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Wetware

Aus AnthroWiki
Version vom 14. Mai 2023, 11:07 Uhr von Odyssee (Diskussion | Beiträge)
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Wetware ist ein Begriff, der in der Informatik, Neurowissenschaft, Biotechnologie und Cyberkultur verwendet wird und auf biologische Systeme, insbesondere das menschliche Gehirn, anspielt. Die Bezeichnung ist ein Wortspiel aus Hardware und Software und bezieht sich auf die „lebende“ Komponente in technologischen Systemen (Clancy et al., 2017).[1]

Ursprünge und Bedeutung des Begriffs „Wetware“

Der Begriff „Wetware“ wurde erstmals in den 1980er Jahren von Rudy Rucker, einem amerikanischen Mathematiker, Schriftsteller und Philosophen, geprägt (Rucker, 1988).[2] Rucker verwendete den Begriff in seinem Roman „Wetware“ (1988), um auf die biologischen und mentalen Prozesse im menschlichen Körper und Gehirn hinzuweisen, die der Hardware und Software in Computern ähneln.

Der Begriff hat sich seitdem weiterentwickelt und wird heute verwendet, um auf die biologische Komponente von Technologien oder Systemen hinzuweisen, die Hardware, Software und Wetware kombinieren.[1] Das menschliche Gehirn und Nervensystem sind Beispiele für Wetware, während Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik als Hardware und Software betrachtet werden können.

Anwendung in verschiedenen Disziplinen

Neurowissenschaft und Kognitionswissenschaft

In der Neurowissenschaft und Kognitionswissenschaft beschäftigt man sich mit der Erforschung des menschlichen Gehirns und seiner kognitiven Funktionen, wie Denken, Lernen, Erinnern und Wahrnehmen.[3] Wetware bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die neuronale Grundlage dieser Funktionen und auf die Untersuchung von Gehirnstrukturen und -prozessen, die dem menschlichen Verhalten und Kognition zugrunde liegen.

Biotechnologie und Synthetische Biologie

In der Biotechnologie und Synthetischen Biologie wird Wetware verwendet, um auf lebende Zellen und Organismen hinzuweisen, die genetisch modifiziert oder synthetisiert wurden, um bestimmte Funktionen auszuführen oder Produkte herzustellen.[4] Ein Beispiel ist die Entwicklung von Biocomputern, bei denen biologische Materialien wie DNA, Proteine und Zellen als Rechenwerkzeuge eingesetzt werden.[5]

Mensch-Computer-Interaktion und Neuroprothetik

Im Bereich der Mensch-Computer-Interaktion und Neuroprothetik geht es um die Entwicklung von Schnittstellen zwischen dem menschlichen Gehirn und Computern oder Prothesen.[6] Wetware bezieht sich hier auf die neuronale Schnittstelle, die es ermöglicht, Informationen zwischen dem Gehirn und externen Geräten auszutauschen und zu empfangen. Beispiele für solche Technologien sind Brain-Computer Interfaces (BCI), die es ermöglichen, Geräte mit Gedanken zu steuern[7], oder neuronale Implantate, die verlorene sensorische oder motorische Funktionen wiederherstellen können.[8]

Ethische Fragen

Der Einsatz von Wetware in der Forschung und Technologie wirft eine Reihe von ethischen Fragen auf, die von Datenschutz und Privatsphäre bis hin zu Fragen der menschlichen Identität und Autonomie reichen.[9] Einige der wichtigsten ethischen Fragen sind:

Datenschutz und Privatsphäre

Die Verwendung von Wetware-Technologien wie BCIs könnte potenziell dazu führen, dass Informationen über individuelle Gedanken, Emotionen oder Erinnerungen ohne Zustimmung der betroffenen Personen zugänglich gemacht werden.[10] Dies wirft Fragen zum Datenschutz und zur Privatsphäre auf, insbesondere in Bezug auf den Schutz sensibler Informationen und die Kontrolle darüber, wer Zugang zu diesen Informationen hat.

Autonomie und Verantwortung

Die Integration von Wetware in technologische Systeme könnte dazu führen, dass die Grenzen zwischen menschlicher und maschineller Kontrolle verschwimmen.[11] Dies wirft Fragen zur Autonomie und Verantwortung auf, beispielsweise in Bezug darauf, wer für Entscheidungen oder Handlungen verantwortlich ist, die von Wetware-gestützten Systemen getroffen oder ausgeführt werden, und inwieweit die beteiligten Personen die Kontrolle über ihre eigenen Gedanken und Handlungen behalten.

Menschliche Identität und Human Enhancement

Die Verwendung von Wetware zur Verbesserung oder Erweiterung menschlicher Fähigkeiten, wie zum Beispiel durch kognitive oder sensorische Implantate, wirft Fragen zur menschlichen Identität und zum Wesen des Menschseins auf.[12] Dies beinhaltet Fragen darüber, wie solche Technologien die menschliche Natur verändern könnten und welche ethischen Grenzen bei der Anwendung dieser Technologien gezogen werden sollten.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Hochspringen nach: 1,0 1,1 Clancy, K. B., Elías-Wolff, F., & Sims, N. (2017). Wetware: A computer in every living cell. The Yale Journal of Biology and Medicine, 90(3), 481-487.
  2. Rudy Rucker: Wetware. Avon Books, New York 1988.
    • Deutsch: Rudy Rucker, Kurt Bracharz (Übersetzer): Wetware. Heyne Verlag 2014. ASIN B00OO5NILU (eBook)
  3. Churchland, P. S. (2007). Neurophilosophy: the early years and new directions. Functional Neurology, 22(4), 185-195.
  4. Endy, D. (2005). Foundations for engineering biology. Nature, 438(7067), 449-453.
  5. Benenson, Y. (2012). Biomolecular computing systems: principles, progress and potential. Nature Reviews Genetics, 13(7), 455-468.
  6. Nicolelis, M. A. (2003). Brain-machine interfaces to restore motor function and probe neural circuits. Nature Reviews Neuroscience, 4(5), 417-422.
  7. Wolpaw, J. R., Birbaumer, N., McFarland, D. J., Pfurtscheller, G., & Vaughan, T. M. (2002). Brain-computer interfaces for communication and control. Clinical Neurophysiology, 113(6), 767-791.
  8. Bensmaia, S. J., & Miller, L. E. (2014). Restoring sensorimotor function through intracortical interfaces: progress and looming challenges. Nature Reviews Neuroscience, 15(5), 313-325.
  9. Farah, M. J. (2012). Neuroethics: the ethical, legal, and societal impact of neuroscience. Annual Review of Psychology, 63, 571-591.
  10. Yuste, R., Goering, S., Arcas, B. A. Y., Bi, G., Carmena, J. M., Carter, A., ... & Fins, J. J. (2017). Four ethical priorities for neurotechnologies and AI. Nature News, 551(7679), 159-163.
  11. Cerullo, M. A. (2015). Uploading and branching identity: the loss and recovery of the self. Journal of Evolution and Technology, 25(2), 1-15.
  12. Bostrom, N., & Sandberg, A. (2009). Cognitive enhancement: methods, ethics, regulatory challenges. Science and Engineering Ethics, 15(3), 311-341.