Regenbogen-Meditation

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Die Regenbogen-Meditation, die Rudolf Steiner für Bühnenkünstler als Anregung für die farbliche Szenengestaltung gegeben hat, schult das seelische Erleben der Farben.

"Es gibt eigentlich nichts Schöneres für die Entwickelung des dekorativen Sinnes für die Bühne, als den Regenbogen zu erleben. Rechte Hingabe zu haben für den Regenbogen, das entwickelt ungemein den Blick und das innere Können für die Szenengestaltung.

Der Regenbogen... Ich möchte beten: da fängt der Regenbogen an, in dem äußersten Violett, das hinaus schimmert bis in die intensive Unermeßlichkeit. Es geht in Blau über = die ruhige Seelenstimmung. Es geht über in Grün = es ist so, wie wenn unsere Seele ausgegossen wäre, wenn wir hinaufblicken zu dem Grünrund des Regenbogens, über alles Wachsende, Sprossende, Blühende. Und als ob wir von den Göttern kämen, an die wir betend hingegeben waren, wenn wir vom Violett, Blau her kommen vom Regenbogen zum Grün. Dann aber wiederum lebt im Grün alles, was uns wie die Tore öffnet zum Bewundern, zur Sympathie und Antipathie mit allen Dingen. Haben Sie das Grün des Regenbogens eingesogen, so lernen Sie alle Wesen der Welt bis zu einem gewissen Grade verstehen. Und gehen Sie herüber zum Gelb: Sie fühlen sich innerlich gefestigt, Sie fühlen, Sie dürfen Mensch sein in der Natur; es ist mehr als die übrige Natur. Gehen Sie herüber zum Orange: Sie fühlen Ihre eigene innere Wärme, Sie fühlen manche Mängel und Vorzüge Ihres Charakters. Gehen Sie über zum Rot, so wie die andere Seite des Regenbogens wiederum übergeht in die Unermeßlichkeit der Natur, da fühlen Sie, was aus Ihrer Seele herauskommt an jauchzender Freude, an begeisterter Hingebung, an Liebe zu den Wesen.

Ach, die Menschen sehen vom Regenbogen ja nur den Körper! Wie sie ihn anschauen, den Regenbogen, das ist nur so, wie wenn man einen Menschen aus Papiermache vor sich hätte und zufrieden wäre: eine unbeseelte Menschenform. Das andere sehen und fühlen die Menschen alle vom Regenbogen nicht heraus. Wenn die Zöglinge von Schauspielschulen Exkursionen machen, dann sollte in diese Exkursionen die Möglichkeit aufgenommen werden - natürlich kann man sich das nicht wählen, aber es kommt vor, öfter als man denkt -, die Möglichkeit, den Regenbogen zu erleben [...]

Nun, im seelischen Anschauen der Farben des Regenbogens schaut der Mensch nicht mehr dasjenige an, was bloß äußere Natur ist, sondern er wird gegenüber dem Geistig-Seelischen, das in der Natur waltet und das hereingenommen werden muß auf die Bühne - sonst ist die Dekoration keine wirklich künstlerische -, zum naiven Weltenbetrachter im Geistig-Seelischen. Und man lernt wieder verstehen, wenn man den Regenbogen anschaut, den Kindervers, den man in älteren Zeiten immer wieder und wiederum gehört hat:

Kind es kommt der liebe Gott gezogen
Auf einem schönen Regenbogen.

" (Lit.: GA 282, S. 300ff)

Literatur

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