Turmbau zu Babel

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Die Sprachverwirrung, Bibelillustration von Gustave Doré (1865)

Der Turmbau zu Babel und die sich daran anschließende babylonische Sprachverwirrung ist eine der bekanntesten Erzählungen des Alten Testaments.

„1 Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. 2 Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. 3 Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! - und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel 4 und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. 5 Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. 6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. 7 Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! 8 So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. 9 Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.“

Altes Testament: Gen 11,1-9 LUT

Turmbau und Persönlichkeitsentwicklung

"Dann aber hatte gerade das babylonische Volk die Aufgabe, diesen lebendigen spirituellen Zusammenhang des Menschen mit der geistigen Welt herunterzuführen in das Persönliche, da wo die Persönlichkeit auf sich gestellt ist in ihrer Einzelheit, in ihrer Sonderheit. Das war die Aufgabe der Babylonier, die spirituelle Welt in den physischen Plan hinunterzuführen. Und verbunden damit ist, daß dieses lebendige Gefühl, dieses spirituelle Gefühl für die Sprache aufhört und die Sprache sich richtet nach Klima, nach geographischer Lage, nach der Volksrasse und dergleichen. Daher schildert uns die Bibel, die über diese Dinge Richtigeres erzählt als die Phantastereien des sich Sprachforscher nennenden Herrn Fritz Mauthner, daher schildert sie uns diese wichtige Tatsache in dem babylonischen Turmbau, wo alle eine gemeinsame Sprache sprechenden Menschen der Erde zerstreut werden. Auch diesen babylonischen Turmbau können wir spirituell verstehen, wenn wir wissen, wie in alten Zeiten gebaut wurde. Solche Gebäude, welche zu dem Zwecke gebaut wurden, gewisse der heiligen Weisheit gewidmete Handlungen vorzunehmen, oder welche Wahrzeichen sein sollten für die heiligen Wahrheiten, solche Gebäude wurden in alten Zeiten in den Maßen gebaut, die entweder vom Himmel oder vom Menschen genommen waren. Und das ist im Grunde genommen dasselbe; denn der Mensch ist als Mikrokosmos eine Nachbildung des Makrokosmos, so daß die Maße, welche in die Pyramide hineingeheimnißt sind, vom Himmel und vom Menschen genommen sind.

Wenn wir also in alte Zeiten zurückgehen könnten, in verhältnismäßig frühe Zeiten, da würden wir bei den Kultbauten überall finden symbolische Nachahmungen der Menschen- oder Himmelsmaße. Länge, Breite und Tiefe, die Art und Weise, wie das Innere architektonisch gestaltet wurde, alles das war nachgebildet den Himmelsmaßen oder denen des menschlichen Leibes. Aber es war das eben so geschehen: Wo man ein lebendiges Bewußtsein hatte von dem Zusammenhang des Menschen mit der spirituellen Welt, da waren die Maße heruntergeholt aus der spirituellen Welt. Wie mußte es denn in der Zeit werden, in welcher heruntergeführt werden sollte die menschliche Erkenntnis sozusagen vom Himmel auf die Erde? Von dem allgemeinen Spirituell- Menschlichen zu dem Menschlich-Persönlichen? Da konnten die Maße nurmehr genommen werden vom Menschen selbst, von der menschlichen Persönlichkeit, insofern sie Ausdruck ist der einzelnen Ichheit. Das aber mußte der babylonische Turm werden, die Kultstätte derjenigen, die nurmehr von der Persönlichkeit die Maße hernehmen sollten. Aber zu gleicher Zeit mußte gezeigt werden, daß die Persönlichkeit erst nach und nach reif werden muß, wiederum hinaufzusteigen in die geistigen Welten. Wir haben gesehen, es mußte erst durch den vierten und fünften Zeitraum durchgegangen werden, um wiederum hinaufzusteigen. Damals war es nicht möglich gewesen, in die Welt der spirituellen Regionen einfach wieder hinaufzusteigen. Das ist damit gemeint, daß der babylonische Turmbau eine mißglückte Sache sein mußte, daß man den Himmel noch nicht mit dem erreichen konnte, was aus der menschlichen Persönlichkeit genommen werden konnte. Ungeheuer Tiefes liegt in diesem Weltsymbolum, in dem babylonischen Turmbau, durch den die Menschen auf ihre einzelne menschliche Persönlichkeit beschränkt worden sind, auf das, was die Persönlichkeit in irgendeinem Volke unter einzelnen besonderen Verhältnissen werden konnte." (Lit.: GA 126, S. 67ff)

Literatur

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