Mediumismus

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Mediumismus (auch Channeling) oder auch Spiritismus tritt traditionell in zahlreichen Kulturen Eurasiens, Afrikas und auf den pazifischen Inseln auf, vornehmlich in schamanistisch orientierten Agrar- und Viehzüchtergesellschaften.

Weltweit nehmen viele Religionen und weltanschauliche Bewegungen für sich in Anspruch, dass ihre Lehre auf medialem Weg durch Propheten, Mystiker empfangen wurde; auch der Zungenrede (vorwiegend in der Charismatischen Bewegung) wird eine göttliche Ursache zugesprochen. Die Bibel beschreibt beispielsweise im 2. Buch Mose, Kapitel 3 und 4, wie Gott mit Mose aus einem brennenden Dornbusch heraus gesprochen hat und ihm so den Befehl gab, zurück nach Ägypten zu gehen, um die Israeliten aus der Knechtschaft zu befreien. Joseph Smith behauptete, eine Wesenheit namens Mormon habe ihm, dem Gründer der gleichnamigen Kirche, das Buch Mormon übermittelt. Die Entstehung des Koran wird dem Erzengel Gabriel zugeschrieben, der ihn dem Begründer und Propheten des Islam Mohammed diktiert haben soll.

Die Vertreter des Spiritismus besitzen gewöhnlich atavistische Fähigkeiten.

Mediumismus aus geisteswissenschaftlicher Sicht

Siehe auch: Medium

Eine exakte Geisteswissenschaft lässt sich auf mediumistische Fähigkeiten nicht gründen, da die für jede qualifizierte Geistesschau unerlässliche klare Selbsterkenntnis fehlt. Als wesentliches Merkmal für exaktes Hellsehen führt Rudolf Steiner die vorherige Begegnung mit dem Hüter der Schwelle an.

„Die mediale Anlage eines Menschen beruht darauf, daß eine nicht volle Einschaltung von Astralleib und Ich in den Unterleibs- und Gliedmaßentrakt des ätherischen und physischen Leibes im Trancezustand vorhanden ist. Dadurch werden die Gliedmaßen und der Unterleib in einer unregelmäßigen Art in die ätherische und astrale Umwelt gewissermaßen als Sinnesorgane eingeschaltet. Es kommen dadurch geistige Wahrnehmungen zustande; es werden aber zur gleichen Zeit die moralischen und konventionellen Impulse, die normal durch diese Organe wirken, ausgeschaltet, wie sie auch bei dem gewöhnlichen Sinnesorgane ausgeschaltet sind. Das Auge sieht blau, aber nicht Verleumdungen.“ (Lit.:GA 316, S. 227)

„Zum richtigen Vorbeikommen an dem Hüter der Schwelle ist durchaus notwendig, daß der Mensch in entsprechender Weise Selbsterkenntnis entwickelt, wirkliche, echte Selbsterkenntnis, rückhaltlose Selbsterkenntnis (sonst kann ja der Mensch ihn gar nicht erkennen). Nicht hinauf wollen in die geistigen Welten, wenn einem innerhalb der Inkarnation das Karma es möglich macht, das ist eine Pflichtverletzung gegenüber dem Fortschrittsgang. Sich jemals zu sagen, weil man glaubt, man könnte irren: Nicht hinein will ich in die geistigen Welten – das ist ganz falsch. Wir sollen so intensiv streben in die geistigen Welten hinein, als wir nur irgend können. Aber auf der anderen Seite müssen wir uns klar sein, daß wir vor dem nicht zurückschrecken dürfen, vor dem der Mensch am willigsten und am geneigtesten zurückschreckt, vor wirklicher, wahrer Selbsterkenntnis.“ (Lit.:GA 147, S. 140)

Vertreter des Mediumismus

Dem Einfluss des von dem französischen Schriftsteller Allan Kardec (1804-1869) begründeten Spiritismus wird zugeschrieben, dass der Mediumismus auch in Industriegesellschaften Verbreitung fand. Carl Gustav Jungs Lebensweg als Psychiater und Begründer einer Denkschule wurde von seinen Geistführern Philomen und Salome beeinflusst. Im ?Roten Buch? hat er die inneren Gespräche mit ihnen aufgezeichnet. Von dem jenseitigen Wesen Basilides in Alexandria empfing er die ?Sieben Belehrungen der Toten?.[1]

Mediumismus in Tibet

Aus der tibetischen Bön-Religion und auch aus einigen Schulen des tibetischen Buddhismus ist das Wirken von Medien bekannt. Das Orakel der Bön heißt Dakini. Aktuell ist dies Rosalyn Bruyere, die prophezeihte Frau aus dem Westen. Eines der bekanntesten Medien Tibets, das Mönchsmedium der Gottheit Pekar, ist auch als Nechung-Orakel bekannt. Es soll die tibetische Regierung und die Dalai Lamas seit ungefähr vier Jahrhunderten in wichtigen Zukunftsfragen beraten und ist auch heute noch als Medium der tibetischen Exilregierung im Dienst. Der als Medium dienende Mönch genießt innerhalb der buddhistischen Gelug-Schule hohes Ansehen; seine meist kurze Lebensspanne schreiben Buddhisten den kräftezehrenden "Orakel-Trancen" zu.

Mediumismus in Brasilien

In Brasilien werden die Fähigkeiten von Medien vom Staat anerkannt und genutzt. In der brasilianischen Rechtsprechung werden schriftliche Aussagen von Medien, die unter Aufsicht eines Notars erstellt wurden, in vielen Fällen anerkannt. So wurden zum Beispiel in den Fällen Mord in Goiânia, Goiás,1975, begangen an Henrique Emmanuel Gregoris, Mord in Goiânia de Campina, Goiás, Mai 1976, von José Divino Gomes an Maurício Garcez Henriques begangen, Mord in Campo Grande, Mato Grosso do Sul, im März 1980, von José Francisco Marcondes de Deus an seiner Ehefrau Cleide Maria begangen, Schriftstücke vor Gericht als Aussagen des Verstorbenen und somit als Beweise anerkannt.

Ein weiterer Fall, der sich im Mai 2006 ereignet hat, wird in der Carta psicografada ajuda a inocentar ré por homicídio no RS auf Portugiesisch beschrieben.[2]

In der Verfassung des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco wird in Artikel 174 Medien der besondere Schutz des Staates zugesichert[3]:

Das bekannteste Medium des 20. Jahrhunderts war Chico Xavier, der über 400 Bücher verfasste, deren Inhalt ihm angeblich von Geistern diktiert wurde.

Mediumismus im Westen

Weithin bekannten Medien aus der Esoterikszene im Westen wie beispielsweise Rhea Powers (USA), Alexa Kriele (BRD), Sylvia Browne (USA), Paul Meek (GB) und James van Praagh (USA) ist es bis jetzt nicht gelungen, ihre Fähigkeiten unter kontrollierten Bedingungen unter Beweis zu stellen; sie finden jedoch großen Anklang bei ihren Lesern und Sympathisanten, die von deren behaupteten Fähigkeiten überzeugt sind. Des Weiteren kennt man Edgar Cayce ?, "channelte" seiner Aussage nach den schlafenden Propheten, Aleister Crowley ?, "channelte" seiner Aussage nach eine Wesenheit namens Aiwaz, Jane Roberts ?, "channelte" ihrer Aussage nach eine Wesenheit namens Seth, Neale Donald Walsch, "channelt" seiner Aussage nach eine Wesenheit namens Jesus Christus, Helen Schucman ?, "channelte" ihrer Aussage nach Jesus Christus Lee Carroll, "channelt" seiner Aussage nach eine Wesenheit namens Kryon Barbara Bessen, "channelt" ihrer Aussage nach Kryon Steve Rother, "channelt" the group Judith Z. Knight, "channelt" ihrer Aussage nach eine Wesenheit namens Ramtha Thomas Nagel, "channelt" seiner Aussage nach Metatron Christiane Zimmer, "channelt" ihrer Aussage nach Emanuel Andreas Hassenstein, "channelt" seiner Aussage nach Abraham und die Erzengelfamilie "Uns" Esther Hicks, "channelt" ihrer Aussage nach das Geistwesen Abraham, eine Gruppe außerkörperlicher Wesen

Mediumismus in Großbritannien

Traditionell ist insbesondere in England der Spiritualismus weit verbreitet. Allein in London gibt es mehrere hundert spiritualistische Kirchen, in denen Medien regelmäßig Vorträge (Sittings) halten und Botschaften für Anwesende aus dem Jenseits übermitteln. Diese "Gottesdienste" sind für jedermann frei zugänglich und gebührenfrei.

Als Musikmedium wurde Rosemary Brown auch außerhalb Großbritanniens bekannt.

Spiritualistische Medien in Großbritannien haben eine eigene 'Gewerkschaft' Spiritualists' National Union, die bereits 1890 durch Emma Hardinge Britten gegründet wurde.[4]

Schreibmedien

Schreibmedien sind Personen, die behaupten, auf paranormalem Weg Mitteilungen aus dem Jenseits zu empfangen und diese A) zu diktieren oder B) selbst aufzuzeichnen.

Gruppe A

Die stigmatisierte Nonne Anna Katharina Emmerick, deren Eingebungen und Visionen von Clemens Brentano ab September 1818 in Dülmen aufgezeichnet wurden. Sie wurde von Rudolf Steiner als eine "ausgezeichnete Somnambule" bezeichnet.

Friederike Hauffe, aufgezeichnet durch Justinus Kerner. Bekannte diktierende Medien aus den USA sind: Edgar Cayce und Jane Roberts.

Gruppe B

Der Österreicher Jakob Lorber, der als Schreibknecht Gottes ein umfangreiches Werk niederschrieb. Helena Petrovna Blavatsky, ? Deutsch-Russin, Mitgründerin der Theosophischen Gesellschaft Annie Besant ? GB Helen Schucman ? USA Emanuel Swedenborg ? Schweden

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Einzelnachweise

  1. Carl Gustav Jung http://de.spiritualwiki.org/Wiki/CarlGustavJung
  2. Carta psicografada ajuda a inocentar ré por homicídio no RS http://www1.folha.uol.com.br/folha/cotidiano/ult95u122179.shtml
  3. Constituição do Estado de Pernambuco http://www.alepe.pe.gov.br/constestad/assistsocial.html
  4. Spiritualists' National Union SNU

Siehe auch

Medium