Teleonomie

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Teleonomie (von altgriech. τέλος télos, deutsch ‚Zweck, Ziel, Ende, auf ein Ziel hin strebend‘ und νόμος, siehe auch -nomie) bezeichnet in der Biophilosophie eine kausalanalytische Erklärungsweise für einen zielgerichtet scheinenden Vorgang. Der Begriff wurde von Colin Pittendrigh (in: Behavior and Evolution, 1958) geprägt.

Als teleonomisch werden Prozesse bezeichnet, die allein aus ihren Komponenten und Strukturen erklärt werden. Sie bedürfen dadurch keiner Zusatzannahmen über mögliche externe teleologische oder intentionale Einflüsse. Dies unterscheidet das Konzept der Teleonomie von dem der Teleologie bzw. der Entelechie.

Mit diesem Alternativbegriff zur Teleologie können seitdem Biologen „einen biologischen Tatbestand rein deskriptiv als zweckdienlich oder zielgerichtet kennzeichnen, ohne damit zugleich eine Hypothese über die Herkunft der Zweckdienlichkeit auszusprechen“, z. B. eine transzendente Erklärung in einen naturwissenschaftlichen Zusammenhang hinein zu legen[1], was außerhalb des Bereichs der empirischen Forschung läge.[2] Damit konnte teleologische Ansätze wie etwa der von Hans Driesch begründete Neovitalismus ausgehebelt werden, die weitestgehend als unwissenschaftlich abgelehnt werden. Man konnte sich nun darauf stützen, dass „die Finalität der Lebenserscheinungen auf einer speziellen Form der Kausalität beruhe (z. B. auf Regelprozessen) und dass deren Verständnis die Anerkennung der Finalität nicht aufhebe, sondern untermauere.“[3]. Zu dieser geistigen Entwicklung passte nun die Prägung des neuen Begriffs der Teleonomie.[4]

Literatur

  • Bernhard Hassenstein: Biologische Teleonomie. In: Rüdiger Bubner, Konrad Cramer, Reiner Wiehl. (Hrsg.): Teleologie. neue hefte für philosophie. Band 20 Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1981, S. 60–71.(online)
  • Bernward Grünewald: Teleonomie und reflektierende Urteilskraft. In: Wahrheit und Geltung. Festschrift für Werner Flach, hrsg. v. R. Hiltscher u. A. Riebel, Würzburg 1996, S. 63–84.
  • Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft, Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1900 ff., AA V.
  • Wolfgang Kullmann: Die Teleologie in der aristotelischen Biologie. Aristoteles als Zoologe, Embryologe und Genetiker. Heidelberg (Universitätsverlag C. Winter) 1979. Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse, 1979/2. Abhdl.
  • Konrad Lorenz: Ganzheit und Teil in der tierischen und menschlichen Gemeinschaft. Eine methodologische Erörterung. Studium Generale 3, 455–499, 1950
  • Konrad Lorenz: Vergleichende Verhaltensforschung. Grundlagen der Ethologie. Wien/New York (Springer) 1978
  • Ernst Mayr: Teleological and teleonomic: a new analysis. Boston Studies in the Philosophy of Science 14, 91–117, 1974; leicht verändert neu erschienen unter der Überschrift "Teleologisch und teleonomisch: eine neue Analyse" als Kap. 11 des Buches desselben Autors: Evolution und die Vielfalt des Lebens. Berlin/Heidelberg/New York (Springer) 1979
  • Jacques Monod, Zufall und Notwendigkeit. Philosophische Fragen der modernen Biologie. Übers. Friedrich Griese. Piper, München 1971 ISBN 3-492-22290-0; später dtv-TB
  • Colin Pittendrigh: Adaptation, natural selection and behavior. In: Roe, A. and Simpson, G. G. (eds.): Behavior and evolution. New Haven (Yale University Press) 1958 (S. 394)

Einzelnachweise

  1. Bernhard Hassenstein: Biologische Teleonomie. In: Rüdiger Bubner, Konrad Cramer, Reiner Wiehl. (Hrsg.): Teleologie. neue hefte für philosophie. Band 20 Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1981, S. 60.
  2. Bernhard Hassenstein: Biologische Teleonomie. In: Rüdiger Bubner, Konrad Cramer, Reiner Wiehl. (Hrsg.): Teleologie. neue hefte für philosophie. Band 20 Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1981, S. 63.
  3. Bernhard Hassenstein: Biologische Teleonomie. In: Rüdiger Bubner, Konrad Cramer, Reiner Wiehl. (Hrsg.): Teleologie. neue hefte für philosophie. Band 20 Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1981, S. 62.
  4. Bernhard Hassenstein: Biologische Teleonomie. In: Rüdiger Bubner, Konrad Cramer, Reiner Wiehl. (Hrsg.): Teleologie. neue hefte für philosophie. Band 20 Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1981, S. 63.


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