Politische Ökonomie

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Disambig-dark.svg Dieser Artikel befasst sich mit der politischen Ökonomie im historischen Kontext. Für die ökonomische Theorie der Politik siehe Neue Politische Ökonomie.
Jean-Jacques Rousseau, Discours sur l'oeconomie politique, 1758

Politische Ökonomie (von den griechischen Wörtern politeia = „Staat“, „gesellschaftliche Ordnung“, oikos = „Haus“, „Hauswirtschaft“ und nomos = „Gesetz“) war im 19. Jahrhundert die gebräuchlichste Bezeichnung für Wirtschaftswissenschaft, Nationalökonomie oder Volkswirtschaftslehre.

Begriff und Wissenschaft in der Geschichte

---> Hauptartikel: Klassische Nationalökonomie

Der Ausdruck selbst wird zurückgeführt auf den Traité d’économie politique, eine Abhandlung ganz im Sinne des Merkantilismus, die Antoine de Montchrétien 1615 veröffentlicht hat. Jean-Jacques Rousseau hat unter dem Stichwort Économie politique 1755 einen Beitrag geschrieben für die Grande Encyclopédie,[1] der jedoch eher staatstheoretisch interessiert und auf ökonomischem Gebiet mehr eine politisch-moralische Kritik der merkantilistischen Regierungspolitik darstellt.[2]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren jedoch in verschiedenen Ländern auch andere Ausdrücke für derlei Betrachtungen des Wirtschaftslebens im Umlauf; und je nach Autor werden auch mit „Politischer Ökonomie“ unterschiedliche Begriffsinhalte verknüpft, etwa solche, die späterhin „reine Ökonomie“ oder „ökonomische Theorie“ genannt wurden.[3] Nach Veröffentlichung der Principles of Economics 1890 durch Alfred Marshall hat sich in England und den Vereinigten Staaten der Ausdruck economics durchgesetzt.

In Deutschland hat Max Weber von Sozialökonomik gesprochen, nachdem sein Projekt Grundriss der Sozialökonomik zuerst noch Handbuch der politischen Ökonomie heißen sollte. Vermutlich war eine weitere Umbenennung seines Werkes Wirtschaft und Gesellschaft in "Soziologie" geplant.[4] Eugen von Philippovich, ursprünglich als Ko-Autor Webers vorgesehen, hält in seinem Grundriß der Politischen Oekonomie den Begriff sozialwirtschaftlich oder Sozialökonomie für eine Distanzierung von „Volk“, wie ihn der Begriff "Volkswirtschaft" enthält.[5] Der im Deutschen überlieferte Sammelbegriff der Staatswissenschaften bezieht die politische Ökonomie primär auf das Gebiet des staatlichen Wirtschaftens.

Das Amerikanische System der Politischen Ökonomie wird erstmals 1791 von Alexander Hamilton (damals Finanzminister der gerade gegründeten USA) erwähnt, in A Report on the Subject of Manufactures an den Kongress. Es geht auf die Kameralistik zurück. Damit hat sich zum Beispiel Gottfried Wilhelm Leibniz in seiner Abhandlung Societät und Wirtschaft auseinandergesetzt.

Der weltweit erste Professor für politische Ökonomie wurde 1763 Joseph von Sonnenfels in Wien. Englands erster Professor für politische Ökonomie wurde Thomas Malthus 1805 am Kolleg der Ostindischen Gesellschaft in Haileybury, Hertfordshire.

Joseph A. Schumpeter stellt den Bereich der „ökonomischen Theorie“ oder eigentlichen Wirtschaftswissenschaft den umfassenderen Bereich des ökonomischen Denkens gegenüber und zieht es vor, den eigentlichen Bereich der „ökonomischen Analyse“ abzugrenzen einerseits von Wirtschaftspolitik, andererseits von der Wirtschaftssoziologie. Unter einem „System der politischen Ökonomie“ versteht er insbesondere die Darstellung eines geschlossenen wirtschaftspolitischen Systems, bei welcher sich der Autor auf bestimmte konstitutive normative Prinzipien stützt (wie etwa Adam Smith auf den ökonomischen Liberalismus oder Karl Marx auf den Sozialismus). Ein derartiges System kann indes daneben auch mehr oder weniger hohe Anteile ökonomischer Analyse beinhalten.[6]

Politische Ökonomie des Marxismus

Für den Marxismus ist im Anschluss an die Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx (Das Kapital) „politische Ökonomie“ die Wissenschaft von der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse. Aus ihrer Sicht untersucht sie Gesetze, denen die Produktion und die Verteilung der materiellen Güter in der menschlichen Gesellschaft auf ihren unterschiedlichen Entwicklungsstufen unterworfen sind.

Neuere Ansätze der Politischen Ökonomie

In seinem Buch "Seminar: Politische Ökonomie. Zur Kritik der herrschenden Nationalökonomie" stellte Winfried Vogt 1973 im Suhrkamp Verlag neuere Ansätze der Politischen Ökonomie vor.

An der Bergischen Universität Wuppertal wurde um die Jahrtausendwende ein Lehrstuhl "Politische Ökonomie" neu eingerichtet.

Der Ökonom Birger Priddat als Exponent der historischen Schule übernahm über längere Zeit an der Universität Witten-Herdecke den Lehrstuhl für Politische Ökonomie. Seit 2013 ist er wie schon zuvor dort wiederum Lehrstuhlinhaber für "Volkswirtschaftslehre und Philosophie".

Einzelnachweise

  1. V. Band, Diderot, d’Alembert, 337–349, Nov. 1755.
  2. Jean-Jacques Rousseau: Politische Ökonomie. Text französisch – deutsch. (Hans-Peter Schneider, Brigitte Schneider-Pachaly.) Klostermann, 1977, Auflage: 1, ISBN 3-465-01201-1.
  3. Joseph A. Schumpeter, Elizabeth B. Schumpeter, Hrsg.: Geschichte der ökonomischen Analyse. Erster Teilband. Vandenhoeck Ruprecht, Göttingen 1965. S. 53.
  4. Wolfgang Schluchter: Die Entstehung des modernen Rationalismus. Eine Analyse von Max Webers Entwicklungsgeschichte des Okzidents. 1. Auflage, Frankfurt am Main 1988. ISBN 3-518-28947-0. S. 12 f.
  5. Eugen von Philippovich: Grundriß der Politischen Oekonomie. Erster Band: Allgemeine Volkswirtschaftslehre. 9. neu bearbeitete Auflage, Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1911. S. 5.
  6. Joseph A. Schumpeter, Elizabeth B. Schumpeter, Hrsg.: Geschichte der ökonomischen Analyse. Erster Teilband. Vandenhoeck Ruprecht, Göttingen 1965. S. 73.
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