Reinkarnationsgedächtnis

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rudolf Steiner hat mehrfach auf ein neues Reinkarnationsgedächtnis hingewiesen, das die Menschen zunehmend entwickeln werden. Im abgelaufenen Gabriel-Zeitalter (1510 - 1879 n. Chr.), das vor allem dazu diente, die Kräfte der Verstandesseele auf das Niveau der Bewusstseinsseele heraufzuheben, wurde durch umgewandelte Fortpflanzungskräfte ein neues Organ im Vorderhirn ausgebildet. Dieselben Kräfte, die dieses Organ ausgebildet haben, sind seit Beginn des Michael-Zeitalters freigeworden und liefern die Basis für ein neues spirituelles Denken. Dadurch wird sich den Menschen durch die natürliche Entwicklung – also ohne Einweihung - auch wieder der Rückblick auf vergangene Erdenleben eröffnen. Den rechten Gebrauch von diesem neuen Reinkarnationsgedächtnis wird man aber nur machen können, wenn man sich genügend in geisteswissenschaftlichem Denken übt – sonst wird das zu allerlei nervösen Störungen führen.

"Gabriel war der leitende Geist in derjenigen Kulturperiode, die eben abgelaufen ist für die geistige Welt mit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Denn in der Tat beginnt mit diesem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts - und dies wird immer mehr hervortreten - eine Epoche, in welcher ganz andere Einflüsse und Impulse aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche hineinströmen. Während in der verflossenen Epoche die Menschenseelen vorzugsweise hingerichtet waren auf das, was die Sinne schauen, der Verstand begreifen kann, werden die Menschen der kommenden Zeit, welche die fortschreitende Entwickelung nicht verschlafen wollen, vorzugsweise zu beachten haben, wie immer mehr übersinnliche Weisheit und Erkenntnisse hereindringen werden aus den übersinnlichen Welten in die irdische sinnliche Entwickelung.

Wenn man äußerlich charakterisieren will, könnte man sagen: In der abgelaufenen Epoche hatten die übersinnlichen Wesen genug damit zu tun, die Inspirationen, die Intuitionen, die hereinfließen können aus den übersinnlichen Welten, möglichst abzuhalten von dem physischen Leben. Es hatten die Hierarchien damit zu tun, daß sie nicht hineinfließen konnten in die Seelen. Von jetzt an werden die übersinnlichen Kräfte so gelenkt und geleitet von der übersinnlichen Welt aus, daß möglichst viele Inspirationen und Intuitionen hineinfließen können in die Menschenseele, so daß ein Wissen von Imagination, Inspiration, Intuition die Menschenseele wird ergreifen können. So bar allen inspirierten Wesens, aller Erkenntnisse des Geistigen das abgelaufene Zeitalter war, so erfüllt von inspiriertem, von intuitivem Wesen werden die wirklich lebendigen Kulturimpulse der folgenden Zeit sein.

Unmöglich wäre es gewesen, vor fünfzig Jahren dasjenige zu Menschen zu sprechen, was durch den notwendigen Gang der Weltenentwickelung heute zu Ihnen gesprochen werden kann, weil es damals unmöglich gewesen wäre, unmittelbar aus den geistigen Welten diese Dinge herunter zu bekommen. Das Tor ist erst jetzt geöffnet worden. Und wie die verflossenen Zeiten am günstigsten für die Verstandesentwickelung waren, so wird die nächste Zeit am günstigsten sein für die Entwickelung der Inspiration und Intuition.

Hart aneinander stoßen zwei Zeitalter: Eines, das abgeneigt war aller Inspiration, und eines, in dem zwar mächtige Kräfte mit allen Mitteln ankämpfen werden gegen alle Inspiration, in dem aber die Möglichkeit sein wird, die Inspiration aufzunehmen, sie zum Tonangebenden zu machen in den Menschenseelen.

Und wenn wir in die Sache weiter hineinschauen, so entdecken wir, daß die übersinnlichen Kräfte, die nicht unmittelbar hineinfließen konnten in die Menschenseelen im abgelaufenen Zeitalter, nicht etwa untätig waren. Das, was eine äußere Physiologie nicht konstatieren kann, ist doch Wahrheit: Im Zeitalter des Gabriel ist auch gearbeitet worden von der übersinnlichen Welt aus in die sinnliche hinein. Diese Arbeit ist geleistet worden am physischen Leib des Menschen. Innerhalb des Vorderhirns entstanden in dieser Zeit feine Strukturen, die nach und nach durch das Gabriel-Regiment in die menschliche Generation eingepflanzt worden sind, wodurch die Menschen zum großen Teil mit solchem Gehirn geboren werden, welches andere, feinere Strukturen hier am Vorderhirn hat, als es bei den Menschen des 12. und 13. Jahrhunderts noch der Fall war.

Das war die Aufgabe des Zeitalters, in dem die Menschen den Sinn lenkten auf das Physisch-Sinnliche, abgeschlossen waren gegen das Inspirierte, daß in die Leiblichkeit hinein sich die Impulse der übersinnlichen Welt ergossen und diese feine Struktur im Gehirn ausbildeten.

Und immer mehr und mehr wird diese Struktur da sein bei denen, die jetzt sich fähig fühlen werden, zum aktiven Denken und zum Verstehen der Geisteswissenschaft fortzuschreiten. Und dann werden in unserer Epoche, in derjenigen Epoche, an deren Anfang wir eigentlich erst stehen, die übersinnlichen Kräfte nicht verbraucht, um Strukturen im Gehirn zu bilden, sondern um unmittelbar in die Seelen einzufließen, durch Imagination und Inspiration zu wirken, einzufließen in die menschlichen Seelen. Das ist das Michael-Regiment.

So unterscheiden sich zwei Wesenheiten in der Reihenfolge der Archangeloi dadurch, daß der eine, Gabriel, der geleitet hat den Menschen unmittelbar vor unserem Zeitalter, gearbeitet hat an der feineren Ausbildung des Gehirns, und daß derjenige, der nun beginnt zu arbeiten, nicht die Aufgabe hat, ein menschliches Organ umzugestalten, sondern einzupflanzen in die menschlichen Seelen Verständnis für die spirituelle Wissenschaft. So grenzen wir voneinander ab die Wesenheiten, welche der Hierarchie der Archangeloi angehören.

An diesen zwei Beispielen versuchte ich, Ihnen gleichsam konkrete Eigenschaften, Charaktereigenschaften dieser beiden Wesenheiten hinzustellen. Nicht mit Namen wollen wir uns begnügen; denn, wie wir nichts wissen von einem Menschen, wenn wir nur wissen, daß er Müller heißt, so wissen wir auch nicht viel von Gabriel, wenn wir nur seinen Namen wissen. Aber dann wissen wir etwas von einem Menschen, wenn wir angeben können, er ist ein mitleidsvoller Mensch, er hat dies oder jenes getan. So wissen wir auch etwas von einer übersinnlichen Wesenheit, wenn wir sagen können, daß sie Kräfte einfließen ließ in den physischen Menschenleib, die Kräfte, die gewisse Strukturen im Vorderhirn haben entstehen lassen durch die menschliche Fortpflanzungskraft. Und wir charakterisieren den Geist, die Wesenheit, die auf ihn folgt, richtig, wenn wir aufweisen seine Tätigkeit im Erreichen des Verständnisses für die inspirierten, intuitiven Wahrheiten. Nicht so sehr für den Geistesforscher, den Initiierten selbst, sondern für diejenigen, die verstehen wollen die Geistesforschung, die zu aktivem Denken übergehen wollen, wirkt Michael, wenn die Kräfte des aktiven Denkens immer mehr in der Menschheit sich ansammeln in den folgenden Jahrhunderten.

Dieser Übergang ist noch in anderer Beziehung ein wichtiger. Durch dasjenige, was da geschehen ist, bildet sich immer mehr eine Menschheit heran, die durch ihre Organisation in der Lage ist, gedächtnismäßig in zukünftigen Inkarnationen wirklich zurückzuschauen auf frühere Inkarnationen. Aber die Menschheit muß sich in diese Lage erst versetzen.

Man kann sich nicht an etwas erinnern, an das man niemals gedacht hat. Wenn man abends gedankenlos seine Manschetten ausgezogen hat und gedankenlos die Knöpfe hinlegt, so kann man sie am ändern Morgen nicht finden, weil man nicht daran gedacht hat. Wenn man den Gedanken gefaßt hat, sich das Bild der Umgebung von den Knöpfen, die man abgelegt hat, einzuprägen, wird man am nächsten Morgen schnurstracks zu dem Platze hingehen, wo man sie hingelegt hat.

So wie das für das gewöhnliche Leben gilt in bezug auf das Erinnerungsvermögen, so sollte es auch begriffen werden für den großen Horizont in bezug auf frühere Erdenleben. An das innerste Wesen der Seele müssen wir uns zuerst erinnern, an das, was wirklich hinübergeht in das Wesen der Seele. Aber dazu müssen wir dieses innerste Wesen zuerst erfaßt haben. Das können wir nur durch okkulte Schulung. Wenn man sich nicht bemüht hat, den Gedanken des Wesens der Seele zu haben in der früheren Inkarnation, so kann man sich auch nicht daran zurückerinnern, mag man noch so gut organisiert sein. Organisiert zur Rückerinnerung werden die Menschen sein, aber sie werden diese Organisation zunächst als Krankheit empfinden, als Nervosität, als einen furchtbaren Zustand, wenn sie sie nicht gebrauchen können. Denn sie werden organisiert sein, um sich zurückzuerinnern, aber sie haben nichts, woran sie sich erinnern können. Wenn der Mensch Eindrücke hat, die er nicht verwerten, Organe in sich hat, die er nicht gebrauchen kann, dann erkrankt er.

Dem gehen wir entgegen, daß die Menschen in den folgenden Zeitaltern dazu organisiert sein werden, sich zurückzuerinnern an frühere Erdenleben, daß aber nur diejenigen sich erinnern können, die etwas zum Erinnern haben, die also das Menschenseelenwesen in seiner Eigenart als Glied der geistigen Welt durch okkulte Schulung erkannt haben. In jedem Leben, das auf ein solches folgt, in dem man die Seele als Geistwesen erkannt hat, kommt die Rückerinnerung an frühere Erdenleben." (Lit.: GA 152, Stuttgart, 18. Mai 1913)

"Sehen Sie, Sie alle waren einmal hellsehend in uralten Zeiten. Denn alle Menschen waren hellsehend, und zwar gab es Zeiten, in denen die Menschen zurückgesehen haben weit, weit in der Zeitenwende. Und nun können Sie fragen: Ja, warum erinnern wir uns nicht an unsere früheren Inkarnationen, wenn wir doch schon in der Zeitenwende rückwärtsschauen konnten? Das müßte Ihnen ein Beweis sein für die eine Tatsache, daß es Ihnen gar nichts geholfen hat für diese Fähigkeit, zum Beispiel sich nun zurückzuerinnern, daß Sie früher in Ihre Inkarnationen zurück schauen konnten. Und Sie könnten die Frage aufwerfen: Nützt es uns also zunächst eigentlich etwas für eine folgende Inkarnation, wenn wir jetzt visionär hellsehend werden, für die Rückerinnerung? - Die eine Tatsache können Sie sich ja schon vor Augen halten: daß das alte Hellsehen nichts nützt für das Zurückschauen heute, denn das haben Sie alle gehabt. Warum erinnern sich heute so viele Menschen nicht an ihre vorhergehenden Inkarnationen? Die Frage ist außerordentlich wichtig. Es erinnern sich so viele nicht an ihre früheren Inkarnationen, obwohl sie in höherem oder geringerem Maße hellsichtig waren in früheren Zeiten, weil sie damals nicht ausgebildet hatten diejenigen Fähigkeiten, die gerade die Fähigkeiten des Selbstes, des Ichs sind. Denn nicht darum handelt es sich, daß man hellseherische Fähigkeiten ausgebildet hat, sondern daß man dasjenige, was gesehen werden soll, wirklich schon ausgebildet hat.

Wenn nun die Menschen früher noch so hellsichtig gewesen sind und nicht dafür gesorgt haben, gerade diejenigen Fähigkeiten auszubilden, welche die Fähigkeiten des Ichs sind, nämlich die Fähigkeit des Denkens, des Unterscheidungsvermögens, dasjenige, was die besondern Fähigkeiten des menschlichen Selbstes auf dieser Erde sind, so war ja das Ich nicht da in den vorhergehenden Inkarnationen. Es war die Selbstheit nicht da. Woran soll man sich dann erinnern? Man muß in der vorhergehenden Inkarnation dafür sorgen, daß ein in sich geschlossenes Ich da war. Darauf kommt es an! So daß also heute nur diejenigen Menschen sich an frühere Inkarnationen erinnern können, die in diesen früheren Inkarnationen gearbeitet haben mit den Mitteln des Denkens, der Logik, des Unterscheidungsvermögens. Diese können sich erinnern. Es kann also bei jemandem das Hellsehen noch so sehr ausgebildet werden: wenn er nicht in früheren Inkarnationen gearbeitet hat mit den Mitteln des Unterscheidungsvermögens, des logischen Denkens, dann kann er sich an eine frühere Inkarnation nicht erinnern. Damals hat er nicht hingesetzt die Marke, an die er sich erinnern soll. Da werden Sie sehen, daß man eigentlich, wenn man Anthroposophie versteht, sich überlegen sollte, daß man nicht schnell genug herangehen kann, diese Fähigkeiten gerade des gründlichen Denkens sich zu erobern." (Lit.: GA 117, S. 78f)

"Erst dadurch, daß die Menschen einmal ein Leben anwenden - wozu die Menschheit erst in unserer Zeit reif geworden ist -, um in Gedanken zu erfassen das eigene Selbst, erst dadurch wird für das nächste Erdenleben vorbereitet das Erinnern. Denn man muß zuerst nachgedacht haben über dasjenige, woran man sich erinnern soll. Nur diejenigen, die in früheren Zeiten durch die Einweihung, die ja nicht immer in Mysterien erworben sein muß, wirklich sachgemäß hinschauen konnten auf das eigene Selbst, die können in der Gegenwart - und die Menschen sind ja nicht so selten, die es können - wirklich zurückblicken auf frühere Erdenleben. Aber die Sache liegt doch so, daß die Menschen auch in bezug auf ihre rein körperliche Entwickelung eine Umwandlung durchmachen. Diese Dinge lassen sich nicht physiologisch äußerlich, aber geisteswissenschaftlich beobachten. Die Menschheit ist heute nicht so, wie sie vor zwei Jahrtausenden war mit Bezug auf ihre körperliche Konstitution, und sie wird nach zwei Jahrtausenden wiederum nicht so sein wie heute. Über diese Sache habe ich ja öfter gesprochen. Die Menschen leben in eine Zeit, in eine Zukunftszeit hinein, in der - wenn ich mich banal ausdrücken möchte -die Gehirne anders konstruiert sein werden, als die Gehirne heute beim Menschen konstruiert sind in äußerer Beziehung. Das Gehirn wird die Möglichkeit der Rückerinnerung an frühere Erdenleben haben. Aber diejenigen, die heute nicht vorgesorgt haben werden durch Nachdenken über das eigene Selbst, die werden diese Fähigkeit, die doch in ihnen mechanisch sein wird, nur wie eine innere Nervosität - um den heutigen Ausdruck zu gebrauchen -, wie einen inneren Mangel empfinden. Sie werden nicht finden, was ihnen fehlt, weil die Menschheit mittlerweile mit Bezug auf ihre Körperlichkeit reif wird, zurückzuschauen auf ihre früheren Erdenleben. Aber wenn sie nicht vorbereitet hat diese Rückschau, so kann sie nicht zurückschauen. Dann empfindet sie die Fähigkeit nur als einen Mangel. Deshalb liegt es im richtigen Erkennen der gegenwärtigen Umwandlungskräfte der Menschheit selbst, daß durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft die Menschen zur Selbsterkenntnis gebracht werden." (Lit.: GA 194, S. 70f)

"In der jetzigen Menschheitsperiode wird ein zartes Organ vorbereitet, das für den äußeren Anatomen und Physiologen nicht bemerkbar ist. Und doch existiert es anatomisch. Dieses Organ liegt im menschlichen Gehirn, in der Nähe des Sprachorgans. Die Entwickelung dieses Organs in den Gehirnwindungen ist nicht das Ergebnis des Karma individueller Seelen, sondern sie ist ein Ergebnis der menschlichen Evolution als eines Ganzen auf der Erde, und in der Zukunft werden alle Menschen dieses Organ besitzen, ganz gleich was die Entwickelung der Seelen sein mag, die sich in diesem Körper inkarnieren werden, und ganz unabhängig von dem Karma, das mit diesen Seelen verbunden ist.

Dieses Organ wird in einer zukünftigen Inkarnation von Menschen besessen werden, die gegenwärtig vielleicht der Anthroposophie feindlich sind, wie von denjenigen, die ihr jetzt sympathisch gegenüberstehen. Dieses Organ wird in der Zukunft das physische Instrument für gewisse Seelenkräfte sein, genauso wie zum Beispiel Brocas Organ in der dritten Gehirnwindung das Organ für die menschliche Fähigkeit der Sprache ist.

Wenn dieses Organ entwickelt ist, kann es von der Menschheit entweder richtig angewendet werden oder auch nicht. Diejenigen werden es richtig anwenden können, die jetzt die Möglichkeit vorbereiten, die jetzige Inkarnation wahrheitsgemäß in der Erinnerung zu haben, wenn sie in der nächsten sein werden. Denn dieses physische Organ wird das physische Mittel für die Erinnerung an eine frühere Inkarnation sein, was jetzt nur erreicht werden kann durch eine höhere geistige Entwickelung.

Gegenwärtig kann für die weitaus größte Zahl von Menschen die Erinnerung an frühere Inkarnationen nur erlangt werden durch höhere geistige Entwickelung, durch Initiation. Aber das, was in jetzigen Zeiten nur durch Initiation erlangt werden kann, wird später gewissermaßen Gemeingut der Menschheit. Unser heutiges Wissen war früher das besondere Wissen der atlantischen Eingeweihten allein, jetzt kann es jeder besitzen. In derselben Weise ist die Erinnerung an frühere Erdenleben gegenwärtig nur den Eingeweihten möglich, aber in der Zukunft wird jede menschliche Seele im Besitz derselben sein.

Dem Eingeweihten ist es möglich, gewisse Kenntnisse ohne den Gebrauch eines physischen Organes zu erlangen, aber dieses Wissen kann nur dann das Gemeingut der Menschheit werden, wenn die Menschheit als Ganzes im Laufe der Evolution ein äußeres physisches Organ entwickelt, wodurch es erlangt werden kann. Die reinkarnierten Seelen müssen jedoch dieses Organ richtig gebrauchen können, mit dessen Hilfe man sich später an seine früheren Inkarnationen erinnern wird. Nur diejenigen, die in der jetzigen Inkarnation okkulte Gedanken und Ideen deutlich in die Akasha-Substanz eingeschrieben haben, werden dieses Organ auf die richtige Weise gebrauchen können.

Man hört oft sagen: Was nützt es, an frühere Leben zu glauben, wenn die Menschheit im allgemeinen sich an nichts davon erinnern kann? - Man sollte lieber denken, wie viel erstaunlicher es wäre, wenn nach dem, was man vom Leben weiß, die Menschheit im allgemeinen schon jetzt sich ihrer früheren Leben erinnern könnte. Wenn wir uns fragen, was nötig ist, damit wir uns überhaupt an etwas erinnern können, so müßten wir antworten: Wir können uns nur dessen erinnern, was wir vorher gedacht haben.

Das alltägliche Leben kann uns dies lehren. Denken Sie sich, daß jemand seine Manschettenknöpfe nicht finden kann, wenn er des Morgens aufsteht. Er sucht sie überall, kann sie aber nicht finden. Warum kann er sie nicht finden? Weil er, während er sie weglegte, nicht an das gedacht hat, was er tat. Lassen Sie ihn das gegenteilige Experiment machen, lassen Sie ihn jeden Abend, während er seine Manschettenknöpfe weglegt, versuchen, sich klar bewußt zu sein: Ich lege meine Manschettenknöpfe an diesen Platz, - er wird sich dann nie irren, sondern wird gerade dahin gehen, wo er sie hingelegt hat. Der Gedanke ruft den Vorgang in seine Erinnerung zurück. Wenn wir in einer zukünftigen Inkarnation leben, so werden wir uns nur dann an die vergangenen erinnern, wenn wir uns an die wahre Natur der Seele erinnern können, die fortdauert von einer Inkarnation zu der anderen. Derjenige, der im jetzigen Leben nicht okkulte Wissenschaft studiert, kann keine Erkenntnisse von der Beschaffenheit und Wesenheit der Seele erlangen, und wenn er diese Kenntnisse nicht hat, wie sollte er, wenn er wieder inkarniert ist, sich an das erinnern, woran er nie gedacht hat in der früheren Inkarnation?

Durch das Studium der Geisteswissenschaft, welches unter anderen Dingen das Studium der Wesenheit der Seele einschließt, bereiten wir in unserem Inneren dasjenige vor, was uns ermöglichen wird, in einer künftigen Inkarnation uns an das zu erinnern, was in dieser jetzigen geschehen ist. Es gibt jedoch gegenwärtig viele Menschen, die sich noch nicht dem Studium dieses Wissens widmen wollen. Diese werden wiedergeboren, vielleicht in der nächsten Inkarnation mit dem vorher erwähnten Organ für die Erinnerung an frühere Leben physisch ausgebildet, aber sie haben sich nicht so vorbereitet, daß sie sich an die Vergangenheit erinnern könnten.

Was für eine Bedeutung hat dann die Geisteswissenschaft noch im heutigen Leben zu all dem hinzu, was wir bereits gesagt haben? Durch sie erlangen wir die Möglichkeit, in der richtigen Weise das Organ zu gebrauchen, welches in den Menschen der Zukunft entwickelt wird, nämlich das Organ für die Erinnerung an frühere Erdenleben. In unserer jetzigen Inkarnation müssen wir die Erkenntnisse unserer Seele in die Akasha-Substanz einschreiben, um in unserer nächsten Inkarnation das Organ für die Erinnerung an die Vergangenheit in der richtigen Weise gebrauchen zu können, das Organ, welches sich im Menschen entwickelt, ob er will oder nicht. Also in der Zukunft wird es Menschen geben, die das erwähnte Organ für die Erinnerung an frühere Erdenleben werden gebrauchen können, und andere, die es nicht werden gebrauchen können. In diesen letzteren werden gewisse Krankheiten sich zeigen, weil sie in ihrem physischen Leib ein Organ haben werden, welches sie nicht gebrauchen können. Ein Organ zu besitzen und unfähig sein, es zu gebrauchen, ruft nervöse Krankheiten von einer ganz bestimmten Art hervor, und diese Nervenerkrankungen, die dadurch entstehen werden, daß man dieses besondere Organ besitzt und es nicht gebrauchen kann, werden viel schlimmere sein als alle diejenigen, die der Mensch bis jetzt gekannt hat.

Wenn man auf diese Weise den Zusammenhang der Tatsachen betrachtet, fängt man an, eine Idee zu bekommen von der Mission der Geisteswissenschaft und von der wahren Bedeutung eines Verständnisses des Lebens und der Menschheit durch das Studium dieser Erkenntnis. Aber für den Fall, daß der Eindruck, den diese Betrachtung auf Sie gemacht hat, zu Mißverständnissen führen sollte, will ich noch eine andere Tatsache erwähnen, welche das mildern kann, was peinlich an diesem Eindrucke war. Obgleich der wahre Okkultist sehen kann, daß die Geisteswissenschaft in das spirituelle Leben unserer gegenwärtigen Zeit eintreten muß, damit der Mensch der Zukunft das Organ für die Erinnerung gebrauchen könne und physisch in guter Gesundheit bleibe, so kann doch zu gleicher Zeit durchaus nicht behauptet werden, daß ein Mensch, der in der jetzigen Zeit nicht bereit ist, Geisteswissenschaft aufzunehmen, für seine folgende Inkarnation auf die vorher beschriebene Weise verloren sein wird. Es wird für lange Zeit in der Zukunft einem Menschen immer noch möglich sein, wenn er auch das Angedeutete vernachlässigt hat, nämlich in diesem Leben sich den Gebrauch des Organs für die Erinnerung anzueignen, dies im nächsten Leben gutzumachen, denn er wird noch einige Gelegenheiten haben, seine Gesundheit wiederherzustellen und geisteswissenschaftliche Wahrheiten zu erlangen. Aber die Zeit wird kommen, wo diese Möglichkeit aufhören wird." (Lit.: GA 152, S. 20ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Vorstufen zum Mysterium von Golgatha, GA 152 (1990)
  2. Rudolf Steiner: Die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens im Lichte der Evangelien, GA 117 (1986), Stuttgart, 13. November 1909
  3. Rudolf Steiner: Die Sendung Michaels, GA 194 (1983), Vierter Vortrag, Dornach, 28. November 1919
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.