Heilige Messe

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Als Heilige Messe oder Messopfer wird der eucharistische Gottesdienst der katholischen Kirchen bezeichnet, dessen Ursprung allerdings in den vorchristlichen Mysterien liegt, namentlich im Mithras-Kult.

„Das Meßopfer mit alledem, was daran hängt, ist eine kontinuierliche Fortentwickelung der Mithras-Mysterien, die in gewisser Weise etwas kombiniert sind mit den eleusinischen Mysterien. Daß der Priester, wie übrigens auch der sonst das Abendmahl Empfangende, den Leib des Herrn zu sich nimmt, nachdem er so und so lange nichts gegessen hat – wie man sagt: mit nüchternem Magen –, das ist zum Verständnis der Sache viel wichtiger, als manches andere, worüber man im Mittelalter furchtbar gestritten hat. Denn das ist etwas zum Beispiel, worauf es ankommt. Und wenn irgendein Priester, wie es ja auch vorkommt, dieses Gebot, wirklich mit nüchternem Magen die Transsubstantiation und die Kommunion zu vollziehen, übertritt, dann hat sie durchaus nicht den Sinn, die Bedeutung, die Wirkung, die sie haben soll. Allerdings, zumeist hat sie nicht die Wirkung, weil die Betreffenden nicht in richtiger Weise unterrichtet werden. Denn die Wirkung kann nur da sein, wenn ein entsprechender Unterricht stattgefunden hat über dasjenige, was unmittelbar nach dem Empfang des blutlosen Leibes des Herrn erlebt wird. Aber Sie wissen ja vielleicht selbst, wie wenig auf diese Feinheiten mehr heute gesehen wird; wie wenig darauf gesehen wird, daß dadurch wirklich ein Erlebnis eintreten soll, das ein gewisses innerliches Verspüren darstellt, eine Art neuzeitlicher Wiedererneuerung desjenigen, was als Anregung in den Mithras-Mysterien stattgefunden hat.“ (Lit.:GA 175, S. 323)

„Das Meßopfer kann ja im Grunde genommen nicht als römisch-katholisch betrachtet werden. Das darf es gar nicht, denn das Meßopfer führt zurück auf uralte, vorchristliche Zeiten. Man kann sagen allerdings, daß das Meßopfer gehüllt war in die Geheimnisse der alten Kulthandlungen in den Mysterien, daß es sehr umgewandelt worden ist im Laufe der Zeit; aber so, wie wir das Meßopfer heute im römischen Katholizismus vor uns haben, so ist es eben doch nur etwas, was zum Teil umgewandelt ist aus den ägyptischen und vorderasiatischen Mysterien.

Und was war es denn da? Was war denn da jene Kulthandlung, die schließlich in das Meßopfer übergegangen ist, dessen Bedeutung im Grunde genommen nur die eingeweihtesten Katholiken noch kennen, während es von der breiten Masse der Katholiken angeschaut wird im Bilde? Was war denn dasjenige, das dem Meßopfer zugrunde liegt? Das war ein äußeres Bild für das, was man Initiation oder Einweihung nennt. Es ist durchaus so. Wenn man das Meßopfer verfolgt und absieht von demjenigen, was — zum Teil voll berechtigt, zum Teil auch durch Mißverständnis - sich an die Grundbestandteile angeschlossen hat, wenn man nur auf diese Grundbestandteile hinschaut, dann ist das Meßopfer ein äußerer bildhafter Ausdruck für die Initiation oder Einweihung.

Die vier Teile sind: Das Evangelien-Vorlesen, das Offertorium, die Wandlung - die Transsubstantiation - und die Kommunion. In diesen vier Grundteilen liegt das Wesen des Meßopfers. Evangelien-Vorlesen, was bedeutet das? Es bedeutet das Hereinklingen, die Offenbarung des Wortes in die Gemeinde. Dem liegt deutlich das Bewußtsein zugrunde, daß einen wirklichen Inhalt das Wort nur hat, wenn es nicht vom Menschen erkundet wird durch intellektuelle Arbeit, sondern wenn der Mensch das inspirierte Wort, das aus der geistigen Welt hereinklingt, erfährt. Ohne das Bewußtsein, daß die übersinnliche Welt im Worte sich verkörpert, ohne dieses Bewußtsein wäre das Evangelien-Vorlesen nicht ein wirkliches Vorlesen. Wir haben also das göttlich verklärte Verkünden des Lehrgutes im ersten Teile des Meßopfers vor uns. Dasjenige, was die übersinnliche Welt den in der sinnlichen Welt befindlichen Menschen gibt, das haben wir zunächst in der Evangelien-Vorlesung. Dasjenige dagegen, was der Mensch von sich aus an die übersinnliche Welt geben kann, das, was von ihm versucht wird in der Darbringung des Opfers, gewissermaßen als Gegengabe, das reale Gebet, das tritt bildlich vor uns im Offertorium. Das Offertorium, die Opferung, bringt symbolisch dasjenige zum Ausdruck, was der Mensch in seiner Seele empfinden kann als Weihegefühl zum Übersinnlichen. Das wird durch die symbolische Handlung des Offertoriums gewissermaßen als Antwort zur Evangelien-Vorlesung gesagt. Das ist der zweite Teil.

Der dritte Teil, die Transsubstantiation, die Wandlung, besteht darin, daß symbolisch dargestellt wird jenes Bewußtsein, das sich im Menschen entwickelt, wenn in ihm gefühlt wird die göttliche Substanz, wenn er in seiner eigenen Seele erfühlt die göttliche Substanz. Für den Christen ist diese Wandlung nichts anderes als der Ausdruck des paulinischen Wortes: Nicht ich, sondern der Christus in mir. - Er opfert sich nicht nur, er wird sich bewußt, daß das Übersinnliche in ihm selber lebt. Das ist dasjenige, was im Bilde der Transsubstantiation einem entgegentritt. Und es bleibt immer eine schöne, eine bedeutsame Begleiterscheinung der Transsubstantiation, daß, während das Sanktissimum erhoben wird, über den Kelch hinaufgehoben wird, die Gläubigen eigentlich ihre Augen zu schließen haben, also in sich zu kehren haben das Bewußtsein, so daß sie miterleben die Transsubstantiation nicht durch äußerliches Anschauen, sondern im innersten Bewußtsein. Es ist ja auch bedeutsam, daß das Sanktissimum eigentlich besteht aus dem Brot und dem Brothalter, der mondförmige Gestalt hat, so daß in der Tat im Sakraments-Symbolum, das ja das Sanktissimum umhüllt (siehe Zeichnung S. 100), Sonne und Mond im Bilde vorhanden sind, was ja deutlich darauf hinweist, daß in den Zeiten, in denen das Meßopfer ausgestaltet worden ist in seiner Urform, ein Bewußtsein vorhanden war von dem Zusammenhange des Christus mit der Sonne und des Jahve mit dem Monde.

Zeichnung aus GA 342, S. 100

Dasjenige, was die Welt empfangen hat in dem Christentum und was sich auferbaut hat auf der Mondreligion des Jahve, das drückt sich in diesem Aufsitzen der Hostie auf der Mondform durchaus aus, und es ist wirklich ein Symbolum für das Zusammenfließen des Sterblichen im Menschen mit dem Unsterblichen.

Und der vierte Teil des Meßopfers ist dann die Kommunion, die ja nichts anderes als dieses ausdrücken soll: Nachdem der Mensch mit diesem Übersinnlichen zusammengewachsen ist, läßt er seine ganze irdische Wesenheit sich hineinergießen in die Vereinigung mit dem Übersinnlichen. Dieser vierte Teil stellt bildhaft dar, was der zu Initiierende, der Einzuweihende, auch in den älteren und neueren Mysterien zu erleben hatte.“ (Lit.:GA 342, S. 98ff)

Siehe auch

Literatur

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