Sothis-Zyklus

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Das Sternbild Sopdet mit dem Stern Sirius in Hieroglyphen
Mittleres Reich
R8M44t
N14
N33
N33 N33
[1]
Sopdet
Spd.t
Die Spitze? [2]
Griech.-röm. Zeit
R8M44
X1
N14
H8
[3]
Griechisch Σωθις (Sothis)
Sirius A and B artwork.jpg
Sirius (links) und sein kleinerer Begleiter Sirius B (rechts)
(Fotomontage)
Die Göttin Sothis (Sopdet)

Der Sothis-Zyklus (auch Sothis-Periode genannt) umspannte im Alten Ägypten einen Zeitraum von 1460 Jahren. So lange dauert es, bis der heliakische Aufgang des Sirius, d.h. sein erstmaliges Erscheinen nach einer etwa 70-tägigen Unsichtbarkeit am östlichen Morgenhimmel unmittelbar vor Sonnenaufgang (Morgenerst), einmal ein ganzes Jahr des Ägyptischen Kalenders durchläuft. Dieses Datum verschiebt sich im Laufe der Zeit, da der Ägyptische Kalender 365 Tage zählte, die tatsächliche Länge des tropischen Jahres aber ca. 365 1/4 Tage umfasst (365 x 4 = 1460). Der heliakische Aufgang des Sirius galt als Verkünder der unmittelbar bevorstehenden Nilschwemme und wurde mit dem Sothis-Fest, dem ägyptischen Neujahrsfest, gefeiert. Tatsächlich fielen um 2000 v.Chr. beide Ereignisse annähernd zusammen. Zufällig durchläuft auch der Frühlingspunkt, der sich durch die Präzession der Erdachse beständig verschiebt, den 365-Tage-Kalender in 1460 Jahren.

Die ägyptischen Mysterien, die von Thot-Hermes (Trismegistos), dem legendären Inaugurator und Lehrer der ägyptischen Kultur begründet wurden, sollen zurückreichen bis in jene Zeit, die drei Sothis-Perioden vor dem Jahr 1322 v.Chr. lag, das den Auszug Israels aus Ägypten bezeichnet, also bis in das 6. vorchristliche Jahrtausend.

"Die Sternenschrift hat Hermes heruntergetragen in die Mathematik und Geometrie, hat die Ägypter gelehrt, in den Sternen etwas zu finden, was auf der Erde vorgeht. Wir wissen, daß das ganze ägyptische Leben zusammenhing mit den Überschwemmungen des Nils, mit dem, was der Nil aus den Gebirgsgegenden absetzte, die südlich von Ägypten lagen. Wir können aber auch daraus ermessen, wie nötig es war, in einer gewissen Weise vorauszuwissen, wann diese Überschwemmungen des Nils eintreten können, wann die Umgestaltung der natürlichen Verhältnisse im Laufe eines Jahres sich richtig ergeben kann. Ihre Zeitrechnung nahmen die Ägypter auch noch von der Sternenschrift am Himmel. Wenn der Sirius, der Hundsstern, sichtbar wurde in dem Zeichen des Krebses, dann wußten sie: es kommt bald die Sonne in jenes Zeichen, von dem herabgehend ihre Strahlen sozusagen hervorzaubern, was auf dem Erdboden der Nil mit seinen Überschwemmungen bringt. So wußten sie: Sirius ist der Wachsame, er kündigt an, was wir zu erwarten haben. Das war ein Teil ihrer Sternen-Weltenuhr. Um in richtiger Weise das Land zu bebauen und zu beherrschen, was für das äußere Leben nötig war, blickte man dankbar hinauf zum Hundsstern. Und man blickte weher hinauf, wo in altersgrauen Zeiten die Lehre ihnen gegeben worden ist, daß die Bewegung der Sterne der Ausdruck ist der Weltenuhr.

Für solche und ähnliche Verhältnisse haben sich die Ägypter Rat geholt in der Sternenschrift. In Thoth oder Hermes sahen sie denjenigen Geist, der nach den alten Überlieferungen die urältesten Aufzeichnungen der Weltenweisheit gemacht hat, und der nach dem, was er als Inspiration aus der Sternenschrift heraus empfangen hat, die physischen Buchstaben gebildet hat, der den Menschen den Ackerbau gelehrt, die Geometrie, die Feldmeßkunst gegeben hat — kurz, alles das gelehrt hat, was die Menschen zum physischen Leben brauchen. Alles physische Leben aber ist nichts anderes als der Leib eines geistigen Lebens. Das geistige Leben aber hängt zusammen mit dem ganzen Weltall, und aus diesem heraus war Hermes inspiriert. So erschien bald die ganze Kultur verbunden mit Hermes. Ja, die Ägypter fühlten sich in noch innigerer Weise mit ihm verbunden. Nehmen wir zum Beispiel an, daß ein Ägypter im Jahre 1322 vor unserer Zeitrechnung zum Himmel hinaufsah, so sah er eine ganz besondere Sternkonstellation. Denn die alten Ägypter hatten eine Zeitrechnung, die für die menschlichen Verhältnisse - besonders für das menschliche rechnerische Denken - zunächst bequem war: zwölf Monate zu dreißig Tagen, das gibt - mit fünf Ergänzungstagen - für das Jahr 365 Tage. So hatten sie gerechnet durch die Jahrhunderte hindurch, denn das war sozusagen mathematisch, rechnerisch bequem: ein Jahr war abgelaufen, wenn 365 Tage abgelaufen waren. Da blieb, wie wir aus der gegenwärtigen Astronomie wissen, ein viertel Tag jedesmal unberücksichtigt; das heißt, wenn das ägyptische Jahr zu Ende gerechnet war, so war es um einen viertel Tag zu früh. Wenn Sie es sich ausrechnen, können Sie darauf kommen, daß mit jedem Male das Jahr früher begann: es rückte das Jahr monateweise herein und rückte dann wieder an den Anfang. Das war der Fall nach vier mal 365 Jahren. Nach 1460 Jahren also war jedesmal die Tatsache eingetreten, daß die Himmelsverhältnisse sich wiederum mit der irdischen Rechnung ausgeglichen hatten, indem durch 1460 Jahre hindurch das gesamte Jahr zurückgegangen war. Wenn Sie das dreimal zurückrechnen, von dem Jahre 1322 vor unserer Zeitrechnung angefangen, so kommen Sie hinauf zu der Periode, bis zu welcher die Ägypter ihre uralte heilige Weisheit zurückschrieben, so daß sie sagten: In den alten Zeiten war noch hellstes Hellsehen vorhanden. Mit jedem solchen großen Sonnenjahr, das einen Ausgleich der irdischen Zeitrechnung herbeiführte, hatte die alte hellseherische Kraft um eine Stufe abgenommen. Wir leben jetzt in die vierte Stufe hinein. Unsere Kultur geht schon da hinein, wo wir nur mehr Überlieferungen einer altersgrauen Lehre haben können. Aber wir blicken hinauf durch drei Weltenjahre hindurch zu einer großen Vorzeit, in welcher unser größter Weiser seine Schüler und Nachfolger gelehrt hat, was wir heute - vielfach umgewandelt - in der Schrift haben, in der Mathematik, Geometrie, Feldmeßkunst, in allen übrigen gebräuchlichen Handhabungen unseres Lebens, auch in der Astronomie. Gleichsam sagte sich der alte Ägypter: Uns zeigt unsere menschliche Berechnung, die sich an die bequemen Zahlen von zwölf mal dreißig plus fünf Ergänzungstagen hält, wie uns die göttlich-geistige Welt korrigieren muß. Denn durch das, was wir in unserem Verstande haben, sind wir selbst dem Osiris und der Isis fremd geworden. Wir können nicht genau das Jahr berechnen. Aber wir blicken hinauf in eine verborgene Welt, da korrigieren uns die Mächte, welche die Sterne lenken." (Lit.: GA 060, S. 368ff)

Anmerkungen

  1. Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten. S. 104.
  2. Die gefährliche Göttin gemäß: Alexandra von Lieven: Wein, Weib und Gesang – Rituale für die Gefährliche Göttin. Carola Metzner-Nebelsick (Hrsg.): Rituale in der Vorgeschichte, Antike und Gegenwart. Studien zur Vorderasiatischen, Prähistorischen und Klassischen Archäologie, Ägyptologie, Alten Geschichte, Theologie und Religionswissenschaft (= Internationale Archäologie : Arbeitsgemeinschaft, Symposium, Tagung, Kongress 4). Interdisziplinäre Tagung vom 1.–2. Februar 2002 an der Freien Universität Berlin. Leidorf, Rahden 2003, ISBN 3-89646-434-5, S. 47.
  3. Heinrich Brugsch: Thesaurus inscriptionum Aegyptiacarum. = Altägyptische Inschriften. Band 1: Astronomische und astrologische Inschriften altaegyptischer Denkmäler. Gesammelt, verglichen, übertragen, erklärt und autographiert. Hinrichs, Leipzig 1883, S. 86 (Unveränderter Nachdruck. Akademie-Druck- & Verlags-Anstalt, Graz 1968).

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Antworten der Geisteswissenschaft auf die großen Fragen des Daseins, GA 60 (1983), ISBN 3-7274-0600-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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