der er eine Tochter bekam. Von 1907 bis 1915 lebte und wirkte er in Berlin, wo er in den ersten beiden Jahren Komposition bei Reinhold Moritzewitsch Glière lernte, danach in Arlesheim bei Basel. Ab 1934 wohnte er in Dornach, wo er 1966 verstarb.

Zu seinem Werk gehören Orchesterwerke im neuromantischen Stil, Opern (u.a. Legende von der Prinzessin und dem gefesselten Jüngling), Klavierstücke und Lieder.

Über seine Vertonung der Weihnachtspiele und wie er die Probenarbeit erlebte berichtet Leopold van der Pals:

„Eines Tages, im Herbst, es mag wohl 1909 oder 1910[3] gewesen sein, teilte mir Dr. Steiner mit, er wolle ein altes Weihnachtspiel durch die Mitglieder des Berliner Zweiges aufführen lassen und fragte mich, ob ich die dazu nötige Musik schreiben wolle. Ich sagte natürlich mit Freuden zu. Das war die Geburtsstunde meiner Musiken zu den verschiedenen Weihnachtspielen. Gewählt war zunächst ein kleines oberpfälzisches Spiel. Dr. Steiner wollte wohl erst die Kräfte ausprobieren, bevor er sich an die großen Oberuferer Spiele wagte.

Ich ging sogleich an die Arbeit und suchte zunächst nach alten Originalmelodien, die in früherer Zeit für die Art Spiele gebraucht wurden, konnte aber nichts finden, außer zwei kleinen Liedern, die ich für den Schlußgesang verwendete. Also komponierte ich selbst die nötigen Lieder. An die Proben und die Aufführung dieses kleinen Spieles erinnere ich mich nicht mehr. Ich weiß nur, daß Herr Selling einen Hirten, Frau von Görschen die Maria und Herr Korth den Joseph spielten. Jedenfalls muß es zu Dr. Steiners Befriedigung ausgefallen sein, denn ein Jahr später beabsichtigte er, das Oberuferer Christ-Geburt-Spiel aufzuführen, was schon eine viel anspruchsvollere Aufgabe war. Auch zu diesem Spiel sollte ich die Musik schreiben. Ich entschloß mich, ohne wieder, wahrscheinlich vergebens, nach Originalmelodien zu suchen, alle Lieder neu zu komponieren. Eines stand für mich fest: Trotz aller Volkstümlichkeit, in der die Lieder gehalten werden mußten, war alle Banalität und Süßigkeit zu vermeiden und doch mußten die Lieder eingänglich und leicht singbar sein. Ein oder zwei Jahre später wurde mir von Dr. Steiner die Aufgabe gestellt, die Lieder zum Oberuferer Dreikönig-Spiel zu schreiben. Diese Arbeit war schon schwieriger als die früheren. Denn dieses Spiel ist von solch unsagbarer Dramatik, daß es mit einfacher Volkstümlichkeit nicht getan war. Ich versuchte mich dem Stil des Stückes anzupassen und komponierte auch diese Lieder. Die Aufführungen fanden im Berliner Zweigraum statt, ohne Vorhänge, mit ganz primitiven Papierkostümen, und lösten dennoch eine andächtige Stimmung aus.

Inzwischen hatte man mit der Errichtung des Dornacher Baues begonnen. Ich ging im Jahre 1915 nach Dornach, um dort am Bau mitzuarbeiten. Hier entstand die Musik zu dem letzten Spiel: dem Oberuferer Paradeis- Spiel. An diese Zeit habe ich eine lebhaftere Erinnerung als an die Berliner Aufführungen. Es hatte mit dieser Musik große Eile, denn es war bereits spät im Jahr. Ich komponierte den ganzen Tag und erinnere mich, sogar in der Elektrischen unterwegs nach Basel komponiert zu haben.

Dr. Steiner pflegte, bevor man an die Proben ging, die Spiele denjenigen vorzulesen, die mitspielen durften. Er wiederholte das jedes Jahr. An eine solche Vorlesung erinnere ich mich ganz besonders. Wir, die wir beim Spiele irgendwie mitzuwirken hatten, versammelten uns in der Villa Hansi - Dr. Steiners Wohnhaus in Dornach. Dann kam Rudolf Steiner und fing an zu lesen. Er las so vollendet, daß wir das Stück, das wir doch so gut kannten, kaum erkannten und etwas ganz Neues zu hören glaubten. Er verwandelte sich buchstäblich in eine jede Person, deren Rolle er las, er war Maria, er wurde zum lustigen Hirten, zum groben Wirt, zum frommen Joseph.

Bald begannen dann die Proben. Ich mußte mit meinen Sängern oft stundenlang üben, bis sie sich die Melodien gemerkt hatten. Jeder gab sich die größte Mühe und bei der Aufführung «klappte» es. Die gemeinschaftlichen Proben fanden immer abends statt, da tagsüber in der Schreinerei gearbeitet wurde, und dauerten oft bis in die Nacht hinein. Frau Dr. Steiner war immer zugegen, korrigierte und zeigte «wie man es machen muß». Oft war auch Dr. Steiner selber anwesend und griff dann persönlich in die Proben ein, indem er nicht nur vorsprach, sondern oft mit einem Satz auf die Bühne sprang und die Rollen selbst wie ein vollendeter Schauspieler spielte. - Zu Weihnachten fanden dann die Aufführungen statt. Vor denselben pflegte Dr. Steiner einen einleitenden Vortrag zu halten, in dem er über die Entstehung der Spiele, über Schröer und sein Verhältnis zu ihm und über Schröers Arbeit beim Auffinden der Spiele sprach. An einem Spieltage war alljährlich das Dorf bei uns zu Besuch. Dann wurden alle Honoratioren des Dorfes eingeladen und das Publikum bestand hauptsächlich aus Dorfbewohnern und einer riesigen Menge von Kindern. Ihr Hauptvergnügen war, den Teufel am Schwanz zu zupfen. Meine Melodien kannten sie auswendig, und ich habe oft gehört, wie die Gassenbuben in Dornach und Ariesheim sie auf der Straße sangen.

Die «Schauspieler» waren alles Mitglieder der Gesellschaft, die sonst nie an Theaterspiel gedacht hatten. Dank der Mühe, die Herr und Frau Dr. Steiner sich nahmen, lernten sie bald, sich auf der Bühne zu bewegen und den österreichischen Dialekt zu sprechen. Alle waren mit ganzem Herzen dabei, und so kamen Aufführungen zustande, die mit ihrer Innigkeit alles hinter sich ließen, was man bei gewöhnlichen Theateraufführungen zu sehen bekommt.“ (Lit.:GA 274, S. 110ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Ansprachen zu den Weihnachtspielen aus altem Volkstum, GA 274 (1986), ISBN 3-7274-2740-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
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Weblinks

Einzelnachweise

  1. Pals, Leopold van der In: Hugo Riemann: Hugo Riemanns Musiklexikon. Berlin 1929. Abgerufen per Deutsches Biographisches Archiv, Teil 2, S. 201.
  2. Pals, Leopold van der In: Erich H. Müller (Hrsg.): Deutsches Musiker-Lexikon. Limpert, Dresden 1929. Abgerufen per Deutsches Biographisches Archiv, Teil 2, S. 200.
  3. offenbar 1909
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