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Zweiundsiebzig Sprachen

Aus AnthroWiki

Zweiundsiebzig Sprachen und zweiundsiebzig Völker waren nach mittelalterlicher christlicher Tradition das Ergebnis des Turmbaus zu Babel und der darauf folgenden babylonischen Sprachverwirrung (Gen 11,1-9 EU). Die Zahl geht auf die Völkertafel der Genesis (Gen 10 EU) zurück, welche die Nachkommen Noahs aufführt und geographisch einordnet.

Die Söhne Noahs hießen Sem (sem „Name“, „Ruhm“), Ham (xam „Sonnenbrand“) und Japhet („Ausbreitung“). Die semitischen Völker befanden sich laut Überlieferung in Vorderasien, die hamitischen lagen im Süden und die japhetitischen besiedelten Westen, Norden und Osten der damals bekannten Welt. In der mittelalterlichen Tradition wurden die drei Söhne Noahs darum auch mit den drei Kontinenten Asien, Afrika und Europa in Beziehung gesetzt. Da sich jede christliche Nation von Armenien über Portugal bis Island auf dieser Völkertafel zu erkennen glaubte, wurde die Tafel bis in die Neuzeit hinein häufig neu ausgelegt.

Die Sprachverwirrung soll der christlichen Lehre zufolge durch das Pfingstwunder überwunden worden sein.

Die jüdische Überlieferung spricht von 70 Sprachen.

In der sowjetischen Sprachwissenschaft des 20. Jh. hat Nikolai Jakowlewitsch Marr durch seine japhetitische Sprachtheorie die Annahme eines japhetitischen Sprachzweigs als „drittem ethnischem Element im Bildungsprozess der mittelländischen Kultur“ noch einmal wiederbelebt.

Literatur

  • Harald Specht: Der Jahwe-Code. Auf den Spuren der heiligen Zahl 72, Leipzig 2011, ISBN 978-3-86268-375-8
  • Friedrich Braun: Die Urbevölkerung Europas und die Herkunft der Germanen; Berlin, Stuttgart, Leipzig: W. Kohlhammer, 1922; Japhetitische Studien, Bd. 1
  • Nikolaj Jakovlevic Marrn: Der japhetitische Kaukasus und das dritte ethnische Element im Bildungsprozess der mittelländischen Kultur; Berlin, Stuttgart, Leipzig: W. Kohlhammer, 1923; Japhetitische Studien zur Sprache und Kultur Eurasiens, Bd. 2
  • Tasso Borbé (Hg.): Kritik der marxistischen Sprachtheorie N. Ja. Marr’s; Kronberg (Ts.): Scriptor-Verlag, 1974; ISBN 3-589-20021-9; (Enthält u. a.: Nikolaj Ja. Marr. Die japhetitische Theorie)
  • Arno Borst: Der Turmbau von Babel. Geschichte der Meinungen über Ursprung und Vielfalt der Sprachen und Völker; 4 Bände; Stuttgart: Hiersemann, 1957–1963 ; München: dtv, 1995; ISBN 3-423-59028-9
Dieser Artikel basiert ganz oder teilweise auf einer für AnthroWiki adaptierten Fassung des Artikels Zweiundsiebzig Sprachen aus der freien Enzyklopädie de.wikipedia.org und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.