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Avestische Sprache

Aus AnthroWiki
(Weitergeleitet von Avestisch)

Avestisch (wissenschaftliche Schreibung, eingedeutscht auch Awestisch) ist eine der zwei belegten altiranischen Sprachen. Der Name leitet sich von Avesta, dem heiligen Buch des Zoroastrismus, ab. Avestisch bildet als ostiranische Sprache zusammen mit dem südwestiranischen Altpersisch die am frühesten belegten iranischen Sprachen.

Das Avestische, wie es im Avesta überliefert ist, lässt sich in zwei Sprachstufen bzw. Dialekte einteilen. Das Altavestische der Gathas und die jüngere Form, in der der größte Teil des Yasnas verfasst ist.

Das Altavestische hat neben dem Altindischen einen Gutteil der ursprünglich indogermanischen Grammatik erhalten und weist einen rein indogermanischen Wortschatz auf. So kennt es alle ursprünglichen proto-indogermanischen Zeiten, acht Fälle, drei Geschlechter und drei Numeri. Es bestehen Ähnlichkeiten zur Sprache der Veden. Sprachwissenschaftliche Untersuchungen datieren das Altavestische auf die Zeit zwischen 1200 v. Chr. und 600 v. Chr.

Das jüngere Avestische entwickelte sich nicht direkt aus dem Altavestischen, aber aus einer diesem sehr ähnlichen Sprache. Gegenüber dem Altavestischen weist es einige lautliche Innovationen und Vereinfachungen der Grammatik auf.

Als gesprochene Sprache dürfte das Avestische um 400 v. Chr. ausgestorben sein. Danach wurde es nur mehr mündlich als Kultsprache der Priester des Zoroastrismus weitergegeben, bis das Avesta im 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. niedergeschrieben wurde.

In alt- und mittelpersischer Zeit sind Wörter aus dem Avestischen ins Persische übernommen worden. Persisch und Avestisch sind beide iranischen Ursprungs, waren aber bereits in der altpersischen Zeit untereinander verschieden.

Das in den europäischen Sprachen verbreitete Wort Paradies ist über lat. paradīsus und altgriech. παράδεισος ‚(Wild-)Park, Palastgarten‘ aus dem Avestischen entlehnt: pairi.daēza- bedeutet eigentlich ‚ummaueren, umwallen‘ beziehungsweise substantivisch ‚eine ringsum-, rundumgehende, sich zusammenschließende Umwallung, Ummauerung‘.

Siehe auch

Literatur

  • Karl Hoffmann, Bernhard Forssman: Avestische Laut- und Flexionslehre. 2., durchges. und erw. Aufl. Innsbruck: Inst. für Sprachen und Literaturen, Abt. Sprachwiss., 2004 (Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft; 115), ISBN 3-85124-652-7
Dieser Artikel basiert ganz oder teilweise auf einer für AnthroWiki adaptierten Fassung des Artikels Avestische Sprache aus der freien Enzyklopädie de.wikipedia.org und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.