Walküre

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Edward Robert Hughes: Die Nachtwache der Walküre

Die Walküre (von altnord. valkyrja, abgeleitet von valr, „die auf dem Schlachtfeld liegenden Leichen“, und kjósa, „wählen, küren“) ist nach der nordischen Mythologie ein weibliches Geistwesen im Gefolge Odins, das die in der Schlacht ehrenvoll Gefallenen (Einherjer) nach Walhall geleiten. Durch ihre schicksalhafte Bedeutung für den gefallenen Krieger stehen sie in enger Beziehung zu den Nornen, Fylgien und Disen.

"Während der atlantischen Zeit wußten die Menschen: Geradeso wie ich im Schlafe, wenn ich aus dem physischen und dem Ätherleibe heraus bin, in das Reich der Götter aufsteige, so steige ich nach dem Tode in das Reich der Götter hinauf; sie sind mir etwas Bekanntes, dort kann ich ihnen wieder begegnen. - Und als eine Art von Strafe lernte man es empfinden, wenn der Mensch nach dem Tode zeitweilig der Möglichkeit entzogen war, zu den Göttern aufzublicken, in ihre Gemeinschaft aufgenommen zu werden, wenn er eine gewisse Prüfungszeit nach dem Tode durchzumachen hatte, weil er sich zu sehr in das materielle Leben verstrickt hatte. Diejenigen Menschen aber, die in der Lage waren, das materielle Leben nicht höher einzuschätzen als etwas anderes Nichtmaterielles, von denen war man überzeugt, daß sie nicht von der materiellen Welt zurückgehalten wurden, sondern daß sie gleich nach dem Tode in das Reich des Geistes eintreten konnten, das ihnen ja wohlbekannt war. Nach der Gesinnung derjenigen Völker, welche sich über Europa ausbreiteten, betrachtete man nun vor allen Dingen denjenigen Menschen als nicht am materiellen Leben hängend, der auf dem Schlachtfelde tapfer kämpfte, der den Tod als Krieger fand, der die Ehren des Krieges höher schätzte als das Materielle. Und von einem solchen war man überzeugt, daß er unmittelbar nach dem Tode irgendeiner Gottheit ansichtig wurde. Wer aber nicht als Krieger auf dem Schlachtfelde sterben konnte, wer nicht ein geistiges Gut höher schätzen gelernt hatte als das materielle Leben, von dem sagte man, daß er den Strohtod starb, daß er nicht reif war, unmittelbar aufgenommen zu werden in das Reich des Geistes, daß er vorher in ein Reich eintreten mußte, in dem er gewisse Prüfungen durchzumachen hatte. Und die Begegnung mit der Walküre ist der Ausdruck für diese Gesinnung in Verknüpfung mit der Erinnerung an das alte Hellsehen. Man stellte sich mit Recht vor, daß derjenige, der den Tod auf dem Schlachtfelde fand, aufgenommen wurde von der Walküre; und es liegt ganz im Stile einer solchen Vorstellungsart, wenn sich das, was sich so in Europa herausgebildet hatte, in dieser alten Zeit herausgestaltete als die Symbolik für die Einweihung. In anderen Völkern hatten sich andere Vorstellungen ausgebildet; innerhalb der europäischen Gegend aber galt persönliche Tapferkeit und Tüchtigkeit als das Wertvollste.

Nun verstand man immer mit Recht unter der Einweihung, daß der Mensch schon während des Lebens erfahren kann, was er normalerweise erst nach dem Tode erfährt: die unmittelbar erlebte Gemeinschaft mit der geistigen Welt. Wie der Krieger die Begegnung mit der Walküre erst auf dem Schlachtfelde erlebte, so war es klar, daß derjenige, der die Einweihung suchte, diese Begegnung schon im physischen Leben erleben mußte. Und als der letzte der Einweihungshelden galt innerhalb eines Teiles von Europa Siegfried, der sich in der Siegfriedgestalt erhalten hat. Daher erzählt die Sage, daß er sich mit der Walküre während des Lebens verbindet, wie der Krieger es auf dem Schlachtfelde tut. So sehen wir, wie für den einzelnen Menschen im Kleinen alles zusammenstimmt, was im Großen für das Prinzip der Einweihung gilt." (Lit.: GA 105, S. 149ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Welt, Erde und Mensch , GA 105 (1983), ISBN 3-7274-1050-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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