Tobias Heß

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Tobias Heß oder Hess, (* 1558 in Nürnberg; † 1614 in Tübingen) war ein deutscher Jurist, Theosoph und Mediziner in Tübingen, der sich auch mit Theologie befasste. Er war eine der zentralen Persönlichkeiten eines Gelehrtenkreises in Tübingen, aus der die Rosenkreuzer-Bewegung hervorgegangen ist.

Zu dem Kreis gehörten lutheranische Theologen und Juristen, zum Beispiel Christoph Besold, Tobias Adami, Wilhelm Bidembach von Treuenfels, Samuel Hafenreffer, Abraham Hölzel, Thomas Lansius, Wilhelm Schickard und Johann Valentin Andreae,[1] dem die Verfasserschaft der wichtigsten Schriften der Rosenkreuzer zugeschrieben wird, einer wahrscheinlich fiktiven Geheimgesellschaft, die damals einen Zeitgeist traf und große öffentliche Resonanz fand. Ihr Manifest erschien 1614 in Kassel, zirkulierte aber schon vorher in Manuskriptform. In die Bewegung flossen Ideen aus Alchemie, Kabbala, lutheranischem Reformgeist und christlicher Utopie ein.

Hess studierte in Jena, Erfurt, Altdorf bei Nürnberg und Tübingen, wo er 1592 zum Dr. jur. promoviert wurde. Er befasste sich mit Medizin, Alchemie und Pharmazie im Rahmen der Schule von Paracelsus und praktizierte auch als paracelsianischer Arzt (was ihn aber in Konflikt mit den ansässigen Ärzten brachte).

Er war ein Anhänger des Marbacher Theologen Simon Studion, der durch Buchstabenrechnungen (Naometria) zum Bibeltext chiliastische Offenbarungen über ein in Kürze (1603, 1613 oder 1620) anbrechendes goldenes Zeitalter der Herrschaft Christi herauslas, ähnlich wie bei den Visionen und der Lehre der drei Zeitalter von Joachim von Fiore. Die utopischen und alchemistischen Ideen von Hess beeindruckten Andreae tief.[2]

Andreae widmete ihm zwei Texte, veröffentlichte unter seinem Namen Thecla gladii spiritualis (Straßburg 1616)[3] und veröffentlichte einen Nachruf (Tobiae Hessi, Viri imcomparabilis, immortalitas. Straßburg: Lazarus Zetzner 1619).

Literatur

  • Martin Brecht: Johann Valentin Andreae. Weg und Programm eines Reformers zwischen Reformation und Moderne. In: Martin Brecht (Hrsg.): Theologen und Theologie an der Universität Tübingen. Beiträge zur Geschichte der Evangelisch-Theologischen Fakultät. Tübingen, 1977, S. 270–343
  • Carlos Gilly (Hrsg.): Johann Valentin Andreae. Die Manifeste der Rosenkreuzerbruderschaft 1586–1986, Katalog einer Ausstellung der Bibliotheca Philosophica Hermetica, Hermes 3, Amsterdam 1986,
  • Carlos Gilly, F. Niewöhner (Hrsg.): Das Rosenkreuz als europäisches Phänomen im 17. Jahrhundert, Bibliotheca Philosophica Hermetica, Pimander, Band 7. Pelikaan, Amsterdam, Frommann-Holzboog, Stuttgart 2002.

Einzelnachweise

  1. Zu weiteren Mitgliedern auch aus der Zeit nach dem Tod von Hess siehe den Artikel Johann Valentin Andreae
  2. Martin Brecht Das Aufkommen der neuen Frömmigkeitsbewegung in Deutschland, in: Martin Brecht, Geschichte des Pietismus, Band 1, Das frühe 17. und 18. Jahrhundert, Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht 1993, S. 154
  3. Er nutzte den Namen nach dem Tod seines Freundes, da er darin z.B. Sympathien für Kaspar Schwenckfeld bekundete und seine Stellung als Theologe nicht gefährden wollte.
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