Pietismus

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Der Pietismus (von lat. pietas; „Gottesfurcht“, „Frömmigkeit“) ist nach der Reformation die wichtigste Reformbewegung im kontinentaleuropäischen Protestantismus.[1] Theologisch versteht sich der Pietismus als eine Besinnung auf zentrale Anliegen der Reformation (etwa Ersatz des toten Buchstabenglaubens durch wahre Gottesfurcht und werktätige Liebe), die jedoch durch die Aufnahme anderer Traditionsstränge in spezifischer Weise umgeformt wurden. Das fromme Subjekt rückt in den Fokus der pietistischen Bewegung, die reine Lehre sowie die kirchliche Einheit geraten dabei in den Hintergrund. So findet sich einerseits in der pietistischen Bewegung ein moderner, „frühaufklärerischer[2] Zug, da sie der Persönlichkeit des Einzelnen, zu dessen frommer Pflicht die Selbstbeobachtung gehörten sollte, einen hohen Stellenwert gibt. Andererseits ist der Pietismus im Laufe seiner Entwicklung in weiten Teilen eine theologisch und sozial konservative Bewegung geworden.

Die pietistische Bewegung in Deutschland hat seit ihrer Entstehung in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zahlreiche Veränderungen durchgemacht: vom klassischen Pietismus der Barockzeit über den Spätpietismus des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts, die Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts und die Gemeinschaftsbewegung bis zur evangelikalen Bewegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die kirchenkritische Strömung innerhalb des Pietismus wird als radikaler Pietismus umschrieben[3] und zeigte sich in Form eines Separatismus (Ablösung von der Staatskirche).

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Martin Brecht: Geschichte des Pietismus. Bd. 1, S. 2.
  2. Siegfried Wollgast: Pietismus zweier Generationen und Katholizismus als Exponenten der Frühaufklärung. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 14, 1996, S. 403–419, hier insbesondere S. 412 f.
  3. Hans Schneider: Der radikale Pietismus im 17. Jahrhundert. In: Martin Brecht u. a. (Hrsg.): Geschichte des Pietismus. Bd. 1, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993, S. 391 f.
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