Streit

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Streit, auch Zank, Zwist, Zwietracht, Hader, Stunk, ist das offene Austragen einer Meinungsverschiedenheit zwischen zwei oder mehreren Akteuren, Personen, Gruppen oder auch Parteien (Politische Partei, Partei in einem Rechtsstreit, Kriegspartei), die nicht immer offenkundig und nicht notwendigerweise stets feindselig sein muss.

Die Alltags- und Umgangssprache unterscheidet zwischen dem eher vagen „Zank“ und dem „Streit“ mit definierten Streitgegenständen, beispielsweise beim Wettstreit oder beim Rechtsstreit („Zank und Streit“); dabei wird der Begriff „Streit“ zumeist wertfrei oder ambivalent verwendet, wohingegen der Begriff „Zank“ eher abwertend besetzt ist („streitlustig“ gegenüber „zänkisch“).

Die hochdeutsche Standardsprache unterscheidet zudem zwischen den Begriffen „Zwietracht“ (ein die „Eintracht“ störender Streit) und „Hader“ (ein „bitterer“, anhaltender Streit, veraltet auch ein mit Waffen ausgetragener Streit, eine feindselige Auseinandersetzung oder gar ein Krieg): „Zwietracht und Hader säen“, „[…] weit wallt und wogt der Hader.“.

Streit unter Anthroposophen

Es ist durch den öffentlichen Auftritt verschiedenster anthroposophischer Blogs und Diskussionsgruppen im Internet sichtbar, wieviel Streit innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft über den richtigen Weg, auch heute noch existiert[1]. In der Vergangenheit sorgten diverse Mitgliedsausschlüsse, zeitweilige Ausschlüsse von Landesgesellschaften, die sogenannte "Bücherfrage am Goetheanum" und anderes mehr gleichfalls für erheblichen Wirbel und für Unruhe unter den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft. Schon zu Lebzeiten Rudolf Steiners sorgte die "Dornacher Krise von 1915" (vgl. GA 253) um Alice Sprengel und Gefolgschaft für erhebliche Unruhe. Doch Rudolf Steiner selbst gelang es immer wieder, die Anthroposophische Gesellschaft aus gegenseitigen Schlammschlachten und anderen Nickeligkeiten weitgehend herauszuhalten.

"Daskalos machte (...) darauf aufmerksam, wie Streit eine esoterische Bewegung "vergiftet" (sein Wort!) und lähmt."[2]

Daher ist es an der Zeit, sich wieder auf die "Einheit in der Vielheit" (EVI-Prinzip)[3] zu besinnen. Die europäische Bewegung der Grünen beispielsweise, kam nur durch dieses Prinzip zu ihren heutigen Erfolgen.[4]

"In welchen Wirrnissen, in welchem wirrnisvollen Denken eine Weltanschauung lebt, die nicht die sinnvolle Brücke herstellt zu dem, was in der menschlichen Umgebung ist, davon macht man sich heute gar keine Vorstellung. Aber das ist es, was der Erziehung einverleibt werden muß, um nur eines zu erwähnen: dieses sinnvolle Miterleben der Umgebung; nicht bloß verstandesmäßig die Umgebung auffassen, sondern sinnvoll miterleben, so daß man wirklich mit der ganzen Seele die Formen des Tierreiches, des Pflanzenreiches und des Mineralreiches in sich aufnimmt. Was würde man so einem vierzehn-, fünfzehnjährigen Jungen oder Mädchen für eine Wohltat tun, wenn man sie einmal auf einen Spaziergang mitnimmt und sagt: Sieh einmal diese Wolkenbildungen an! – Dann wieder auf einem nächsten Spaziergang, wo die Wolken anders gebildet sind: Nun sieh dir diese Wolken an. Präge dir das ein, so daß du ein Bild hast von diesen Formen! – Nachdem man das Kind eine Zeitlang das Ganze hat anschauen lassen, geht man zu seinem Regal und nimmt Goethes «Naturwissenschaftliche Schriften» heraus, wo er die verschiedenen Wolkenformen, wie sie ineinander und auseinander entstehen, in sinnvoller Weise darstellt. Das Kind wird das sogleich verstehen, wird sogleich in dieses lebendige, sinnvolle Vorstellen der Wolkenformen sich einleben, wird etwas Wunderbares durchmachen. Oder man lasse das Kind im Garten eine Pflanze beobachten, wie sie im Frühling, im Sommer, im Herbste ist, und lese ihm dann aus Goethes Gedichten die «Metamorphose der Pflanzen» vor. Da hat man etwas, was sinnvoll in die Natur hineinführt. Solche Dinge gehören dazu, die Stimmung des erwartungsvollen Lebens zu erzeugen, solche Dinge gehören dazu, wenn erreicht werden soll, daß nicht der Geist zurückgestaut wird und ins Blut, ins Fleisch hineingeht, sondern in entsprechender Weise im Inneren von der Seele ergriffen wird. Gewisse Dinge dürfen eben nicht im Laufe der Entwickelung ins Fleisch gehen, sondern müssen in der Seele bleiben. Was geschieht denn, wenn sie ins Fleisch, ins Blut gehen? Dann begründen sie im Unterbewußten Affekte, Leidenschaften, denen Namen gegeben werden, denen Masken gegeben werden, und die manchmal etwas ganz anderes sind als die Masken, die ihnen gegeben werden. Heute lebt so vieles – und es kommt in der menschlichen Entwickelung zum Ausdruck –, was dadurch entstanden ist, daß ins Blut, ins Fleisch übergegangen ist, was in der Seele hätte bleiben sollen. Und was wird dadurch begründet? Es begründet Streit, Zwietracht, Disharmonie über die Erde hin. Das maskiert sich in allen möglichen Formen." (Lit.: GA 174b, Seite 347f).

"Wenn mehrere Menschen sich mit demjenigen, was sie aus dem Alltagsbewußtsein haben, dann zusammenfinden und nicht mit der vollen Empfindung sich erheben zu der übersinnlichen Welt, wenn sich solche Menschen zusammenfinden, um einfach in der alltäglichen Seelenverfassung die Sprache der übersinnlichen Welt zu hören, dann ist eine unermesslich große Möglichkeit gegeben, daß sie ins Streiten kommen, weil sie untereinander auf die naturgemäßeste Weise zu Egoisten werden. Dagegen gibt es allerdings ein kräftiges Mittel, das aber auch erst in der Menschenseele entwickelt werden muß: das ist das Mittel der innerlichsten durchseelten Toleranz. Aber das muß eben anerzogen werden. Im gewöhnlichen Bewußtsein des alltäglichen Erlebens reicht für die Bedürfnisse, die die meisten Menschen haben, ein recht geringfügiger Grad von Toleranz aus und vieles korrigiert ja einfach die natürliche Umgebung. Wenn der Mensch in der Lage ist, die entgegengesetzteste Anschauung des andern mit derselben Toleranz aufzunehmen, wie seine eigene, dann erst erwirbt er sich die notwendige soziale Seelenverfassung für das Erleben desjenigen, was in der Theorie aus höheren Welten heraus verkündet wird. So wird es verständlich, gerade aus dem Begreifen der Eigentümlichkeit der höheren Welten heraus, daß sehr leicht in Gesellschaften mit geistigem Inhalt Streit und Zank entstehen kann und daß notwendig ist, sich für solche Gesellschaften in einer solchen Weise zu erziehen, daß man in einem unermeßlich weiteren Grade den anderen erträgt, als man das für die physische Welt gewohnt ist." (Lit.: GA 257, Seite 129ff).

Einzelnachweise

  1. Zur Streitgeschichte siehe *Lorenzo Ravagli: Zur Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung
  2. http://www.astrotext-astrosoft.de/Seiten/Leute/Daskalos.htm
  3. Vgl. Rainer Rappmann: Die Anthroposophen und Die Grünen. In: R. Giese (Hg.): Sozial handeln - aus der Erkenntnis des sozial Ganzen. Soziale Dreigliederung heute, Verlag Reinhard Giese, Rabel 1980, S. 220 - 225, hier: S. 225
  4. Vgl. z.B. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13531966.html

Siehe auch

Konflikt

Frieden

Literatur

  • Rudolf Steiner: Die geistigen Hintergründe des Ersten Weltkrieges, GA 174b, Dornach 1974
  • Rudolf Steiner: Probleme des Zusammenlebens in der Anthroposophischen Gesellschaft, GA 253, Dornach 1989
  • Rudolf Steiner: Anthroposophische Gemeinschaftsbildung, GA 257, Dornach 1965
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